FC Barcelona Femení, auch als Barça Femení bezeichnet, ist ein professionelles Frauenfußballteam aus Barcelona in Katalonien. Die seit 2002 bestehende Frauenfußballabteilung des FC Barcelona tritt in der Primera División (Liga F), der höchsten Spielklasse des spanischen Frauenfußballs an und trägt seine Heimspiele im Estadi Johan Cruyff am Trainingsgelände Ciutat Esportiva Joan Gamper in Sant Joan Despí oder im Camp Nou aus.
Der FC Barcelona ist mit mehr als 30 gewonnenen Trophäen seines Femení Teams der erfolgreichste Verein und alleinige Rekordhalter in allen nationalen Wettbewerben des spanischen Frauenfußballs. Seit der Professionalisierung der Frauenabteilung des Vereins im Jahre 2015 hat sich Barça auch zum erfolgreichsten Team Spaniens in der UEFA Women’s Champions League entwickelt und mit dessen Titelgewinn 2021 ist Barça Femení zum einem die erste spanische Champions-League-Siegerin sowie durch das in derselben Saison gewonnene Double, aus Meisterschaft und Pokal, das erste Frauenteam Spaniens mit einem „Triple“ im Fußballsport und zum anderen weltweit der erste Verein der sowohl mit seinem Männer- als auch seinem Frauenteam den höchsten kontinentalen Titel samt Triple gewann. Im Ligajahr 2021/22 gelang dem Team die perfekte Saison in der Liga F.
Geschichte 1970–2002: Gründung mittels Charity-Match Die Peña Femenina Barcelonista, Vorgänger der jetzigen Frauenmannschaft, wurde im Herbst 1970 von der 18-jährigen Immaculada „Imma“ Cabecerán gegründet, indem sie sich mit dem damaligen Barça Präsident Agustí Montal am Vereinsgelände traf. In Spanien, sowie vielen weiteren europäischen Ländern war es Frauen verboten Fußball zu spielen, Cabecerán war aber davon überzeugt, dass es viele Mädchen und Frauen gäbe, die die Sportart gerne ausüben würden und wollte mit Hilfe des FC Barcelona eine Mannschaft formieren. Montal sicherte ihr die Unterstützung des Vereins zu, wenn sie genügend Frauen fände, um ein Team zu bilden.
mini|links|Die erste Frauenmannschaft Barcelonas vor dem Charity-Spiel im Dezember 1970 Am 17. November 1970 suchte Cabecerán nach Interessentinnen im Alter von 18 bis 25 durch Inserate in Lokalzeitschriften, eine Vorgehensweise die auch schon der Schweizer Joan Gamper 1899 hatte und so den späteren FC Barcelona gründete. Es fanden sich rasch insgesamt 17 Frauen, die in der Folge vom ehemaligen Barcelona-Spieler Antoni Ramallets einige Wochen lang trainiert wurde und am 25. Dezember 1970 erfolgte ein Charity-Spiel vor mehr als 60.000 Zuschauern im Camp Nou. Die Einnahmen gingen als Spenden an örtliche Kinderkrankenhäuser. Die Partie gegen Unió Esportiva Centelles endete in einem Sieg nach Elfmeterschießen für die Frauen aus Barcelona. Obwohl die Mannschaft dem Verein nicht offiziell zugehörig war, und somit auch nicht die Vereinsfarben tragen durfte, wird es heute dennoch als das erste Spiel einer Frauenmannschaft des FC Barcelona gesehen. Die Mannschaft der 17 Frauen blieb einige Jahre bestehen und Ramallets trainierte sie bis 1972.
In den 1980er Jahren wurde das Frauenteam in Club Femení Barcelona umbenannt. Sie einigten sich mit dem FC Barcelona auf eine informelle Vereinbarung, in der ihnen die Nutzung der Farben, Abzeichen und Einrichtungen des Vereins gestattet wurde. Es dauerte jedoch einige Jahre, bis auch das Wappen übernommen wurde. Am 29. Juni 1985 gewann das Team seinen ersten Wettbewerb – den Generalitat Cup.
Das Team war 1988 ein Gründungsmitglied der ersten anerkannten Frauenliga Spaniens, der Liga Nacional. Eine erfolgreiche Phase konnte die Mannschaft in den 1990er Jahren durchleben, indem man 1994 mit dem Gewinn der Copa de la Reina den ersten Pokalerfolg verbuchen konnte, und 1992 Vizemeister wurde. Man stieg aber 1996 in die Zweitklassigkeit ab. Im Jahr 2001 wurde die spanische Liga reformiert und in Superliga Femenina umbenannt, Barcelona wurde jedoch aufgrund der schlechten Ergebnisse in der vorherigen Saison nicht in die höchste Spielklasse aufgenommen.
2002–2007: Aufnahme in die Barça-Vereinsstruktur Im Jahr 2002 integrierte der FC Barcelona den Club Femení Barcelona offiziell in seine Vereinsstruktur und erschuf eine eigene Abteilung inklusive Jugendförderung für Frauenfußball. Der Verein benannte die Frauenabteilung mit der Übernahme in den katalanischen Namen Futbol Club Barcelona Femení um.
Barcelona blieb nach zwei erfolglosen Auftritten in den Aufstiegs-Playoffs in der zweiten Liga, stieg jedoch nach drei Jahren schließlich 2004 wieder in die Superliga Femenina auf.
Nach dem Aufstieg erhielt die Mannschaft in der Saison 2004/05 vermehrt Beliebtheit, aufgrund der Verpflichtungen der mexikanischen Nationalspielerin Maribel Domínguez und der Spanierin María Luisa Coimbra. Die Neuzugänge führten jedoch nicht zu hochwertigen Ergebnissen und Natalia Astrain, Cheftrainerin seit 2002, wurde im Sommer 2006 entlassen. Xavi Llorens wurde daraufhin als Nachfolger von Astrain als Trainer eingestellt, doch Llorens konnte die Mannschaft in der Superliga nicht halten. Am Ende der Saison 2006/07 stieg die Mannschaft aus der Superliga ab und der Verein erwog daraufhin sogar, die Frauenabteilung aufzulösen. Die Überlegungen der Vereinsführung wurden jedoch nicht vollzogen und das Frauenteam bestand weiterhin.
2007–2015: Erste Meisterschaften und Champions-League-Debüt Mit Llorens schaffte man in der Saison 2007/08 den ersten Platz in der zweiten Liga und die Mannschaft kehrte somit in die Superliga zurück. Barcelona gehört seitdem wieder ununterbrochen der Primera División an und festigte sich zwischen 2009 und 2011 an der Spitze der Ligatabelle. Im Juni 2011 erreichte die Mannschaft das Finale der Copa de la Reina und schlug den Stadtrivalen Espanyol Barcelona mit 1:0 nach Verlängerung, der erste Pokalsieg Barcelonas seit 1994.
Man konnte am Pokalerfolg anknüpfen und gewann 2011/12 mit der damaligen Rekordzahl von 94 Punkten die erste nationale Meisterschaft. Dadurch qualifizierte sich Barcelona erstmals für die UEFA Women’s Champions League, schied nach einer Runde jedoch wieder aus dem Wettbewerb aus. Die Meisterschaft wurde 2013 mit einem Auswärtssieg am letzten Spieltag gegen Athletic Bilbao erfolgreich verteidigt, und Wochen später gewann Barcelona mit einem 4:0-Sieg über Prainsa Zaragoza erneut den spanischen Pokal. Sie waren damit eine von fünf Mannschaften, die das spanische Double gewinnen konnten.
In der Liga konnte man sich weiterhin an der Spitze beweisen und wurde 2014 sowie 2015 spanischer Meister. Barcelona war somit die erste Mannschaft in der spanischen Frauenliga, die vier Meistertitel in Folge gewann. Mit dem Erreichen des Viertelfinales 2013/14 in der Champions League machte man auch international Fortschritte. Die erste Viertelfinalteilnahme eines spanischen Frauenfußballteams endete jedoch mit einer 5:0-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg.
2015–2019: Professionalisierung und erstes Champions-League-Finale mini|Barcelonas Startaufstellung im ersten Champions-League-Finale in der Vereinsgeschichte Im Sommer 2015 fasste der Verein die Entscheidung, die Frauenabteilung zu professionalisieren, und in den folgenden Spielzeiten legte Barcelona einen größeren Wert auf Erfolge in der Champions League. Der vermehrte Fokus auf eine erfolgreiche Teilnahme in der Champions League trug rasch Früchte. Der Verein erreichte in der Saison 2016/17 sein erstes Halbfinale der Women’s Champions League und sorgte damit für das bis dahin beste Abschneiden eines spanischen Vertreters in der Champions League. Ab 2015 schaffte es die Mannschaft jährlich mindestens ins Viertelfinale des Wettbewerbs.
Barcelonas sportliche Dominanz im spanischen Frauenfußball wurde seit 2015 von Atlético Madrid herausgefordert und beide Mannschaften lieferten sich jährlich ein enges Rennen um die Meisterschaft, sowie im Pokalwettbewerb. Atlético sicherte sich drei Spielzeiten in Folge die spanische Meisterschaft (2017, 2018, 2019); Barcelona blieb der ewige Verfolgte und wurde dreimal Vizemeister. So trennte die beiden Klubs in der Saison 2017/18 nur ein Punkt Unterschied in der Ligatabelle. Im Titelrennen 2018/19 kam es im direkten Aufeinandertreffen in der Liga zu einer besonderen Kulisse. Das Spiel wurde am 17. März 2019 im Wanda Metropolitano vor 60.739 Zuschauern ausgetragen und brach somit den damaligen Weltrekord für die Zuschaueranzahl eines Frauenfußballspiels auf Klubebene. Zweitplatzierter Barcelona besiegte die Madrilenen auswärts zwar mit 2:0, diese wurden jedoch erneut spanischer Meister.
Der spanische Pokal war ebenfalls Schauplatz dieses Duells, beide Mannschaften erreichten von 2016 bis 2018 stets das Endspiel. In dieser Phase konnte der Pokal dreimal von Barcelona gewonnen werden. Nur das Finalspiel 2015/16 entschied Atlético für sich. Im vorerst letzten Aufeinandertreffen im Pokalfinale am 2. Juni 2018 besiegte Barcelona Atlético mit 1:0 durch einen Treffer von Mariona Caldentey in der letzten Spielminute der Nachspielzeit.
Im Sommer 2015 entschied sich zudem Stürmerin Sonia Bermúdez nach vier Spielzeiten bei Barcelona für einen Wechsel zu Atlético Madrid. Die spanische Nationalspielerin war mit ihren 85 Toren in 87 Spielen ein Eckpfeiler der bisherigen Erfolge in der Liga für die Katalaninen.
mini|links|Lluis Cortes, Trainer Barcelonas von 2019 bis 2021 Im Sommer 2017 kam es im Team zu erheblichen Veränderungen. Xavi Llorens legte nach elf Jahren sein Amt als Cheftrainer nieder. Mit ihm entwickelte sich Barcelona zur Topmannschaft im spanischen Frauenfußball und konnte sich auch in der Champions League immer mehr beweisen. Er gewann mit den Katalaninen vier Meistertitel, viermal die Copa de la Reina und sechsmal die Copa Catalunya (katalanischer Pokal). Der Verein heuerte als neuen Trainer Fran Sánchez an und verpflichtete in diesem Sommer mehrere große Namen des internationalen Fußballs – darunter Lieke Martens, Toni Duggan und Élise Bussaglia. Von Konkurrent Atlético Madrid holte man Innenverteidigerin Mapi León. Der Wechsel war mit einer Ablösesumme von 50.000 Euro der erste bezahlte Transfer in der Geschichte des spanischen Frauenfußballs.
In der Saison 2018/19 unterzeichnete Barcelona einen Werbevertrag mit Stanley Tools, dem ersten Trikotsponsor speziell für die Frauenmannschaft des Vereins. Im Januar 2019 fand erneut ein Trainerwechsel statt. Lluís Cortés war unter Fran Sánchez Assistenztrainer und wurde nach dessen Abgang neuer Cheftrainer der Mannschaft.
mini|Trophäe der UEFA Women’s Champions League In der UEFA Women’s Champions League 2018/19 konnte mit Cortés erstmals das Finale erreicht werden, nachdem man den FC Bayern München mit einem Gesamtergebnis von 2:0 im Halbfinale besiegen konnte. Am 18. Mai 2019 bestritt Barcelona in Budapest sein erstes Finalspiel in der Champions League, welches aber mit 1:4 gegen Titelverteidiger Olympique Lyon verloren wurde. Beide Vereine sind die bisher einzigen, bei denen in einer Saison Frauen und Männer der Halbfinale der Champions League erreichten. Lyon schaffte dies 2009/10, Barcelona 2018/19. Bei beiden schafften es aber nur die Frauen ins Finale, verloren dieses allerdings.
2019–2023: Erste Kontinentalmeisterschaften Nach der Finalniederlage in Budapest wurde die Mannschaft im Sommer 2019 insbesondere im Angriff verstärkt. Caroline Graham Hansen wurde vom VfL Wolfsburg verpflichtet und Jenni Hermoso, die die zwei vorherigen Saisonen bei Paris Saint-Germain und Atlético Madrid verbracht hatte, kam zurück zum FC Barcelona.
mini|links|Seit 2019 Barcelonas Heimspielstätte, dass Estadi Johan Cruyff am Trainingsgelände Ciutat Esportiva Joan Gamper Mit dem im Sommer 2019 fertig gestellten Estadi Johan Cruyff und seiner Zuschauerkapazität von 6.000 Plätzen löste dieses das frühere Mini Estadi als Spielstätte der Frauenmannschaft ab.