mini|Gutenstetten von Süden Gutenstetten ist eine Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern).

Geografie Lage Die Gemeinde liegt in den südlichen Ausläufern des Steigerwaldes. Durch das Gemeindegebiet fließen die Flüsse Steinach, Ehebach, Engelsbach und Aisch.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Uehlfeld, Dachsbach, Gerhardshofen, Diespeck und Münchsteinach.

Gemeindegliederung mini|Die Gemarkungen auf dem Gebiet der Gemeinde Gutenstetten Die Gemeinde hat sieben Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Bergtheim (Dorf) Gutenstetten (Pfarrdorf) Haag (Weiler) Kleinsteinach (Dorf, früher als „Wittgensteinach“ ein Lehen der Pfarrei Gutenstettens) Pahres (Dorf) Reinhardshofen (Kirchdorf) Rockenbach (Dorf)

Die Einöde Ziegenhof ist mittlerweile zur Wüstung geworden.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bergtheim, Gutenstetten, Pahres, Reinhardshofen und Rockenbach. Die Gemarkung Gerhardshofen hat eine Fläche von 9,047 km². Sie ist in 1033 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 8758,00 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Haag und Kleinsteinach.

Geschichte Mittelalter Die Namensendung -stete rückt Gutenstetten in die Reihe der Ortsnamen auf -stadt, für die ein hohes Alter anzunehmen ist, mit einiger Wahrscheinlichkeit noch vor der fränkischen Landnahme ab 530. Ortsnamen auf -stadt/-stedt finden sich häufig in Thüringen, dagegen kaum in Rheinfranken.Als erste urkundliche Erwähnung Gutenstettens wird gelegentlich eine Schenkungsurkunde von 772 an das Kloster Fulda angeführt, in der ein Dorf „Tuntenstetin“ genannt wird. Es handelte sich nach dem Textzusammenhang jedoch eindeutig um einen Ort im thüringischen Altgau westlich Sömmerda. Zur angeblichen Erstnennung von Gutenstetten im Jahre 772 siehe . Für ein hohes Alter des Ortes spricht auch die Lage am Schnittpunkt der Aischtalstraße mit einer von Burgwindheim herkommenden Nord-Süd-Verbindung sowie das ursprüngliche Kirchenpatrozinium St. Martin.

Im Codex Eberhardi ist eine Abschrift einer Urkunde des 9. Jahrhunderts erhalten, in der der Ort als „Tutenstete“ zusammen mit Lonnerstadt, Wachenroth und weiteren Orten des Aisch- und Ebrachgrundes erwähnt wurde. Das Grundwort ist „steti“ (ahd. Ort, Stätte), das Bestimmungswort der Personenname „Tuoto“ oder „Tuto“ (von thiud Volk). 1539 wurde diese „Hofstätte des Tuto“Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 139 (dort wird als Bestimmungswort auch „Dodo“ – von dod = Vater, Pate – erwogen). erstmals „Guttenstetten“ genannt, weil der Personenname nicht mehr geläufig war und es so zu einer Angleichung an das Adjekt „gut“ kam.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 91. Die oben genannten Orte werden in der regio sclavorum, also im Slawenland lokalisiert. Das Nachbardorf Pahres trägt in der Tat einen slawischen Ortsnamen, doch ist dies der äußerste westliche Rand des Gebiets, in dem sich im 8. bis 10. Jahrhundert Slawen niedergelassen haben. Gerade die Grafen von Schweinfurt, deren vorletzter Repräsentant der Markgraf Ezzilo (Heinrich von Schweinfurt) war, betrieben Landesausbau mit slawischen Siedlern. (Im Jahr 995 erhielt das Kloster Fulda eine Schenkung von Gutenstettener Besitz durch Ezzilo.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 93 und 139.)

Der Einfluss des Klosters Fulda auf Gutenstetten schwand im 11. Jahrhundert und verlor sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit der Gründung eigener Landesklöster wie dem Kloster Münchsteinach im Jahr 1102 völlig. Seit dem 11. Jahrhundert hatte der Würzburger Bischof (beginnend mit Besitzvergaben von Königsrecht und Königsland im Rangau und Steigerwald unter Otto III. und Heinrich II.) am Ort Herrschaftsrechte ausgeübt. Der von 1045 bis 1090 regierende Bischof Adalbero von Würzburg hatte 1056 seinem Heimatkloster Lambach in Oberösterreich die von seinem Vater Arno(ld) II. von Wels-Lambach (gestorben 1055) ererbte Pfarrei „Taotinsteten“ (zweifelsohne Gutenstetten) vermacht. Die Anrechte an Gutenstetten vermachte wahrscheinlich schon frühzeitig der Abt vom weit entfernten Kloster Lambach an den Abt von Münchsteinach.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 140 f.

Die Kirche in Gutenstetten, deren älteste Kapelle ein Frankenpatrozinium St. Martin hatte, unterstand bei der Präsentation des Pfarrers im 12. Jahrhundert dem in der Nähe gegründeten Kloster Münchsteinach St. Nikolaus, dessen Klosterpatron auf dem Gutenstettener Altar angebracht wurde. Das 1275 gegründete Nonnenkloster Birkenfeld erhielt die Lehenshoheit und gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch das Präsentationsrecht für die Gutenstettener Pfarrei.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 141.

1234 rückte der Ort in die Nähe eines Reichsdorfes, als mit königlicher Erlaubnis unter Leitung von Wilhelm von Wimpfen (einem kaiserlichen Bediensteten aus Nürnberg) ein Marktzeichen (signum forense, meist ein Kreuz mit Schwert und Handschuh) aufgerichtet wurde.Wilhelm Funk: Deutsche Rechtsdenkmäler mit besonderer Berücksichtigung Frankens. Palm & Enke, Erlangen 1938 (= Das Steinkreuz. Band 6, 1938, Heft 1/2), insbesondere S. 131 (zu Gutenstetten). Auf Betreiben benachbarter Fürsten (allen voran des Würzburger Bischofs Hermann I.) musste es König Heinrich VII. nur wenige Monate später (am 21. November 1234) wieder einziehen.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 140. 1272Helmut Reiß: Geschichtlicher Abriss Gutenstetten. 2. März 2000. oder 1280Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 140. kam Gutenstetten an die hohenzollerischen Burggrafen von Nürnberg, wurde jedoch wie zuvor schon von Dachsbach (unter oettingischer Herrschaft) aus verwaltet. 1324 erhielt Gutenstetten das Marktrecht. Im 15. Jahrhundert ging die Herrschaft über Gutenstetten von den Burggrafen an die Markgrafen über, der 1436 einen Aischfegebrief erteilte, in dem die Pflicht zur Instandhaltung des Aischbettes festgelegt wurde, in dem aber andererseits auch bekräftigt wurde, das Fischereirecht von der Kohlenmühle in Neustadt bis zu den Gutenstettener Brücken ausüben zu können.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 140–144.

In Oberwinterbach und Schornweisach verfügte die Pfarrei Gutenstetten über lehenspflichtige Kapellenhöfe. Bischof Johann von Würzburg ließ 1336 den Friedhof der Kirche befestigen. Zwischen 1350 und 1361 wurde Gutenstetten dann dem Kastenamt Neustadt zugeteilt.

Im Städtekrieg 1387–1389 litt Gutenstetten 1388 stark durch Ausplünderung und Brandstiftung. 1460/61 war der Ort erneut von Überfällen geplagt. Im Jahr 1500 entstand im 1290 gebauten, ältesten bürgerlichen Haus Gutenstettens ein Amtshaus mit Gefängnis. Das Haus (mit der Hausnummer 9) musste 1905 abgebrochen werden.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 144 und 149.

Die St.-Martins-Kirche wurde auf Anordnung des Würzburger Fürstbischofs 1484 an ihren heutigen Standort verlegt, damit der Kirchhof besser verteidigt und Platz für ein größeres Kirchengebäude geschaffen werden könne. Auf Betreiben von Wilhelmus von Abenberg (1452–1495), dem Abt des Klosters Münchsteinach, wurde der Bau der neuen Kirche in Angriff genommen, wozu er sich zur Mittelbeschaffung nach Rom zur Erbittung eines Ablasses begab und sich 1493 beim Bischof von Bamberg um Fördermittel bemühte. Der Rohbau wurde 1499 unter dem Abt Eucharius errichtet. Die Kirche wurde 1500 eingeweiht. Nachdem Eucharis 1510 um Beihilfe für die Innenausstattung gebeten hatte, konnte 1511 der von Joh. Jehen geschaffene Altar aufgestellt werden.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 140–144.

Zum Bereich der Pfarrei Gutenstetten gehörten im 14. bis 16. Jahrhundert (neben den bereits genannten und neben noch heute dazugehörigen Ortsteilen) unter anderem auch Mittelsteinach (Münchsteinach) mit der Weihermühle, Obersteinbach, „Pirkleshof (mit dem späteren Neubirkach)“, Baudenbach (ab 1438 selbstständige Pfarrei) und Unterlaimbach (ab 1468 selbstständige Pfarrei), wahrscheinlich auch Diespeck und Stübach.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 142.

Neuzeit Wie für Neustadt wurde auch für Gutenstetten erstmals 1524 eine Siebnereiordnung erlassen (Die Funktion des Obersiebners übte der Amtmann bzw. Kastner von Neustadt aus).Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 144 und 146.

Gutenstetten war für den Aischgrund der Ausgangs- und Mittelpunkt der Bauernbewegung von 1525, der aber auch viele Einwohner von Hagenbüchach, Emskirchen, Markt Erlbach und anderen Gemeinden der Region angehörten. Im April 1525 formierte sich in Gutenstetten der Bauernaufstand zur Plünderung des benachbarten Klosters Münchsteinach. Dabei wurden die Gebäude des Klosters in Brand gesetzt; der Abt Christoph von Hirschaid wurde gefangen genommen und nach Bibart verschleppt. Von Gutenstetten ausgehend erfolgten auch Brand- und Raubzüge gegen Schlösser und weitere Klöster in der Region (Dachsbach, Hohenkottenheim, Ullstadt, Sugenheim, Speckfeld, Kloster Riedfeld sowie Kloster Birkenfeld). Im Mai 1525 belagerte die durch Verstärkung aus Forchheim 3000 Mann umfassende Schar die Hauptstadt Neustadt. Dies sollte sich bitter rächen, denn noch im gleichen Monat, am 26. Mai, legten die markgräflichen Reiter das Dorf Gutenstetten (sowie auch die Ortschaften Diespeck und Stübach) in Schutt und Asche; ein Peter Hofmann wurde enthauptet.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950, S. 61–64 und 144 f.

Durch die Fürstentümer Ansbach und Kulmbach (Gutenstetten gehörte zum markgräflichen Unterland und ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis) kam im Jahre 1528 die Reformation; sie wurde 1542 endgültig in Gutenstetten eingeführt. Der die Reformation durchführende erste evangelische Geistliche in Gutenstetten hieß Leonhard (oder Linhard) Wagner († 1558). Ein 1551 im Aischgrund eingetretenes verheerendes Hochwasser führte auch in Gutenstetten zu starken Schäden. In der Kirche, die „halb Mannshoch“ überschwemmt war, findet sich die in Stein gehauene Inschrift „MDLI WAR EIN GVS BIS HI HER“ (Ein weiteres Hochwasser ist für 1585 belegt). Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552 bis 1554) wurde Gutenstetten schwer getroffen, es kam unter die Herrschaft der Nürnberger Markgrafen (1557 wurde das Land an Markgraf Georg Friedrich zurückgegeben) und das in Gutenstetten ansässige Landeskapitel und somit der (bereits 1314 in Gutenstetten unter den Dekan Bernher [= Werner] bestehende) Sitz des Dechanten bzw. Dekans wurde 1564 nach Neustadt verlegt. Die Kirche erhielt 1573 eine große, 1777 umgegossene Glocke. Im Jahr 1573 litt Gutenstetten unter einer Pestseuche, ebenso 1627.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 99, 142 f., 145, 191 und 212.