Die Bahnstrecke Plochingen–Immendingen ist eine Hauptbahn in Baden-Württemberg. Sie führt von Plochingen über Horb am Neckar nach Immendingen und folgt dabei von Plochingen bis Neckartailfingen sowie von Kirchentellinsfurt bis Rottweil dem Oberlauf des Neckars, von Tuttlingen bis zum Endpunkt schließlich der Donau. Historisch wird sie deshalb auch Obere Neckarbahn beziehungsweise Obere Neckartalbahn genannt, der Abschnitt Rottweil–Immendingen wurde früher teilweise als Obere Donaubahn respektive Obere Donautalbahn bezeichnet. Heute gehört der Abschnitt Plochingen–Tübingen zur Neckar-Alb-Bahn, der Abschnitt Tübingen–Horb zur Kulturbahn, der Abschnitt Horb–Tuttlingen zur Gäubahn und der Abschnitt Tuttlingen–Immendingen zur Donaubahn.

Geschichte Nachdem Plochingen schon 1846 durch die heutige Filstalbahn seinen Eisenbahnanschluss bekommen hatte, erweiterten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen von dort aus die Obere Neckarbahn wie folgt in Richtung Süden:

Abschnitt Konzession Eröffnung Plochingen – Reutlingen Reutlingen – Rottenburg am Neckar Rottenburg am Neckar – Eyach Eyach – Horb Horb – Talhausen Talhausen – Rottweil Rottweil – Tuttlingen Tuttlingen – Immendingen

Zu ihrer Bauzeit überquerte die – anfangs durchgehend eingleisige – Strecke zwischen Tuttlingen und Möhringen an der Donau die Grenze von Württemberg nach Baden und passierte außerdem bei Dettingen die Hohenzollernschen Lande. Deshalb schloss Württemberg am 13. März 1865 mit Preußen und am 18. Februar 1865 mit dem Großherzogtum Baden je einen Staatsvertrag, baute und betrieb die Strecke aber auf ganzer Länge selbst. Im damaligen Grenzbahnhof Immendingen bestand Anschluss an die zwei Jahre zuvor eröffnete Schwarzwaldbahn.

Mit Vollendung der Bahnstrecke Stuttgart–Horb, der sogenannten Gäubahn, im Jahr 1879 verlor der Abschnitt Plochingen–Horb etwas an Bedeutung, weil die direkte Verbindung von Stuttgart in Richtung Süden fortan durch das Korngäu führte. Im Gegensatz dazu gewann das Teilstück Horb–Immendingen zunehmend an Wichtigkeit und wies ab 1900 internationalen Schnellzugverkehr in die Schweiz, beziehungsweise in späteren Jahren auch nach Italien, auf.

Am 18. Oktober 1899 ging zwischen Plochingen und Wendlingen (Neckar) das zweite Streckengleis in Betrieb. Ab 1900 reichte dieses schon bis Neckartailfingen, ab dem 1. Oktober 1901 bis Metzingen (Württ) und ab Oktober 1902 bis Reutlingen. Später wurde es noch nach Tübingen erweitert. Bis zum 1. Oktober 1934 wurde der Abschnitt Plochingen–Tübingen im Rahmen des Stuttgarter Vorortverkehrs elektrifiziert.

Am 23. und 24. Oktober 1927 unterzeichneten das Land Württemberg und die Deutsche Reichsbahn einen Vertrag über den zweigleisigen Ausbau des Abschnitts Horb–Tuttlingen. Darin gewährte das Land der Staatsbahn einen Kredit über 35 Millionen Reichsmark (entspricht dem Gegenwert von Euro). Die Arbeiten hierfür begannen bereits 1928, doch erst 1941 war der Ausbau, bis auf einen 2,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen Aistaig und Oberndorf am Neckar, weitgehend vollendet. Dieses letzte Stück folgte 1943.Egon Hopfenzitz: Staatseisenbahn in Württemberg 1845–1994. Stuttgart 1999, Rubrik Gäubahn. Eine Vereinfachung des Betriebsablaufs ermöglichte schon zuvor die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Tuttlingen–Hattingen im Jahr 1933. Sie ersparte den Zügen von und nach Singen den Umweg über Immendingen sowie den Fahrtrichtungswechsel dort. Im Zuge der damaligen Ausbauarbeiten erweiterte die Deutsche Reichsbahn ferner die Bahnhöfe Horb und Rottweil stark und ersetzte den Bahnhof Tuttlingen durch einen großzügig dimensionierten Neubau.

Im Zweiten Weltkrieg waren insbesondere die Mauser-Werke in Oberndorf am Neckar, eine wichtige Säule der deutschen Waffenproduktion, ein bedeutender Anrainer der Strecke. Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Strecke bis Februar 1945 weitgehend von größerer Zerstörung verschont. Alliierte Fliegerbomben verursachten 1944/45 zwar schwere Schäden an den Bahnhöfen Horb, Rottweil, Spaichingen und Tuttlingen, diese unterbrachen den Verkehr jedoch nicht dauerhaft. Erst im Februar 1945 zerstörten bei einem Angriff auf Oberndorf alliierte Bomberverbände eine Brücke und unterbrachen so den Bahnverkehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Frankreich, anders als die Vereinigten Staaten, sein Recht auf Reparationen in großem Umfang wahr und demontierte 1946 das nur wenige Jahre zuvor verlegte zweite Gleis zwischen Horb und Tuttlingen.pd/mr: Gäubahn-Abschnitt wird ausgebaut. In: Eisenbahn-Revue International. 6/2019, S. 323. Es ersetzte die zuvor im Krieg von der Wehrmacht entfernten Schienen zwischen Besançon und Belfort.Dietrich Heißenbüttel: Oh, wie schön ist die Gäubahn. In: Kontext:Wochenzeitung, Ausgabe 682 vom 24. April 2024, online auf kontextwochenzeitung.de, abgerufen am 16. Juli 2024 Am 25. September 1977 folgte die Elektrifizierung des Abschnitts Horb–Tuttlingen, gleichzeitig gab die Deutsche Bundesbahn auf diesem Abschnitt die Bedienung zahlreicher Stationen auf, um durch das sogenannte Eilzugmäßige Fahren die Reisegeschwindigkeit im Nahverkehr zu erhöhen. Bei der Elektrifizierung musste die Eisenträgerbrücke der stillgelegten Bahnstrecke Balingen–Rottweil entfernt werden, um Platz für die Oberleitung zu schaffen.Beschreibung des Abschnitts Schömberg–Rottweil der Bahnstrecke Balingen–Rottweil auf vergessene-bahnen.de, abgerufen am 30. Januar 2021 Gleichfalls aus Gründen des Lichtraumprofils verläuft das verbliebene Gleis in den fünf Tunnels dieses Abschnitts seither mittig, was eine Wiederherstellung der Zweigleisigkeit erschwert.

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbahn habe durch die Elektrifizierung und die zeitgleich durchgeführte Rationalisierung von Signalanlagen ein zweigleisiger Ausbau „auf längere Zeit unterbleiben“ können, sei jedoch in kurzen Abschnitten wie Sulz–Oberndorf und Talhausen–Rottweil bereits vorher nötig.

Von 1975 bis 1978 verkehrte im Abschnitt Horb–Tuttlingen auch der kurzlebige Schnellzug des Intercity-Ergänzungssystems (DC) auf der Strecke. Die Zugpaare DC 480/483 Hegauland und DC 481/482 Schweizerland von und nach Zürich waren dabei die einzigen internationalen Verbindungen dieser Zuggattung überhaupt.

Die ehemaligen Bahnhöfe Bempflingen, Betzingen und Kirchentellinsfurt wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Haltepunkten zurückgebaut. Zudem wurden zwischen Plochingen und Tübingen praktisch alle Anschlussgleise, viele Abstellgleise sowie die Güterbahnhöfe aufgegeben und größtenteils bei Umbauten vom Hauptgleis getrennt.

Im Zuge der 2003 erfolgten Einführung des Ringzugs, der die Strecke zwischen Rottweil und Immendingen bedient, reaktivierte DB Station&Service mehrere aufgelassene Stationen und errichtete weitere neu. Der Landkreis Rottweil prüfte von Juni bis November 2008, den Ringzug-Betrieb auch auf den Abschnitt Rottweil–Horb auszuweiten. Im Gegenzug sollten aber die Regional-Express-Halte in Sulz am Neckar und Oberndorf am Neckar wegfallen.Schwarzwälder Bote (Lokalausgabe Rottweil) vom 2. Juli 2008 (nicht mehr einsehbar), 8. Februar 2012. Dieses Modell scheiterte aber schließlich am Widerstand der betroffenen Städte Oberndorf und Sulz.. Neue Rottweiler Zeitung, 3. November 2008, abgerufen am 8. Februar 2012.

Der Bahnhof Oberndorf wurde in den Jahren 2014 und 2015 für 2,9 Millionen Euro modernisiert.

Zwischen dem 6. Juni und 22. November 2016 wurden für 27 Millionen Euro zwischen Plochingen und Tübingen 28 Kilometer Gleis und 44 Weichen erneuert. Zwischen 12. November und 3. Dezember 2021 wurde der Streckenabschnitt zwischen Reutlingen und Tübingen aufgrund von Bauarbeiten voll gesperrt.

Am Bahnhof Metzingen wurde im Zuge der Einführung des Halbstundentakts auf der Ermstalbahn ein viertes Bahnsteiggleis errichtet. Das bisherige Relaisstellwerk des Bahnhofs wurde durch ein elektronisches Stellwerk (ESTW) ersetzt. Dieses ging gemeinsam mit dem neuen Bahnsteiggleis am 13. Dezember 2025 in Betrieb. Gleichzeitig ging auch eine Blockverdichtung bei Bempflingen zwischen Nürtingen und Metzingen in Betrieb, welche im Juli 2021 ausgeschrieben worden war.

Betrieb Personenverkehr Im Schienenpersonenfernverkehr wird die Strecke nur noch zwischen Plochingen und Wendlingen (Neckar) sowie zwischen Horb und Tuttlingen befahren. Auf letzterem Abschnitt verkehren stündlich Intercity-Züge der Linie 87, die auch für Fahrgäste mit Fahrkarten des Schienenpersonennahverkehrs freigegeben sind. Im reinen Nahverkehr fahren folgende Linien:

Linie Betreiber Laufweg gesamt Laufweg auf Strecke 4600 ZugdichteBaureihen RE 6a DB Regio Baden-Württemberg Stuttgart Hbf – Reutlingen – Tübingen – Sigmaringen – Aulendorf Plochingen (ohne Halt) – Tübingen Hbf Zweistundentakt (zwischen Stuttgart und Tübingen gekoppelt mit RE 6b), ergänzt durch zweistündlichen RE 6 Stuttgart – Reutlingen – Tübingen mit mehr ZwischenhaltenVT 612 RE 6b DB Regio Baden-Württemberg Stuttgart Hbf – Reutlingen – Tübingen – Rottenburg am Neckar (– Horb) Plochingen (ohne Halt) – Rottenburg am Neckar (– Horb) Zweistundentakt (zwischen Stuttgart und Tübingen gekoppelt an RE 6a)VT 612RE 6DB Regio Baden-WürttembergStuttgart Hbf-Nürtingen-Metzingen-Reutlingen-TübingenPlochingen(ohne Halt)-Tübingen HbfZweistundentakt (fährt zwischen RE6a/b)8442 6442 RE 4 DB Regio Stuttgart Hbf – Konstanz Horb – Tuttlingen Einzelne Züge (saisonal)3442 MEX 12 DB Regio Baden-Württemberg Heilbronn Hbf – Tübingen Hbf Plochingen – Tübingen Hbf Stundentakt8442 RE 14a DB Regio Baden-Württemberg Stuttgart Hbf – Rottweil Horb – Rottweil Zweistundentakt3442 RE 55 DB Regio Baden-Württemberg Ulm Hbf – Villingen (Schwarzwald) Tuttlingen – Immendingen Stundentakt (Ulm – Donaueschingen), Zweistundentakt (weiter bis Villingen)VT 612 MEX 18 DB Regio Baden-Württemberg Osterburken – Tübingen Hbf Plochingen – Tübingen Hbf Stundentakt8442 RB 43 SWEG Rottweil – Blumberg-Zollhaus Rottweil – ImmendingenStundentaktVT 650 RB 43a SWEG Sigmaringen – Immendingen Tuttlingen – ImmendingenVT 650 RB 63 DB Regio Baden-Württemberg Bad Urach – Tübingen Hbf Metzingen (Württ) – Tübingen Hbf Halbstundentakt440 RB 74 DB Regio Baden-Württemberg Tübingen Hbf – Pforzheim Hbf Tübingen Hbf – Horb Stundentakt (gebrochen in Horb), Zweistundentakt (Durchbindung Tübingen – Pforzheim)VT 650 S 1 DB Regio S-Bahn Stuttgart Herrenberg – Kirchheim (Teck) Plochingen – Wendlingen (Neckar) (mindestens) Halbstundentakt423 430

Mit dem Fahrplanwechsel im Juni 2020 übernahm Abellio Rail Baden-Württemberg die elektrisch betriebenen Verkehrsleistungen zwischen Plochingen und Tübingen. Die bestellten Elektrotriebwagen standen zu Beginn nicht zur Verfügung, stattdessen wurden angemietete Fahrzeuge eingesetzt. Insbesondere in den ersten Wochen nach Betriebsaufnahme führten Fahrzeugmangel und technische Probleme zu zahlreichen Zugausfällen.

Im Regionalverkehr gilt zwischen Plochingen und Bempflingen der Tarif des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), von Bempflingen bis Eyach der des Verkehrsverbunds Neckar-Alb-Donau (naldo), von Eyach bis Horb der Verkehrs-Gemeinschaft Landkreis Freudenstadt (VGF) und von Horb bis Immendingen der Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar-Heuberg (move).

Güterverkehr Im Zuge des Sanierungsprogramms MORA C der Deutschen Bahn übernahm die Hohenzollerische Landesbahn 2002 den gesamten Güterverkehr zwischen Tübingen und Plochingen von der damaligen Railion (heutige DB Cargo). Trotz erheblicher Nachfrage zog sich die HzL nach einigen Jahren aufgrund von Unstimmigkeiten über die anfallenden Trassengebühren zurück.

Regelmäßiger Güterverkehr wird heute, aus Richtung Plochingen kommend, von und nach Wendlingen am Neckar (von dort weiter Richtung Oberlenningen), von und nach Nürtingen (von dort weiter Richtung Neuffen) sowie von und nach Metzingen (von dort aus weiter über die Ermstalbahn nach Dettingen an der Erms) durchgeführt.