hochkant=1.4|mini|Volutenkapitell aus der alten Stadt Megiddo im nördlichen Israel (Eisen-IIA-ZeitThomas Staubli: Einführung ins AT (II): Die Bücher der Geschichte. , Textauszug Archäologische Epochen der Südlevante. S. 2–3 auf admin.unifr.ch ); die Palast­architektur in Megiddo ist nach der High Chronology in die Zeit Salomos zu datieren und vermittelt einen Eindruck von Palast­bauten in Jerusalem (Museum des Oriental Institute der University of Chicago) Davidisch-salomonisches Großreich bezeichnet nach einer Hypothese der Bibelwissenschaft einen Staat im östlichen Mittelmeerraum in der Zeit des 10. Jahrhunderts v. Chr., im englischen Sprachraum United Monarchy genannt.

Die deutschen evangelischen Theologen Albrecht Alt (1883–1956) und Martin Noth (1902–1968) und ihre Schüler fanden in den Samuel- und Königsbüchern der Bibel Informationen, die sie für historisch zuverlässig hielten, und schlossen daraus auf die geschichtlichen Abläufe. Es ergab sich für sie, dass Jerusalem im 10. Jahrhundert v. Chr. das Verwaltungszentrum eines großen Staates sowie um 1000 v. Chr. ein Ort kultureller Blüte gewesen sei. Gerhard von Rad (1901–1971) prägte für das kulturelle Leben am Hof Salomos die Formulierung „Salomonische Aufklärung“ und nahm an, dass Teile des Alten Testaments in diesem Umfeld verfasst wurden.

Als geschichtliche Eckdaten werden die Einnahme Jerusalems durch König David sowie die Reichsteilung nach dem Tod seines Sohnes und Nachfolgers Salomo angesehen; beide Herrscher waren zur Zeit von Scheschonqs erstem Palästinafeldzug im Jahre 926 v. Chr. bereits verstorben. Genauere Angaben sind nicht möglich, da die Regierungszeiten Davids und Salomos in der Bibel mit je 40 Jahren angegeben werden, einer symbolischen Zahl (sie entspricht einer Generation).

Die neuere Forschung hält die Existenz eines davidisch-salomonischen Großreichs weitgehend für eine literarische Erfindung (Fiktion). Biblische Archäologen, die daran weiterhin festhalten, werden als „Maximalisten“ bezeichnet. Viele neuere Fachleute verstehen sich als „Minimalisten“: Aus ihrer Sicht waren David und Salomo zwar historische Personen und Herrscher, hatten aber nur regionale Bedeutung. Einige Fachleute („Nihilisten“ oder „Revisionisten“) bezweifeln grundsätzlich, dass die Bibel historisch belastbare Informationen über die Zeit vor dem Babylonischen Exil (580 bis 536 v. Chr.) enthält.

Hypothese Großreich Der Begriff Davidisch-salomonisches Großreich bezeichnet ein Geschichtsbild, das zwar aus einer Kombination von Bibeltexten gewonnen wurde, aber keine Nacherzählung der Bibel darstellt. Es hatte in der alttestamentlichen Wissenschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre Gültigkeit, verlor seitdem jedoch an Zustimmung. Aus ihm ging folgende Rekonstruktion der israelitischen Geschichte hervor:

Entstehung des Reiches Die verbündeten israelitischen Stämme wurden im späten 11. Jahrhundert v. Chr. von charismatischen Persönlichkeiten für jeweils kurze Zeiträume geleitet, die in der biblischen Überlieferung zum Teil als „Richter“ benannt werden.Hans-Joachim Kraus: Israel. Richter und charismatische Helden. In: Propyläen Weltgeschichte. Band 2, Propyläen Verlag, Berlin 1960, ISBN 3-549-05840-3, S. 258–262. Das war eine politisch-militärische Schwäche gegenüber benachbarten Völkern, die über ein zentrales Königtum verfügten. Zugleich dürfte das Königtum der Nachbarvölker aber auch als Vorbild gedient haben, nach dem sich die Königsidee auch bei den Hebräern durchsetzte. Erste Hinweise, dass die Königswürde einzelnen Anführern angeboten wurde, finden sich in den biblischen Richter-Erzählungen. Zunächst waren die Hebräer aber in Sippen und Stämmen organisiert, konnten als Streitmacht lediglich auf milizartige, an Waffen wenig geübte Sippenaufgebote zurückgreifen, und in ihrem Siedlungsgebiet in Kanaan bestand als Folge des Zusammenbruchs der Bronzezeit keine andere hegemoniale Macht, die straffere Strukturen erforderlich gemacht hätte.Manfred Clauss: Geschichte des alten Israel (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 12). Oldenbourg, München 2009, S. 10, 34.

In diesen politisch kaum organisierten Raum stießen von ihren Küstenstädten kommend die Philister hinein. Sie waren durch Techniken der Metallverarbeitung und ihre Heeres- und Söldnerorganisation überlegen und richteten ein System von Militärstationen ein, die Abgaben der örtlichen Bevölkerung erzwangen.Manfred Clauss: Geschichte des alten Israel (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 12). Oldenbourg, München 2009, S. 22. Gegen diese Besatzung kam es zu einem Aufstand der Israeliten, bei dem der charismatische König Saul das Überraschungsmoment nutzte und einige philistäische Stützpunkte beseitigte. Zudem versammelte Saul eine vermutlich überschaubare, aber längere Zeit bestehende Söldnerstreitmacht, die von Mitgliedern seiner Sippe geführt wurde. Er errichtete ein Königtum im nördlichen Israel, geriet aber rasch in einen Konflikt mit der israelitischen Tradition und verlor die Unterstützung der Priesterschaft.Hans-Joachim Kraus: Israel. Auf dem Weg zur monarchischen Staatsgewalt. In: Propyläen Weltgeschichte. Band 2, Propyläen Verlag, Berlin 1960, ISBN 3-549-05840-3, S. 262–266. Sauls Königsherrschaft hatte für rund zwei Jahre bestanden, als die Philister in der Jesreelebene eine Streitmacht zur Niederschlagung des Hebräeraufstands sammelten. Sie konnten dort, im Gegensatz zu den bergigen Siedlungsgebieten der Hebräer, ihre Streitwagen im vollen Umfang einsetzen und schlugen nahe Antipatris das Heer Sauls vernichtend.

David, ein ehemaliger Gefolgsmann Sauls und Söldnerführer, errichtete sich in Juda ein Kleinkönigreich. Dabei konnte er wohl auf andere Voraussetzungen aufbauen als Saul im Norden: Die Hebräer im Süden hatten bereits städtische Siedlungen errichtet oder erobert, im Gegensatz zum bäuerlich geprägten Nordreich. Von diesem war Juda durch eine Reihe von kanaanitischen Städten von Geser bis Jerusalem abgeriegelt. Auch scheint das Verhältnis zu den Kanaaniterstädten allgemein friedlicher als im Norden gewesen zu sein. Zugleich beruhte die Landwirtschaft auf Kleinviehhaltung, anders als im Norden, wo das Klima mehr Ackerbau ermöglichte. Die Wirtschaftsweise machte stärkere Handelsbeziehungen auch zu den Nachbarvölkern nötig. Zugleich bestand mit dem Nomadenvolk der Amalekiter eine äußere Bedrohung, die den staatlichen Zusammenhalt Judas förderte. Bereits vor der Zeit Davids bestand mit Hebron ein urbanes Zentrum des Reiches, in dem ein Ratsgremium eine gewisse Weisungsgewalt über die südlichen Hebräer ausübte. Mit der Besetzung Hebrons und dessen Etablierung als dauerhaftem Herrschaftssitz griff David über seine Rolle als Söldnerführer hinaus und etablierte sich als König mit Kompetenzen, die neben der Heerführung auch die Rechtsprechung und kultische Funktionen umfassten.Manfred Clauss: Geschichte des alten Israel (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 12). Oldenbourg, München 2009, S. 35–37.

Im Norden hatte sich nach dem Tod Sauls keine mit diesem vergleichbare Königsherrschaft mehr durchgesetzt, wenn auch Sauls Sohn Isch-Boschet eine Vormachtstellung beanspruchte. Als Folge von Auseinandersetzungen in Isch-Boschets Umfeld wurde David in den Norden gerufen. Der biblischen Erzählung zufolge kam es zu einer Reihe von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Führungsfiguren und ihren Gefolgschaften. Diese Ereignisse nutzte David als Legitimation zur Herrschaft in Personalunion über das Nordreich Israel und das Südreich Juda.Manfred Clauss: Geschichte des alten Israel (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 12). Oldenbourg, München 2009, S. 37.

Seine Söldner, geführt von Joab, nahmen für David die Jebusiterstadt Jerusalem ein, die in der Mitte zwischen seinen beiden Reichen lag und damit geografisch einen besser geeigneten Herrschaftssitz als Hebron darstellte. Obwohl es sich im Territorium des Südreichs Juda befand, wurde es kein Teil davon, sondern die „Davidsstadt“. Kultisches Zentrum der Stadt war ihr um 948 v. Chr. erbauter Tempel. David beließ den Oberpriester Zadok in seinem Amt, dem es später gelang, den israelitischen Priester Abjatar zu entmachten. Am Tempel verbanden sich kanaanäischer Kult und israelitischer JHWH-Glauben zu einem spannungsvollen Synkretismus.

Spätestens mit der Eroberung Jerusalems war David auch aus Sicht der Philister aus seiner Rolle als Söldnerführer oder Vasall herausgewachsen. Zwei Angriffe der Philister, einmal durch das Zentrum des neuen Reiches auf Jerusalem und einmal gegen die alte Machtbasis Davids im Süden, schlug dieser zurück. In der Folge ging David offensiv gegen die verbleibenden philistäischen Machtbasen im palästinischen Hinterland abseits der Küste vor und beseitigte diese.Manfred Clauss: Geschichte des alten Israel (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 12). Oldenbourg, München 2009, S. 38.

alternativtext=|mini|Nordreich Israel und Südreich Juda im 9. vorchristlichen Jahrhundert, nach biblischen Angaben Walter Dietrich bestimmt das Kerngebiet des davidisch-salomonischen Reiches ohne die unterworfenen Nachbarstaaten folgendermaßen:

Norden und Osten: Transjordanien, Galiläa, oberes Jordantal bis Dan, aber ohne die phönizischen Stadtkönigreiche; Westen: das ganze Gebiet bis zum Mittelmeer, inklusive die kanaanitischen Stadtstaaten Taanach, Megiddo und Dor; Südwesten: Negev bis Beerscheba ohne das Philistergebiet.

Militärische Expansion unter David In einer Reihe von Angriffskriegen unterwarf David die Nachbarvölker im Osten (Moabiter, Ammoniter, Edomiter) und dehnte damit das Territorium seines Reiches stark aus. Er brachte sogar einige aramäische Kleinstaaten, die sich mit den Ammonitern verbündet hatten und gemeinsam mit ihnen geschlagen wurden, unter seine Oberherrschaft. Davids Statthalter residierte in Damaskus. Auch die auf dem Territorium der israelitischen Stämme noch vorhandenen kanaanitischen Stadtstaaten wurden in Davids Reich eingegliedert.

Seine Söldnertruppe trug David von Erfolg zu Erfolg, während die zum Kriegsdienst verpflichteten israelitischen Stämme zur Hilfstruppe degradiert wurden und als drückend empfundene Abgaben und Frondienste leisten mussten. An die Spitze der Unzufriedenen setzte sich Davids Sohn Abschalom und ging militärisch gegen seinen Vater vor. Er vertrieb seinen Vater aus Jerusalem und heiratete, entsprechend der nomadischen Tradition, mehrere der dort zurückgelassenen Frauen Davids, um seinen Anspruch auf die Nachfolge zu untermauern. Im Ostjordanland kam es zur Entscheidungsschlacht zwischen dem Heerbann unter Abschalom und der Söldnertruppe unter Joab. Abschalom fiel, der Heerbann zerstreute sich, der Aufstand war gescheitert. Es verblieb aber ein gewisser widerständiger Anteil der hebräischen Bevölkerung, der sich bald auf den Norden des Reiches konzentrierte und im Wesentlichen einen Rückzug aus dem Reichsverbund und eine Rückkehr zur hergebrachten auf die Sippen konzentrierten Lebensweise forderte.Manfred Clauss: Geschichte des alten Israel (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 12). Oldenbourg, München 2009, S. 39 f.

Blütezeit unter Salomo und Reichsteilung