mini|Isabelle setzt mit ihrer Flotte nach England über. Buchmalerei aus dem 15. Jahrhundert. Die Invasion Englands durch Königin Isabelle führte zum Sturz der Herrschaft ihres Mannes, des englischen Königs Eduard II. Am 24. September 1326 landete die englische Königin Isabelle, die sich von ihrem willkürlich herrschenden Mann entfremdet hatte, mit einem kleinen Heer in England. Daraufhin kam es zu einer Revolte gegen den König, dessen Herrschaft zusammenbrach. Der König flüchtete nach Wales, wo er schließlich in die Gefangenschaft von Isabelle und ihren Verbündeten geriet. Die Invasion von Isabelle war damit die erste erfolgreiche Invasion Englands nach der normannischen Eroberung 1066.Weir: Isabella, S. 241. Die folgende Absetzung von Eduard II. war die erste Absetzung eines englischen Königs durch ein Parlament und wurde zum Präzedenzfall für die Absetzungen von Richard II. 1399, von Heinrich VI. 1461 und 1471, von Eduard IV. 1470 und Eduard V. 1483.Weir: Isabella, S. 376.

Vorgeschichte Krieg zwischen England und Frankreich Im März 1322 konnte der englische König Eduard II. eine Rebellion der Marcher Lords und seines Cousins Thomas of Lancaster militärisch niederschlagen. Lancaster und weitere führende Rebellen wurden anschließend hingerichtet, andere wie Roger Mortimer of Wigmore eingekerkert. Damit hatte der König die organisierte Opposition aus den Reihen der Magnaten ausgeschaltet. In den nächsten Jahren herrschte er, unterstützt von seinen Günstlingen Hugh le Despenser dem Älteren und dessen gleichnamigem Sohn Hugh le Despenser autokratisch und tyrannisch. Die Despensers bereicherten sich, gedeckt durch den König, nahezu ungebremst, wobei sie zahlreiche Rechtsbeugungen und Übergriffe begingen.

Im August 1323 konnte Roger Mortimer aus dem Tower of London entkommen und nach Frankreich flüchten. Der französische König Karl IV., der wegen der im Besitz der englischen Könige befindlichen Gascogne mit Eduard II. im Streit lag, nahm Mortimer mit offenen Armen auf. Schon bald fürchtete Eduard II., dass Mortimer von Frankreich aus eine Invasion Englands planen würde, um ihn zu stürzen.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003. ISBN 0-521-54806-3, S. 184. Dazu kam es wegen Grenzstreitigkeiten in der Gascogne 1324 zum Krieg von Saint-Sardos zwischen Frankreich und England.

Entfremdung zwischen Isabelle und ihrem Mann Ende 1324 machte Papst Johannes XXII. den Vorschlag, dass die englische Königin Isabelle im Konflikt zwischen England und Frankreich vermitteln sollte, da sie eine Schwester des französischen Königs war. Im Januar 1325 stimmten zunächst der englische Kronrat und dann das Parlament dem Vorschlag zu. Eduard II. selbst wollte England für Verhandlungen nicht verlassen, da er befürchtete, dass die Despensers ohne seinen Schutz von ihren zahlreichen Gegnern angegriffen würden. Bischof John Stratford von Winchester, der als englischer Gesandter in Frankreich gewesen war, berichtete am 17. Januar dem König, dass der französische König die Huldigung des englischen Thronfolgers Eduard anstelle des englischen Königs für die französischen Besitzungen akzeptieren würde, wenn der Thronfolger formal zum Herzog von Aquitanien ernannt würde. Damit bräuchte der englische König England nicht verlassen und könnte dazu die für einen König demütigende Huldigung vor dem französischen König vermeiden. Daraufhin stimmte der englische König schließlich vor dem 7. Februar 1325 der Vermittlung durch seine Frau zu. Der Thronfolger Eduard sollte ihr nach Frankreich folgen, sobald eine akzeptable Einigung ausgehandelt worden sei, um die Huldigung zu vollziehen.Weir: Isabella, S. 164.

Allerdings hatten sich Eduard II. und Isabelle, die seit 1308 verheiratet waren, vor allem durch den Einfluss des jüngeren Despenser seit 1320 zunehmend entfremdet. Despenser war es gelungen, Isabelle weitgehend zu isolieren und schließlich ihren Einfluss auf den König fast vollständig auszuschalten. Nach dem Beginn des offenen Krieges mit Frankreich wurde ihr im September 1324 die Verwaltung ihrer englischen Güter entzogen. Die Günstlinge des Königs begründeten dies damit, dass die Königin als gebürtige Französin womöglich den Franzosen eine Landung auf ihren südwestenglischen Besitzungen erleichtern würde. Ihrer Einkünfte beraubt, gewährte ihr der König für ihren Unterhalt nur eine wesentlich geringere Pension. Weiterhin wurde Isabelle die Aufsicht über die Erziehung ihrer jüngeren Kinder entzogen. Eleanor de Clare, die Frau des jüngeren Despenser, die auch eine Nichte des Königs war, kam als Hofdame in ihren Haushalt, um sie zu überwachen und um sie auszuspionieren. Isabelle wurde durch diese Schikanen zutiefst gedemütigt und lebte trotz ihres Status als Königin nahezu als Gefangene am Königshof. Ihre Ehe mit dem König war praktisch gescheitert.Weir: Isabella, S. 162. Sie wollte deshalb unbedingt als Gesandte nach Frankreich reisen, um ihrer Lage zumindest zeitweise zu entkommen. Deshalb gab sie sich betont freundlich gegenüber dem jüngeren Despenser, damit dieser ihrer Reise nach Frankreich zustimmte.Weir: Isabella, S. 165. Das etwa dreißigköpfige Gefolge, das sie nach Frankreich begleiten sollte, wurde allerdings vom König bestimmt. Er wählte Höflinge aus, denen er vertraute.

Rolle von Isabelle während der Friedensverhandlungen Am 9. März 1325 brach Isabelle von Dover aus nach Frankreich auf, das sie am selben Tag erreichte. In Poissy traf sie ihren Bruder Karl IV., mit dem sie die festgefahrenen Friedensverhandlungen wieder aufnahm. Tatsächlich konnten die Unterhändler in der Folge bis zum 31. März einen Frieden aushandeln. Zwar kam es noch zu Nachverhandlungen und Auseinandersetzungen um einzelne Punkte, beispielsweise um die Bedingungen der Verlängerung des Waffenstillstands, doch Anfang Mai stimmte der englische König widerstrebend dem Vertrag zu. An diesen und an den weiteren Verhandlungen war Isabelle nicht direkt beteiligt, doch sie blieb in Frankreich, auch nachdem der Frieden am 30. Mai in Paris formell geschlossen worden war. Eduard II. drängte nun Isabelle, nach England zurückzukehren. Diese blieb jedoch weiter in Frankreich, wobei sie aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Mittel Ende Juli Paris verließ und auf verschiedenen Schlössern des französischen Königs lebte.

Huldigung des englischen Thronfolgers anstelle des englischen Königs Der englische König wollte im August 1325 zunächst doch selbst nach Frankreich reisen, um dem französischen König für seine französischen Besitzungen zu huldigen. Wohl auf Drängen der Despensers setzte er dann doch nicht nach Frankreich über, sondern sandte den Earl of Richmond und Bischof Stratford zu weiteren Verhandlungen nach Frankreich. Am 1. September traf Isabelle Richmond und Stratford in Paris und schlug erneut vor, anstelle des Vaters den Thronfolger zur Huldigung zu senden. Stratford und Isabelle unterbreiteten den Vorschlag Karl IV., der am 4. September zustimmte. Stratford reiste nun nach England zurück, wo sein Vorschlag am Königshof mit Misstrauen aufgenommen wurde. Auch der König wollte seinen Sohn nicht alleine nach Frankreich reisen lassen, da er befürchtete, dass dieser dort von seiner Mutter beeinflusst würde. Die Despensers waren jedoch von der Idee angetan. Da der jüngere Despenser 1321 aus Frankreich verbannt worden war, durfte er nicht nach Frankreich reisen, und er fürchtete, dass seine Gegner ihn während einer Abwesenheit des Königs wieder attackieren würden. Daraufhin gab auch Eduard II. seine Zustimmung, dass sein Sohn und Erbe an seiner Stelle nach Frankreich reisen solle. Am 10. September 1325 wurde der zwölfjährige Eduard zum Herzog von Aquitanien ernannt, und am 12. September brach er mit Stratford und Bischof Stapeldon, Henry de Beaumont und anderen Baronen nach Frankreich auf. Der Thronfolger gelobte seinem Vater bei der Abreise, dessen Wünsche zu erfüllen. Am 14. September erreichte er Boulogne, wo ihn seine Mutter empfing und ihn nach Paris geleitete. Dabei überbrachte Stratford der Königin aber auch die erneute Aufforderung des Königs, nach der Huldigung unverzüglich mit dem Thronfolger nach England zurückzukehren.Weir: Isabella, S. 179. Am 22. September erreichten Isabelle und der Thronfolger Paris, wo Karl IV. sie empfing. Am 24. September folgte die formelle Huldigung.

Eigenmächtiger weiterer Aufenthalt Isabelles und des Thronfolgers in Frankreich mini|Der französische König Karl IV. begrüßt seine Schwester Isabelle bei ihrem Einzug in Paris. Darstellung aus dem 15. Jahrhundert. Während ihres Aufenthalts in Frankreich hatte sich Isabelle mehrfach mit ihrem französischen Cousin Robert von Artois, aber auch mit englischen Exilanten wie John Maltravers und John de Ros getroffen. Ihr Hauptunterstützer war der Earl of Richmond, der zum Gegner der Despensers geworden war und wie die Königin die wiederholten Aufforderungen des Königs, nach England zurückzukehren, ignorierte. Am 25. August war auch der Earl of Kent, ein Halbbruder des Königs, nach Frankreich zurückgekehrt. Er heiratete im Dezember 1325 Margaret Wake, deren Bruder Thomas Wake zu dieser Zeit ebenfalls in Paris war. Auch Bischof Airmyn, John Cromwell und Henry de Beaumont kehrten nicht nach England zurück und blieben in Isabelles Gefolge. Richard de Bury, der ehemalige Lehrer des Thronfolgers Eduard und nun für die Gascogne zuständiger Finanzbeamter, hatte Isabelle in England ohne Erlaubnis Einkünfte aus der Gascogne zukommen lassen. Als dies aufgedeckt wurde, konnte er nur knapp einer Verhaftung entkommen und flüchtete zu Isabelle nach Frankreich.Weir: Isabella, S. 180.

Mit diesen Unterstützern diskutierte Isabelle nun ihre Situation. Sie wollte nicht nach England zurückkehren, solange dort die Despensers dominierenden Einfluss auf den König hatten. Da auch der minderjährige Thronfolger nicht nach England zurückkehren wollte, hatte seine Mutter ein Faustpfand gegen ihren Mann. Vermutlich zu dieser Zeit wurde Isabelle von ihren Unterstützern überzeugt, dass nicht nur die Despensers, sondern auch ihr Mann Eduard II. gestürzt werden müsse. Der König hatte beständig seine Günstlinge unterstützt und dabei Vereinbarungen, die er mit seinen innenpolitischen Gegnern geschlossen hatte, ignoriert.Weir: Isabella, S. 181.