mini|Denkmal Wachsames Hähnchen auf dem Friedensplatz Das Denkmal des Wachsamen Hähnchens befindet sich im Essener Stadtkern und erinnert an Essener Gefallene im Ersten Weltkrieg. Das Motiv entstammt einer regionalen Sage.
Geschichte Sage Das Motiv des Denkmals geht auf eine Sage zurück, in der ein wachsamer Hahn die kleinstädtische Essener Bevölkerung vor Schaden bewahrte. Man erzählt sie sich wie folgt:
An einem heißen Sommertag hatte die Bürgermeisterstochter zu ihrer prächtigen Hochzeit geladen. Dabei wurde am Abend in den Schenkstuben kräftig gefeiert und getrunken, so dass selbst die Nachtwächter und der Turmbläser nicht zu ihrem Dienst erscheinen konnten. Unterdessen erklomm zur frühen Morgenstunde eine zwanzigköpfige Räuberbande, scheinbar unbemerkt von der Bevölkerung, mit Seilen die Stadtmauer. Der Hahn wurde durch den Lärm der Räuber geweckt und schrie laut sein Kikeriki über die damalige Kleinstadt. Die Essener waren sofort wach, da sie gewohnt waren, beim ersten Hahnenschrei aufzustehen. So dauerte es nicht lang, bis die Räuberbande entdeckt war. Eilig ließ man die Glocken der Stadt läuten, die Schützen griffen zu ihren Waffen und schlugen die Räuber in die Flucht. So feierten die Essener noch einen weiteren Tag und schenkten dem wachsamen Hähnchen aus großer Dankbarkeit ein Leben in Freiheit.Stadtverband der Bürger- und Verkehrsvereine Essen e.V.: Die Geschichte des "Wachsamen Hähnchen"; abgerufen am 20. September 2018
Max Fiedler, ehemaliger Musikdirektor der Stadt Essen, hat das alte Schützenlied in Erinnerung an das wachsame Hähnchen in der von ihm 1931 komponierten Ouvertüre „Essen“ verarbeitet:
Denkmal Das wachsame Hähnchen ist das Symbol des Essener Schützenvereins 1390 und bis heute Teil dessen Wappens. Auf seine Initiative wurde das Denkmal mit dem auf einer Stele sitzenden, goldfarbenen wachsamen Hähnchen aufgestellt, das zudem an Essener Kriegstote aus dem Ersten Weltkrieg erinnert.Simon Gerich: Denkmal Wachsames Hähnchen erinnert an Kriegstote aus Essen; In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 10. September 2018
Bereits im Jahr 1910 gab es Überlegungen, ein Denkmal mit einem Motiv aus der Vergangenheit der Stadt Essen zu errichten. Man zog den Platz des Pferdemarktes in Betracht, da dort einst Pferde feilgeboten wurden, die teils von einst in den Emscherbrüchen lebenden Wildpferden stammten. So war das Motiv eines Bauern beim Einfangen eines ungezähmten Pferdes im Gespräch. Das fand jedoch wenig Zustimmung. Die Essener Bürgerschaft regte daraufhin die Aufstellung eines Schützendenkmals an, das auch bei Oberbürgermeister Wilhelm Holle und in der Essener Verwaltung auf Interesse stieß. Es sollte ein auf einem hohen Postament befindlicher Hahn werden, stolz und selbstbewusst neben einem tapferen Krieger schreitend. So hätte sich das Symbol der Wachsamkeit neben dem Essener Schützen, der für Wehrhaftigkeit und Tapferkeit der alten reichsstädtischen Bürgerschaft steht, befunden. Damit würde einerseits an die Vergangenheit der Stadt erinnert, und andererseits auch an altes Volkstum bezüglich des oben zitierten alten Schützenlieds. In einer Sitzung des Historischen Vereins zog man als Standort dann den Viehofer Platz in Betracht.Ein neues Denkmal für Essen. In: Essener Volkszeitung vom 29. Oktober 1910
Im Jahr 1929 wurde bei einer Generalversammlung die Aufstellung des Denkmals beschlossen, wobei die Stadt Essen um einen geeigneten Platz für das Denkmal ersucht wurde. Bei Veröffentlichung der Entwürfe im Februar 1930 war das Schützenmal bereits als Kriegerdenkmal geplant.Schützendenkmal auf denkmalprojekt.org, abgerufen am 24. Januar 2024. Die Inschrift auf der steinernen Stele lautet: Als Aufstellungsort wurde zunächst der Kornmarkt gewählt, auf dem am 1. Juni 1930 die feierliche Enthüllung stattfand. Zur Enthüllung hieß der Präsident des Essener Alten Schützenvereins, Theo Gaßmann, die Gäste willkommen; darunter der Vertreter des Essener Oberbürgermeisters, Stadtrechtsrat Schneider, die Vertreter der Verbände und Organisationen sowie die Gesangsvereine Sanssouci und Huttrop 1897. Der Vereinspräsident hielt folgende Ansprache: Danach fiel die Hülle und Stadtrechtsrat Schneider übernahm das Denkmal im Auftrag des Oberbürgermeisters in den Schutz der Stadt. Dabei legte er einen Kranz zum Gedenken an die gefallenen Schützen am Fuß des Ehrenmals nieder. Ein zweiter Kranz kam vom Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Essener Schützenvereine. Mit dem Deutschlandlied schloss die Veranstaltung. Am gleichen Tag gegen 17 Uhr fand zu diesem Ereignis eine Parade mehrerer Schützenvereine auf dem Burgplatz statt, die sich dann zum Stadtgarten begab.Das Ehrenmal der Essener Schützenvereine; In: Essener Volkszeitung vom 2. Juni 1930, 63. Jahrgang
1933 stellten die Schützen bei einer Begehung des Kornmarktes fest, dass dieser Platz nicht mehr angemessen sei, und baten im Oktober des Jahres um Versetzung des Denkmals, wobei an einen Standort innerhalb einer Baumgruppe im Stadtgarten gedacht war.Kleiner Essener Stadtfilm – Unser "Wachsames Hähnchen" muß einen neuen besseren Platz haben. In: Essener Anzeiger vom 10. August 1933 Im April 1934 fand die Umsetzung auf den Kurienplatz statt. Seitdem befindet sich das Kriegerdenkmal auf diesem Platz, der zwischen 1994 und 2024 Kardinal-Hengsbach-Platz hieß und heute Friedensplatz genannt wird.Hauptausschuss der Stadt Essen beschließt Umbenennung des Kardinal-Hengsbach-Platzes; In: Pressemitteilung der Stadt Essen vom 24. Januar 2024 1935 ließ der damalige Oberbürgermeister Theodor Reismann-Grone die auf dem Denkmal sitzende Figur des wachsamen Hähnchens vergolden und beleuchten. Diese Möglichkeit ergab sich aus einem ausgeglichenen Haushalt der Stadt, die damals auch Verbindlichkeiten abbauen konnte.Der Oberbürgermeister über die Finanzlage. In: Essener Allgemeine Zeitung vom 18. Dezember 1935
1978 wurde das Denkmal wegen Umbau des Kurienplatzes abgebaut und bei einer Mülheimer Firma eingelagert. Dieses Verschwinden habe zu großem Bedauern bei der Essener Bevölkerung geführt, so der damalige Oberbürgermeister Horst Katzor. Als Übergangslösung wurde das Denkmal im März 1979 auf dem Kennedyplatz vor dem Amerikahaus, das wegen noch fehlendem Rathaus als Sitz des Oberbürgermeisters diente, aufgestellt. Nach Fertigstellung des Kurienplatzes bekam das Denkmal dort im Oktober 1980 endgültig seinen Standort.
Bis 1995 diente das Denkmal des wachsamen Hähnchens als Erinnerungsort der Essener Schützen. Bei Gedenkveranstaltungen wurden Kränze für verstorbene Schützenbrüder niedergelegt.
Trivia Einer der Züge der Grugabahn wurde auf den Namen Wachsames Hähnchen getauft.
Das Wachsame Hähnchen ist auch eine Figur des Glockenspiels in der Kettwiger Straße.
Der zeitweise in Essen lebende Schriftsteller und Journalist Erik Reger veröffentlichte 1932 sein Werk Das wachsame Hähnchen. Polemischer Roman. Nach der Machtergreifung 1933 wurde das Buch durch die Nationalsozialisten verboten.
In der Brandstraße gab es um das Jahr 1906 das Restaurant Wachsames Hähnchen.Anzeige im General-Anzeiger für Essen und Umgegend vom 2. August 1906
Literatur Erik Reger: Das wachsame Hähnchen. Polemischer Roman., Rowohlt, Berlin, 1932
Einzelnachweise
Kategorie:Denkmal in Essen Kategorie:Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Kriegerdenkmal in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Kunst im öffentlichen Raum (Essen) Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Stadtkern (Essen) Kategorie:Sage aus Nordrhein-Westfalen Hahn Kategorie:Versetztes Bauwerk in Essen Kategorie:Stele Kategorie:Skulptur (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Huhn in der Kunst