mini|hochkant=1.3|Stolpersteine in Belgioioso
Die Liste der Stolpersteine in der Provinz Pavia enthält die Stolpersteine der Provinz Pavia in der Lombardei. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen aus dieser Provinz, die von Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers. Ihre Bezeichnung lautet auf Italienisch: Pietre d’inciampo.
Listen der Stolpersteine Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Belgioioso In Belgioioso wurden vier Stolpersteine an einer Adresse verlegt.
Stolperstein ÜbersetzungVerlegeort Name, Leben 120pxIN BELGIOIOSO WOHNTEALTER NISSANSTURMGEBOREN 1929VERHAFTET 10.10.1944DEPORTIERT 1944AUSCHWITZERMORDET Via Giuseppe Garibaldi, 54Belgioioso , auch Nissim Sturm, wurde am 7. Mai 1929 in Tarnobrzeg, Polen, geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Isacco Sturm und dessen Frau Pessla Hauser. Er hatte einen Bruder, Jakob (geboren 1922). 1939 zog die Familie nach Mailand, weil für Italien als einziges Land kein Visum notwendig war. Nach dem Inkrafttreten der Italienischen Rassengesetze gab es nur zwei Möglichkeiten für ausländische Juden: Das Land zu verlassen oder eine Internierung. Alter Nissan Sturm und seine Familie wurden in Ferramonti di Tarsia in der Nähe von Cosenza interniert. Sie konnten das Lager verlassen und ließen sich unter Auflagen in Belgioioso nieder. Dort wurden sie am 10. Oktober 1944 erneut verhaftet. Zuerst wurde die Familie im San-Vittore-Gefängnis in Mailand interniert, danach im Durchgangslager Bozen. Von dort wurden sie am 24. Oktober 1944 mit dem Transport Nr. 18 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport langte vier Tage später in Auschwitz an. Im Lager, noch während der Selektion, fand ihn sein Bruder Jacob wieder. Beide wurden für das Lager zum Arbeiten selektiert. Alter Nissan Sturm konnte nicht lange überleben, als arbeitsunfähig wurde er am 30. November 1944 erschossen.CDEC Digital Library: Sturm, Nissim, abgerufen am 9. November 2020CDEC Digital Library: Jacob Sturm - Intervista a Jacob Sturm, abgerufen am 9. November 2020
Auch seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet, sein Bruder überlebte das Lager und gründete eine Familie. 120pxIN BELGIOIOSO WOHNTEISAAK HENOCHSTURMGEBOREN 1891VERHAFTET 10.10.1944DEPORTIERT 1944AUSCHWITZERMORDETFLOSSENBÜRG Via Giuseppe Garibaldi, 54Belgioioso , auch Isacco Sturm, wurde am 30. Dezember 1891 in Tarnobrzeg geboren. Er war verheiratet mit Pessla Hauser. Das Paar hatte zwei Söhne: Jacob (geboren 1922) und Alter Nissim (geboren 1929). Isaak Sturm war Kaufmann und Inhaber eines Herrenbekleidungsgeschäftes in seiner Heimatstadt. 1939 beschloss die Familie, nach Italien zu ziehen, das einzige Land, wo es zu diesem Zeitpunkt noch möglich war, ohne Visum hinzuziehen. Sie ließen sich in Mailand nieder. Nach dem Inkrafttreten der italienischen Rassengesetze wurde die Familie Ferramonti di Tarsia in der Nähe von Cosenza interniert. Sie konnten das Lager verlassen und ließen sich unter Auflagen in Belgioioso nieder. Dort wurden alle vier am 10. Oktober 1944 erneut verhaftet. Zuerst wurden sie im San-Vittore-Gefängnis in Mailand interniert, dann im Durchgangslager Bozen. Von dort wurden sie am 24. Oktober 1944 mit dem Transport Nr. 18 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport langte vier Tage später in Auschwitz an. Sturm bekam die Nummer B-13736. Isaak Henoch Sturm wurde am 30. November 1944 ermordet.CDEC Digital Library: Sturm, Isacco, abgerufen am 9. November 2020
Auch seine Frau und sein Sohn Alter Nissim wurden in Auschwitz ermordet, sein Sohn Jacob überlebte Auschwitz und gründete eine Familie. 120pxIN BELGIOIOSO WOHNTEJAKOB LAZARSTURMGEBOREN 1921VERHAFTET 10.10.1944DEPORTIERT 1944AUSCHWITZBEFREIT Via Giuseppe Garibaldi, 54Belgioioso , auch Jacob, wurde am 2. Juli 1922 in Krakau, Polen, geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Isacco Sturm und dessen Frau Pessla Hauser. Er hatte einen Bruder, Alter Nissan (geboren 1929). 1939 zog die Familie nach Mailand, weil für Italien als einziges Land kein Visum notwendig war. Nach dem Inkrafttreten der Italienischen Rassengesetze gab es nur zwei Möglichkeiten für ausländische Juden: Das Land zu verlassen oder eine Internierung. Jacob Sturm und seine Familie wurden in Ferramonti di Tarsia in der Nähe von Cosenza interniert. Sie konnten das Lager verlassen und ließen sich unter Auflagen in Belgioioso nieder. Dort wurden sie am 10. Oktober 1944 erneut verhaftet. Zuerst wurde die Familie im San-Vittore-Gefängnis in Mailand interniert, danach im Durchgangslager Bozen. Von dort wurden sie am 24. Oktober 1944 mit dem Transport Nr. 18 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport langte vier Tage später in Auschwitz an. Im Lager, noch während der Selektion, fand er seinen Bruder Alter Nissan wieder. Beide wurden für das Lager zum Arbeiten selektiert. Jacob Sturm erhielt die Nummer B-13736. Am 10. Januar 1945 wurden Gefangene in einen Zug verladen und nach Gleiwitz gebracht, da russische Truppen dem KZ näher kamen. Dort mussten sie sich in einen Wald begeben, wo alle Gefangenen erschossen werden sollten. Jacob Sturm erkannte die Gefahr und floh. In einer Hütte bekam er Nahrung und Kleidung von den dort wohnenden Bauern, aber er konnte nicht bleiben, die Bauern hatten Angst vor den Deutschen und zu erwartenden Repressalien, wenn der Flüchtling entdeckt werden würde. Er wanderte weiter und wurde in einem anderen Bauernhaus aufgenommen, konnte in der Scheune schlafen und half im Gegenzug bei anfallenden Arbeiten. Am 18. Januar 1945 langten dort russische Truppen an, Sturm hatte schwere Verletzungen und wurde behandelt. Er folgte der russischen Armee bis nach Österreich, begab sich dort in die Obhut der britischen Armee und gelangte mit einem Lastwagen der US-Army zurück nach Mailand.CDEC Digital Library: Sturm, Jacob, abgerufen am 10. November 2020
Eine Tochter von Jacob Sturm meldete 1999 ihre ermordete Verwandten an Yad Vashem, sie lebte zu dem Zeitpunkt in Jerusalem.Pessal Sturm, abgerufen am 10. November 2020
Sein Bruder und sein Vater wurden am 30. November 1944 ermordet, seine Mutter hat Auschwitz ebenfalls nicht überlebt. 120pxIN BELGIOIOSO WOHNTEPESSLA STURMHAUSERGEBOREN 1889VERHAFTET 10.10.1944DEPORTIERT 1944AUSCHWITZERMORDET Via Giuseppe Garibaldi, 54Belgioioso wurde am 30. Mai 1889 in Tarnobrzeg geboren. Ihre Eltern waren Jacob Hauser und Feige Brano. Sie heiratete den Kaufmann Isaak Sturm; sie hatten zwei Söhne: Jacob (geboren 1922) und Alter Nissim (geboren 1929). 1939 beschloss die Familie, nach Italien zu ziehen, das einzige Land, wo es zu diesem Zeitpunkt noch möglich war, ohne Visum hinzuziehen. Sie ließen sich in Mailand nieder. Nach dem Inkrafttreten der italienischen Rassengesetze wurde die Familie Ferramonti di Tarsia in der Nähe von Cosenza interniert. Sie konnten das Lager verlassen und ließen sich unter Auflagen in Belgioioso nieder. Dort wurden sie am 10. Oktober 1944 erneut verhaftet. Die Familie wurde im San-Vittore-Gefängnis in Mailand interniert, dann im Durchgangslager Bozen. Von dort wurden alle vier am 24. Oktober 1944 mit dem Transport Nr. 18 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport langte vier Tage später in Auschwitz an. Pessla Sturm Hauser hat die Shoah nicht überlebt.CDEC Digital Library: Hauser, Pessla, abgerufen am 10. November 2020
Ihr Mann und ihr Sohn Alter Nissan wurden ebenfalls von den Nazis ermordet. Ihr Sohn Jacob konnte das Lager überleben, entkam einer geplanten Erschießung und gründete eine Familie.
Broni In Broni wurde ein Stolperstein verlegt.
Stolperstein ÜbersetzungVerlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEEGISTO CAGNONIGEBOREN 1875VERHAFTET 20.3.1944DEPORTIERTMAUTHAUSENERMORDET 21.11.1944 Via Emanuelli, 486Broni wurde am 14. Juli 1875 in Broni geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie und war seit Kindheit aktiv in den sozialistischen Kreisen von Broni. Er studierte Jura in Turin, doch sein Engagement für die Bauern in Lomellina führte zum Studienabbruch. 1902 wurde er Sekretär der Federazione proletaria di Lomellina. 1904 flüchtete er in die Schweiz, um seiner Verhaftung zu entgehen. Dort gründete er in Lugano den Verlag “Avanguardia”. 1908 kehrte er nach einer Amnestie nach Italien zurück. Erneut betätigte er sich politisch, 1913 wurde er Abgeordneter. Cagnoni stellte sich gegen Italiens Beteiligung am Ersten Weltkrieg. Während der Kriegsjahre war er Bürgermeister von Mortara. In den Nachkriegsjahren wurde er wiederum in die Camera dei deputati gewählt, die italienische Abgeordnetenkammer, und war Sekretär der Arbeiterkammer in Pavia. Mehrfach war er Zielscheibe von faschistischen Übergriffen. Egisto Cagnoni flüchtete zuerst nach Frankreich, um sich diesen zu entziehen, 1937 kam er wieder nach Italien, lebte kurz in Mortara und ließ sich dann in Mailand nieder, wo er in Armut lebte. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile schloss er sich dem Widerstand an. Er war für die Unterstützung und Ausbürgerung ehemaliger angloamerikanischer Gefangener zuständig, 14 schickt er in die Schweiz. Er wurde von einem Spitzel verraten und am 20. März 1944 in Mailand verhaftet. Cagnoni wurde im San-Vittore-Gefängnis von Mailand inhaftiert und danach in das Durchgangslager Fossoli überstellt. Am 27. Juni 1944 wurde er in das KZ Mauthausen deportiert und mit der Nummer 76651 registriert. Die Strapazen des Lagers überstand er nicht lange, körperlich am Ende wurde er in die Tötungsanstalt Hartheim überstellt, in dessen Gaskammer zuerst Behinderte und später italienische Widerstandskämpfer, die nicht mehr zur Zwangsarbeit taugten, ermordet wurden. Egisto Cagnoni wurde dort am 21. November 1944 ermordet.I luoghi del ricordo della Provincia di Pavia: Cagnoni Egisto / di anni 69, abgerufen am 10. November 2020 Er hatte zumindest eine Tochter, Mimina.anpi.it: Egisto Cagnoni, abgerufen am 10. November 2020Commune Broni: , abgerufen am 10. November 2020
Drei Straßen tragen seinen Namen, in Ceretto Lomellina, Mede und Pavia. In Broni gibt es eine Piazza Egisto Cagnoni.
Chignolo Po In Chignolo Po wurde ein Stolperstein verlegt.
Stolperstein ÜbersetzungVerlegeort Name, Leben HIER WOHNTEGIOVANNI PECCHIGEBOREN 1926VERHAFTET 27.7.1944DEPORTIERT 1944FLOSSENBÜRGERMORDET 24.3.1945DRESDENVia XXV aprile, 73Chignolo Po (1926–1945)
Cilavegna In Cilavegna wurden zwei Stolpersteine verlegt.
Stolperstein ÜbersetzungVerlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEGIOVANNIMACCAFERRIGEBOREN 1923VERHAFTET 3.3.1944DEPORTIERT 1944MAUTHAUSENERMORDET MAI 1945 Via Roma, 38Cilavegna wurde am 8. Dezember 1923 in Cilavegna geboren. Er war Arbeiter in der Strumpfwarenfabrik Lomellino Fratelli Giudice in Cilavegna. Maccaferri war Antifaschist und beteiligte sich am Streik von Cilavegna. Am 3. März 1944 wurde er gemeinsam mit seinen Kollegen Giovanni Casinghino, Luigina Cirini und Clotilde Giannini sowie mit dem Schneider Pietro Zorini Omodeo verhaftet. Zuerst waren die Widerstandskämpfer im Castello von Vigevano inhaftiert, dann wurden sie in das San-Vittore-Gefängnis von Mailand überstellt. Zusammen mit Orini wurde er in das Durchgangslager Fossoli überstellt. Am 15. März 1944 wurde Maccaferri in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert und zur Zwangsarbeit eingeteilt. Giovanni Maccaferri starb drei Tage nach der Befreiung, am 8. Mai 1945, an den Folgen der KZ-Haft.I luoghi del ricordo della Provincia di Pavia: Maccaferri Giovanni / di anni 21, abgerufen am 11. November 2020ANPI Vigevano, Sezione Francesco Soliano: Scioperanti di Cilavegna, abgerufen am 11. November 2020