mini|Papstwappen Johannes Pauls II. In der Enzyklika Ecclesia de eucharistia aus dem Jahr 2003 hebt Papst Johannes Paul II. die Feier der Eucharistie als zentrales Glaubensgeheimnis der katholischen Kirche hervor.
In seiner Enzyklika weist der Papst auf die Einsetzung einer Liturgiekommission hin und kündigt die Herausgabe einer Instruktion über die Liturgie und Eucharistie an, die von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung erarbeitet werde.
Inhalt Einleitung (Nr. 1–10) (1) „Die Kirche lebt von der Eucharistie.“ Dies „enthält zusammenfassend den Kern des Mysteriums der Kirche.“ In der Eucharistie ist Christus „in einzigartiger Intensität“ gegenwärtig. In der Eucharistie werden Brot und Wein „in Christi Leib und Blut“ verwandelt. Das „eucharistische Opfer“ ist daher „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (Lumen gentium, Nr. 11). In der Eucharistie entdeckt die Kirche den „vollkommenen Ausdruck seiner unendlichen Liebe“. (2) Christus setzt die Eucharistie beim Letzten Abendmahl im Abendmahlssaal ein. (3) Die Eucharistie ist das Sakrament des „Ostermysteriums“. Die Einsetzung der Eucharistie im Abendmahlsaal nahm „auf sakramentale Weise“ den Tod und die Auferstehung Jesu vorweg. (4) „An diesen Ort [Gethsemani, Golgotha, Grab Jesu] und in diese Stunde kehrt in geistlicher Weise jeder Priester zurück, der die heilige Messe feiert, und mit ihm die christliche Gemeinde, die daran teilnimmt.“ (5) „Fundament und […] Quelle“ der Kirche „ist das gesamte Triduum paschale.“ Das Triduum paschale ist „in der eucharistischen Gabe gewissermaßen gesammelt, vorweggenommen und für immer „konzentriert“. In dieser Gabe übereignete Jesus Christus der Kirche die immerwährende Vergegenwärtigung des Ostermysteriums. Mit ihr stiftete er eine geheimnisvolle »Gleichzeitigkeit« zwischen jenem Triduum und dem Gang aller Jahrhunderte.“ (6) Das „Antlitz Christi“ kann man „vor allem aber im lebendigen Sakrament seines Leibes und seines Blutes“ betrachten. (8) Die heilige Messe ist „kosmisch“. „Sie verbindet Himmel und Erde. Sie umfaßt und erfüllt alles Geschaffene. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um alles Geschaffene in einem höchsten Akt des Lobes dem zurückzuerstatten, der es aus dem Nichts geschaffen hat. Indem der ewige Hohepriester durch das Blut seines Kreuzes in das ewige Heiligtum eintritt, erstattet er dem Schöpfer und Vater die ganze erlöste Schöpfung zurück. Das tut er durch das priesterliche Dienstamt der Kirche zur Ehre der heiligsten Dreifaltigkeit. Dies ist das mysterium fidei, das in der Eucharistie gegenwärtig wird: die Welt, die aus den Händen des Schöpfergottes hervorgegangen ist, kehrt als von Christus erlöste Welt zu Gott zurück.“ (9) Die Darlegungen des Tridentinischen Konzils zur Eucharistie sind zu „bewundern“. Aus jüngerer Zeit sind die Enzykliken zu nennen: Mirae Caritatis, Mediator Dei und Mysterium Fidei. Das Zweite Vatikanische Konzil hat einige Aspekte der Eucharistie „beleuchtet“, besonders in Lumen gentium und in Sacrosanctum Concilium. (10) „Ohne Zweifel war die Liturgiereform des Konzils von großem Gewinn für eine bewusstere, tätigere und fruchtbarere Teilnahme der Gläubigen am heiligen Opfer des Altares.“ „Leider fehlt es neben diesen Lichtstrahlen nicht an Schatten. Es gibt Orte, an denen der Kult der eucharistischen Anbetung fast völlig aufgegeben wurde. In dem einen oder anderen Bereich der Kirche kommen Mißbräuche hinzu, die zur Schmälerung des rechten Glaubens und der katholischen Lehre über dieses wunderbare Sakrament beitragen. Bisweilen wird ein stark verkürzendes Verständnis des eucharistischen Mysteriums sichtbar. Es wird seines Opfercharakters beraubt und in einer Weise vollzogen, als ob es den Sinn und den Wert einer brüderlichen Mahlgemeinschaft nicht übersteigen würde. Darüber hinaus wird manchmal die Notwendigkeit des Amtspriestertums, das in der apostolischen Sukzession gründet, verdunkelt, und die Sakramentalität der Eucharistie allein auf die Wirksamkeit in der Verkündigung reduziert. Von da aus gibt es hier und da ökumenische Initiativen, die zwar gut gemeint sind, aber zu eucharistischen Praktiken verleiten, die der Disziplin widersprechen, mit der die Kirche ihren Glauben zum Ausdruck bringt.“ „Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Verkürzungen zu dulden.“
I. Kapitel: Geheimnis des Glaubens (Nr. 11–20) (11) „Die Eucharistie ist nicht nur eine Erinnerung an dieses Ereignis, sondern seine sakramentale Vergegenwärtigung. Sie ist das Kreuzesopfer, das durch die Jahrhunderte fortdauert.“ Durch das Sakrament der Eucharistie kann „jeder Gläubiger […]. am Opfer Christi teilnehmen und seine Früchte in unerschöpflichem Maß erlangen.“ (12) Das Handeln Christi war ein Opfer. In den Einsetzungsworten brachte Christus den „Opfercharakter zum Ausdruck“. „[…] dieses Opfer wird gegenwärtig und dauert auf sakramentale Weise in jeder Gemeinschaft fort, in der es durch die Hände des geweihten Priesters dargebracht wird.“ „Das Opfer Christi und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer“ (KKK, Nr. 1367). „Die Messe macht das Opfer des Kreuzes gegenwärtig, sie fügt ihm nichts hinzu und vervielfältigt es auch nicht“ (Konzil von Trient, DH 1743). „Was sich wiederholt, ist die Gedächtnisfeier, seine ‚gedenkende Darstellung‘ (memorialis demonstratio), durch die das einzige und endgültige Erlösungsopfer Christi in der Zeit gegenwärtig wird.“ (13) Die Eucharistie ist „Opfer im eigentlichen Sinn“. Dies „kraft ihrer innigen Beziehung mit dem Opfer von Golgota“. Sie ist nicht nur „eine bloße Hingabe Christi als geistliche Speise an die Gläubigen“ „Indem Christus der Kirche sein Opfer schenkte, wollte er sich auch das geistliche Opfer der Kirche zu eigen machen, die berufen ist, mit dem Opfer Christi auch sich selbst darzubringen.“ Das lehrt uns das Zweite Vatikanische Konzil im Hinblick auf alle Gläubigen: „In der Teilnahme am eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, bringen sie das göttliche Opferlamm Gott dar und sich selbst mit ihm“ (LG, 11). (14) „Das Pascha Christi umfaßt mit dem Leiden und dem Tod auch seine Auferstehung.“ (15) „Die sakramentale Vergegenwärtigung des durch die Auferstehung vollendeten Opfers Christi in der heiligen Messe beinhaltet eine ganz besondere Gegenwartsweise, die […] wirklich genannt wird, […] weil sie substantiell ist und infolgedessen den ganzen und vollständigen Christus, den Gottmenschen, gegenwärtig macht“ (Mysterium Fidei). „»Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung genannt« (Konzil von Trient, DH 1642). Die Eucharistie ist wirklich mysterium fidei, ein Geheimnis, das unser Denken übersteigt und das nur im Glauben erfaßt werden kann.“ (16) Die Wirkung der Eucharistie erfüllt sich in der Kommunion. „Das eucharistische Opfer ist in sich auf die innige Gemeinschaft von uns Gläubigen mit Christus in der Kommunion ausgerichtet: […]. Die Eucharistie ist ein wahres Mahl, in dem sich Christus als Nahrung darbietet. […]. Es handelt sich nicht um eine Speise in einem bildhaften Sinn: »Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank« (Joh 6, 55).“ (17) „Durch die Teilhabe an seinem Leib und an seinem Blut teilt Christus uns auch seinen Geist mit. […]. So läßt Christus durch die Gabe seines Leibes und seines Blutes in uns die Gabe seines Geistes wachsen, der uns schon in der Taufe eingegossen und im Sakrament der Firmung als »Siegel« geschenkt wurde.“ (18) Die Eucharistie hat eine „eschatologische Perspektive“. In der Eucharistie empfängt der Gläubige „auch die Garantie der leiblichen Auferstehung am Ende der Welt“. (19) In der Eucharistie findet eine Vereinigung mit der „himmlischen Liturgie“ statt. „Die Eucharistie ist wirklich ein Aufbrechen des Himmels, der sich über der Erde öffnet. Sie ist ein Strahl der Herrlichkeit des himmlischen Jerusalem, der die Wolken unserer Geschichte durchdringt und Licht auf unseren Weg wirft.“ (20) Die eschatologische Spannung der Eucharistie schwächt nicht, sondern „fördert unseren Verantwortungssinn für die gegenwärtige Welt.“ Mit Paulus ist zu sagen, dass die Teilnahme der christlichen Gemeinde am Herrenmahl unwürdig ist, „wenn es in ihr Spaltungen gibt und sie den Armen gegenüber gleichgültig ist“.
II. Kapitel: Die Eucharistie baut die Kirche auf (Nr. 21–25) (21) „Analog zum Bundesschluß am Sinai, der durch das Opfer und die Besprengung mit Blut besiegelt wurde, legen die Handlungen und Worte Jesu beim Letzten Abendmahl das Fundament für die neue messianische Gemeinschaft, das Volk des Neuen Bundes.“ (22) „Die Eingliederung in Christus, die in der Taufe verwirklicht wird, erneuert und festigt sich beständig durch die Teilnahme am eucharistischen Opfer, vor allem durch die volle Teilnahme am Opfer in der sakramentalen Kommunion. Wir können sagen, daß nicht nur jeder einzelne von uns Christus empfängt, sondern auch, daß Christus jeden einzelnen von uns empfängt. Er schließt Freundschaft mit uns: »Ihr seid meine Freunde« (Joh 15, 14).“ Aus der Eucharistie schöpft die Kirche „die notwendige geistliche Kraft, um ihre Sendung zu erfüllen“. (23) „Mit der eucharistischen Kommunion wird die Kirche zugleich in ihrer Einheit als Leib Christi gefestigt.“ (24) „Durch die Kommunion am Leib Christi dringt die Kirche immer tiefer in ihr Wesen ein, »in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit« (Lumen gentium, Nr. 1) zu sein.“ (25) „Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche.“ Christus ist auch nach der Messe unter den heiligen Gestalten gegenwärtig. Dies solange, wie die Gestalten Bestand haben. Neben der geistlichen Kommunion sind Formen der eucharistischen Frömmigkeit wie Aussetzung des Allerheiligsten oder ein „geistliches Zwiegespräch“ und eine „stille Anbetung“ vor dem „eucharistischen Christus“ sind zu pflegen.
III. Kapitel: Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Nr. 26–33) (26) Zwischen der Eucharistie und der Kirche besteht eine sehr enge Verbindung. (27) Die Eucharistie ist „wie die Kirche apostolisch“, weil sie das den Aposteln von Christus anvertraute Sakrament weitergibt und „weil sie in Übereinstimmung mit dem Glauben der Apostel gefeiert wird“. (28) Ferner ist die Eucharistie apostolisch, weil sie durch die apostolische Sukzession der Bischöfe und durch das davon abhängige Weihesakrament des Priesters ermöglicht wird. Der Amtspriester vollzieht das eucharistische Opfer „in der Person Christi“. Dies bedeutet mehr als nur im Namen oder in Stellvertretung. „In der Person, d. h. in der spezifischen, sakramentalen Identifizierung mit dem ewigen Hohenpriester, der Urheber und hauptsächliches Subjekt dieses seines eigenen Opfers ist, bei dem er in Wahrheit von niemandem ersetzt werden kann“. (29) Das Weihesakrament des Priesters vermittelt „eine Gabe […], die auf radikale Weise die Vollmacht der Gemeinde überragt. Das priesterliche Dienstamt ist unersetzlich, um die eucharistische Konsekration gültig an das Kreuzesopfer und an das Letzte Abendmahl zu binden. […] Die Gemeinde kann sich aber nicht selbst einen geweihten Amtsträger geben. Dieser ist eine Gabe, die die Gemeinde durch die auf die Apostel zurückgehende Sukzession der Bischöfe empfängt.“