Das FDJ-Studienjahr (auch FDJ-Lehrjahr, FDJ-Schulungszirkel und FDJ-Schuljahr) war eine regelmäßige obligatorische politische Bildungsmaßnahme für die Mitglieder der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der DDR. Hauptformen waren die „Zirkel junger Sozialisten“, die Prüfungen für das Abzeichen für gutes Wissen und die Pionierzirkel „Unter der blauen Fahne“ für Schüler der 7. Schulklassen.Gerhard Butzmann, Jonny Gottschalg, Günter Gurst, Anneliese Müller-Hegemann: Jugendlexikon a-z. 15. durchgesehene Auflage, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1988, ISBN 3-323-00057-9, S. 632.

Das FDJ-Studienjahr war thematisch und organisatorisch von den regulären und von thematischen Mitgliederversammlungen der Grundorganisationen der FDJ getrennt.

Mitgliederschulungen – Vorläufer des Studienjahres Die neu gegründete FDJ verzichtete in den ersten Statuten auf einen Ausschließlichkeitsanspruch. Ideologische Ziele wurden offiziell nicht formuliert. Die für die Gründung notwendig gewesenen Zugeständnisse zeitigten später für die im April 1946 aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD hervorgegangene Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) gegenteilige Wirkungen. Die nichtkommunistischen Jugendlichen in den Ausschüssen verfolgten ihre eigenen Anschauungen und Ziele und widersetzten sich mehr oder weniger offen den Hegemoniebestrebungen der SED. Die Jungkommunisten beschwerten sich bei ihrer Parteiführung, dass z. B. die Pfarrjugenden in der FDJ bilden würden. Sie bemängelten auch das „niedrige politische Niveau“ der FDJ. Der Aufruf an die gesamte Parteijugend der SED, stärker in der FDJ mitzuarbeiten, stieß bei der zunächst auf wenig Widerhall. Allein in Sachsen zählte die FDJ 70.000 Mitglieder, aber nur 10–20 Prozent der jugendlichen Genossen war der FDJ beigetreten. Dem gegenübertretend zeichnete die Parteiführung eine Der Jugendverband sollte als „Erziehungsorganisation“ wirken, wenngleich die Politik nicht den gesamten Charakter ausmachen sollte.Ulrich Mählert: Die Freie Deutsche Jugend 1945–1949. Verlag Ferdinand Schöningh GmbH, Paderborn 1995, ISBN 3-506-77495-6.

Bereits im Mai 1946 arbeitete die FDJ-Führung einen Leitfaden für die Schulungsarbeit, der sich nicht nur mit der Schulung der Funktionäre und ihrer potentiellen Nachfolger befasste. Der Gefahr der Verflachung der lokalen FDJ-Grundorganisationen sollte mit „antifaschistischer Aufklärungs- und Schulungsarbeit“ begegnet werden. „Neben den Besprechungen von Jugend- und Tagesfragen in den Heimabenden empfahl die FDJ-Spitze, etwa alle 14 Tage auf besonderen Schulungs- oder Bildungsabenden Vorträge mit anschließender Aussprache über allgemeinbildende und politische Themen abzuhalten.“ Im Winter 1946/47 waren das: Was ist Demokratie Jugend und Nation Die FDJ – die fortschrittlichste Organisation der deutschen Jugend Feinde des Fortschritts – Feinde der Jugend Freundschaft der Jugend – Freundschaft der Völker Die Sowjet-Union

Die Schulungsabende sollten jugendgemäß gestaltet werden.

Bis 1949 erreichten die Funktionärsschulungen 90 % aller Jugendfunktionäre, die Mitgliederschulungen 71 % aller FDJler.

Einführung und ideologische Ausrichtung des FDJ-Studienjahres Spätestens ab 1947 waren die politischen Spannungen unter den Siegermächten offensichtlich. Der Zusammenschluss der Westzonen zur Bizone und später Trizone und die Blockbildung der Sowjetunion im Osten Europas standen im krassen Widerspruch zu einer bis dahin vermeintlich angestrebten einheitlichen demokratischen Entwicklung Deutschlands. Der Kalte Krieg war endgültig ausgebrochen. Einher gingen ideologische Auseinandersetzungen innerhalb der FDJ über eine entsprechende inhaltliche Neuorientierung.

Die Sowjetunion forderte im Sommer 1947 die SED auf, „mehr Kampfgeist, ideologische Geschlossenheit und ein deutlicheres Bekenntnis zur Sowjetunion an den Tag zu legen“. Die FDJ suchte erstmals den offiziellen Kontakt zum sowjetischen kommunistischen Jugendverband Komsomol, der als Vorbild für die FDJ aufgebaut wurde. Allerdings stießen diese Bestrebungen bei den meisten Jugendlichen auf einen tiefsitzenden Antisowjetismus, der noch aus der NS-Propaganda des Antibolschewismus und den eigenen Erfahrungen mit den sowjetischen Besatzern herrührte. Die Freie Deutsche Jugend sah sich mit vielen Jugendlichen konfrontiert, die über keinen „festen sozialistischen Klassenstandpunkt“ verfügten.

In Wahrheit kam immer mehr das Gegenteil zum Vorschein. Schließlich sprach der SED-Parteivorstand nach seiner Apriltagung 1948 in einer öffentlichen Erklärung erstmals In ihr wurde

Im Kampf um die Köpfe forderte die FDJ schließlich 1948 ihre Mitglieder zum Studium des Marxismus-Leninismus, damals Stalinscher Prägung, auf. 1948 traten die christlichen Mitbegründer der FDJ, der evangelische Pfarrer Oswald Hanisch und der katholische Domvikar Robert Lange, aus der FDJ aus. Die FDJ radikalisierte ihre Polemik gegen den Westen. Auf der 1. Funktionärskonferenz der FDJ 1950 bekannte sich der Jugendverband endgültig zur Führung durch die SED.| Eberhard Aurich: Der Gründungsmythos der FDJ und was später aus ihm wurde. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der FDJ, online abgerufen 13. September 2018.

Der Zentralrat der FDJ beschloss auf seiner 6. Tagung im Juli 1950 die Einführung eines einheitlichen FDJ-Schuljahres. 1951 wurde das FDJ-Studienjahr erstmals durchgeführt. Es sollte organisatorisch die Einbeziehung aller FDJ-Mitglieder und inhaltlich die Erreichung der gewünschten Bildungs- und Propagandaziele durch kontinuierliche Vermittlung und jährliche Erfolgskontrolle sichern.

Die FDJ sah parallel dazu die Notwendigkeit,

Ziele Durch die organisatorische Verankerung des FDJ-Studienjahres in die tägliche FDJ-Arbeit und die anfangs moralische, später zwingendere Verpflichtung zur Teilnahme wurden nahezu alle FDJ-Mitglieder einbezogen. Das entsprach dem Ziel, breiteste Kreise der Jugend zu erreichen.

Inhaltlich standen bei der Einführung die Reden und Schriften Stalins noch im Mittelpunkt. Gegenstand waren später das Studium und die Diskussion der Grundfragen des Marxismus-Leninismus in enger Verbindung mit der Politik der SED. Die Teilnehmer sollten Schlussfolgerungen für das eigene politische Verhalten ableiten. Es wurden zudem aktuelle Themen angesprochen. Besonders problematisch wurden diese für die Kursleiter seit Gorbatschows Perestroika ab 1986.

Um die Ziele durchzusetzen, wurden jährlich konkrete Themen behandelt und geprüft. Die Lehrprogramme wurden vorher vom Zentralrat der FDJ bestätigt. Hier einige Einzelbeispiele:

Verfassung der DDR Verfassung der FDJ Buchlesungen unter anderen über Gorkis Die Mutter, Heines Deutschland. Ein Wintermärchen oder Kubas Gedicht vom Menschen.Karl Heinz Jahnke und Kollektiv: Geschichte der Freien Deutschen Jugend, Verlag Neues Leben, Berlin 1982, Lizenz Nr. 303 (305/126/82, LSV 0289) und weitere...

Nach der Entscheidung des Zentralkomitees der SED anläßlich seines 135. Geburtstages und 70. Todestages 1953 als Karl-Marx-Jahr zu begehen: Leben von Karl Marx und Bedeutung des Manifest der Kommunistischen Partei weitere...

Bildung von zusätzlichen Zirkeln „Junger Sozialisten“ im Rahmen des FDJ-Schuljahres für diejenigen, denen die bisher erworbenen Kenntnisse nicht mehr ausreichten bzw. die für die Kaderreserve herangezogen werden könnten weitere...

Entsprechend dem Beschluß des Politbüros der SED vom 3. Mai 1966 das Studium von Werken der Klassiker des Marxismus-Leninismus und der Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland weitere...

Im Rahmen des Leninaufgebots der FDJ die Rede Lenins auf dem III. Komsomolkongress sowie Lenins Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus sowie Marx´ Staat und Revolution und weitere...

Die 2. Tagung des Zentralrats der FDJ erörterte die Schlußfolgerungen aus dem VIII. Parteitag der SED. Sie legte fest, das FDJ-Studienjahr zu nutzen für die systematische Auswertung der Parteitagsmaterialien. Im Mittelpunkt standen der Rechenschaftsbericht des ZK der SED sowie die Direktive zum Fünfjahresplan und weitere...

In Vorbereitung der Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Berlin wurden Fragen und Probleme der internationalen Jugendbewegung besprochen sowie spezielle Termine organisiert wie z. B. „Treffpunkt Festival“, Begegnung mit Arbeiterveteranen, Treffen an historischer Stätte und „Roter Treff“ sowie Vorbereitung auf die Diskussionen mit den jungen Menschen aller Kontinente und verschiedener Weltanschauungen und weitere...

Auf dem IX. Parteitag der SED im Mai 1976 wurde die Aufgabe der Jugend formuliert, die „entwickelte sozialistische Gesellschaft“ weiter zu gestalten und grundlegende Voraussetzungen für den allmählichen Übergang zum Kommunismus zu schaffen. In Folge wurde eine kommunistische Erziehung als Grundanliegen der Jugendpolitik der SED und zur Hauptaufgabe der FDJ erklärt. Das fand seinen Niederschlag auch in der inhaltlichen Ausgestaltung der Themen in den folgenden FDJ-Studienjahren. Im Mai 1977 wurde vom Zentralrat der FDJ die „Konzeption für die Weiterführung des Studienjahres der FDJ ab 1977“ beschlossen. Neben der Verstärkung der theoretischen und aktuellpolitischen Bildung sollten die Heranwachsenden die „Hauptaufgabe in der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ als Herausforderung begreifen, um auf allen Gebieten nach Höchstleistungen zu streben. Auswertung der Beschlüsse des IX. Parteitages der SED sowie Wesen und Merkmale der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR“ sowie Fragen des allmählichen Übergangs zur Schaffung der Grundlagen einer kommunistischen Gesellschaft sowie Wesen und Voranschreiten des „revolutionären Weltprozesses“ und weitere...

Im Januar 1988 erschien im Verlag „Junge Welt“ ein blaues Buch im A5-Format unter dem Titel „Fragen an die Geschichte der DDR“. Dieses verstand sich laut Vorwort als „Handreichung zum FDJ Studienjahr 1988/89 in Vorbereitung auf den 40. Jahrestag der Gründung der DDR“David Begrich: Rechtsextremismus in der DDR; Ursachen und Kontinuitäten zur Tagung „Umstrittene Kontinuitäten“ 2009 und weitere...

Organisation Das FDJ-Studienjahr war eine in der Regel monatlich durchgeführte circa zweistündige Schulungsveranstaltung. Es diente außerhalb des staatlichen Schulunterrichts ab der achten Klasse in der DDR der erweiterten politisch-ideologischen und philosophischen Ausbildung und Ausrichtung ihrer Mitglieder.

Die späteren Jugendgesetze der DDR von 1960 und 1974 und die Schulgesetze von 1959 und 1965 bildeten (später) die Grundlage der engen Verbindung von Schule und FDJ. Lehrer, an Hochschulen, Universitäten auch Dozenten gestalteten neben den eigenen Propagandisten das FDJ-Studienjahr sowie FDJ- bzw. SED-Funktionäre. Des Weiteren diskutierten staatliche Leiter, Offiziere, Künstler und Wissenschaftler mit Jugendlichen über aktuelle und Grundfragen der Zeit. mini|hochkant=0.7|Abzeichen für Gutes Wissen in Silber – 4. Variante 1962–1975 mini|hochkant=0.7|Abzeichen für gutes Wissen in Gold 5. und letzte Variante 1976–1990 Das FDJ-Studienjahr war von FDJlern aller Teilnehmerstufen zu besuchen. In der Regel wurden die erstmaligen Teilnehmer der ersten Stufe zugeteilt, die zum vom Zentralrat der FDJ 1949Erich Honecker: Aus meinem Leben. 6. Auflage. Dietz Verlag, Berlin 1981, S. 179. gestifteten Abzeichen für gutes Wissen in Bronze führen konnte. Die Zirkel der Stufe 2 führte zu Silber und Stufe 3 zu Gold. In der Regel wurden die erfolgreichen Teilnehmer einer Stufe in der nächsthöheren Stufe weiter geschult. Die jeweils höhere Stufe sollte sich nach Ansicht der SED- und FDJ-Führung durch in ihren Augen anspruchsvollere theoretische und aktuellpolitische Themenniveaus von der vorherigen Stufe abheben.

Bestandteil des Studienjahres waren auch erweiterte Jugendforen aus aktuellen Anlässen. Neben den eigentlichen Schulungen wurden auch örtlich unterschiedlich Kinobesuche, Vorträge von Künstlern, Eltern oder andere Veranstaltungen organisiert.