miniatur|Kleine Gilde miniatur|1918 Die Kleine Gilde (), auch St.-Johannis-Gilde oder Stube zu Soest, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in der lettischen Hauptstadt Riga. Es wird als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt.
Lage Die Kleine Gilde befindet sich in der Rigaer Altstadt auf der Südseite der Gildstubenstraße (Amatu iela) in einer Ecklage an der Einmündung auf die Meisterstraße (Meistaru iela) an der Adresse Gildstubenstraße 3, 5. Etwas weiter nördlich steht die Große Gilde, südlich der gleichfalls denkmalgeschützte Gebäudekomplex Meisterstraße 19, 21, 23.
Architektur und Geschichte Die Kleine Gilde war der Zusammenschluss der Handwerkerzünfte Rigas, in denen deutsche Handwerker verpflichtend zusammengeschlossen waren. Die Mitgliedschaft in dieser Handwerkergilde war lettischen Handwerkern über lange Zeit versperrt. Als Organisation bestand die Kleine Gilde von 1352 bis 1936, dann wurde sie von der neugegründeten Handwerkskammer abgelöst.
In der Zeit von 1864 bis 1866 wurde das prächtig gestaltete Gebäude der Kleinen Gilde, unmittelbar gegenüber dem Haus der Kaufleuten vorbehaltenen Großen Gilde, am traditionellen Standort der Gilde errichtet.Friedrich Brunstermann: Die Geschichte der Kleinen oder St. Johannis-Gilde in Wort und Bild. Alexander Stahl, Riga 1902, S. 481–485. Als Architekt des im Stil der Neogotik gebauten Hauses war der Stadtbaumeister Johann Daniel Felsko tätig.Jānis Krastiņš: Johann Daniel Felsko. In: Aina Balaško (Hrsg.): Deutsche Architekten in Lettland. Latvijas Vācu Savienība, Riga 2013, ISBN 978-9984-49-671-9, S. 98–103, hier S. 103. Das Innere des an der späten englischen Gotik orientierten Hauses ist überaus prachtvoll und repräsentativ eingerichtet.
Besonders bemerkenswert sind der prächtige Festsaal des Hauses sowie Glasgemälde und verschiedene an die Zeit der Zünfte erinnernde Ausstattungsgegenstände.Führer durch Lettland. Buchdruckerei W. F. Häcker, Riga 1929, S. 38. Das Vestibül ist achteckig ausgeführt und enthält vier gemalte Ansichten Livlands: Treyden, Neuhausen, Wenden und Kokenhusen.Friedrich Brunstermann: Die Geschichte der Kleinen oder St. Johannis-Gilde in Wort und Bild. Alexander Stahl, Riga 1902, S. 506–507. Neben dem historischen Versammlungssaal der Ämter befindet sich auch der Saal der Ältestenbank im Haus. Zwei steinerne römische Krieger im Treppenhaus dienten ursprünglich als Schmuck der Sandpforte der Rigaer Stadtbefestigung. Die Älterleute der Kleinen Gilde sind von 1616 an auf Ölporträts verewigt.Friedrich Brunstermann: Die Geschichte der Kleinen oder St. Johannis-Gilde in Wort und Bild. Alexander Stahl, Riga 1902, S. 525. Glasmalereien in den sieben Fenstern des oberen Saals beziehen sich auf die 30 Ämter (Stand 1918). Im Keller des Hauses befand sich in der Vergangenheit das Restaurant Johanniskeller.Karl Woldemar von Löwis of Menar: Riga. Verlag von Joneck & Poliewsky, Riga 1918, S. 32–33.
Seit dem 29. Oktober 1998 ist die Kleine Gilde gemeinsam mit der Großen Gilde als Komplex unter der Nummer 6534 im lettischen Denkmalverzeichnis eingetragen. In den Jahren 1999 und 2000 erfolgte eine Restaurierung der Kleinen Gilde. Die Fußböden von Vorhalle, Festsaal und Treppen sind mit Terraco-Mosaiken belegt. Die farbigen Fenster wurden in Hannover gefertigt. Die hölzernen Rahmen von Fenstern und Türen sind mit Sprüchen verziert.Die Kleine Gilde auf www.liveriga.com
Am 27. März 2010 wurde in der Kleinen Gilde die lettische Partei Par prezidentālu republiku gegründet.
Literatur Friedrich Brunstermann: Die Geschichte der Kleinen oder St. Johannis-Gilde in Wort und Bild (zum Jubiläumsjahr 1901). Alexander Stahl, Riga 1902.
Weblinks
Eintrag 6534 im lettischen Denkmalverzeichnis (lettisch) Die Kleine Gilde auf www.liveriga.com
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal (Lettland) Kategorie:Bauwerk in Riga Kategorie:Erbaut in den 1860er Jahren Kategorie:Gegründet 1352 Kategorie:Aufgelöst 1936