Franz Seraph Weishaupt (* zwischen 1780 und 1785; † 9. Oktober 1866 in MünchenPolizeiliche Meldeunterlagen (PMB) Franz Weishaupt: München, Stadtarchiv) war ein deutscher Lithograf und Werkmeister.

Leben Franz Seraph Weishaupt war Schüler des Erfinders der Lithografie Alois Senefelder und seit 1810 dessen Werkmeister bei der Druckerei der kgl. Steuerkataster-Commission in München, unter der Leitung von Johann Michael Mettenleiter.u. a.: Steuer-Cataster-Commission. Personal für den inneren Dienst, in: - und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1827. Verlag des königlichen Ober-Post-Amtes, München 1827, S. 90. Weishaupt war auch für die Ausbildung zahlreicher Lehrlinge zuständig. Einen Mettenleiter und ihm durch Baron von Schilling vermittelten Ruf nach Russland – den Mettenleiter vorübergehend annahm – lehnte Weishaupt ab.S. Haindl, in: Gewerbeblatt 3, 1843, S. 216. 1812 entwickelte er ein Kupferdruckverfahren, das auf chemischem Weg den Druck für Auflagen größer als 3000 Exemplare möglich machte. Nachdem Senefelder mit Versuchen zum farbigen Steindruck keine nennenswerten Resultate erzielt hatte, war Weishaupt mit seinen Experimenten erfolgreicher und entwickelte ein lithografisches Druckverfahren, bei dem die Farben (Blau, Gelb, Rot mit Schwarz) gesondert von jeweils einem Stein übereinander gedruckt wurden,Hermann L. Koester (Hrsg.): Geschichte der deutschen Jugendliteratur in Monographien Teil I, Alfred Janssen, Hamburg 1906, S. 9. erstmals angewendet bei dem von Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Philipp von Martius 1823 herausgegebenen Werk über ihre 1817 bis 1820 erfolgte Brasilienexpedition. Die farbig lithografierte „Geschäfts-Uebersichtskarte der königl. Steuerkatastercommission“ wies bereits 13 Farbtöne auf.

Der Lithograf Godefroy Engelmann, weitergebildet unter anderem 1813/14 in München bei Strixner, Piloty und Johann Baptist Stuntz, entwickelte (angeblich unabhängig) ein lithografisches Farbdruckverfahren mit bis zu 21 übereinander gedruckten Farben, ließ es sich 1837 als Chromolithographie patentieren und veröffentlichte im selben Jahr ein farbig gedrucktes Album.Godefroy Engelmann: Album Chromolithographique ou Recueil d'Essays du Nouveau Procédé d'impression lithographique en couleurs. J. Risler fils, Paris 1837.

Verheiratet war Franz Weishaupt mit Barbara, geborene Wimmer.* 1784 in Gingen an der Fils, Württemberg. Der Ehe entstammten die Tochter Katharina Maria Josepha (* 1813; † 1880)Putzarbeiterin; verheiratet mit Joseph Schiemer, Gärtner auf Herrenchiemsee; vgl. Königlich Bayerischer Polizey-Anzeiger von München Nr. 55, 17. Juli 1844, S. 649. und die Söhne Heinrich (* 1810, † 1883),Lithograf, Lehrer für Linear- und Architekturzeichnen, Gymnasialprofessor. Joseph (* 1814), Ferdinand (* 1816),Lithograf; entwickelte eine Druckpresse für kleinere Druckformate, die leichter und schneller bedient werden konnte als die schweren, von Senefelder entworfenen Pressen; von ihm u. a. Darstellung der großen Sonnenfinsternis am 28. Juli 1851 nachmittags für München und dessen Umgebung, Lithographie Qu. 4 (vgl. Joseph Maillinger: Bilder-Chronik, Bd. 3, München 1876, Nr. 234). Johann (* 1818)Theologe. und Jakob (* 1828, † 1889).Kunstdruckergehilfe; Steuerkataster-Plandrucker (laut Adressbuch München 1859); verheiratet 1864 mit Henrike Humpf, Beschließerin von Windsbach (vgl. Münchener Tagesanzeiger Nr. 252, 13. Jg., 8.9.1864: Getraute Paare in München. Pfarrei der Vorstadt Au).

Bildnis Bildnis Franz Weishaupt, Werkmeister der lithographischen Druckerei in der k.Steuer-Kataster-Commission in München, nach Zeichnung von W. Melchiorwohl Wilhelm Melchior, der auch lithografisch arbeitete. 1818, in: Heinrich Weishaupt: Das Gesammtgebiet des Steindrucks oder vollständige theoretisch-praktische Anweisung zur Ausübung der Lithographie in ihrem ganzen Umfange und auf ihrem jetzigen Standpunkte. Weimar 1865, Abbildung S. 17.

Werke 60 farbig gedruckte Lithografien (Abbildungen von Vögeln, Schlangen, Affen, Schildkröten etc.) zu: Johann Baptist von Spix / Carl Friedrich Philipp von Martius: Reise nach Brasilien auf Befehl Sr. Majestät Maximilian Joseph I. Königs von Baiern. 3 Bände. M. Lindauer, München 1823. Geschäfts-Uebersichtskarte der königl. Steuerkatastercommission, Lithografie in 13 Farbtönen, 1835Der Bayerische Volksfreund, Nr. 15, München, 26. Juli 1835, S. 132/33

Literatur Sebastian Haindl: Ueber den litographischen Farbendruck in München, in: Kunst- und Gewerbeblatt des Polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern, III, März 1843, S. 211–219. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. Bd. 21, München 1851, S. 246 (im Artikel zu seinem Sohn Heinrich Weishaupt) (Digitalisat). Helmut H. Krause: Geschichte der Lithographie. Reinhard Welz, Mannheim 2007, S. 58, 59, 125.

Einzelnachweise

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