Gerswalde ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Uckermark im Norden von Brandenburg. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Gerswalde.
Geografie Die großflächige Gemeinde liegt in der wald- und seenreichen Region Uckermark zwischen den Städten Prenzlau und Templin. Das Gemeindegebiet reicht im Nordosten bis zum Oberuckersee (Ortsteil Fergitz). Das hügelige Gebiet erreicht im Weinberg nahe dem Ortsteil Groß Fredenwalde eine Höhe von 111 m ü. NHN. Die nach dem Ort benannte Gerswalder Staffel ist eine Eisrandlage der letzten Eiszeit (Weichselvereisung). Die kleinen Gräben und Bäche entwässern zum Oberuckersee beziehungsweise zur Ucker. mini|links|400px|Haussee mini|400px|links|Herrensteiner See Umgeben wird Gerswalde von den Nachbargemeinden Nordwestuckermark im Norden, Oberuckersee im Nordosten, Flieth-Stegelitz im Osten, Temmen-Ringenwalde im Süden, Milmersdorf im Südwesten, Templin und Mittenwalde im Westen sowie Boitzenburger Land im Nordwesten.
Gemeindegliederung mini|Haus Waldscheune in Arnimswalde mini|Wüste Kirche in Berkenlatten mini|Schloss Gerswalde Die Gemeinde Gerswalde besitzt keine Ortsteile im kommunalrechtlichen Sinne, d. h. mit Ortsvorsteher und/oder Ortsbeirat, sondern nur Gemeindeteile und Wohnplätze. Bewohnte Gemeindeteile
Wohnplätze Achimswalde Gerswalder Siedlung Haßlebener Siedlung Stiern
Frühere, heute nicht mehr vorhandene Wohnplätze sind: Albertinenhof, Kronsfenn und Neutanger auf der Gemarkung von Groß Fredenwalde sowie das heute nicht mehr als amtlicher Wohnplatz ausgewiesene Gehöft Schwemmpfuhl.
Geschichte Die hochmittelalterliche Ostsiedlung begann im 11. Jahrhundert im Gebiet um Gerswalde mit Rodungen.
Gerswalde wurde 1256 als Gyrswalde urkundlich erstmals an der Handelsstraße von Magdeburg nach Stettin erwähnt. Herrenstein liegt nordöstlich von Templin und wurde 1755 von Otto von Arnim als Molkerei angelegt. 1795 ist der Ort als Pächterei urkundlich erwähnt. 1821 war es dann Vorwerk Herrenstein mit etwa 100 Einwohnern, 1821 waren es 146 Einwohner. Das alte Gutshaus ist noch heute erhalten.Märkische Oderzeitung, 2. September 2005, S. 9
Kaakstedt wurde erstmals 1284 als Kocstede urkundlich erwähnt. Die Stadt, so sagt es der Name, stammt von Albertus de Cocstede ab, der hier sesshaft war. Namenforscher vermuten eine Übertragung des Namens von Cochstedt bei Aschersleben.Märkische Oderzeitung, 6. September 2005, S. 9 Die Kirche des Ortes stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde im 18. Jahrhundert um einen Turm aus Backstein erweitert wurde. Ursprünglich hatte der Turm eine offene Laterne, die 1971 wegen Baufälligkeit entfernt wurde; 1988 wurde ein ziegelgedecktes Zeltdach errichtet.http://www.hugenotten-uckermark.de/Kirchen/17268_Kaakstedt.htm
Willmine entstand 1765, als Fredenwalde geteilt wurde. Der Name kommt von der Frau des Besitzers des Ortes Kurt Friedrich von Arnim, Johanne Wilhelmine geb. von Dargitz.Märkische Oderzeitung, 9. September 2005, S. 9.
mini|Behelfsdenkmal für Dorothee Elisabeth Tretschlaff (2008) In Fergitz wurde 1701 die 15-jährige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff als Hexe hingerichtet. Sie war das letzte Todesopfer der Hexenverfolgung in Brandenburg. Die Umstände dieses Hexenprozesses waren Gegenstand eines Untersuchungsberichtes des Hof- und Landrichters der Uckermark, Thomas Böttcher, beauftragt von König Friedrich I. in Preußen. 2008 wurde im Rahmen einer Kunstausstellung von der Berliner Künstlerin Stefka Ammon ein Behelfsdenkmal für Dorothee Elisabeth Tretschlaff errichtet. Ein dauerhaftes Denkmal ist bisher noch nicht entstanden.
Die heutigen Ortsteile der Gemeinde gehörten seit 1817 zum Kreis Templin in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Templin im DDR-Bezirk Neubrandenburg. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Uckermark.
Am 31. Dezember 2001 wurden die vormals selbstständigen Gemeinden Friedenfelde, Gerswalde, Groß Fredenwalde, Kaakstedt und Krohnhorst zur neuen Gemeinde Gerswalde zusammengefasst.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
Aufgrund des Zuzugs von Berlinern sind die Immobilienpreise seit den 2010er-Jahren stark gestiegen. Aufgrund verschiedener Kulturprojekte, die sich im Ort ansiedelten, bezeichnete die FAZ Gerswalde 2021 als „Berlins hipsten Vorort“.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 376 1890 1 354 1910 1 294 1925 1 171 1933 1 433 1939 1 349 Jahr Einwohner 1946 1 875 1950 1 753 1964 1 641 1971 1 376 1981 1 268 1985 1 274 Jahr Einwohner 1990 1 235 1995 1 086 2000 1 059 2005 1 815 2010 1 672 2015 1 604 Jahr Einwohner 2020 1 588 2021 1 554 2022 1 520 2023 1 483 2024 1 468 2025 1 431
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark. S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Gerswalde besteht aus 12 Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 75,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Interessengemeinschaft für die Gemeinde Gerswalde – – 22,1 % 3 CDU 26,3 % 3 16,3 % 2 Forum für Respekt und Toleranz 16,4 % 2 15,7 % 2 Wählergemeinschaft für die Gemeinde Gerswalde 13,2 % 2 12,0 % 2 AfD – – 9,8 % 1 Die Linke 13,4 % 2 8,8 % 1 BVB/Freie Wähler – – 4,1 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,3 % – 3,1 % – FDP 4,6 % 1 2,7 % – Einzelbewerber Wolfgang Klaffki – – 2,4 % – Einzelbewerberin Maxie Collin – – 1,9 % – Einzelbewerber Jannik Kunz – – 1,2 % – Aktiv für unser Dorf 19,2 % 2 – – Bauern-Ländlicher Raum 2,5 % – – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister 1998–2003: Heinz Pullwitt 2003–2008: Oliver NowatzkiKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 34 2008–2024: Ernst ZeigerKommunalwahlen im Land Brandenburg am 28. September 2008. Bürgermeisterwahlen, S. 12 seit 2024: Eva-Maria Meister (CDU)
Zeiger wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 69,8 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Gerswalde am 9.6.24
Meister wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 mit 56,1 % der gültigen Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Sehenswürdigkeiten mini|Burg Gerswalde mini|Gutshaus in Friedenfelde mini|Blick auf Groß Fredenwalde In der Liste der Baudenkmale in Gerswalde stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.
Marktplatz Gerswalde mit der Dorfkirche Gerswalde und einer Heimatstube Wasserburg Gerswalde, heute als Jugendheim genutzt Wüste Kirche Berkenlatten südlich von Gerswalde bei Berkenlatten Gutshaus Friedenfelde im Ortsteil Friedenfelde Wallberg, vermutlich südlichste bekannte mittelslawische Burganlage im deutschen Ostseeraum im Ortsteil Groß Fredenwalde Mittelsteinzeitliches Gräberfeld auf dem Weinberg bei Groß Fredenwalde, ausgegraben seit 1962 und erneut ab 2012. 2014 wurde die früheste bekannte Kinderbestattung in Mitteleuropa gefunden. Werkhaus der Tischlerei Schütze, entstanden aus einer alten Schlossereihalle von 1987, nominiert für den Brandenburgischen Baukulturpreis 2013
Verkehr Gerswalde liegt an der Landesstraße L 24 zwischen der Gemeinde Boitzenburger Land und dem Angermünder Ortsteil Greiffenberg sowie der L 242, die den Kernort Gerswalde mit dem Gemeindeteil Willmine verbindet; die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Pfingstberg an der A 11 Berlin–Stettin.
Die Buslinie 504 des VBB verbindet Gerswalde mit Templin und Wilmersdorf und den dortigen Bahnhöfen – mit Einstellung der Bahnstrecke Templin–Prenzlau mit dem Haltepunkt in Mittenwalde ist heute der nächstliegende Bahnhof in Milmersdorf 12 Kilometer entfernt.
Söhne und Töchter der Gemeinde Valentin Dietloff von Arnim (1714–1802), Jurist am Kammergericht Berlin Joachim Erdmann von Arnim (1741–1804), preußischer Kammerherr und Diplomat Carl Ludolf Bernhard von Arnim (1753–1828), preußischer Regierungspräsident Friedrich Wilhelm von Arnim (1786–1852), Berliner Polizeipräsident Richard von Arnim (1831–1901), preußischer Offizier Felix von Arnim (1862–1919), preußischer Offizier, Kammerherr und Gutsbesitzer Helga Vowinckel (1930–1986), Kernkraftgegnerin
Literatur Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark, Berlin 1986, ISBN 3-7400-0042-2
Weblinks
Gemeinde Gerswalde auf der Website des Amtes Gerswalde Gerswalde in der RBB-Sendung Landschleicher vom 4. März 2018
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Uckermark Kategorie:Ersterwähnung 1256 Gerswalde