mini|hochkant=1.2|Dorfkirche Görzke (12. Jahrhundert) Görzke ist eine Gemeinde im Westen des brandenburgischen Landkreises Potsdam-Mittelmark und gehört zum Amt Ziesar.

Geografie Die Gemeinde Görzke liegt im Hohen Fläming im gleichnamigen Naturpark am Flüsschen Buckau, etwa 35 Kilometer südwestlich von Brandenburg an der Havel. Die westliche Gemeindegrenze bildet die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Nördlich liegt die Stadt Ziesar; es folgen im Uhrzeigersinn die Gemeinden Buckautal, Gräben, der Bad Belziger Ortsteil Werbig, der Ortsteil Benken der Gemeinde Wiesenburg/Mark, das Gemeindezentrum von Wiesenburg/Mark sowie die Wohnplätze Neuehütten, Reetzerhütten und die weiteren Ortsteile Mahlsdorf und Reppinichen. Westlich der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt liegt der Ortsteil Lübars der Stadt Möckern im Landkreis Jerichower Land.

Das Gelände steigt innerhalb der Gemarkung nach Norden hin um rund 18 Meter an. Die höchsten Erhebungen sind mit 110 Metern der Galgenberg im Osten (dort fanden im Mittelalter Hinrichtungen statt), die 141 Meter hohen Butterberge im Süden sowie im Westen die Bullenberge mit 125 Metern und die Hahnenberge mit 117 Metern.

Neben der Buckau entspringt deren Nebenfluss Riembach in der Gemeinde.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Görzke umfasst das Gebiet der ehemals selbstständigen Gemeinden Görzke und Hohenlobbese. Hohenlobbese ist Ortsteil der Gemeinde. Zur Gemeinde gehören weiterhin die bewohnten Gemeindeteile Börnecke Dangelsdorf Wutzow

sowie die Wüstung Dangelsdorf mit der Ruine einer Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert und die Wohnplätze Borgsdorf, Bussesche Mühle, Heidehof, Mühle Schöntal, Nonnenheide und Rentengut.Görzke, Dienstleistungsportal des Landes Brandenburg, abgerufen am 5. März 2026.

Geschichte und Etymologie Frühzeit bis 14. Jahrhundert Die Region wurde etwa im 6. Jahrhundert von Slawen bevölkert. Wann sie genau in Görzke einen Burgwall errichteten, ist nicht überliefert. Als Otto I. 948 das Bistum Brandenburg gründete, lag der Ort noch im Grenzgebiet des Gaues Moraciani, wenngleich noch nicht urkundlich erwähnt. Dies geschah erstmals als Gorceke im Jahr 1161, als Wilmar von Brandenburg das Domkapitel Brandenburg gründete. In einem Dokument wurden seinerzeit die Besitztümer des Domkapitels niederschrieben. In dieser Urkunde erschien unter anderem der Burgward Görzke, d. h. einen aus mehreren Orten gebildeten, wehrhaften Bezirk, der als Außengrenze um Magdeburg die Macht des Bischofs sicherte. Der Name stammt aus der slawischen Zeit der Mark Brandenburg und bedeutet Siedlung an einem Berg. Historiker gehen davon aus, dass es sich bei Görzke um eine Niederungsburg mit einem Durchmesser von rund 60 Metern gehandelt haben soll. Die Bewohner waren dabei durch einen umlaufenden Wall aus Holz und Erde mit einem wassergefüllten Außengraben geschützt. Die Größe spricht dabei eher für eine ursprüngliche Nutzung als Fluchtburg, könnte aber – so eine Darstellung des Rates Görzke aus dem Jahr 1989 – auch dem Stammadel als Wohnsitz gedient haben: Nördlich der Niederungsburg befand sich ein kleinerer Wall von rund 10 bis 15 Metern Durchmesser, der als Hauptburg gedient haben könnte. Bei Ausgrabungen wurden zahlreiche blaugraue Scherben aus der Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts gefunden, die eine Nutzung belegen. Südwestlich der Kirche existierte neben dem Burgwall eine weitere kleine Befestigung, die von den deutschen Siedlern errichtet wurde. Dieser befestigte Hof (curia) hatte einen rechteckigen Grundriss mit einer Kantenlänge von rund 100 Metern. Er gehörte vermutlich einem Ritter, der der Gemeinde zusätzlichen Schutz bot. Der Ort war damit von Norden und Westen durch sumpfige Niederungen geschützt. Im Süden und Osten befanden sich insgesamt drei Wallgräben; der innerste mit einer Tiefe von bis zu sechs Metern. Um 1250 erhielt Görzke das Stadtrecht und wurde mit einer Stadtmauer umgeben. In dieser Zeit wurde die Dorfkirche Görzke im Stil der Romanik als Feldsteinkirche errichtet. Am 15. Juli 1283 verliehen Otto IV. und sein jüngerer Bruder Konrad I. dem Ort Gorzek das Privileg der Gerichtsbarkeit vor einem eigenen Schultheiß. Die Bürger waren damit von der Rechtsprechung durch den Vogt befreit und anderen Brandenburgischen Städten gleichgestellt. Zwei Jahre später erhielt die Stadt zusätzlich das Münzrecht, das die Brüder mit der Auflage versahen, der Stadt jährlich einen Betrag von 33 Schilling und 4 Pfenning für die weitere Befestigung der Gemarkung einzusetzen. 1328 verpfändete Ludwig V. mit Wirkung zum 25. Mai für 16.000 Silbermark den Ort mit weiteren Städten wie Beelitz oder Brietzen an Rudolf I. Gleichwohl behielt sich der Markgraf das Recht vor, die verpfändeten Werte innerhalb der nächsten zwölf Jahre wieder auszulösen. Zu dieser Zeit trat der Falsche Woldemar, ein Hochstapler, auf und gab sich als Markgraf Waldemar aus. Er wiegelte mehrere Städte, darunter auch Görzke im Jahr 1349 gegen die Wittelsbacher auf, wurde aber 1350 unter König Karl IV. enttarnt. Die Görzker weigerten sich zunächst, dem König die Gefolgschaft zu leisten und wurden daher am 12. September 1350 mit der Reichsacht geächtet. Die Situation löste sich erst auf, als Waldemar am 10. Mai 1355 Görzke entband und sie an Ludwig verwies. Aus diesem Jahr ist auch erstmals das Vorhandensein einer Mühle überliefert, die in einer Urkunde vom 16. April 1935 als Görzer „Mulen“ bezeichnet aber nicht näher ausgeführt wurden. Am 24. Juni 1369 überließ Otto das Münzrecht den Städten und führte damit vermutlich dazu, dass in Görzke die Prägung eigener Münzen fortan unterblieb. Um 1370 wurde der Burgwall vermutlich nicht mehr genutzt. Im Zuge der Auseinandersetzungen des Erzstifts Magdeburg mit den Markgrafen von Brandenburg fordert der Stift von ihnen im Jahr 1373 die Stadt Gortzk, die das Erzstift 1378 schließlich erobern konnte und zerstörte.

15. Jahrhundert bis 17. Jahrhundert 1416 gelang es Friedrich I., die Stadt zurückzuerobern und wieder in die Mark zu führen. Der Konflikt mit dem Erzstift war damit jedoch nicht beigelegt. Beide Parteien erhoben Anspruch auf die Stadt. Sie verständigten sich darauf, die Stadt als Lehen an den Grafen von Schwarzburg zu übertragen. Dieser wiederum belehnte es an die von Schierstedt, die damit auch die Gerichtsbarkeit übernahmen. Diese Situation sollte sich erst am 27. Dezember 1533 auflösen, als Joachim I. endgültig auf Görzke verzichtete. Er ließ sich jedoch ein Geleitrecht einräumen, so dass die Stadt bei der Durchreise des Kurfürsten Bewaffnete zu seinem Schutz innerhalb eines vorab definierten Gebietes aufstellen musste – Görzke kam zum ersten Distrikt des Kreises Jerichow im Erzstift Magdeburg. 1424 erschien in Lehnsregister des Markgrafen erstmals mit der „Berckmole“ eine Bergmühle. Sie wurde in einer Urkunde vom 18. Juni 1441 als „Borgmolle“ bezeichnet. In einer Chronik der Gemeinde wird darauf hingewiesen, dass ihr Schicksal bislang nicht bekannt ist. Möglicherweise verbarg sich dahinter eine der später erwähnten Mühlen der Stadt. Aus dem Jahr 1452 ist die Schreibweise Gorczck überliefert, die 1533 in mit Gortzk, Goertzcke, Görtzke und auch erstmals Görzke erschien. Nach dem Tod von Hans von Schierstedt gelangte das Erbe – darunter auch die Stadt – am 2. August 1569 an die Söhne Wolf Friedrich, Friedrich und Hans Friedrich, die es fortan gemeinsam verwalteten. Letzterer gründete daraufhin den Oberhof auf einem Grundstück, in dem sich in den 1980er Jahren eine Gaststätte befand. Wolf Friedrich erhielt den Mittelhof (in den 1980er Jahren das Grundstück in der Breiten Straße 7) und Friedrich den Unterhof, auf dem sich im 20. Jahrhundert eine Stärkefabrik befand. Die drei Erben stand künftig nicht nur das Recht zu, die Gerichtsbarkeit auszuüben. Sie orientierten sich dabei an der im 16. Jahrhundert eingeführten Constitutio Criminalis Carolina. Sie hatten auch die Auflage erhalten, sich in gleichem Maße um die Gemeinde zu kümmern, wie es der Vater getan hatte. Dies umfasste beispielsweise die Aufgabe, der Schule im Winter ausreichend Brennholz zur Verfügung zu stellen. Die Dokumente zum Erbteilungsprozess sind weiterhin der Nachweis, dass sich 1569 im Ort eine Schneidmühle, zwei Mahlmühlen sowie eine Kupfermühle befand. Letztere diente der Metallbearbeitung durch ein mit Wasserkraft betriebenes Hammerwerk. Sie wurde nur an zwei Tagen betrieben und soll sich – so eine Chronik der Gemeinde – am Graben vor Busses Mühle befunden haben. Die Spur einer weiterhin erwähnten Windmühle verliert sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Mitte des 16. Jahrhunderts nutzten Handwerker das in der Landschaft vorhandene Gefälle, um mit einer Hilfe von Holzröhren drei adelige Höfe mit Quellwasser zu versorgen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt im Jahr 1642 schwer verwüstet, die Kirche brannte bis auf den Chor und den Kirchturm ab. Die Stadt verarmte und verlor schließlich das Stadtrecht. 1680 übernahm Friedrich Wilhelm das Herzogtum Magdeburg und damit auch Görzke und regierte es von Brandenburg-Preußen aus. Bereits vor 1686 ist ein Schulrektor im Ort nachgewiesen. Er unterrichtete bis zu 40 Schüler, die um 1700 in Görzke zur Schule gingen. Nach und nach kam es zu einem bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. So ist aus dem Jahr 1692 – bestätigt 1716 – bereits eine Handwerksordnung der Schneider, Schuster, Bäcker, Hufschmiede, Leineweber, Rad- und Stellmacher überliefert und damit ein Anzeichen, dass die entsprechenden Gewerke in der Gemeinde aktiv waren. In einem Stammbaum der Familie Muths findet sich ein Hinweis darauf, dass ein Hans Peter Muths (1628–1690) eine Mühle am Erlenbach erwarb, die Muthses Mühle. Sie war bis in die Mitte der 1930er Jahre in Betrieb, wurde aber in dieser Zeit auf einen elektrischen Antrieb umgerüstet.

18. bis 19. Jahrhundert mini|Ehemaliges Gutshaus Görzke weist eine lange Tradition als Handwerkerort auf. Bereits 1624 wurden Tonfelder bei Pramsdorf und Buckautal erschlossen und führten zur Errichtung von Töpfereien. In den nachfolgenden Jahrzehnten bildeten sich auf Grund ihrer Lage an Handelswegen die Städte Ziesar und Görzke als Zentren der Tonwarenindustrie heraus. Ende des 17. Jahrhunderts erhielten die Bauern, auf deren Flächen Ton abgebaut werden konnte, das Tonrecht. Sie durften damit – vorzugsweise in den arbeitsärmeren Wintermonaten – Ton abbauen und an die Töpfereien liefern. 1706 schlossen sich die Töpfer des Ortes zu einer Innung zusammen und belieferten die umliegenden Dörfer und Städte mit Tonwaren. Die Handwerker nutzten dabei eine Kratztechnik, bei der die aufgetragene Glasur zunächst eine lederharte Konsistenz erreicht haben muss. Anschließend wird die Glasur durch das Kratzen wieder vom Werkstück genommen. Dadurch entstehen individuelle Muster oder Schriftzüge auf den Tonwaren. Ebenso fand die Schwämmeltechnik Anwendung. Dabei wird ein bestimmtes Muster mit einem kleinen Schwamm auf die Keramik gedrückt.Informationstafel zum Kratzen und Schwämmeln, aufgestellt auf dem Töpferwanderweg, Inaugenscheinnahme im April 2016. Der Ton wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in der Region gewonnen. Aus dem Jahr 1717 sind Innungen der Fleischer, Tischer, Böttcher und Töpfer bekannt. Dieser wirtschaftliche Aufschwung war einer der Gründe, warum der Ort 1719 das Stadtrecht zurückerhielt.