mini mini|Nr. 77 „Bocks Car“mini|Nr. 77 mit den Markierungen für vier Pumpkin-Einsätze und in Rot der Angriff auf Nagasaki Die 509th Composite Group (509 CG) war eine Einheit der Twentieth Air Force der United States Army Air Forces, die während des Zweiten Weltkrieges speziell zum Abwurf der Atombomben geschaffen wurde.
Die Gruppe wurde am 17. Dezember 1944 auf dem Wendover Army Air Field, Utah gebildet. Kommandeur war Lieutenant Colonel Paul W. Tibbets. Die Gruppe war autark und unterlag strengster Geheimhaltung. Neben den B-29-Bombern gehörte zur 509. auch die 320. Troop Carrier Squadron mit Transportflugzeugen der Typen C-47 Skytrain und C-54. Die Gruppe hatte eine eigene Militärpolizei und die Besatzungen und Techniker wurden streng getrennt von den anderen Einheiten auf der Insel Tinian untergebracht. Die Personalstärke belief sich auf 225 Offiziere und 1542 Mannschaften sowie etwa 50 Zivilisten des Manhattan-Projektes. Die zum Abwurf der Atomwaffen vorgesehenen B-29 waren sogenannte Silverplate-Umbauten. 18 Flugzeuge wurden umgerüstet, 15 davon mit ihren Stammbesatzungen nach Tinian entsandt (siehe Tabelle), vier wurden bei Unfällen beschädigt, keine ging verloren.
Project Alberta mini|Mitarbeiter des Projekts Alberta auf Tinian mini|Montagegebäude für die Atombomben mini|Hauptquartier der 509th auf Tinian Als Projekt Alberta wurde ein Teil des Manhattan-Projektes bezeichnet, das sich mit der endgültigen Form der Nuklearwaffen und deren Einsatz beschäftigte. Es war klar, dass nur Kernmaterial für eine Uranbombe zur Verfügung stehen würde, deshalb fixierte man sich auf Plutonium, das in Hanford hergestellt wurde. Diese Versuchskörper wurden für die Anpassungen der Trägerflugzeuge geliefert. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass die Plutoniumbombe ebenfalls das „Kanonenprinzip“ nutzen würde. Die Versuchsbomben vom Typ „Thin Man“ (Mk2) waren 5,2 m lang und passten somit nicht in den Bombenschacht einer B-29, der nur 3,7 m lang war. Das einzige Flugzeug, das eine derartige Waffe aufnehmen konnte, war die britische Avro Lancaster (siehe Grand Slam und Tallboy). Also baute man die erste Silverplate-B-29 um, verband die beiden Bombenschächte und versah sie mit einteiligen 10 m langen Bombenklappen. Dieser erste Umbau erhielt den Namen „Pullman“ und wurde ausgiebig für diverse Abwurfversuche genutzt. Als klar wurde, dass bei der Plutoniumbombe das Kanonen-Prinzip nicht funktionieren würde, rüstete man die „Pullman“ wieder zurück und bestellte zunächst weitere 17 Umbauten, die nunmehr die (Plutonium)-Implosionsbombe vom Typ Mk.3 „Fat Man“ (3,6 m) oder die Uranbombe Mk.1 „Little Boy“ (3,2 m) aufnehmen konnten. Im Februar 1945 wurden auf einem Treffen von Oppenheimer, General Leslie R. Groves, James Bryant Conant, Hans Bethe und George Kistiakowski die endgültige Zusammensetzung der Sprengstofflinsen und das generelle Design der Fat-Man-Bombe beschlossen. Nachdem die Spezifikationen einigermaßen klar waren, begannen verschiedene Betriebe mit dem Bau von Dummy-Bomben zu Test- und Übungszwecken. Versuche wurden zunächst in Muroc durchgeführt und dann in Wendover. Von da an lag das Projekt in den Händen der 509. und nannte sich Operation Silverplate. Die Mitarbeiter des Projektes, zu denen u. a. auch Harold Agnew und Lawrence H. Johnston gehörten, waren auch für den Aufbau der Infrastruktur für die 509. in Tinian zuständig, damit dort die Bomben montiert und verladen werden konnten. Ein Teil der Gruppe befand sich bereits seit Mai auf Tinian, während andere noch am Trinity-Test arbeiteten. Nach dem Test wurden weitere Mitarbeiter in den Pazifik gebracht, andere begleiteten den Transport des Plutoniums für Fat Man. Lawrence H. Johnston war der einzige Mensch, der 1945 (vom Flugzeug aus) alle drei Atombombenexplosionen erlebte. Der Leiter des Project Alberta William Sterling Parsons war beim Trinity-Test anwesend und beim Angriff auf Hiroshima an Bord der „Enola Gay“.
Vorbereitungen mini|Wendover Air Base 1943 mini|Versuchskörper für Thin Man und Fat Man-Plutoniumbomben in Wendover Maj. Paul Tibbets hatte das Wendover Army Airfield persönlich ausgewählt wegen seiner abgeschiedenen Lage in der Salzwüste 150 km westlich Salt Lake City. Der Flugplatz gilt heute als einer der besterhaltenen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er wird heute zivil genutzt und die Halle der „Enola Gay“ ist noch vorhanden. Normalerweise trainierten hier Bomberverbände den Bombenabwurf und Besatzungen wurden auf die neuen B-29 umgeschult. Als Tibbets das Flugfeld besichtigte, war gerade ein Lehrgang zu Ende und der Platz somit frei. Die 216th Army Air Forces Base Unit stand ebenfalls zur Verfügung und so wurde Wendover die Heimatbasis der 509th CG. In Wendover wurden zunächst verschiedene Abwurfversuche mit betongefüllten Attrappen der Atombomben Mk.1 (Little Boy) und Mk.3 (Fat Man) durchgeführt. Die ballistischen Eigenschaften der Versuchsbomben waren zunächst nicht besonders gut und führten zu mehreren Änderungen der Leitflächen, um einen stabilen Fall zu erreichen. Des Weiteren wurde an den Radar-Höhenmessern zur Zündung der Bomben gearbeitet. Verschiedene Umbauten an den Aufhängevorrichtungen der Bomber mussten ebenfalls durchgeführt werden. Hier orientierte man sich an dem System, welches die Briten für ihre Tall-Boy-Bomben in den Lancaster-Bombern verwendeten. Die Besatzungen übten auch die Verfahren für An- und Abflug mit den betongefüllten (sogenannten Pumpkin)-Bomben, von denen insgesamt 486 hergestellt wurden, sowie mit Attrappen der Mk.1. Entscheidend dabei war, dass sich die Schwerpunktlage der Maschine nach dem Abwurf stark veränderte, was bei dem schnellen 155°-Fluchtmanöver direkt nach dem Ausklinken der Bombe beachtet werden musste. Wenigstens 50 der verbliebenen Pumpkin-Hüllen wurden zum Army Ammunition Plant in McAlester (Oklahoma) gebracht und dort statt mit Beton mit Sprengstoff gefüllt. Dann traten sie auf dem Seeweg ihre Reise nach Tinian an. Nachdem jede Besatzung 50 Übungsabwürfe hinter sich gebracht hatte, erklärte Tibbets die 509. für einsatzbereit.
Silverplate-Umbauten Insgesamt wurden von der Glenn L. Martin Company aus dem Werk bei Bellevue/Nebraska (heute Offutt AFB) während des Krieges 46 Silverplate-B-29 ausgeliefert, weitere 99 Umbauten folgten bis 1951. Die Maschinen trugen bis auf zwei MG im Heckstand keine Bewaffnung. Auch die Panzerung war ausgebaut, um Gewicht zu sparen. Somit entfielen die Positionen der Bordschützen der normalen B-29. Stattdessen wurde in die Bomber ein aus dem britischen H2S entwickeltes AN/APQ-13-Bombenziel-Radar eingebaut und die Besatzung mit einem oder zwei Radar-Bedienern ergänzt.
Die normalen B-29 hatten in den Tragflächen fünf selbstabdichtende Haupttanks, die rund 26.200 l (19 t) Treibstoff aufnehmen konnten. Damit hatten sie eine Reichweite von 5200 km. In den Bombenschächten konnten bei Bedarf bis zu vier Zusatzbehälter angebracht werden, die je 2400 l (1,7 t) fassten. Bei den Silverplate-Umbauten waren im hinteren Bombenschacht permanent zwei dieser Zusatztanks eingebaut, die Mk.3-Plutoniumbomben waren im vorderen Bombenschacht untergebracht. An den Bombentüren wurden ebenfalls Veränderungen vorgenommen, damit diese schneller als üblich geschlossen werden konnten, um der erwarteten Druckwelle keine Angriffsfläche zu bieten.
Sehr zeitaufwändig und umfangreich war der Umbau der Waffenschächte. Um die Schaffung einer einzelnen Waffenbucht mit einer Länge von 10,06 m zu ermöglichen wurden die vier Waffenschachttüren mit einer Länge von jeweils 3,66 m und der Rumpfabschnitt zwischen den Buchten entfernt. Die gelieferte Form der Waffe war etwa 5,18 m lang. Für beide Formtypen wurden neue Bombenaufhängungen und Verstrebungen angebracht, wobei die Aufhängung vom Typ „Thin Man“ im hinteren Waffenschacht verankert war, obwohl ihre Länge in den vorderen Schacht hineinragte. Der Implosionstyp „Fat Man“ war in der vorderen Bucht montiert.
Die Entfernung von Mather AFB bei Sacramento (Kalifornien) bis Hickham AFB auf Oʻahu (Hawaii) betrug rund 4000 km, die von Hickham nach Tinian und Saipan rund 6000 km. Somit konnten die Maschinen mit vier Zusatztanks mit nur einem Zwischenstopp zu ihren Einsatzbasen auf den Marianen überführt werden. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Reichweite der Silverplates durch Gewichtsersparnis und verbesserte Motoren die der normalen B-29 erheblich übertraf, da sie die Bombenkörper der Mk.3-Bomben nach Tinian transportieren konnten und somit nur Platz für zwei Zusatztanks vorhanden war. Nr. 82 „Enola Gay“ unterschied sich etwas von den anderen Maschinen, da sie die Mk.1 Uranbombe aufnehmen musste, und Nr. 71 und Nr. 72 waren zunächst ebenfalls für die Mk.1 ausgerüstet. Maj. Tibbets flog einen Testabwurf mit der Maschine Nr.71. Nach dem Angriff auf Hiroshima wurde Nr. 71&72 sofort umgerüstet und flogen noch einige Pumpkin-Einsätze. Da die Atombomben zu groß für eine normale Verladung waren, mussten sie in speziell eingerichtete Gruben gelegt werden, über die dann der Bomber rollte. Drei solcher Verladegruben waren in Wendover, zwei in Tinian und eine weitere auf Iwojima.
Der Weg in den Pazifik Nach erfolgreichem Training erfolgte Anfang Juni 1945 die Überführung der 509. nach Mather Air Force Base in Sacramento/Kalifornien, der Flug nach Hawaii und schließlich nach Tinian. Die Überführungsflüge wurden einzeln oder in Gruppen durchgeführt und am 28. Juni waren elf Maschinen angekommen. Zwei weitere, darunter Nr. 82, die spätere „Enola Gay“, folgten einige Tage später. Fünf der 18 Silverplate-Umbauten verblieben zunächst in Wendover für weitere Abwurfversuche. Drei gehörten zur 216th Army Air Forces Base Unit und zwei zur 509th CG. Obwohl bei Martin weitere Umbauten produziert wurden, blieb es bei der 509 zunächst bei einer Gesamtstärke von 15 Maschinen. Jede Maschine hatte eine Stammbesatzung, die normalerweise zusammenblieb.
Einsatz Im Mai richtete sich die Gruppe auf dem North Field auf der Insel Tinian ein und begann nach der Ankunft der ersten Maschinen am 11. Juni 1945 zunächst mit 15 weiteren Übungseinsätzen gegen die von den Japanern besetzten Inseln Truk, Marcus, Rota und Guguan mit normalen Bomben von 454 kg und 907 kg.
Pumpkin Bombs mini|Eine 5,4t- „Pumpkin“ Bombe Diesen „Übungseinsätzen“ folgten zwölf Angriffe auf Japan mit sogenannten „Pumpkin-Bomben“. Diese entsprachen von Form und Gewicht weiterhin der Atombombe „Fat Man“, waren aber nun mit 2900 kg normalem Sprengstoff gefüllt. Diese Einsätze erfolgten immer mit drei Flugzeugen, um die japanische Luftabwehr über die relative Ungefährlichkeit dieser Formationen zu täuschen. Insgesamt wurden am 20., 23., 26. und 29. Juli sowie am 8. und 14. August 49 dieser Bomben abgeworfen. Eine musste nach technischen Problemen notabgeworfen werden, zwei weitere ließen sich nicht abwerfen. Eine fiel beim Start noch am Boden aus ihrer Aufhängung und beschädigte dabei den Bomber Nr. 73. Nach dem Abwurf flogen die Piloten wieder das Verfahren, das für die Atombomben erdacht und in Wendover eingeübt worden war. Am 16. Juli 1945 erfolgte der Trinity-Test und bewies die Funktionsfähigkeit der komplizierten Plutoniumbombe. Die simplere Uranbombe war nicht getestet worden, man ging davon aus, dass sie in jedem Fall funktionieren würde. Für einen Test stand auch nicht genug spaltbares 235U zur Verfügung.
Ankunft der Atombomben mini|Eine C-54 der 320th Troop Carrier Squadron „Green Hornets“