Leopold „Leo“ Baumgartner, in Australien The Little Professor bzw. The Little Professor of Soccer oder auch Sabrina genannt, (* 14. März 1932 in Wien, Österreich; † 17. November 2013 in Coffs Harbour, New South Wales, Australien) war ein österreichisch-australischer Fußballspieler und -trainer.
Karriere Karrierebeginn in Wien und Einsätze in Kapfenberg Leopold Baumgartner wurde am 14. März 1932 in Wien geboren, musste jedoch von hier mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg fliehen, als das Haus, in dem sie lebten, einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Später kehrte die Familie wieder nach Wien zurück, wo Baumgartner anfangs für lokale Amateurklubs zum Einsatz kam. Bereits als Zwölfjähriger spielte er in der Herrenmannschaft des damaligen Zweitligisten WFC 20. Nachdem er in weiterer Folge beim Wiener AC aktiv gewesen war, wurde er aufgrund seines Talents vom SK Rapid Wien entdeckt und zu ebendiesem gelotst. Etwa mehr als ein Jahrzehnt davor hatte der später in Schweden tätige Walter Probst (1918–2007) den gleichen Weg bestritten und war im Jahre 1935 über den WFC 20 und den WAC zu Rapid gekommen. Als 16-Jähriger nahm Baumgartner an Länderspielen der österreichischen U-18-Junioren teil und absolvierte in weiterer Folge zwei Spielzeiten bei der Kapfenberger SV in der damaligen Staatsliga B.
Torjäger bei Austria Wien Im Jahre 1953 erfüllte sich daraufhin, wie Baumgartner selbst in seiner 1968 erschienenen Autobiografie schreibt, ein Kindheits- bzw. Jugendtraum, als er vom zweiten Wiener Großklub Austria Wien ein Angebot erhielt, für den Klub in der Staatsliga A zu spielen. Mit den Kapfenbergern hatte er zuvor noch in der Saison 1952/53 in der Staatsliga B um den Aufstieg ins Oberhaus gespielt, unterlag jedoch in der nachfolgenden Relegation dem SV Austria Salzburg mit einem Gesamtergebnis von 3:7. Dort spielte er unter anderem an der Seite von Spielern wie Ernst Ocwirk, Ernst Stojaspal oder Ernst Melchior, kam aber in der Anfangszeit zu wenig Einsätzen in der Staatsliga A, wurde jedoch des Öfteren in Testspielen und bei den zahlreichen weltweiten Tourneen des Klubs eingesetzte.
Unter Wudi Müller, dem längstdienenden Trainer in der Vereinsgeschichte, wurde er in der Spielzeit 1953/54 für den amtierenden Meister in lediglich sechs Meisterschaftsspielen der Staatsliga A eingesetzt. Während er in der Liga noch torlos blieb, steuerte er bei 21 Freundschafts- und Testspielen in dieser Saison bereits 15 Tore bei und zeigte seine Torgefährlichkeit. Im Endklassement der Staatsliga A rangierte die Austria mit drei Punkten Rückstand auf Rapid auf dem zweiten Tabellenplatz.
Von Ende Dezember 1954 bzw. Anfang Jänner 1955 bis Mitte Februar 1955 absolvierte er mit der Austria eine Tournee durch Südamerika, wo Spiele in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Peru absolviert wurden. Bereits davor hatte er kurz vor Beginn der Winterpause mit dem Team einige Spiele in Frankreich und den Niederlanden absolviert. Im Frühjahr und Sommer des gleichen Jahres absolvierte er mit der Mannschaft weitere Spiele in Frankreich und Skandinavien (dabei vor allem in Schweden). Von den 43 Einsätzen in dieser Saison absolvierte er lediglich 14 von 26 möglich gewesenen in der Liga, wobei er drei Tore beisteuerte, und kam in den restlichen 29 Partien in Freundschafts- und Testspielen, in denen er sechs Mal zum Torerfolg kam, zum Einsatz. In der Endtabelle der Staatsliga A belegten die Veilchen 1954/55 den fünften Platz.
Spätestens ab der Saison 1955/56 gehörte Baumgartner der Stammformation in Wiener Austria an. Die einstigen Torjäger Stojaspal und Melchior waren bereits 1954 ins Ausland gegangen, womit Baumgartner die Möglichkeit erhielt, sich als Stürmer durchzusetzen. Mit 13 Treffern, die er bei seinen 18 Meisterschaftseinsätzen in dieser Spielzeit erzielte und dabei des Öfteren die Vorlagen von Ocwirk, der das Team zum Saisonende in Richtung Italien verließ, bekam, war er der beste Torschütze der Violetten. Ein Titel blieb Baumgartner jedoch abermals verwehrt; die Austria rangierte am Ende auf dem vierten Platz. Hinzu kamen in dieser Saison Einsätze in 32 Test- und Freundschaftsspielen, bei denen er insgesamt zwölf Tore erzielte. Mit der Austria tourte er dabei unter anderem in den Wintermonaten durch Nord-, Mittel- und Südamerika oder war in den Sommermonaten in Polen oder Frankreich im Einsatz.
1956/57 bestritt er mit der Austria anfangs die jährlichen Testspiele in Frankreich und trat mit der Mannschaft auch in Spielen in der Sowjetunion an. Ende August 1956 startete er mit der Mannschaft erfolgreich in die neue Saison und konnte sich bei ersten Saisonspiel, einem 3:2-Heimsieg über den Wiener AC, gleich in der zweiten Spielminute mit einem Elfmetertor als Torschütze eintragen. Beim nachfolgenden Auswärtsspiel gegen Kapfenberg setzte es wenige Tage später einen 5:2-Auswärtserfolg der Wiener, bei dem Baumgartner gleich vier Tore beisteuerte. Bis zur Winterpause hatte er es bei 14 Ligaeinsätzen auf 13 Treffer gebracht und bereiste in weiterer Folge mit dem Wiener Großklub Spanien, die Türkei und Israel. In die Rückrunde im Frühjahr startete Baumgartner allerdings verhalten. Nach drei absolvierten Meisterschaftsspielen hatte er noch keinen Treffer erzielt und wurde in den nachfolgenden Ligaspielen von Trainer Leopold Vogl geschont und im April und Mai 1957 vor allem in Freundschafts- und Testspielen eingesetzt. Erst in der 21. Runde fand er wieder den Weg zurück in die Startformation, der er daraufhin wieder bis zum Saisonende angehörte. Bei 23 Ligaspielen brachte es der gebürtige Wiener auf 19 Treffer, war damit abermals mannschaftsinterner Torschützenkönig und gehörte zumindest zu den Top 5 der Liga. In seinen 33 anderen Einsätzen in dieser Saison erzielte er 30 Treffer.
In der darauffolgenden Saison startete er mit der Austria unter dem neuen Trainer Karl Adamek in die Saisonvorbereitung mit einem Spiel in Ägypten und trat daraufhin Ende August 1957 eine zehnwöchige Reise durch Australien und Neuseeland an, wobei er seine Frau und seine damals einjährige Tochter Sonja zurücklassen musste. Bei dieser Reise fiel er durch die Vielzahl an erzielten Toren auf. Bei 15 Einsätzen kam er 23 Mal zum Torerfolg. In Australien war er vor allem von den weitläufigen Straßen, der Größe der Einfamilienhäuser, den freundlichen Menschen, dem Klima und vor allem den weißen Stränden angetan und hatte des Öfteren das Verlangen, diese Eindrücke mit seiner Familie zu teilen. Nachdem die Mannschaft im August 1957 wieder nach Österreich zurückgekehrt war, startete Baumgartner in die Spielzeit 1957/58, zehrte jedoch noch immer von den gewonnenen Eindrücken der zehnwöchigen Tournee. Mit Karl Jarosch (auch Karl Jaroš oder Karl Jaros genannt), seinem ein halbes Jahr älteren Teamkollegen und engsten Freund in der Austria-Mannschaft, unterhielt er sich in weiterer Folge über Australien und bemängelte seine persönliche finanzielle Situation bei der Austria. Der damalige Masseur der Wiener, der dieses Gespräch mitangehört hatte, bot daraufhin an, einem tschechischen Freund, der in Sydney lebte, einen Brief zu schreiben, um die beiden womöglich zum dort ansässigen und durch tschechoslowakische Einwanderer gegründeten Sydney Prague FC zu lotsen.
Emigration nach Australien Was die beiden anfangs noch belächelten und nicht für möglich hielten, wurde kurze Zeit später Wirklichkeit, als die beiden vom besagten Klub, dessen Verantwortlichen die beiden von ihrer Tournee kannten, Angebote erhielten nach Australien zu wechseln. Da die Australian Soccer Football Association, der Vorgängerverband vor der heutigen Football Federation Australia, kein ordentliches Mitglied der FIFA war, bedurfte es auch keiner Freigabe der Austria, um nach Australien zu wechseln. In seiner letzten Saison in Österreich hatte er bei 27 Einsätzen 36 Tore erzielt, davon fünf Tore in acht Meisterschaftspartien. An Bord des Immigrantenschiffs MS Flaminia, das unter anderem in den 1950er Jahren von Triest und Genua nach Australien verkehrte,MS Flaminia auf ssMaritime.com (englisch), abgerufen am 12. September 2018 ging es für die beiden samt Familie von Genua nach Melbourne und von hier mit dem Flugzeug weiter nach Sydney. In Genua wurden sie bis zur Abreise von Baumgartners ehemaligen Mitspieler Ernst Ocwirk, der als Torjäger bei Sampdoria Genua mittlerweile auch in Italien als Starspieler galt, unterstützt. In Australien wurde den beiden Spielern für die ersten sechs Monate gleich ein Haus mit sechs Schlafzimmern in der Sydneyer Vorstadt Marrickville bereitgestellt und auch für Lebensmittel und Kleidung wurde gesorgt. Das erste Spiel mit den in Australien als österreichische Starspieler gepriesenen Baumgartner und Jarosch endete jedoch noch vor rund 7.500 Zuschauern in einer klaren 2:7-Niederlage gegen den Lokalrivalen Sydney Hakoah, was auch auf die lange Anreise und die fehlende Akklimatisation zurückzuführen war. Im Endklassement erreichten die beiden mit ihrem neuen Verein den vierten Platz, woraufhin auch erstmals österreichische Medien auf den australischen Fußball aufmerksam wurden.
Baumgartner erhielt von den Verantwortlichen des Vereins von Beginn an vollstes Vertrauen und vermittelte einige weitere österreichische Spieler zum Sydney FC Prague, unter anderem Walter Tamandl, András Sági und Eric(h) Schwarz.Schwarz im Austria-Archiv, abgerufen am 12. September 2018 1959 folgten unter anderem die Brüder Herbert und Erwin Ninaus aus der Steiermark, wobei der ältere Herbert bis zu seinem Tod im Jahre 2015 in Australien blieb und der jüngere Erwin nach zwei Jahren wieder die Heimreise antrat. Spätestens in der darauffolgenden Saison war Baumgartner als Torjäger in Australien angekommen. Nach dem Gewinn des Ampol Cups mit einem 7:0-Finalsieg über Auburn in der Saisonvorbereitung gewann er mit dem Team auch die anschließende Meisterschaft und war mit 32 Treffern äußerst torgefährlich. So erzielte er beim Finalspiel der Meisterschaft, einem Sieg über APIA Leichhardt, vor der Kulisse von etwa 13.000 Zusehern zwei Tore. Sein ehemaliger Mitspieler, der Torhüter Ron Lord, sprach später davon, dass Baumgartner seine Tore zum Teil mit einer gewissen Arroganz erzielte und aufgrund seines Talents einige Kunststücke beim Erzielen von Toren vorführte. In diesem Jahr vertrat er auch erstmals eine Auswahl von Soccer NSW, der Vorgängerorganisation des heutigen Football NSW, dem Fußballverband von New South Wales, und absolvierte für diese drei Spiele gegen den costa-ricanischen Klub Deportivo Saprissa, wobei er sogar als Mannschaftskapitän in Erscheinung trat. In der Mannschaft, die nunmehr aus mehreren Österreichern und Deutschen (unter anderem Les Scheinflug) bestand, hielt es ihn jedoch nicht mehr lange.
Wechsel zu Canterbury