mini|Luftbild der Talsperre Lehnmühle bei Niedrigwasser mit der Brücke von Steinbrückmühle und Grundmauern früherer Häuser, August 2018 mini|„Steinbrück M.“ im Oberreitschen Atlas, Mitte des 19. Jahrhunderts (Bildmitte), mit der südwestwärts verlaufenden Poststraße von Dippoldiswalde nach Frauenstein und der nordwestwärts verlaufenden Zinnstraße (abschnittsweise „Fürsten Weg“) von Altenberg nach Freiberg mini|Brücke von Steinbrückmühle, dahinter die Staumauer der Talsperre Lehnmühle, August 2018 mini|Brücke von Steinbrückmühle mit der Wilden Weißeritz, September 2018 mini|Reste der Kreherschmiede bei Steinbrückmühle mit dem Wasserrad, August 2018 mini|Grundmauern abgebrochener Gebäude in Steinbrückmühle am Ufer der weitgehend leeren Talsperre, September 2018 mini|Baumstümpfe entlang der Straße nach Schönfeld, August 2018 mini|Üblicher Wasserstand nahe dem Stauziel, Blick nach Süden, 2017 mini|Infotafel zur Ortsgeschichte von Steinbrückmühle mini|Schleifstein der abgebrochenen Wagnermühle, 2014 geborgen und nahe Steinbrückmühle aufgestellt mini|Wegweiser an der Alten Zinnstraße mit Richtungsweisung auf die Steinbrückmühle Steinbrückmühle ist eine Wüstung in der Gemeinde Hartmannsdorf-Reichenau im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Ortschaft entstand auf sächsischer Seite des östlichen Erzgebirges um eine Mühle an einem regional bedeutenden Flussübergang an der Wilden Weißeritz. Die Bewohner mussten Steinbrückmühle 1932 aufgeben, da es sich seither im Stauraum der Talsperre Lehnmühle befindet und im Normalfall rund 15 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Von der einstigen Siedlung blieben unter anderem die Grundmauern mehrerer Gebäude und die Steinbogenbrücke erhalten. Über den Wasserspiegel ragen sie nur bei extremem Niedrigwasser in der Talsperre, was 1974/75 und 2018 der Fall war sowie im Spätsommer 2026 der Fall ist. Zudem stehen mehrere der Anfang der 1930er Jahre in Steinbrückmühle abgebrochenen Gebäude seit ihrem Wiederaufbau im Nachbarort Neubau.

Lage Die Wüstung liegt auf 504 bis im Tal der Wilden Weißeritz und größtenteils im Stauraum der Talsperre Lehnmühle. Östlich und westlich des zentral im Osterzgebirge gelegenen Ortes steigt das Gelände auf bis zu an. Steinbrückmühle befand sich im äußersten Osten der Gemarkung von Hartmannsdorf. Die grob von Süden nach Norden verlaufende Wilde Weißeritz markiert dabei eine Flur- und Stadtgrenze. Die orografisch rechte, östlich des Talwegs gelegene Seite, auf der unter anderem die Kreherschmiede stand, zählt bereits zur Gemarkung Hennersdorf und damit zur Großen Kreisstadt Dippoldiswalde. Benachbarte, noch bestehende Siedlungen sind neben Hennersdorf im Nordosten und Hartmannsdorf im Nordwesten noch die Hartmannsdorf-Reichenauer Ortsteile Neubau im Westen und Reichenau im Süden sowie der Dippoldiswalder Ortsteil Ammelsdorf im Südosten.

Geschichte Ortsname und Entstehung Steinbrückmühle bezeichnete zunächst nur ein Mühlengebäude und ging später auf den ganzen Ort über. Der Ortsname bedeutet Mühle an der steinernen Brücke und bezieht sich damit auf eine der vielen Mühlen im Weißeritztal. Das frühe Vorhandensein einer steinernen Brücke deutet auf einen wichtigen Flussübergang hin. Tatsächlich überquerte einerseits die von den Zinnerzgruben in Altenberg und Niederpöbel über Ammelsdorf und Hartmannsdorf zu den Hütten im Freiberger Bergrevier führende Zinnstraße bei der Steinbrückmühle die Wilde Weißeritz, andererseits die Poststraße von Frauenstein über Reichenau und Hennersdorf nach Dippoldiswalde (abschnittsweise identisch mit der Bundesstraße 171). Beide Straßen teilten sich im Bereich der Brücke, die daher umgangssprachlich bisweilen auch als Zinnbrücke bezeichnet wird, die Trasse. Der stark frequentierte Flussübergang hat zur Bildung einer Ortschaft um das Mühlengebäude beigetragen; die einst 21 anderen Mühlen im Tal der Wilden Weißeritz, darunter die flussabwärts gelegene Lehnmühle, blieben hingegen Einzelgebäude. Zwischen Rehefeld-Zaunhaus und Tharandt ließ das enge Tal weitestgehend keine größeren Ansiedlungen zu. Nur im Abschnitt zwischen Lehn- und Steinbrückmühle waren die Hänge flach und waldfrei,Moritz von Süßmilch: Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart. Hermann Graser Verlag, Annaberg 1889, 2. Auflage 1894, S. 264 (Digitalisat). was die Entstehung des Ortes ebenfalls begünstigt hat.

Geschichte der Mühle Die Wassermühle gehörte zum bereits vor dem 17. Jahrhundert aufgegebenen Ort Helbigsdorf, abgerufen am 7. September 2018. und wurde 1432 zur Zeit der Hussitenkriege von den Hussiten zerstört und 200 Jahre später im Dreißigjährigen Krieg von den Kroaten; erst 1665 wurde sie wiederaufgebaut. Im Jahr 1445 fand sie als Mühle „bey der steinen brukken“ Erwähnung. Die Besitzer der Mühle wechselten häufig, 1581 gehörte sie dem Rat von Frauenstein. Im Jahr 1608 wurde sie als Steingebäude mit drei Gängen erbautChristian August Bahn: Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein, Welches so wohl wegen seines Alterthums, als auch wegen der Besitzer, Veränderungen, Gelehrten und Geehrten Söhne, nebst anderen Begebenheiten, merckwürdig ist, kürzlich, jedoch mit gutem Grund der Wahrheit beschrieben und mit beygefügten Urkunden bewiesen. Friedrichstadt 1748, S. 166 (Digitalisat). und 1701 vom Staat an den Forst- und Jagdschreiber Samuel Baldauf übereignet.Archivale im Hauptstaatsarchiv Dresden. Abgerufen am 7. September 2018. Anfang des 18. Jahrhunderts war Christian Silbermann (1673–1728), ein älterer Halbbruder des bedeutenden, aus dem nahen Kleinbobritzsch stammenden Orgelbauers Gottfried Silbermann, der Müller der Steinbrückmühle.Marc Schaefer: Recherches sur la famille et l’oeuvre des Silbermann en Alsace. In: Veröffentlichungen der Walcker-Stiftung für orgelwissenschaftliche Forschung. Bd. 23, Köln 2012, S. 61 (Digitalisat).

Die Mühle brannte am 15. Februar 1730Christian August Bahn: Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein, Welches so wohl wegen seines Alterthums, als auch wegen der Besitzer, Veränderungen, Gelehrten und Geehrten Söhne, nebst anderen Begebenheiten, merckwürdig ist, kürzlich, jedoch mit gutem Grund der Wahrheit beschrieben und mit beygefügten Urkunden bewiesen. Friedrichstadt 1748, S. 198 (Digitalisat). nieder und wurde 1762 im Siebenjährigen Krieg von Angehörigen der Reichsarmee geplündert.Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges. Bd. 98, Mittler und Sohn, Berlin 1856, S. 131 (Digitalisat). Im Jahr 1901 brannte sie abermals ab. Sie wurde anschließend wiederaufgebaut, das benachbarte Wirtschaftsgebäude jedoch erst 1912. Im Jahr darauf wurde die Zwangsversteigerung angeordnet. Der Mühlgraben zweigte mehrere 100 Meter oberhalb der Mühle orografisch links von der Wilden Weißeritz ab. In Höhe des auf alten Karten als Höllenlochfluss bezeichneten Baches unterquerte er die nach Süden entlang der Weißeritz führende Straße und nahm diesen auf. Unmittelbar oberhalb der Mühle mündete auch der Neubauer Bach ein. Paul Pretzsch erwarb 1918 den Mühlgraben und ließ daran einen Stromgenerator errichten, der den Ort mit elektrischer Energie versorgte. Die alte Mühle unterhalb der Brücke diente nunmehr als Schrotmühle bzw. war mittlerweile ein bäuerliches Anwesen geworden. Oberhalb der Brücke betrieb Kurt Pretzsch eine Mahlmühle.

Geschichte des Ortes mini|links|Steinbrückmühle von Johann Friedrich Wilhelm Wegener, 1838 Die um 1600 von Matthias Oeder geschaffene Karte verzeichnet an Ort und Stelle eine „Brück“ und eine „Mül“. Die Steinbrückmühle war Teil der auf den alten Helbigsdorfer Fluren entstandenen Streusiedlung Neubau, deren Gesamteinwohnerzahl „incl. der steinernen Bruͤckmuͤhle“Ernst Eichler/Hans Walther: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Bd. II, Berlin 2001. S. 94 (). im Jahr 1791 mit 14 angegeben wurde und die zum Amt Frauenstein gehörte., abgerufen am 7. September 2018. Um die Steinbrückmühle entwickelte sich eine kleine Siedlung mit rund zehn Gebäuden, darunter der Gasthof Steinbrückmühle unmittelbar südwestlich der Brücke. Im Jahr 1819 schrieb August Schumann, „3 schöne, wichtige Gebäude [des Ortes Neubau], nämlich die Steinbrückmühle, der Gasthof und das Geleitshaus, liegen im Weißeritzthale bei der Steinbrücke“.August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Bd. 6, Schumann, Zwickau 1819, S. 823 (Digitalisat). Diese Brücke hatte damals zwei gemauerte Bögen; sie musste mehrfach nach Zerstörungen durch Hochwasser neugebaut werden, so auch im 17. Jahrhundert.Willi König, Reinhard Joachim Süring: Zeitschrift für Meteorologie. Bd. 17–18, Akademie-Verlag, Berlin 1963, S. 85.

In einer weiteren Beschreibung von 1819 heißt es: „Bei der schönen und großen Steinbrückmühle ist eine Sägemühle, und so viel Gräserei, daß über 20 Kühe gehalten werden.“August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Bd. 6, Schumann, Zwickau 1819, S. 824 (Digitalisat). Der Maler Johann Friedrich Wilhelm Wegener malte die Steinbrückmühle im Jahr 1838; dieses Werk befindet sich im Kupferstichkabinett Dresden. Im Jahr 1840 nannte Albert Schiffner „die 1701 vom State veräusserte grosse Steinbrückmühle mit Säge, starker Viehwirthschaft und dem Gasthofe zum rothen Hirsch, welche nebst noch 4 Häusern 1 St. von Frauenstein an der Weisseritz sehr anmuthig da steht, wo die Dresdener Strasse das Flüßchen mittels der Steinbrücke überschreitet, um gleich nachher sich nach Dippoldiswalde und Altenberg zu spalten“.Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Zweite Lieferung, den Dresdener Kreisdirectionsbezirk enthaltend. Friedrich Fleischer, Leipzig 1840, S. 660 (Digitalisat).

Geschichte der Straße Die Straße von Reichenau über Neubau und Steinbrückmühle nach Hennersdorf führte noch im ausgehenden 19. Jahrhundert recht geradlinig und steil durch das Weißeritztal. Vor 1912 wurde sie komplett neu trassiert, um geringere Steigungen zu erreichen. Die alte Trasse südlich des aus Neubau kommenden Bachs ist als Waldweg erhalten. Die neue Trasse führte nördlich des Bachs talwärts, beschrieb dann eine weite Kurve und führte nicht mehr rechtwinklig, sondern fast parallel zum Hang ins Tal. An einer scharfen Kurve zwischen Mühle und Gasthof bog sie zur Brücke ein. Unmittelbar nach der Brücke folgte rechts der Abzweig zur Kreherschmiede, einer um 1900 von August Kreher betriebenen, allerdings schon um 1850 bestehenden Schmiede und Eisenschleiferei, die die anliegende Wasserkraft nutzte, jedoch nicht zu Steinbrückmühle, sondern als Einzelgut Nr. 70 zu Hennersdorf gehörte. Nach einer erneuten Kurve stieg die Straße ebenfalls längs zum Hang wieder aus dem Tal heraus, um sich schließlich wieder in Richtung Osten zu wenden.

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