Das SCUM Manifesto ist eine Publikation der US-amerikanischen Radikalfeministin Valerie Jean Solanas.

Geschichte 1967 traf Solanas den Verleger Maurice Girodias, der zu diesem Zeitpunkt vor allem Underground-Literatur sowie Pornografie veröffentlichte. Er war von ihrem „Wortwitz“ begeistert und bezeichnete sie als „Bilderstürmerin“. Er kaufte ihr die Rechte am S.C.U.M. Manifesto ab.

Am 3. Juni 1968 schoss Solanas auf Andy Warhol und verletzte ihn schwer. Girodias nutzte die durch den Skandal ausgelöste öffentliche Aufmerksamkeit, um Solanas’ S.C.U.M. Manifesto zu veröffentlichen.

Das S.C.U.M. Manifesto wurde 1976 mit Delphine Seyrig verfilmt. Es wurde 2004 von Mario Eick unter dem Titel Manifesto für die Bühne adaptiert und inszeniert.

Inhalt Das Manifest beginnt mit folgender Passage:

Solanas schreibt, die Geschichte habe bewiesen, dass Männer weder fähig noch willens seien, menschlich zu handeln, und aus diesem Grund vernichtet werden müssen, damit der Aufbau einer menschlichen Gesellschaft möglich werde. Noch härter werden jene Frauen beurteilt, die sie als „Kollaborateurinnen der Männerherrschaft“ bezeichnet.Mary Harron: Die Vernichtung. In: EMMA, 1. März 1997, abgerufen am 16. Februar 2021. Erstveröffentlichung in EMMA, Ausgabe März/April 1997.

Maurice Girodias, der Herausgeber des SCUM-Manifests, behauptete, SCUM stehe für Society for Cutting Up Men (dt. wörtlich: Gesellschaft zur Zerstückelung von Männern). Solanas hingegen schien dies nie so beabsichtigt zu haben.Stichwort Solanas, Valerie. In: Susan Ware, Stacy Lorraine Braukman (Hrsg.): Notable American Women: A Biographical Dictionary Completing the Twentieth Century. Radcliffe Institute for Advanced Study. Belknap Press, Cambridge, Massachusetts 2004, ISBN 0-674-01488-X, S. 602–603 (englisch; ), hier S. 603, linke Spalte: Elizabeth D. Hoover: . Rubrik American Heritage People. In: AmericanHeritage.com. History’s Homepage, 3. Juni 2006: Der Satz Society for Cutting Up Men taucht nie in dem Text auf und Solanas bezeichnet einen bestimmten Frauentyp, nicht Männer, als SCUM. Sie schreibt:Solanas zitiert in: Brigitte Classen: Pornost: Triebkultur und Gewinn. Raben Verlag, München 1988, ISBN 3-922696-18-X, S. 160.

Rezeption Mary Harron lobt Solanas’ „ausgeprägten Hang zur Komik“ und bezeichnet das SCUM-Manifest als eine „brillante Satire“, in welcher Solanas den Männern die Schuld an jedem Übel der modernen Welt gibt. Solanas selber bestritt, dass ihr Werk ein ‘put-on’, das heißt ein Streich oder eine Parodie, sei.

Andere Autoren argumentieren ebenfalls, dass das SCUM-Manifest eine Satire und Parodie im Sinne von Jonathan Swifts A Modest Proposal sei, die sich mit dem Patriarchat und Sigmund Freuds Psychoanalyse auseinandersetzt. Der Text ersetze lediglich das Wort Frau durch Mann und nutze alle Klischees der psychoanalytischen Theorie: Der biologische Unfall, das unvollkommene Geschlecht, den Penisneid, der nun zum Pussy-Neid geworden ist.Ginette Castro: American Feminism: A Contemporary History. New York University Press, New York, London 1990, ISBN 0-8147-1435-8 (Erstveröffentlichung: Radioscopie du féminisme américain. Presses de la Fondation Nationale des Sciences Politiques, Paris 1984; aus dem Französischen ins Englische übersetzt von Elizabeth Loverde-Bagwell). Teil 4, Kapitel Radical Feminism, S. 67–105 (), hier S. 73–74: Laura Winkiel: The “Sweet Assassin” and the Performative Politics of SCUM Manifesto. In: Patricia Juliana Smith (Hrsg.): The Queer Sixties. Routledge, New York 1999, ISBN 0-415-92168-6, S. 62–85 (englisch; ), hier S. 68–69: James Penner: Pinks, Pansies, and Punks: The Rhetoric of Masculinity in American Literary Culture. Indiana University Press, Bloomington/Indiana 2011, ISBN 978-0-253-35547-8. Kapitel 5: The Gender Upheavals of the Late 1960s and Early 1970s: The Black Panthers, Gay Liberation, and Radical Feminism, S. 212–242 (englisch; ), hier S. 233: J. Hoberman: The Magic Hour: Film at Fin de Siècle. Temple University Press, Philadelphia 2003, ISBN 1-56639-995-5. Kapitel I Shot Andy Warhol. Untertitel: ; S. 48–50 (englisch; ), hier S. 48: In einem Interview mit der Zeitschrift The Village Voice erklärte Solanas dazu, dass ihr Manifest nicht als ernst gemeinte Handlungsanleitung gedacht gewesen sei.Howard Smith: Valerie Solanas Interview. In: The Village Voice, 25. Juli 1977, S. 32 ff.

In dem 2018 erschienenen Roman Kampfsterne der Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange wird das Scum-Manifesto erwähnt.

Literatur Valerie Solans: SCUM MANIFESTO. (Volltext online. In: Spunk Library; englisch). SCUM manifesto. Olympia Press, London 1971, ISBN 0-7004-1030-9. Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer, SCUM. März Verlag, Darmstadt 1969. Lizenzausgabe bei Philo Fine Arts, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86572-666-7.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Essay Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Gewalt gegen Männer Kategorie:Feministische Publikation