Hanno-Walter Kruft (* 22. Juni 1938 in Düsseldorf; † 10. September 1993 in Rom) war ein deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer.

Hanno-Walter Kruft studierte ab 1958 Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und an der Freien Universität Berlin. 1964 wurde er in Bonn mit einer Arbeit über Altichiero da Zevio und Jacopo di Pietro Avanzi bei Herbert von Einem promoviert. Von 1964 bis 1967 war er wissenschaftlicher Assistent am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und im Anschluss bis 1970 Stipendiat am Kunsthistorischen Institut in Florenz. Es folgte die wissenschaftliche Assistenz am Kunsthistorischen Institut der Technischen Hochschule Darmstadt, an der er sich 1972 habilitierte, dann als Privatdozent, schließlich als Professor lehrte. 1982 wechselte er als Lehrstuhlinhaber auf den neu eingerichteten Lehrstuhl an die Universität Augsburg.

In seiner Lehre vertrat er die Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, vom Kunstgewerbe bis zur Kunsttheorie, von der Kunst in den Vereinigten Staaten bis zur Kunst der Sowjetunion. Sein Hauptarbeitsgebiet war die italienische Renaissance, hier insbesondere die Skulptur Domenico Gaginis und seines Sohnes Antonello Gagini sowie Francesco Lauranas, außerdem die Architekturtraktate des 16. und 17. Jahrhunderts und die Architektur des 20. Jahrhunderts.

Sein erstes Hauptwerk war die 1985 veröffentlichte Geschichte der Architekturtheorie, die ins Englische, Spanische und Italienische übersetzt wurde. Ein zweites Hauptwerk, Städte in Utopia, erschien 1989, auf Italienisch 1990. Intensiv setzte sich Hanno-Walter Kruft mit Ferdinand Gregorovius auseinander, dessen Römische Tagebücher er 1991 zusammen mit Markus Völkel herausgab. Neben seinen Monographien und den Editionen etwa zu Karl Philipp Moritz und Gregorovius publizierte er über 70 Aufsätze und fast ebenso viele fachwissenschaftliche Rezensionen. Hanno-Walter Kruft, der ab 1991 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war, starb im Alter von 55 Jahren.

Publikationen (Auswahl) Altichiero und Avanzo. Untersuchungen zur oberitalienischen Malerei des ausgehenden Trecento. Universität Bonn, Bonn 1966 (zugleich Diss. Uni Bonn 1964). Portali genovesi del Rinascimento. Ed. EDAM, Florenz 1971. Domenico Gagini und seine Werkstatt. Bruckmann, München 1972. Antonello Gagini und seine Söhne. Bruckmann, München 1980. Geschichte der Architekturtheorie. Von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 1985. Städte in Utopia. Die Idealstadt vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zwischen Staatsutopie und Wirklichkeit. C.H. Beck, München 1989. mit Markus Völkel (Hrsg.): Ferdinand Gregorovius. Römische Tagebücher 1852–1889. C.H. Beck, München 1991. Francesco Laurana. Ein Bildhauer der Frührenaissance. C.H. Beck, München 1995.

Literatur Bruno Bushart: Hanno-Walter Kruft (22.6.1938 – 10.9.1993). In: Zeitschrift für Kunstgeschichte. Band 56, 1993, S. 597–600. Willibald Sauerländer: Hanno-Walter Kruft. In: Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1994. () München 1995, S. 211–215 (online als PDF-Dokument; 433 kB).

Weblinks

Fotografischer Nachlass und Kurzbiographie von Hanno-Walter Kruft auf der Website der Bibliotheca Hertziana

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