Die römisch-katholische Pfarrkirche Sankt Zeno (auch: St.-Zeno-Kirche, früher: Münster St. Zeno) ist die größte Kirche der Stadt Bad Reichenhall in Bayern. Sie gilt als größte romanische Kirche Altbayerns.Bad Reichenhall: Kloster und Münster St. Zeno

Die heutige Pfarrkirche und frühere Klosterkirche steht unter Denkmalschutz und ist gemeinsam mit dem Kloster, dem Kreuzgang und dem Klostergarten unter der Nummer D-1-72-114-136D-1-72-114-136, koid=35460 in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Lage Kirche und Kloster waren namensgebend für die Gemeinde St. Zeno, die 1910 in die Stadt Bad Reichenhall eingemeindet wurde. Die Kirche steht an der heutigen Salzburger Straße und ist nicht geostet, sondern die Gebäudeachse zeigt nach Nordosten. Das gleichnamige Kloster St. Zeno schließt mit seinem Kreuzgang direkt an die östliche Längswand der Kirche an. Der Friedhof St. Zeno beginnt zwischen Kirche und Straße und erstreckt sich nördlich von Kirche und Kloster nordostwärts.

Geschichte Lange wurde angenommen, dass in St. Zeno die erste Kirche im Bad Reichenhaller Saalachtal stand. Heute steht fest, dass die um 790 erwähnte ecclesia ad salinas der Vorgängerbau der heutigen St.-Johannes-Spitalkirche in der Poststraße war. Nachdem die Erzbischöfe von Salzburg – nach einer Schenkung von Solequellen und Sudstätten durch Herzog Theodo an Erzbischof Rupert von Salzburg – auch wirtschaftliches Interesse am damaligen „Hall“ hatten, ließ Erzbischof Arn ab 810 im Nordosten der Stadt einen neuen Friedhof anlegen und eine Kirche bauen. Ein Besuch von Kaiser Karl dem Großen 803 in Salzburg, den Erzbischof Arn zu seiner Kaiserkrönung in Rom begleitet hatte, soll für den Kirchenbau eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Wahl des Kirchenpatrons geht auf zweierlei zurück: Der Salzburger Erzbischof hatte auch eine enge Verbindung mit Karls drittem Sohn Pippin von Italien, der am 21. Mai 807 die Gebeine des heiligen Zeno in die neuerbaute Basilika San Zeno Maggiore in Verona überführt hatte, wobei Erzbischof Arn ebenfalls anwesend war. Zudem war der heilige Zeno Schutzpatron gegen Überflutungen. Auch deshalb fiel in einer Zeit, in der sich die Saalach bei Hochwasser über das gesamte heutige Stadtgebiet ausbreitete, es in eine weite Sumpflandschaft verwandelte und die Salzquellen gefährdete, die Wahl auf diesen Kirchenpatron.Walter Brugger: Bad Reichenhall St. Zeno (Geschichte). In: Kunstführer. Nr. 157, neu bearbeitete Auflage, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1995, S. 2–4

Unter Erzbischof Konrad wurde das Augustiner-Chorherrenstift gegründet, das 1136 urkundlich bestätigt wurde. Durch die Bulle von Papst Lucius II. aus dem Jahr 1144 wurden die bestehenden Kirchen Reichenhalls und der näheren Umgebung (St. Johannes, Nonn, Kirchberg, Gmain, Marzoll und St. Blasius in der Plainburg) St. Zeno unterstellt. Papst Eugen III. weitete dies 1145 auch auf alle zukünftigen Kirchen in diesem Gebiet aus. Nach Umwandlung der Leutkirche in eine Klosterkirche bedurfte es einer neuen Pfarrkirche in der näheren Umgebung. Die Pfarrkirche St. Marien direkt neben der Klosterkirche wurde 1158 durch Erzbischof Eberhard I. geweiht.

Zur wirtschaftlichen Versorgung des Stifts dienten die Hofmark Froschham, die Erhöhung der Salzanteile auf bis zu 1/16 der gesamten Produktion sowie ein Weinberg bei Krems.

Baugeschichte der Kirche Neubau im 12. Jahrhundert mini|Romanische Basilika, so ähnlich sah das Innere von St. Zeno bis zum Brand im Jahre 1512 aus

Nachdem die Leutkirche in St. Zeno in eine Klosterkirche umgewandelt und eine neue Pfarrkirche errichtet worden war, die 1158 geweiht wurde, sollte auch eine neue Klosterkirche gebaut werden. Die örtliche Lage der Propstei, des Kreuzganges und der Klostergebäude legte nahe, die Kirche in deutlich kleineren Ausmaßen zu planen. Der gleichzeitig entstehende Bau des Augustiner-Chorherrenstifts in Berchtesgaden war vielleicht der Grund dafür, dass die Reichenhaller Bürger Mitte des 12. Jahrhunderts eine jährliche Salzabgabe stifteten, „damit der Bau der Kirche vollkommener und würdiger errichtet werde.“ Frühere Pläne wurden fallengelassen und man fasste einen Großbau ins Auge.Walter Brugger: Bad Reichenhall St. Zeno (Baugeschichte). In: Kunstführer. Nr. 157, neu bearbeitete Auflage, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1995, S. 4–7

Um 1150 wurde im Osten und im Westen gleichzeitig mit dem Bau begonnen. Mit dem Chorraum sollte dem Konvent möglichst bald ein Raum für Gottesdienste und das Chorgebet zur Verfügung stehen und im Westen Portalzone, Turm und Propstkapelle errichtet werden. In den 60er-Jahren des 12. Jahrhunderts kam der Bau ins Stocken. In der langen Regierungszeit Propst Adelhards und vielleicht auch durch die Unterstützung von Kaiser Friedrich Barbarossa wurde der Bau wieder aufgenommen. Am 25. Oktober 1190 weihte Erzbischof Adalbert von Salzburg die innere Kapelle zu Ehren der heiligen Augustinus, Benedikt und Gregor. Sie schloss im Osten mit dem südlichen Seitenschiff ab. Der Kreuzgang wurde damals in der heutigen Form, allerdings mit romanischen Holzflachdecken, ausgebaut und mit einem Relief Kaiser Friedrich Barbarossas geschmückt.

1208 konnte Erzbischof Eberhard die Propstkapelle und 1228 in Anwesenheit der Bischöfe Karl von Seckau und Ulrich von Lavant die Kirche konsekrieren. Der Bau war eine dreischiffige Basilika mit einem Turm – ein zweiter war geplant, die Bauarbeiten kamen jedoch nie über das Fundament hinaus –, der Portalzone mit Portalvorbau und drei flach gedeckten Schiffen im klassischen romanischen Breitenverhältnis 1 : 2 : 1, die durch die Obergadenfenster des Mittelschiffs und die Fenster der Seitenschiffe beleuchtet wurden. Im westlichen Teil des südlichen Seitenschiffs befand sich die Propstkapelle, für die die Höhe des Seitenschiffs für zwei Joche um etwa die Hälfte, welche die gesamte Breite des Mittelschiffs einnahm. Sie war entweder vom Mittelschiff oder von den Seitenschiffen aus zugänglich. Nach Untersuchungen des Baus in den Jahren 1973 und 1974 ist bekannt, dass es auf Höhe des Chors auch einen Querbau gab, der dreieinhalb Meter über die Flucht der Seitenschiffe vorsprang und jeweils südlich und nördlich des Mittelschiffs einen Innenraum von 10 × 13 Metern umschloss. Diese Räume fügten sich nach Osten den Seitenapsiden an und trugen im Obergeschoss Emporen, die vermutlich liturgischen Zwecken dienten und mit einem Altar ausgestattet waren. Durch diesen Querbau fällt St. Zeno mit starken oberitalienischen Einflüssen aus dem Schema der altbayerischen Basiliken heraus.

Renovierung und Gotisierung nach dem Brand 1512 mini|Philipp Apian: „Sanct Zenn“, schon 2. H. 16. Jh. alle drei Lang­haus­schiffe unter einem Dach ohne Obergaden mini|Medaillon im Gewölbe: Maister Peter Inntzinger, Baumeister des Wiederaufbaus nach 1512

Die Renovierungsarbeiten nach einem verheerenden Brand am 5. Juli 1512 veränderten den Bau nachhaltig. Die Wiederherstellung mit Veränderungen leitete Baumeister Peter Inntzinger aus Salzburg. Das abgebrannte Satteldach des Turmes wurde durch eine Kuppel mit vier Ecktürmchen ersetzt, der Portalvorbau entfernt und die heute noch vorhandene Vorhalle errichtet. Im Inneren wurden die heutigen Gewölbe eingezogen. So verloren die Obergaden ihre Funktion, denn sie liegen seither über der Stichkappentonne des Mittelschiffs und verschwanden schon damals unter einem alle drei Schiffe des Langhauses überspannenden Dach. Die bisherigen Stützen, Pfeiler und Säulen wurden ummantelt, um ihre Stabilität zu verbessern. Die Gewölbe im Mittel- und in den Seitenschiffen schmückte man mit einer gotischen Netzfiguration. Die Propstkapelle wurde erweitert, die Krypta aufgelassen und verfüllt und der Chorraum zweifach abgetreppt. Der Querbau an den Emporen wurde abgetragen, die Seitenschiffe wurden gerade geschlossen. An das nördliche Seitenschiff wurde im Osten eine Sakristei angebaut und ein wesentlicher Teil als Allerseelenkapelle eingerichtet. Im 15. Jahrhundert wurde zusätzlich ein Lettner erwähnt, der durch die Auflassung der Krypta ebenfalls versetzt oder völlig neu gebaut wurde. Am 15. und 16. Juli 1520 weihte der Chiemseer Bischof Berthold Pürstinger die Kirche und 15 neue Altäre, da die gesamte Inneneinrichtung ein Raub der Flammen geworden war. So zog mit Taufstein, Kanzel und Chorgestühl die Frührenaissance in die Kirche ein. Der Bad Reichhaller Stadtarchivar und Kulturwissenschaftler Johannes Lang kennzeichnete in seiner 2001 angenommenen und seit 2015 auch online verfügbaren Dissertation Das Augustinerchorherrenstift St. Zeno in ReichenhallNiedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen – Jetzt online: Das Augustinerchorherrenstift St. Zeno in Reichenhall (Johannes Lang, 2015) → Band als PDF-Datei herunterladen → Germania Sacra: III.9 Die Bistümer der Kirchenprovinz Salzburg: Das Erzbistum Salzburg: 2 Das Augustinerchorherrenstift St. Zeno in Reichenhall, S. 25 „Die Basilika wurde zur Staffelhalle umgestaltet“ die Maßnahmen mit dem Satz: „Die Basilika wurde zur Staffelhalle umgestaltet“. Dabei entspricht die Wortwahl „Staffelhalle“ der Auffassung Günther Bindings, die Begriffe Staffelhalle und Pseudobasilika seien synonym.Günther Binding: Architektonische Formenlehre, 8. Aufl. 2019 wie 4. Aufl. 1998, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 978-3-534-27143-6, S. 12 Die Halle

Barockisierung im 17. Jahrhundert Ab 1647 begann unter Propst Bernhard I. Piscator mit dem Abbruch des Lettners und der Errichtung eines 13 Meter hohen Säulenaltars die Barockisierung, wie sie sein Vorgänger bereits in den Filialkirchen St. Johannes und St. Ägidien hatte durchführen lassen. Der Nachfolger Bernhards I., Bernhard II. Rottenwalder, setzte die Barockisierung konsequent fort. 1658 wurden „etliche“ der 24 Altäre der Kirche entfernt, 1663 zwei weitere abgetragen und vier neue errichtet. In diese Zeit fallen auch die Neuordnung des Chorgestühls und die Errichtung der Chororgeln an den Ecksäulen des Chorbereichs.Walter Brugger: Bad Reichenhall St. Zeno (Renovierungen). In: Kunstführer. Nr. 157, neu bearbeitete Auflage, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1995, S. 8–9 1672 wurde durch Finanzierung der Froschhamer Zunft in der Allerseelenkapelle ebenfalls ein neuer Altar erbaut. 1696 sollen zwei weitere Altäre errichtet worden sein. Alle Altäre dieser Zeit waren Wandaltäre, standen an den Wänden und Stirnseiten der Seitenschiffe und entsprachen dem schwarz-goldenen Stil des Salzburger Raumes. Einer dieser Altäre steht heute in der Pfarrkirche in Deining.

Turmerhöhung und Rokoko im 18. Jahrhundert mini|hochkant=1.4|Fr. X. Jungwirth 1784, ein Dach vom Mittelschiff bis zum Kreuzgang, kein Obergaden Propst Bernhard II. setzte nicht nur die Barockisierung des Innenraums fort, er nahm auch Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild der Kirche. Unter seiner Führung wurde der Turm erhöht und der Turmhelm neu gestaltet. Die Form des Turms orientiert sich an den Türmen Graubündner Baumeister, die Baumaßnahmen wurden zum Teil aus dem Vermögen der Filialkirchen St. Pankraz und St. Valentin finanziert.

Unter Propst Floridus I. Penker wurde 1745 der Innenraum mit Stuck und Farbe in „rauschendes Rokoko“ verwandelt. Propst Floridus ließ zudem vier Renaissancealtäre abbrechen und durch Stuckaltäre ersetzen.

Der Brand von 1789 betraf hauptsächlich den Turm und den Dachstuhl der Kirche. Der Turm bekam ein Notdach, das er bis zur Reromanisierung im 19. Jahrhundert behielt.

Säkularisation Im Zuge der Säkularisation wurde das Augustinerchorherrenstift St. Zeno 1803 aufgehoben, das bewegliche Inventar der Kirche beschlagnahmt, versteigert und „verschleudert“. Obwohl bereits für die staatlichen Gemäldesammlungen ausgewählt, kam es nicht zu einem Abtransport der von Herzog Wilhelm IV. 1516 gestifteten gotischen Tafeln sowie des Hochaltarbildes von Ulrich Loth um 1647.Walter Brugger: Bad Reichenhall St. Zeno (Renovierungen). In: Kunstführer. Nr. 157, neu bearbeitete Auflage, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1995, S. 9–10