mini|Verbreitung des Goldhähnchen-Laubsängers (Phylloscopus proregulus): Der Goldhähnchen-Laubsänger (Phylloscopus proregulus, Syn.: Abrornis proregulus) ist eine mittel- und ostasiatische Singvogelart aus der Familie der Laubsängerartigen. Sein Brutgebiet erstreckt sich durch die südsibirische Nadelwaldtaiga und dortige Bergwälder bis in die nördliche Mongolei und nach Nordostchina. Die Vögel sind ausgesprochene Langstreckenzieher, die im südlichen China und angrenzenden Ländern überwintern. In den letzten Jahrzehnten werden auch in Europa vor allem während des Herbstzugs Goldhähnchen-Laubsänger in wachsender Zahl als Irrgäste beobachtet.

Der Name der Art ist auf eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit mit dem Wintergoldhähnchen zurückzuführen, zumal der Goldhähnchen-Laubsänger einer der kleinsten eurasischen Vögel vom „Zweigsänger-Typ“ (d. h. der Unterfamilie Sylvioidea) ist.

Die Vögel haben für ihre Größe einen relativ großen Kopf und einen kurzen Schwanz. Die Oberseite des Gefieders ist allgemein olivgrünlich, die Unterseite eher hell. Auffällig sind der helle Überaugenstreif und der dunkle Zügel-Augenstreif sowie die beiden blassgelblichen Flügelstreifen. Allerdings ähnelt er in diesen Merkmalen dem im selben Verbreitungsgebiet vorkommenden Gelbbrauen-Laubsänger. Charakteristisch sind daher der gelbe Scheitelstreif und ein zitronengelbes Bürzelband, dass er nur mit einigen nahverwandten südostasiatischen Laubsängerarten teilt, die früher als Unterart des Goldhähnchen-Laubsängers betrachtet wurden. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal auch zu diesen Arten ist jedoch der sehr außergewöhnliche Gesang.Glutz von Blotzheim, S. 1086 ff.

Goldhähnchen-Laubsänger sind Insektenfresser, die ihre Beute in Bäumen und Gebüsch in kurzen schwirrenden Jagdflügen erhaschen. Da die Art ein sehr großes Verbreitungsgebiet hat und keine negativen Populationstrends bekannt sind, wird sie von der IUCN aus nicht gefährdet (least concern) eingeordnet.

Beschreibung mini|Merkmale: Scheitelstreif, Überaugenstreif mit Stirnband und Zügel-Augenstreif. Von den beiden Flügelbinden ist hier nur eine deutlich sichtbar. Mit einer Länge von 9–10 cm und einem Gewicht von 4–7 g ist der Goldhähnchen-Laubsänger einer der kleinsten Zweigsänger, noch kleiner als der Gelbbrauen-Laubsänger und kaum größer als das Wintergoldhähnchen. Für einen derart kleinen Vogel wirkt der Kopf dennoch relativ groß, der Schwanz ausgesprochen kurz.

Die Oberseite des Vogels ist allgemein dunkel olivgrün. Die gelben Spitzen der Hinterrückenfedern bilden ein auffälliges Streifenmuster. Die dunklen Mittleren und Großen Armdecken bilden mit ihren schwefelgelben Spitzen beim ruhenden Vogel beidseitig jeweils zwei auffällige Flügelbinden – eines der wichtigsten Bestimmungsmerkmale der Art. Insbesondere im Jagdflug ist oft das typische, helle, etwa 10 mm breite Bürzelfeld erkennbar. Der ansonsten dunkle Oberkopf ist durch einen deutlichen hellgelben Scheitelstreif gekennzeichnet. Seitlich ist der Kopf durch einen dunklen Zügel-Augenstreif und einen zitronengelben Überaugenstreif, der bis in den Nacken reicht, markiert. Über dem Schnabel gehen diese Überaugenstreifen in ein unscharf begrenztes helles Stirnband über. Die Unterseite ist hellgrau bis weiß und teilweise hellgelb im Brustbereich, vor allem Richtung der Achseln.Svensson (2011), S. 334–335.

Der Schnabel der Vögel ist eher kurz. Der Oberschnabel ist schwärzlich-braun, der Unterschnabel eher gelblich bis hellbräunlich vor allem zur Wurzel hin, zur Spitze hin aber dunkel wie der Oberschnabel. Die Iris ist braun. Die Beine sind dunkelbraun mit einem Hauch grün oder grau.

mini|Sehr ähnlich: der Yunnanlaubsänger (Phylloscopus yunnanensis) mit weniger markant-gelbem Kopf und Flügelstreifen In seinem asiatischen Verbreitungsgebiet kann der Goldhähnchen-Laubsänger von den sehr ähnlichen Arten, die früher als seine Unterarten betrachtet wurden, durch die im Vergleich etwas stärker gelblichen oben genannten Markierungen, aber vor allem durch seinen unterschiedlichen Gesang unterschieden werden. Aber auch andere asiatische Laubsänger sind recht ähnlich: Goldbinden-Laubsänger (Phylloscopus pulcher) und Brookslaubsänger (Phylloscopus subviridis) sind etwas größer, heller grün auf der Oberseite und weniger markant gemustert mit eher gelbbraunen bzw. weißen Flügelbinden. Der Graukehl-Laubsänger (Phylloscopus maculipennis) hat eher gräuliche Kopfzeichnungen, Gesicht und Hals sowie eine hellgelbe Unterseite.

Der Geschlechtsdimorphismus ist schwach ausgeprägt, im Schlichtkleid sind die Vögel auf der Oberseite etwas heller grünlich, haben etwas hellere Ränder der Schwungfedern und fast weißliche Markierungen. Die Jungvögel sind den adulten Tieren sehr ähnlich, wobei die Oberseite einen leichten Braunstich besitzt, die Unterseite eher hellgrau ist. Der Überaugenstreif ist weniger deutlich. Die adulten Vögel durchlaufen nach der Brutzeit im August bis September eine Vollmauser, bevor sie ins Winterquartier wechseln. Die Jungvögel mausern das erste Mal nur teilweise und etwas früher (Juli–August), Jungvögel und adulte Vögel durchlaufen vor der Brutphase im März oder April noch eine Teilmauser, bei der sie die meisten Körperfedern und einige Schwanzfedern ersetzen.Baker (1997) pp. 283–285.

Der Gesang des Goldhähnchen-Laubsängers wird gewöhnlich von einer verdeckten Singwarte nahe der Spitze eines hohen Baumes vorgetragen. Der Gesang ist laut, abwechslungsreich und melodisch. Er kann bspw. als tirrit-tirrt-tirritt-tertschie-terschie-tertschie-tschu-tschu-tschi-tschi-tschu-tschu beschrieben werden, ist dabei aber sehr variabel und enthält oft noch Triller-Elemente. Er erinnert darin an den Kanarengirlitz, insgesamt in der Melodie aber auch an den Waldpieper, der auch ein ähnliches Verbreitungsgebiet besitzt. Der Gesang ist in Strophen von 2–4 Sekunden unterteilt, wird aber oft in langer Folge von bis zu 10 Minuten vorgetragen. Er wird sowohl im Brut- als auch im Überwinterungsgebiet und auch auf dem Zug vorgetragen. Der Ruf ist ein kurzes, zweisilbiges, hartes, aber melodisches dschu-ie. Im Gegensatz dazu haben die ehemaligen Unterarten sehr unterschiedliche Gesänge, die oft metallischer, monotoner und härter klingen. Die Rufe dieser Arten sind typischerweise scharf und einsilbig.

Lebensraum und Verbreitung mini|Typisches Brutgebiet: Waldgebiet in der sibirischen Taiga Der Goldhähnchen-Laubsänger brütet in den Nadelwäldern der Taiga, die Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen enthalten, aber auch in Bergmischwäldern mit Rhododendren und einem hohen Nadelholz-Anteil. In Gebirgen (z. B. im Stanowoigebirge und im Kolymagebirge) werden teilweise auch Krüppelwälder bis zur Baumgrenze bewohnt. In Südrussland wurden Brutreviere bis in eine Höhe von 1500–1700 m festgestellt. Im Winterquartier ist die Spannbreite der Habitate größer und umfasst Laub- und Nadelwälder, immergrüne Eichen- und Lorbeerwälder, aber auch Gebüsche und sogar Gärten.

Das Brutgebiet hat sich im 19. Jahrhundert deutlich nach Westen ausgedehnt. Während als sibirische Westgrenze der Verbreitung zur vorletzten Jahrhundertwende noch Irkutsk galt, ist die Art mittlerweile im Gebiet um Krasnojarsk gewöhnlich und kommt auch schon bei Tomsk und Gebieten westlich des Ob regelmäßig vor. Auch der Altai ist besiedelt. Die südliche Verbreitungsgrenze zieht sich über die nördliche Mongolei bis in die Amurregion, das nordöstliche China und bis zum Ochotskischen Meer. Auch die Insel Sachalin zählt zum Brutgebiet, eventuell auch Teile Nordkoreas. Nördlich reicht das Brutgebiet in Mittelsibirien teilweise bis zum 64. nördlichen Breitengrad, und in Ostsibirien bis nordöstlich von Magadan.

Die Winterquartiere liegen vornehmlich im subtropischen Südchina südlich des Jangtsekiang einschließlich der Insel Hainan, Nord-Vietnam und -Laos und auch Nord-Thailand.Alström et al. in HBW alive, Phylloscopus proregulus

Siedlungsdichte und Status In weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets ist die Art weitverbreitet und recht häufig. In Südostrussland wurden Siedlungsdichten bis zu 35–50 Paaren/km2 festgestellt, obwohl in west-, mittel- und nordsibirischen Gebieten eher Dichten von 2–6 Paaren/km2, ausnahmsweise bis zu 15 Paaren/km2 festgestellt wurden. Auch in Teilen des Überwinterungsgebiets in Südostasien ist die Art lokal recht häufig.

Da keine gegenteiligen Hinweise vorliegen, wird die Populationsgröße als stabil angesehen, obwohl keine genaueren Daten vorliegen. Auf Grundlage dieser Einschätzung und des großen Verbreitungsgebiets wird die Art von der IUCN als ungefährdet (least concern) eingestuft, da eine höhere Gefährdungsstufe eine Abnahme von 30 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts oder drei Generationen voraussetzen würde.Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2018.1, s. o.

Zugverhalten mini|hochkant|John Goulds Zeichnung aus dem Jahr 1837 des „Damatinischen Goldhähnchens“ (engl. Original: „Dalmatian Regulus“) Die Hauptzugstrecke des Goldhähnchen-Laubsängers führt durch die Mongolei, Mandschurei, Korea und vor allem Ost-China. Obwohl die Art auf Sachalin brütet und im beschriebenen südostasiatischen Gebiet überwintert, werden nur wenige Vögel auf dem Zug in Japan beobachtet. Vor der Jahrtausendwende dort noch eine extreme Ausnahme (eine Beobachtung im Jahr 1967), werden mittlerweile aber doch jährlich Individuen dort nachgewiesen.

Goldhähnchen-Laubsänger werden im Zuge der Westausbreitung der Art mittlerweile jedes Jahr vor allem im Herbst in Europa als Irrgäste beobachtet. Der erste Nachweis in Europa geht auf das Jahr 1829 zurück, in dem der österreichische Offizier und Ornithologe Christoph Fellner von Feldegg ein Exemplar der Art in Dalmatien schoss. John Gould, der das Exemplar untersuchte und formal beschrieb, erkannte nicht, dass es sich um eine bereits in Asien beschriebene Art handelte, und nannte sie „Dalmatinisches Goldhähnchen“ (engl. „Dalmatian Regulus“, Regulus modestus). Der deutsche Ornithologe Heinrich Gätke, der 1837 auf die damals britische Insel Helgoland gezogen war, stellte dort immer wieder asiatische Laubsänger fest, darunter in den Jahren 1845 und 1875 auch Goldhähnchen-Laubsänger. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden dann auch bei Orenburg im Uralvorland einige Exemplare nachgewiesen und seitdem in immer regelmäßigerer Zahl an verschiedenen Stellen Ost-, Mittel- und Nordeuropas.

In Westeuropa stammt der erste Nachweis auf den Britischen Inseln aus dem Jahr 1896, wo in Norfolk ein Vogel geschossen wurde. Der nächste Nachweis stammt allerdings erst aus dem Jahr 1951. Seitdem ist die Art aber regelrecht häufig als Irrgast gesichtet worden und zählt dort seit 1990 nicht mehr als Seltenheit. Im Jahr 2003 wurden sogar 313 Exemplare im Vereinigten Königreich gezählt. In den nordischen Ländern Schweden, Finnland und Dänemark erscheint der Vogel mittlerweile jährlich. Auch an den norddeutschen Küsten werden seit der Jahrtausendwende fast jährlich Individuen festgestellt, vor allem auf Helgoland, aber auch auf anderen vorgelagerten Inseln wie der Greifswalder Oie.