mini|Abgar, der das Abgar-Bild mit dem Abbild von Jesus Christus hält (Enkaustische Ikone, 10. Jahrhundert, Katharinenkloster, Sinai). mini|Abgar V. auf einer armenischen 100.000 Dram-Banknote Abgar V. Ukamma (der Schwarze) (, , , ) war zwischen 4 v. Chr. und 7 n. Chr. und nochmals zwischen 13 und 50 König von Osrhoene, mit der Hauptstadt Edessa.

In der christlichen Tradition wird Abgar als Heiliger verehrt, da seine Taufe das erste christliche Reich der Welt begründet haben soll. Seine Festtage sind in der Orthodoxen Kirche am 11. und 28. Oktober, am 1. August in der Syrischen Kirche und täglich in der Messe der Armenischen Apostolischen Kirche. In der römisch-katholischen Kirche ist sein Gedenktag der 20. Juni.

Leben Die ethnische Herkunft Abgars ist nicht ganz klar. Abgar wird vom zeitgenössischen Tacitus als „König der Araber“ beschrieben, während der armenische Historiker Moses von Choren (5. Jahrhundert) ihn als Armenier beschreibt. Spätere Historiker wie Robert W. Thomson und Richard G. Hovannisian sehen diese armenische Abstammung als eine Erfindung des Moses.Richard G. Hovannisian: Armenian Van/Vaspurakan. Dezember 2000, S. 68. Die meisten gegenwärtigen Historiker sehen Abgars Dynastie als arabisch an. Folglich sagt der Forscher Lucas Van Rompay, dass man nicht mit Sicherheit sagen könne, ob Abgar arabischer, aramäischer, parthischer oder armenischer Abstammung sei.Muriel Debié: Syriac Historiography and Identity Formation, In: Church History and Religious Culture, 2009, Vol. 89, No. 1/3: Religious Origins of Nations? The Christian Communities of the Middle East, S. 100.

Abgar V. kam 4 v. Chr. an die Macht. Er wurde ein römischer Vasall, verlor seinen Thron im Jahr 7 n. Chr. und gewann ihn fünf Jahre später wieder. Moses von Choren identifiziert Königin Helena von Adiabene als Frau von König Abgar und verbindet damit die Königreiche von Edessa und Adiabene miteinander.

Christliche Überlieferung identifiziert Abgar V. als einen der ersten christlichen Könige der Geschichte. Er sei durch Thaddeus von Edessa, einem der siebzig Jünger, zum Glauben bekehrt worden sei.Henry Palmer Chapman: Dieser Thaddeus war Bischof von Edessa und wird mitunter mit dem Apostel Judas Thaddäus identifiziert.

Die Abgar-Legende Die älteste Überlieferung der Abgarlegende stammt von Eusebius von Caesarea aus dem Jahr 325. Eusebius berichtet, dass der erkrankte Abgar von Jesus Christus gehört hatte und ihn daraufhin bat, ihn zu besuchen, um ihn zu heilen.

Nach Jesu Himmelfahrt habe Thomas den Apostel Thaddäus (= Addai) zu Abgar gesandt, der den König und weitere Bürger von Edessa heilte. Daraufhin seien Abgar und seine Bürger zum Christentum übergetreten.

In einer späteren Fassung der Legende heißt es, Hannan, ein Vertrauter Abgars, habe ein Porträt Jesu, das sogenannte Abgar-Bild, angefertigt und nach Edessa gebracht.

Nachwirkungen Obwohl bereits Papst Gelasius I. 494 den Briefwechsel als Fälschung bezeichnete, erfreute er sich im Mittelalter in Ost und West großer Beliebtheit: Jesu Brief wurde auf Pergament kopiert, in Marmor und Metall eingerahmt und als Talisman oder Amulett verwendet. Von dieser Korrespondenz gibt es nicht nur einen syrischen Text, sondern auch eine armenische Übersetzung, zwei unabhängige griechische Versionen, kürzer als die syrische, und mehrere Inschriften auf Stein. Damalige Gelehrte stritten, ob Abgar an Gicht oder an Lepra gelitten habe und ob die Briefe auf Pergament oder Papyrus geschrieben worden seien.

Um 385 berichtete die gallische Pilgerin Egeria von ihrem Besuch in Edessa und der Abgar-Legende. Demnach hätten eine Weile nach dem Briefwechsel die Perser Edessa belagert. Abgar habe den Brief Jesu am Stadttor angebrachte und mit seiner Armee zu Gott gebetet. Durch eine plötzlich hereinbrechende Dunkelheit hätten die Perser der Stadt nicht nah kommen können und wundersame neue Wasserquellen hätten die Stadt die Belagerung bis zum Abzug der Feinde überstehen lassen. Egeria nahm aus Edessa eine Abschrift des Briefes mit und merkte an, dass der Brief ausführlicher sei als die Kopien, die sie in ihrer Heimat gesehen hatte.

Bart D. Ehrman sieht basierend auf Forschungen u. a. von Han Drijver den Briefwechsel als ein Konstrukt bzw. eine Fälschung aus dem 3. Jahrhundert an, der von orthodoxen Christen als Propaganda gegen den Manichäismus erfunden wurde.Bart D. Ehrman: Forgery and Counterforgery. The Use of Literary Deceit in Early Christian Polemics. New York 2013, S. 455–458. Die frühe Konversion von Abgar zum Christentum wird in der Forschung überwiegend angezweifelt.

Literatur

Ilaria Ramelli: Abgar Ukkāmā e Abgar il Grande alla luce di recenti apporti storiografici. In: Aevum, 2004, 78.1, S. 103–108. Richard Adelbert Lipsius: Die Edessenische Abgar-Sage kritisch untersucht. Braunschweig 1880; . (deutsch 1934)

Wilhelm Schneemelcher: Neutestamentliche Apokryphen. Band 1. Tübingen 1990, ISBN 3-16-145606-8, S. 389–395. Clemens Brentano: Lehrjahre Jesu Teil I, Band 24,1; Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1982–1983, ISBN 3-17-007338-9, S. 369–374.

Weblinks

Einzelnachweise

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