mini|Max Hoffmann (vor 1914) Carl Adolf Maximilian Hoffmann (* 25. Januar 1869 in Homberg; † 8. Juli 1927 in Bad Reichenhall) war ein deutscher Generalmajor, der im Ersten Weltkrieg eine bedeutende militärische und politische Rolle spielte. Nach dem Krieg entwickelte er den „Hoffmannplan“ zur Niederwerfung der Sowjetunion.

Leben mini|Hoffmann als Generalmajor 1917/1918 Max Hoffmann wuchs in Homberg als Sohn des Kreisgerichtsrates Julius Hoffmann und dessen Frau Friederike Charlotte Alwine Hoffmann, geborene du Buisson, auf. Von 1879 bis 1887 besuchte er das Gymnasium in Nordhausen. Nach dem Abitur war er als Dreijährig-Freiwilliger Musketier und Avantageur im 4. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 72 in Torgau. Vom 1. Oktober 1887 bis zum 5. Juli 1888 war er als Portepee-Fähnrich an der Königlichen Kriegsschule in Neisse. Am 16. August 1888 erhielt er sein Offizierspatent mit „kaiserlicher Belobigung“ und wurde Secondeleutnant.Karl Friedrich Nowak (Hrsg.): Die Aufzeichnungen des Generalmajors Max Hoffmann. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1929, Band 2, S. XXXV. 1895 bis 1898 studierte er als Premierleutnant an der Preußischen Kriegsakademie und verbrachte anschließend ein halbes Jahr als Militärattaché am Zarenhof in Sankt Petersburg. Von 1899 bis 1901 arbeitete Hoffmann in der Russland-Abteilung des deutschen Generalstabs und wurde zum Spezialisten für russische Angelegenheiten.Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Verlag ABC-Clio, Santa Barbara 2005, ISBN 1-85109-420-2, S. 555. 1901 wurde er zum Hauptmann befördert und verblieb nun auf Dauer in der russischen Abteilung des Generalstabs unter Alfred von Schlieffen.

Im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 war Hoffmann als deutscher militärischer Beobachter bei der 1. Armee des japanischen Heeres in der Mandschurei. Als ein japanischer General ihm die Beobachtung eines Gefechts von einem Hügel verwehrte, schrie ihn Hoffmann in Gegenwart ausländischer Gesandter und Korrespondenten wenig diplomatisch mit den Worten an: „Sie sind ein Gelber; wenn Sie mich da nicht hinauf lassen, so sind Sie kein zivilisierter Mensch!“Barbara Tuchman: August 1914. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-24440-4, S. 75f. 1907 wurde Hoffmann zum Major befördert. Er erhielt den Auftrag den voraussichtlichen russischen Feldzugsplan in einem möglichen Krieg gegen Deutschland auszuarbeiten. Barbara Tuchman schildert Hoffmann als

Im März 1913 wurde er zum Oberstleutnant befördert, nachdem er bereits zum Abteilungschef der Ministerialabteilung im preußischen Kriegsministerium berufen worden war. Im Sommer 1914 wurde er zum stellvertretenden Kommandeur des 4. Badischen Infanterie-Regiments „Prinz Wilhelm“ Nr. 112 ernannt, denn Truppenverwendung war Voraussetzung zur weiteren Beförderung. Beendet wurde dieses kurze Intermezzo durch die Mobilmachung am 2. August 1914, die ihn zum Ersten Generalstabsoffizier der neuformierten 8. Armee machte.

Erster Weltkrieg mini|Im Stab der 8. Armee (Hoffmann rechts vorne neben Hindenburg und Ludendorff) Als Chef der Operationsabteilung sah Hoffmann sich aufgrund der Unfähigkeit des Oberbefehlshabers Maximilian von Prittwitz und Gaffron und der Rekonvaleszenz des Stellvertreters Georg von Waldersee als eigentlichen Oberbefehlshaber der für die Verteidigung Ost- und Westpreußens zuständigen 8. Armee.Barbara Tuchman: August 1914. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-24440-4, S. 288f. Hoffmann erarbeitete die Operationspläne für die Schlachten bei Gumbinnen, bei Tannenberg und an den Masurischen Seen. Nach der überraschenden Ablösung von Prittwitz’, der nach Gumbinnen gegen Hoffmanns Widerstand die 8. Armee hinter die Weichsel zurückziehen wollte, wurde dieser von Generalstabschef Moltke durch den reaktivierten Paul von Hindenburg ersetzt, dem Erich Ludendorff als Stabschef beigestellt wurde.Barbara Tuchman: August 1914. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-24440-4, S. 297ff. Hoffmann war mit der Region wohlvertraut und diente Ludendorff in der Folge als Ideengeber, den er aus Posen und Berlin gut kannte, wo sie im selben Haus gewohnt hatten. Beide beanspruchten die Urheberschaft für die Benennung der Tannenbergschlacht. In seinen Erinnerungen widerspricht Hoffmann der Auffassung, die Schlacht sei durch Ludendorff geplant worden.Max Hoffmann: Tannenberg wie es wirklich war. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1926, S. 312.

Das Trio Hindenburg-Ludendorff-Hoffmann erreichte an der Ostfront durch Hoffmanns taktisches Geschick große militärische Erfolge. Dennoch konnten die Versprechungen des „Feldherrnduos“ Hindenburg-Ludendorff auf einen Entscheidungssieg gegen Russland nicht erfüllt werden. Hoffmann erkannte: „Vollständig niederzuwerfen ist das russische Heer nicht, das könnten wir nur, wenn wir eben nur mit Rußland allein Krieg führten.“Karl Friedrich Nowak (Hrsg.): Die Aufzeichnungen des Generalmajors Max Hoffmann. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1929, Band 2, S. 64. Holger Afflerbach: Die militärische Planung des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung – Wahrnehmung – Analyse. Seehamer Verlag, Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1, S. 280–318, hier: S. 290f. Gerhard Paul Gross: Im Schatten des Krieges. Die Ostfront des Ersten Weltkriegs in den jahren 1914 und 1915. In: Gerhard Paul Gross (Hrsg.): Die vergessene Front. Der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. (=Zeitalter der Weltkriege, Band 1) Militärgeschichtliches Forschungsamt, Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 3-506-75655-9, S. 59. Hindenburg wurde von Hoffmann allerdings sehr kritisch betrachtet: „Der Kerl ist ein zu trauriger Genosse, dieser große Feldherr und Abgott des Volkes … Mit so wenig eigener geistiger und körperlicher Anstrengung ist noch nie ein Mann berühmt geworden“.Karl-Heinz Janßen: Der Kanzler und der General. Die Führungskrise um Bethmann Hollweg und Falkenhayn (1914–1916). Göttingen 1967, S. 245. Walter Rauscher: Hindenburg. Feldmarschall und Reichspräsident. Ueberreuter, Wien 1997, ISBN 3-8000-3657-6, S. 73 und 95. Hajo Holborn: Deutsche Geschichte in der Neuzeit. Das Zeitalter des Imperialismus (1871 bis 1945). (=Deutsche Geschichte in der Neuzeit, Band 3), Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1971, ISBN 3-486-43251-6, S. 258. Diese abfälligen Äußerungen wurden bei der Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen 1929 allerdings schonend unterdrückt.Jesko von Hoegen: Der Held von Tannenberg. Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914–1934). Böhlau, Köln/Wien 2007, ISBN 978-3-412-17006-6, S. 169. Als Hindenburg und Ludendorff nach der Ablösung Falkenhayns 1916 die Führung der Obersten Heeresleitung (OHL) übernahmen und sich der Westfront zuwandten, wurde Oberst Hoffmann, im Oktober 1917 zum Generalmajor befördert, zum Chef des Generalstabes beim Oberbefehlshaber Ost, dem Prinzen Leopold von Bayern, ernannt.

Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk miniatur|Hoffmann (links) mit Czernin, Talaat, Kühlmann während einer Verhandlungspause in Brest-Litowsk miniatur|Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Deutschland und seinen Verbündeten und Russland am 15. Dezember 1917 in Brest-Litowsk (Hoffmann als Vierter von links sitzend) Hoffmann war als Generalstabschef Ober Ost der Beobachter der OHL bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk Ende 1917/Anfang 1918. Als Chef des Generalstabs an der Ostfront war er der Initiator und Gastgeber der Friedenskonferenz. Obwohl mit keiner Verhandlungsvollmacht ausgestattet, konnte er großen Einfluss auf das Geschehen nehmen. Am 26. Dezember 1917 erklärte er dem russischen Delegationsleiter Adolf Abramowitsch Joffe:

Vielmehr wollte er durch Zerstückelung des westlichen Russlands eine deutsche Einflusssphäre in Osteuropa gewinnen.Max Hoffmann: Der Krieg der versäumten Gelegenheiten. München 1923, Band 2, S. 205. Diese „fragwürdige Überdehnung“ des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ wollte Hoffmann als „Mittel der Loslösung der Völker von Russland“ verstanden wissen.Gunther Mai: Das Ende des Kaiserreichs. Politik und Kriegführung im Ersten Weltkrieg. dtv, München 1997, ISBN 3-423-04510-8, S. 138. Schon Ende Mai 1917 hatte er ganz im Sinne der „Frisierpolitik“ von Reichskanzler Bethmann Hollweg (indirekte Beherrschung zur Vermeidung offener Annexionen) bei Hindenburg angeregt, offiziell auf Annexionen zu verzichten, aber die Gestaltung der von Russland aus seinem Staatsverband zu entlassenden Gebiete durch Deutschland zu regeln.Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-7700-0902-9, S. 396. Sven Oliver Müller: Die Nation als Waffe und Vorstellung. Nationalismus in Deutschland und Grossbritannien im Ersten Weltkrieg (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 158). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-35139-9, S. 201.

Als die Verhandlungen wegen der deutschen Forderungen stockten und Ottokar Czernin mit einem Sonderfrieden Österreich-Ungarns drohte, antwortete Hoffmann, er fände die „Idee glänzend“, da er dadurch 25 Divisionen aus der österreichischen Front herausziehen könne.Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-7700-0902-9, S. 431. Max Hoffmann: Der Krieg der versäumten Gelegenheiten. München 1923, Band 2, S. 202.

mini|Hoffmann bei seiner „Faustschlag“-Rede in Brest, gezeichnet von Felix Schwormstädt Am 12. Januar 1918 hielt Hoffmann, nach Czernins Eindruck wohl auf Befehl der OHL, in Brest „eine äußerst scharfe Rede, in welcher er den Machtstandpunkt der ‚siegreichen deutschen Armee‘ in die Welt schrie und erklärte, eine Räumung der besetzten Gebiete sei für immer ausgeschlossen“ (Bericht Czernins an Kaiser Karl I.).Wolfdieter Bihl: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse von Brest-Litovsk. Böhlau, Wien/Köln/Graz 1970, ISBN 3-205-08577-9, S. 58. Miklós Komjáthy: Die Friedensverhandlungen von Brest-Litovsk. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41 (1990), S. 264–318, hier: S. 269. Er erklärte, „das siegreiche deutsche Heer steht in Ihrem Gebiet“, die OHL verbiete jegliche Einmischung in die Angelegenheiten der besetzten Territorien.Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871–1918. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-11694-5, S. 541. Dieses Auftreten wurde in Deutschland bald berühmt als (verbaler) „Faustschlag“ oder wurde als „auf den Tisch schlagen“ auf direkten Befehl Ludendorffs bezeichnet.Gottfried Niedhart (Hrsg.): Gustav Mayer. Als deutsch-jüdischer Historiker in Krieg und Revolution, 1914–1920. Tagebücher, Aufzeichnungen, Briefe. Verlag Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59155-2, S. 173. Werner Hahlweg: Der Diktatfrieden von Brest-Litowsk 1918 und die bolschewistische Weltrevolution. Aschendorff, Münster 1960, S. 37. Gunther Mai: Das Ende des Kaiserreichs. Politik und Kriegführung im Ersten Weltkrieg. dtv, München 1997, ISBN 3-423-04510-8, S. 135. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 5: Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung 1914–1919. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-001055-7, S. 125.

„Hoffmann selbst hat die Wirkung, die von seiner Rede ausging, nie ganz verstanden.“ Er habe nach eigener Aussage auch nicht mit der Faust auf den Tisch geschlagen, sondern Trotzki nur auf Widersprüche in seiner Haltung hingewiesen.Wilhelm Ribhegge: Frieden für Europa. Die Politik der deutschen Reichstagsmehrheit 1917/18. Reimar Hobbing, Essen 1988, ISBN 3-920460-44-8, S. 284.