mini|Lionel Dunsterville mit barfüßigen Hilfstruppen in Hamadan, 1918 Die Dunsterforce war eine gegen Ende des Ersten Weltkriegs gebildete Freiwilligen-Truppe unter Leitung von Lionel Dunsterville. Sie wurde nach ihrem Kommandeur Dunsterville benannt und bestand aus bis zu 1.000 australischen, neuseeländischen, britischen und kanadischen handverlesenen Offizieren, Unteroffizieren und Warrant Officern. Ihr Auftrag war, lokale Milizen im Norden Irans und im Südkaukasus aufzustellen, auszubilden, auszurüsten und zu führen. Diese Milizen sollten den erwarteten Vormarsch osmanischer und deutscher Truppen in den Kaukasus aufhalten.
Hintergrund mini|Karte des Iran mini|Denkmal für die gefallenen britischen Soldaten der Dunsterforce in Baku, wobei nur ihre ursprünglichen Einheiten aufgeführt sind
Grenzgebiete in Nordwest-Zentralasien Ende des 19. Jahrhunderts konkurrierten Großbritannien und das Russische Kaiserreich um den Einfluss in Zentralasien und etwa um 1880 hatte Russland großen Einfluss in einigen Khanaten und Emiraten gewonnen. In einem Anglo-Russischen Vertrag von 1907 wurde schließlich das Risiko einer Konfrontation durch die Aufteilung der Einflusssphären im Raum von Afghanistan, dem Iran und Tibet geregelt.
Als der Erste Weltkrieg begann, stellten die britischen und indischen Streitkräfte die East Persia Cordon auf, die auch als Seistan Truppe bezeichnet wurde. Die Einheit wurde gegründet, um die Infiltration durch deutsche und osmanische Agenten aus Persien (Iran) und Belutschistan in Afghanistan während des Ersten Weltkriegs zu verhindern. Zwei Schwadrone des 28th Cavalry Regiment und die South Persia Rifles, eine militärische Verband, sicherten die Grenze nach Belutschistan und zum Persischen Reich hin. Die Russische Revolution des Jahrs 1917 führte dazu, dass die vertragliche Vereinbarung mit Großbritannien aus dem Jahr 1907 nicht mehr galt. Die russische Kapitulation und die Auflösung der Streitkräfte im März 1917 ermöglichten deutschen und osmanischen Streitkräften den Vorstoß ans Kaspische Meer und die Einnahme der Verbindungswege von Baku nach Krasnowodsk und Zentralasien. Im Frühjahr 1918 stießen die Truppen der Mittelmächte nach Transkaukasien und Zentralasien vor.
Iran Bei Beginn des Ersten Weltkriegs versicherte das Zarenreich, dass man die territoriale Integrität des Iran respektieren würde. Doch die Aktivitäten der russischen Vertreter im Norden des Iran und die Aktionen gegen die Entstehung eines modernen Staates deuteten eher darauf hin, dass das Zarenreich an einer Abhängigkeit des Iran interessiert war oder sogar das Interesse hatte, nördliche Landesteile zu vereinnahmen. Großbritannien wiederum versuchte die eigenen Interessen (Handelsbeziehungen) und die Sicherheit der Schiffspassage nach Indien zu wahren. Hierbei war der Iran lange Zeit ein guter Pufferstaat an der nördlichen Schifffahrtsroute. Auch weil die Briten ihr Engagement klein halten wollten, hatten sie die russische Expansion bis zur sogenannten Anglo-Russian Convention des Jahr 1907 toleriert. Danach war die russische Einflusssphäre in der Linie von Meshed im Osten über Teheran bis nach Täbris im Westen festgelegt. Die britische Linie verlief von aus dem Raum der Nordwestgrenze Indiens und der afghanischen Grenze bis in den Raum westlich von Bandar Abbas am Persischen Golf. In dieser Aufteilung verblieb dem Deutschen Reich nur noch die Möglichkeit, seinen Einfluss in dieser Region durch Kooperationen mit dem Osmanischen Reich auszubauen.
Zwischen dem Iran und dem Osmanischen Reich herrschte eine traditionelle Feindseligkeit, welche religiös bedingt war. Hierbei hatte im Iran der vom Sultan Abdul Hamid II. verbreitete Pan-Islamismus keine Fürsprecher, bis junge Perser erkannten, dass dieser politisch instrumentalisiert werden konnte. Die Angehörigen der Jön Türkler - Bewegung entwickelten sich zu Pan-Turanisten, welche neue Version eines alten Osmanischen Reichs schaffen wollten zu dem auch Trans-Caukasien, Turkestan und zumindest die nördlichen Teile des Irans gehörten. Die Kontrolle des russischen Zarenreichs über große Teile dieser Gebiete hatte eine Umsetzung Pan-Turanistischer Ideen entgegengestanden und die Übergriffe der osmanischen Kräfte im Iran galten als gegen die Machtausdehnung des russischen Reiches gerichtet.
Im Jahr 1914 besetzten aus Indien kommende britische Truppen größere Teile des Iran östlich vom Shatt-al-Arab, um die britischen Interessen abzusichern. Britische Ölkonzerne hatten dort Produktions- und Förderstätten errichtet. Die britischen Kräfte rückten im Jahr 1915 entlang des Fluss Tigris nach Seleukeia-Ktesiphon vor, ganz in der Nähe von Bagdad. Die britischen Kräfte unterlagen in Kämpfen mit der Osmanischen Armee und mussten sich nach Kut im heutigen Irak zurückziehen. Die osmanischen Streitkräfte schlossen die britischen Kräfte bei der Belagerung von Kut (7. Dezember 1915 – 29. April 1916) ein und wehrten drei Entsatzangriffe ab. Ein Angebot von 2.000.000 britischen Pfund für das Freikaufen der Garnison lehnten die osmanischen Führer ab und Ende April 1916 kapitulierte die Garnison. Man hatte auf britischer Seite auf russische Unterstützung, welche vom Kaspischen Meer kommend, über Kermanshah und Khanaqin nach Bagdad vorrücken sollte, gehofft, doch dies blieb aus. Zwischen Mai und November 1916 sicherten die britischen Truppen einen Raum westlich des Iran auf osmanischem Territorium um Basra und den Zusammenfluss von Euphrat und Tigris an der Spitze des Persischen Golfs vollständig zu kontrollieren. Im Jahr 1917 kam es zu weiteren Vorstößen der britischen Truppen in Mesopotamien. Vorstöße auf Bagdad und zu den Ölfeldern bei Mossul und auch die Vorstöße in die Levante erweiterten das kontrollierte Gebiet, zu dem letztlich auch Palästina gehörte. Die russischen Vorstöße 1915 aus dem Kaukasus mit den daraus entstandenen späteren Stützpunkten in Resht, Kazvin und Teheran, nahmen wenig Einfluss auf das weitere Kriegsgeschehen, dass von immer neuen Kämpfen zwischen osmanischen und russischen Kräften entlang der iranisch-ottomanischen Grenze geprägt war.
Geschichte Die Dunsterforce bestand aus 450 bis 1000 Mann. Sie wurde im Dezember 1917 aufgestellt und hatte zum Ziel, Armenier, Georgier und Tataren gegen das deutsche Reich zu formieren. Es ging den Briten dabei, die Ölfelder von Baku zu sichern und gleichzeitig das Gebiet vom Kaukasus über den Iran bis nach Britisch-Indien zu verteidigen. Die Dunsterforce war in die Schlacht um Baku verwickelt, welche vom 26. August bis zum 14. September 1918 andauerte. In der Folge wurde die Dunsterforce aufgelöst.Timothy C. Winegard: Dunsterforce, in: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, hrsg. von Ute Daniel, Peter Gatrell, Oliver Janz, Heather Jones, Jennifer D. Keene, Alan Kramer, and Bill Nasson, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, .
Literatur Lionel Dunsterville: The adventures of Dunsterforce, 1920.
Weblinks
Seite zur Dunsterforce
Einzelnachweise
Kategorie:Militärischer Verband im Ersten Weltkrieg Kategorie:Erster Weltkrieg im Nahen Osten