mini|Düsseldorf-Rath 2016
Rath ist ein Stadtteil im Nordosten Düsseldorfs mit rund 22.800 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2024). Der Stadtteil befindet sich in unmittelbarer Nähe des Düsseldorfer Flughafens und grenzt an die Stadt Ratingen.
Lage Rath grenzt an sechs Düsseldorfer Stadtteile sowie eine Nachbarstadt. Im Norden grenzt Rath komplett an die Stadt Ratingen. Im Osten, wo sich größtenteils der Aaper Wald befindet, liegt der Stadtteil Knittkuhl, nur erreichbar durch den Grütersaaper Weg. Südöstlich, entlang den Straßen Fahneburgstraße und Kastanienallee sowie dem Segelflugplatz „Wolfsaap“ oberhalb der Tönnesaap grenzt Rath an Ludenberg. Südlich gelegen sind Mörsenbroich sowie Grafenberg, wobei Grafenberg und Rath nur zwischen den Straßen Lenaustraße und Ernst-Poensgen-Allee/Fahneburgstraße auf dem Teilstück vom Mörsenbroicher Weg eine gemeinsame Grenze haben. Im Westen teilen sich Lichtenbroich und Unterrath die gemeinsame Stadtteilgrenze zu Rath, die durch die A 52 gebildet wird. Die Anschlussstelle 21 (Ausfahrt Düsseldorf-Rath) auf der Theodorstraße bildet den Grenzpunkt aller drei Stadtteile.
Geschichte Bis etwa 1850 Die ältesten schriftlichen Nachweise aus dem Mittelalter sind Urkunden, die das Stift Kaiserswerth betreffen und in denen Rath erwähnt wird. Der älteste Nachweis stammt von 1072. Entsprechend einer Urkunde schenkte 1072 König Heinrich IV. der Collegiatskirche in Kaiserswerth diverse Gebiete mit „villen“ im heutigen Gebiet zwischen Duisburg und Düsseldorf. Eines dieser angeführte Gebiete ist „Rath“ und der Name bezog sich auf eine Rodung im Aaper Wald. Die ersten Rodungen mit Anlegung von Höfen dürften aber bereits einige Jahrhunderte vor diesem urkundlichen Nachweis erfolgt sein.Lacomblet, Theodor Joseph, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunde 216, 1840, Band 1, 779 bis 1200, S. 140. Zu den Rodungen gehörte auch die Anlegung eines königlichen Kronhofes, der ab 1248 urkundlich nachweisbar ist.In: Internetfassung des LVR. Dieser Fronhof war vor der Übergabe an die „Berger“ der Haupthof (Sitz des Lehn-Gerichtes) für alle Höfe des Stifts Kaiserswerth, die nördlich der Wupper lagen.Anton Fahne. In: Ausarbeitung über Rath „Die Fahnenburg und ihre Bildergalerie“. 1873.
Im Mittelalter wurde zwischen „Oberrath“ und „Unterrath“ unterschieden. Das Gebiet von Unterrath war jedoch nicht identisch mit dem aktuellen Düsseldorfer Stadtteil mit gleichem Namen. Unterrath entsprach weitgehend dem heutigen Bereich für beide Stadtteile, war also das Gebiet im Bereich der Rheinebene. Oberrath war das über der tieferen Rheinebene liegende Gebiet. Dies war nicht hochwassergefährdet und lag auch bereits teilweise im Bereich der Hügel. Ein freier Hof in Oberrath wurde zu dieser Zeit beispielsweise „Wolfshof auf dem Aap“ genannt.Fahne, Anton, in: Die Fahnenburg und ihre Bildergalerie, Kapitel Honschaft Rath, 1873, S. 41. Onlinefassung Der Stadtteil Rath besteht aus dem östlichen Bereich des historischen Unterraths und nur einem kleineren westlichen Teil des historischen Oberraths. Das Gebiet der „Honschaft Rath“, die sich aus den ersten Höfen im Mittelalter bildete, war ursprünglich deutlich größer und entsprach ungefähr dem aktuellen Stadtbezirk 6.
In einer weiteren Urkunde von 1224 wurde Rath ebenfalls erwähnt, als dem Stift Kaiserswerth dort der Bau einer Kapelle genehmigt wurde.Lacomblet, Theodor Joseph, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunde Nr. 117, 1846, Band 2, S. 63. Digitalisierte Ausgabe ULB Bonn Durch die erweiterten Befestigungsanlagen von Kaiserswerth war danach den Gläubigen der Zugang zum Ort und der dortigen Hauptkirche in der Nacht kaum noch möglich. Ab 1236 wurde deshalb die Kapelle in Rath der Kirche in Kreuzberg unterstellt. 1347 wurde eine Gemeinschaft von frommen Frauen, sogenannte Klausnerinnen, erwähnt, die sich in der Nähe der Kapelle angesiedelt hatten. Um 1427 schlossen sich diese Frauen dem Orden der Franziskanerinnen an. 1458 wurde bestätigt, dass die Bewohnerinnen des Klosters nach der Dritten Regel des hl. Franziskus lebten. Um 1700 wurden die Gebäude des Klosters einschließlich der zugehörigen Kapelle erneuert. Bei der Aufhebung des Klosters 1802 bestand die Gemeinschaft noch aus 16 Insassinnen.Wisplinghoff, Erich. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. In: Das Kloster der Franziskanerinnen in Rath. 1990, 2. Auflage, Schwann 1988, Patmos Verlag, Hrsg.: Hugo Weidenhaupt, S. 386–388, ISBN 3-491-34221-X.
Bei der Belagerung von Kaiserswerth 1702 wurde das Kirchdorf Kreuzberg einschließlich seiner Kirche völlig zerstört. Zuständige Hauptkirche bis 1803 wurde deshalb nun die Kirche in Kalkum. Ab 1803 war die Pfarrkirche in Rath unabhängig, da der Pfarrbezirk Rath nun selbständig wurde.Lacomblet, Theodor Joseph, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Bemerkungen zur Urkunden 117, 1846, Band 2, 1201 bis 1300, S. 63.
Mitte des 13. Jahrhunderts erwarben die Grafen von Berg Besitz in Rath. Entsprechend einer Urkunde vom 29. April 1248 vergab der römisch-deutsche Gegenkönig Wilhelm von Holland zwei Reichshöfe in Rath und in Mettmann an Graf Adolf von Berg. Als Lage des Rather Hofes wurde vor dem Bannwald Ap oder auch in „Rade vorm Ap“ angeführt.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Bemerkungen zur Urkunden 329, 1846, Band 2, 1201 bis 1300, S. 171. Nach Ende der Phase als Gegenkönig erneuerte 1288 Wilhelm von Holland, nun als deutsch-römischer König, die Vergabe der Fronhöfe in Rath und Mettmann, diesmal für 320 Mark als Pfand. Da das Pfand nicht mehr eingelöst wurde, gehörten damit nun Gebiete in Rath und Mettmann endgültig zur Grafschaft Berg.Fahne, Anton, in: Die Fahnenburg und ihre Bildergalerie, 1873, S. 40. Onlinefassung Dieser „Rather-Fronhof“ lag im Zentrum von Unterrath in der Honschaft Rath, die die aktuellen örtlichen Bereiche von Rath und Unterrath umfasste.Finger, Heinz, in: Die Frauen im mittelalterlichen Rheinland/Anhang II., 1995, Düsseldorf, S. 100. Onlinefassung
Dieser den „Bergern“ ab 1288 gehörende Fronhof hatte offensichtlich eine über die lokale Lage hinausgehende wichtige Position. In einer „Frohnhofsordnung der Kellnerei Angermund“ von 1634, die sich auf schriftliche Unterlagen von 1463, 1524 und 1573 bezog, wurde angeführt, dass das „Hofgericht zu Nider Rhode für dem Ape“ das Haupthofgericht für zum Herzogtum gehörende Höfe nördlich der Wupper war und dem Gericht Creutzbergk unterstand.Koernicke, Arthur, in: Ordnung des Rather Oberhofs, aus: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, 1894, Band 8, S. -. Onlinefassung
Für Mitte des 17. Jahrhunderts waren im historischen Rath/Unterrath 10 freie Bauerngüter und 28 lehnabhängige Höfe nachweisbar. Drei auch in der Neuzeit noch bekannte freie Güter waren der Hof „Zu den Buschen“, der Hof „Rolland“ und der Hof „Zu Ickt“. Der „Kreuzherrenhof“ (oder auch Hof Tönnisaap genannt) war ein Hof, der dem „Kloster der Kreuzherren“ in der Altstadt als Pfründe zeitweise gehörte.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Umgebung von Rath/Unterrath ländlich geprägt. In einer Untersuchung von 1836 wurde der weitgehend bäuerliche Charakter der Honschaft Rath dokumentiert. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Rath zur Bürgermeisterei Eckamp. Diese umfasste die fünf Honnschaften „Bracht mit Bellscheid und Homberg“, Eckamp, Eggerscheidt, Hössel (Hösel) und Rath. 1835 lebten in Rath 1085 Einwohner, davon waren 885 Katholiken und der Rest Protestanten. Neben den größeren vier Rittergütern Große Burg, Hain, Heiligendonk und Volkardey und dem Landgut Roland gab es 35 Ackerhöfe. An industriellen Einrichtungen waren nur eine Brennerei und eine Mühle im Bereich des Rittergutes Volkardey vorhanden.Johann Georgt von Viebahn, in: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Abschnitt „Derendorf“, 1836, Düsseldorf, Zweiter Theil, S. 78/79.
Nach etwa 1850 mini|Ansicht des Walzwerks Rath der Mannesmann-Röhrenwerke, Vogelschau von Jakob Weeser-Krell, 1901
Durch die Entwicklung von Düsseldorf mit starker Zunahme der Bevölkerung und Ansiedlung von Firmen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auch Rath/Unterrath durch seine Nähe zur alten Kernstadt, obwohl bis 1909 noch nicht eingemeindet, immer stärker beeinflusst. Das bisher überwiegend für Landwirtschaft genutzte und waldbedeckte Dorfgebiet wurde zunehmend stärker besiedelt. Die historische Honschaft Rath umfasste ein wesentlich größeres Gebiet als der aktuelle Stadtteil, da auch Unterrath mit zum Ortsbereich gehörte. Die formale Unterteilung in Rath und Unterrath erfolgte erst im 20. Jahrhundert nach der Eingemeindung. Auf Wunsch der Gemeinde Rath kam es im Mai 1908 zu einer Verhandlung zwischen Düsseldorf und dem Landkreis Düsseldorf. Unter anderem forderten die Gemeindevertreter von Unterrath den Bau einer Straßenbahnlinie zwischen Düsseldorf und Unterrath im Falle einer Eingemeindung.Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten der Stadt Düsseldorf, in: Für die Zeit 1. April 1909 bis 31. März 1919, 1910, S. [20/21]XXII/XXIII. Onlinefassung
Am 1. April 1899 schied die Gemeinde Rath aus der Bürgermeisterei Eckamp aus und wurde zu einer eigenen Bürgermeisterei erhoben.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1899, S. 191
Rath wurde vor 1900 durch den Bau der zwei Eisenbahnstrecken Düsseldorf–Duisburg und Düsseldorf–Essen über die Ruhrtalbrücke bei Kettwig an das Eisenbahnnetz im Rheinland angeschlossen. Durch diese Verbesserung der Infrastruktur siedelten sich nach 1880 zunehmend auch gewerbliche Fabriken in Rath an. Eine der ersten war die „Maschinenfabrik der Gebrüder Poensgen“ und ab 1886 die „Pahl’sche Gummi- und Asbest-Gesellschaft“, die spätere Paguag GmbH & Co. Es folgten 1891 die Maschinenfabrik „Sack & Kiesselbach“, 1895 „Bauartikelfabrik A. Siebel“ und 1899 die „Maschinenfabrik Sack GmbH“. Besonders mit der Errichtung des Mannesmannröhren-Werks ab 1897 führte diese neue Entwicklung zu einem Ortbereich mit einem industriellen Charakter, der auch aktuell noch vorhanden ist. Inzwischen gehören die Röhrenwerke nach dem Aufkauf und der Auflösung des Mannesmann-Konzerns in den 1990er Jahren zu dem französischen Unternehmen Vallourec.RP-Online, in: Mit der Industrie groß geworden, Stadtteilserie: Rath, 10. Oktober 2003. Bedingt durch diese Entwicklung wurde Rath 1909 auf eigenen Wunsch hin zusammen mit Unterrath und Lichtenbroich nach Düsseldorf eingemeindet.
Seit 1925 gibt es in Rath den Bürger-Schützenverein 1925 e. V. Düsseldorf-Rath. Dieser trägt mit seinem jährlichen Schützenfest im August zum gesellschaftlichen Leben in Rath bei.
2008 zog der Malteser Hilfsdienst mit dem Katastrophenschutz und den Fahrzeugen des kommunalen Rettungsdienstes nach Rath und eröffnete damit die zweite Wache im nördlichen Wachgebiet.
Seit 2011 haben sich einige Rather Kaufleute zur Gemeinschaft Wir in Rath (WIR) zusammengeschlossen. Die (sich als unpolitisch darstellende) Händlergemeinschaft wird von Mitgliedern der CDU Rath, darunter einigen Ratsherren sowie der Bundestagsabgeordneten für den Bundestagswahlkreis Düsseldorf II, Sylvia Pantel, geführt. Wir in Rath (WIR) veranstaltet gemeinsame Feste für die Rather Bürger und versucht so, den Stadtteil und insbesondere die Umsätze der von ihr vertretenen Unternehmen in der Westfalenstraße zu erhöhen.