Farymann Diesel war ein deutscher Hersteller kleiner Dieselmotoren für Industrie- und Marineanwendungen mit Hauptsitz im südhessischen Lampertheim. Farymann zählt heute zu den Hauptakteuren auf dem globalen Markt für Kleindieselmotoren. Daily Biz Report, 16. August 2018. Tactical Business, 1. September 2018.Hervey: Small Diesel Engine (Non-Road) Market Analysis, Cost Structure, Top Vendors, Supply Chain relationship and Forecasts to 2025. businessstrategies24.com, 4. September 2018.Nidhi Bhawsar: Small Diesel Engine Market to witness astonishing growth with Key Players Yanmar, Kubota, Isuzu. businessstrategies24.com, 6. September 2018. In seinen Hochzeiten beschäftigte das Unternehmen 400 Mitarbeiter.Bärbel Jakob: Kampf ums Überleben. Südhessen Morgen, 30. August 2013.
Geschichte Von Farny & Weidmann über Farmann zu Farymann Diesel Farymann Diesel wurde von den Ingenieuren Paul Ludwig Farny (1897–1985) und Ernst Weidmann am 5. August 1947 gegründet. Paul Farny stammte aus der Kißlegger Brauerfamilie Farny. Im Ersten Weltkrieg hatte er einen Unterschenkel verloren und studierte dann Maschinenbau an der Technischen Hochschule Stuttgart. Farny war in Ilvesheim wohnhaft, Ernst Weidmann in Weinheim ansässig. Weidmann wurde 1907 in Kiew als dritter von fünf Söhnen – sein ältester Bruder war Adolf Weidmann – des Adolf Weidmann (1867–1936) und dessen Ehefrau Karolina, geborene Munzinger (1872–1945), geboren. Die Familie wanderte über Riga, Warschau und Kiew nach Rowno aus, wo der Vater als Braumeister tätig war. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfolgten die Ausweisung und der spätere Umzug nach Lothringen, welches sie nach dem Kriegsende wieder verlassen mussten. Über Umwege gelangten sie so nach Glan-Münchweiler in Rheinland-Pfalz.
Beide Gründer waren bis Ende des Zweiten Weltkriegs bei MWM tätig – Farny saß dort ab 1939 bis in die Besatzungszeit hineinManfred Pohl: Sicherheit auf Schiene und Straße. Die Geschichte der Knorr-Bremse AG. Piper, München u. a. 2005, S. 135, ISBN 3-492-04747-5. auch im Vorstand –, wurden aber auf Grund der Entnazifizierung entlassen. Die Firmierung war zunächst Farny & Weidmann, dann kurze Zeit, abgeleitet aus den ersten Buchstaben der Familiennamen, Farmann, was aber wegen einer möglichen Verwechslungsgefahr mit dem französischen Automobil- und Flugzeugmotorenhersteller Farman schon bald in Farymann Diesel (mit angehängter jeweiliger Rechtsform) abgeändert wurde. Als Startkapital diente Farny sein Erbanteil an der elterlichen Brauerei. Errichtet wurde das erste Gebäude auf dem früheren Olympia-Lampertheim-Sportplatz. 1949 und 1952 kamen weitere Bauten hinzu.
Ende der 1960er Jahre hatte der Betrieb rund 260 Mitarbeiter.Christian Schupp: Farny & Weidmann. Lampertheim bei Mannheim. 1947 – heute.; dort angegeben als Quellen die Schrift 50 Jahre Farymann des Unternehmens, Erich Baentsch: Dieselmotoren-Praxis. Schiele & Schön, Berlin 1987, Deutsche Verbrennungsmotoren 1958. Fachgemeinschaft Kraftmaschinen im VDMA (Hrsg.), Maschinenbau-Verlag, Frankfurt am Main 1958, und Johannes Reichelt: Betriebskunde des Dieselmotors. Bd. 3, VEB Wilhelm Knapp Verlag, Halle (Saale) 1957. Vor allem die kleinen liegenden Motoren mit geringer Bauhöhe sowie die als laufruhig bekannten Zweizylinder-V-Motoren mit ihrer kompakten Bauform waren bald sehr begehrt.Farymann Diesel stellt in München aus. Eisenbahntechnische Rundschau, 19 (1970), S. 34. Eine besondere Bedeutung spielte die Fertigung von Bootsmotoren, die bis heute vor allem als Hilfsmotoren bei Segelyachten zum Einsatz kommen. Die damals in Mailand ansässige Firma Nanni (heute Nanni Industries SAS, Bordeaux) begann 1952 mit der sogenannten „Marinisierung“ von Industriemotoren aus dem Hause Farymann. Nanni. Als Farymann ein komplettes Programm von Kleindieselmotoren für den Bootsantrieb entwickelt hatte, nahm dieser Fertigungsbereich einen steilen Aufschwung.Farymann Diesel Bootsmotoren. In: Jahrbuch der Technischen Hochschule Darmstadt 1971, Technische Hochschule Darmstadt, S. 150. In enger Zusammenarbeit mit Seglern und Yachtwerften begann man bei Farymann mit der Entwicklung kompletter, wassergekühlter Bootsmotoren.Farymann Diesel und Hydromarin. In: Ölhydraulik und Pneumatik, 16. Jg., Nr. 1 (1972), S. 42. Um 1970 war Farymann der größte Hersteller von wassergekühlten Kleindiesel-Bootsmotoren innerhalb der EWG und lieferte weltweit in mehr als 80 Länder. Unter anderem hatte man in einigen Ländern Vermarktungsvereinbarungen für diese Kleindiesel-Bootsmotoren mit dem britischen Motorenhersteller Perkins Engines geschlossen, der 1975 auf der London Boat Show eine Gruppe von Farymann-Motoren präsentierte.Perkins to market Farymann Diesel engines. In: Gas & Oil Power, 71 (1975), S. 47.
1977 wurde Farny das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Weidmann nahm als 83-Jähriger Anfang September 1990 noch am 22. 100-km-Lauf des TV Unna 1861 als Läufer teil. Als damals ältester Ultramarathonläufer in Deutschland erreichte er das Ziel in 18:33:55 h.Christian Hottas: 100 km Deutschland-Cup 1990. In: Ultramarathon. 6. Jg., 2/1991, Deutsche Ultramarathon-Vereinigung, 1991, S. 7. ([Christian Hottas PDF])Ergebnisse 100-km 1989 bis 1990., TV Unna 1861 e. V.Ernst Weidmann. Statistik auf der Website der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung.
Die Ära Briggs & Stratton Im Juli 1979 wurde das Unternehmen an Briggs & Stratton verkauft.Briggs & Stratton. In: Standard & Poor’s Stock Market Encyclopedia of the S & P "500". Bd. 3, Ausg. 1, Standard & Poor’s, 1981, S. 368.Übersicht über die nach § 23 angezeigten Unternehmenszusammenschlüsse nach Wirtschaftsbereichen in den Jahren 1979 und 1980. In: Drucksache 9/565, Deutscher Bundestag — 9. Wahlperiode, Bonn 1980, Abschn. X. Landfahrzeuge, Pkt. K, S. 174. (PDF) Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Gründer 72 und 83 Jahre alt, die Nachfolge nicht geklärt. Organisation und Fertigung entsprachen einem größeren Handwerksunternehmen, aufgrund der damals international hohen Nachfrage allerdings vermutlich mit einem guten Absatz und Gewinn. B&S hatte die Vorstellung, den Betrieb und die Produkte zu modernisieren und durch drastisch niedrigere Kosten/Preise sowie durch die eigene Vertriebsorganisation die Stückzahlen dramatisch steigern zu können.Muß gleich der Wind aus einer anderen Richtung wehen, wenn man unter einer anderen Flagge läuft? In: Straße und Autobahn, 31 (1980), S. 252.
In der Zeitschrift Wehrtechnik des Verlags Wehr und Wissen war 2000 zusammengefasst:Motoren mit Zukunft. In: Wehrtechnik, 32 (2000), S. 352.
Nach 2000 Nach dem Jahr 2000 firmierten mehrere Gesellschaften als Farymann Diesel.
Eine Farymann Diesel GmbH (Amtsgericht Darmstadt HRB 60722) befand sich im Mehrheitseigentum und unter der Geschäftsführung von Bernd Holzapfel. Das Unternehmen besteht weiterhin, wird aber als "in Liquidation" geführt und befindet sich im Mehrheitseigentum eines Familienmitglieds Holzapfels.Notarbescheinigte Gesellschafterliste der Firma Farymann Diesel GmbH i. L. vom 23. Dezember 2008, Urkundenrolle UR 1462/2008 Notariat Maulbronn, Amtsgericht Darmstadt, abgerufen über handelsregister.de am 11. Januar 2025.
Eine Bukh-Farymann Diesel GmbH (Amtsgericht Darmstadt HRB 62206) wurde 2004 erstmals ins Handelsregister eingetragen und gehörte zu Bukh A/S, ab 2007 zur indischen Greaves Cotton, dann mit der Firmierung Greaves Farymann Diesel GmbH.Handelsregister B des Amtsgerichts Darmstadt, Chronologischer Auszug zur Registernummer 62206, abgerufen am 11. Januar 2025 unter handelsregister.de. 2010 wurde die Markteinführung in den Vereinigten Staaten, Kanada, in der Karibik und Mexiko beschlossen und die amerikanische Tochter Farymann North America mit Sitz in Greenville, South Carolina, gegründet, deren erster Direktor Syd Watson wurde.Farymann North America LLC Provides Product Sales, Service, and Support to Military, Construction, and Marine Industries. Business Wire, 1. Juli 2010. 2013 beklagte die Greaves Farymann Diesel GmbH Vertriebsprobleme und bat den Bundestagsabgeordneten Michael Meister (CDU) um Unterstützung bei der Suche nach neuen Kontakten. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen nur noch 33 Angestellte und konnte von 7.000 bis 8.000 erwarteten nur noch 3.000 Motoren absetzen. Vom Mutterkonzern Greaves Cotton fühlte man sich allein gelassen. In Lampertheim hatte Farymann lediglich die Produktion, aber weder eine eigene Vertriebsschiene noch eine Marketingabteilung. Im Bereich der wassergekühlten 18-kW-Motoren war das Unternehmen mit einem Marktanteil von 60 Prozent seinerzeit zwar Weltmarktführer, konnte aber im Baumaschinensektor seit längerer Zeit nicht mit den chinesischen Billigprodukten mithalten. Ab Sommer 2018 war AGP Power ApS, Ballerup/Dänemark, neuer Eigentümer., 5. September 2018. Laut Firmenwebsite war die Farymann Diesel Engines GmbH Stand 2018 immer noch in mehr als 60 Ländern mit Vertragspartnern vertreten. Farymann Diesel Engines GmbH; abgerufen am 9. September 2018. Im Februar 2019 musste Faryman erneut Insolvenz beantragen. Grund sollen Zulieferprobleme gewesen sein, die die Produktion drosselten. Eine Sanierungslösung kam nicht zustande. Im Mai 2019 wurde das Unternehmen endgültig liquidiert.Farymann Diesel Insolvenz auf den Seiten von Haemmerle.de, abgerufen am 5. Dezember 2019. Die Löschung aus dem Handelsregister erfolgte im Juni 2023.Handelsregister B des Amtsgerichts Darmstadt, Chronologischer Auszug zur Registernummer 62206, abgerufen am 11. Januar 2025 unter handelsregister.de.
Darüber hinaus bleibt Briggs & Stratton rechtlich weiterhin mit der Gesellschaft aktiv, die von 1979 an als Farymann Diesel GmbH firmierte und von 1985 an Briggs & Stratton Germany GmbH heißt (Amtsgericht Darmstadt HRB 60438). Firmensitz und Produktion befinden sich in Viernheim.Handelsregister B des Amtsgerichts Darmstadt, Chronologischer und Historischer Auszug zur Registernummer 60438, abgerufen am 11. Januar 2025 unter handelsregister.de.
Produkte und Verwendungsbereiche Im Wesentlichen wurden Einzylinder-Dieselmotoren entwickelt und gebaut, seit den 1960er Jahren auch kompakte V-Motoren. Das erste Produkt war ein liegender Motor mit indirekter Einspritzung und Verdampferkühlung, der Typ D. In den ersten Jahren der Firmengeschichte gab es kein einheitliches Bezeichnungssystem der Motortypen, bzw. es wurde nicht sehr einheitlich gehandhabt, bis Mitte der 1950er das 1. (rein alphabetische) Bezeichnungssystem für Motoren der 1. Generation folgte.
1976 präsentierte Farymann einen seriengefertigten 4,5 PS starken 242-cm³-Einzylinder-Dieselmotor, zu dieser Zeit angeblich der „kleinste Diesel-Motor der Welt“ –, abgesehen vom Modellbaubereich; gemeint war damit der kleinste industriell genutzte Dieselmotor, der vorwiegend als Antrieb für Baumaschinen zum Einsatz kam. Der Motor wurde speziell für den Antrieb von Kühlaggregaten kleiner Lieferwagen entwickelt.Mini-Diesel kühlt TK-Kommissionen. In: Allgemeine Fischwirtschaftszeitung, 30 (1978), S. 54.Kleinster Dieselmotor. In: Revue des douanes. Bde. 23–24, Oberzolldirektion, 1978, S. 114.
Die Motoren sind beliebt aufgrund ihrer Langlebigkeit, der zuverlässigen Starteigenschaft, der einfachen Wartungsmöglichkeit und der Einsetzbarkeit unter extremen Betriebsbedingungen. So beschrieb das internationale Fachmagazin Engineering News-Record (ENR) 1982 die Vorzüge der Farymann-Motoren wie folgt:Engineering News-Record, 15 (1982), S. 52.
Das Unternehmen bietet auch Produkte an wie beispielsweise Mini-Blockheizkraftwerke für Einfamilienhäuser, Stromerzeugungsgeneratoren und Notstromgeräte.
Liste der Motoren