So Phim (* um 1925; † 3. Juni 1978 in Prek Pra), geboren als So Vanna, auch bekannt als Sos Sar Yan und Ta Phim, war ein kambodschanischer Politiker und militärischer Führer der Roten Khmer.

Er war ständiges Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kampucheas, Erster Vizepräsident des Staatspräsidiums und Sekretär (Regierungschef) des Komitees der Östlichen Zone des Demokratischen Kampuchea. Bei der Säuberungswelle der Roten Khmer in der Östlichen Zone im Jahr 1978 wurde er bei einem Versuch, Kontakt mit der Führung in Phnom Penh aufzunehmen, angegriffen und schwer verletzt. In aussichtsloser Lage nahm er sich das Leben.

Biographie So Phim wurde um 1925 im Osten Kambodschas geboren. Er begann seine militärische Karriere in der französischen Armee, bevor er Ende der 1940er Jahre zu einem Funktionär der Unabhängigkeitsbewegung Khmer Issarak wurde.Kane: Dictionnaire des Khmers rouges. So (Phim). 2007, S. 349. Er war auch Mitglied der 1945 aufgelösten, von Vietnam dominierten Indochinesischen Kommunistischen Partei.Kiernan: Genocide and Resistance in Southeast Asia. 2008, S. 86 ().

Im August 1951 gehörte er zu den fünf Gründungsmitgliedern der Revolutionären Volkspartei von Kampuchea (PRPK), die sich 1960 in Workers Party of Kampuchea (WPK) und 1971 in Kommunistische Partei Kampucheas (CPK) umbenannte.Henri Locard: Pourquoi les Khmers rouges. L’Angkar (= Révolutions). Vendémiaire, Paris 2013, ISBN 978-2-36358-052-8, S. 110.

1954, als das Genfer Abkommen den Ersten Indochinakrieg beendete, kehrte er nach einem kurzen Aufenthalt in Hanoi nach Kambodscha zurück und wurde eines der vier Mitglieder des provisorischen Komitees, das die Partei leiten sollte.Kane: Dictionnaire des Khmers rouges. So (Phim). 2007, S. 350. Da die PRPK von Norodom Sihanouks Polizei und durch den Verrat ihrer eigenen Führer bedroht wurde, flüchtete Phim mit einigen Anhängern nach Phnom Penh, wo sie als Schreiner arbeiten konnten.Short: Pol Pot. 2007, S. 157.

1960 wurde Phim zum kandidierenden Mitglied des Zentralkomitees der WPK gewählt, drei Jahre später zum ständigen Mitglied, womit er in der Parteihierarchie an vierter oder fünfter Stelle stand. Das fünfköpfige Zentralkomitee wurde von antivietnamesischen Intellektuellen dominiert, an ihrer Spitze Pol Pot. So Phim war der einzige mit bäuerlicher Herkunft.Nayan Chanda: Les frères ennemis. La péninsule indochinoise après Saigon Übersetzt von Michèle Vacherand, Jean-Michel Aubriet. CNRS Éditions, Centre national de la recherche scientifique, Paris 2000, ISBN 978-2-87682-002-9, Kap. 8: Le feu aux poudres, S. 216 (Originaltitel: Brother Enemy. The War After the War).

Von 1954 bis zu seinem Tod im Jahr 1978 war er Sekretär des Komitees (der Regierung) der Östlichen Zone des Demokratischen Kampuchea.

So Phim wird als „ein stämmiger Mann von etwa 1,80 m Körpergröße, mit rundem Gesicht, dunkler Haut und steifem schwarzem Haar“ beschrieben.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 89 f. Er galt als unhöflich und bedrohte seine Genossen bei einem Wutanfall mit seiner Pistole.Short: Pol Pot. 2007, S. 231. Er scheint dennoch von seinen Männern geliebt worden zu sein und hatte in der Partei den möglicherweise ungerechtfertigten Ruf, gemäßigt zu sein.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 296–373. Phim hatte eine hartnäckige Hautkrankheit und wurde von Mai bis August 1976 in China behandelt.Kiernan: Genocide and Resistance in Southeast Asia. 2008, S. 92 ().

In seiner Zone, besonders in der Provinz Kampong Cham, wurden die muslimischen Cham brutal unterdrückt, die sich geweigert hatten, die von den Roten Khmer aufgestellten Regeln zu befolgen.Kiernan: The Pol Pot Regime. 2008, S. 262–277.

Innerparteiliche Spannungen Bei den Roten Khmer gab es von Beginn weg eine Animosität zwischen intellektuellen (städtischen) und bäuerlichen (ländlichen) Kadern, Erstere eher antivietnamesisch, Letztere eher provietnamesisch. Während Nordvietnam beim Kampf der Roten Khmer gegen das prowestliche Regime der Republik Khmer von Lon Nol noch deren engster Verbündeter gewesen war, begann nach ihrer Machtübernahme die historische antivietnamesische Rivalität der städtischen Linie Oberhand zu gewinnen. Die Kluft zu den ländlichen, provietnamesischen Kadern wie So Phim und Heng Samrin vertiefte sich. Pol Pot wandte sich von Vietnam und der Sowjetunion ab und verstärkt China zu. Sein Hass gegen Vietnam nährte sich aus der Überzeugung, dass das Territorium in Kampuchea Krom (Mekong-Delta) und der Vinh-Te-Kanal von „monarchistischen und feudalen Behörden“ und den französischen Kolonisatoren in gesetzwidriger Weise Vietnam überlassen worden seien und „heimgeholt“ werden müssten.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 360. Eine aus der Jugend stammende Kränkung in Saigon, als die Khmer dort wegen ihrer dunkleren Haut „dunkle Affen aus den Bergen“ genannt wurden, dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 387. Gebietsansprüche hatte das Regime auch gegenüber den anderen beiden Nachbarn, Laos und Thailand (Surin, Buri Ram und Si Sa Ket), und überhaupt auf alle Gebiete, wo Steine mit der Inschrift „Khom“ zu finden waren oder Zuckerpalmen wuchsen.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 368. mini|Verwaltungszonen des Demokratischen Kampuchea

Die Truppen der einzelnen von den Roten Khmer eingerichteten sieben Zonen waren relativ autonom, teils sogar mit unterschiedlichen Uniformen ausgerüstet. Im Juli 1975 versuchte die Zentrale, die Truppen durch eine Reorganisation unter ihre Kontrolle zu bringen, mit mäßigem Erfolg. Die Zonen wurden darauf de facto von den Truppen der Zentralen Zone und der ihr ergebenen Südwestlichen Zone besetzt, die mit Ta Mok von einem strikt antivietnamesischen Roten Khmer geführt wurde. Am meisten Widerstand gegen die Zentrale gab es in der Östlichen Zone. Aus ihr gab es bereits kurz nach der Machtübernahme der Roten Khmer, im September 1975, einen allerdings erfolglosen Versuch zu einem Staatsstreich, an dem So Phim möglicherweise beteiligt war.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 392.

Anfang 1977 führte das Zentrum eine neue Kommandostruktur in der Östlichen Zone ein. Die südlichen Zwillingsregionen der Zone wurden nach der Besetzung durch Truppen der Südwestlichen Zone nun vom stellvertretenden Sekretär Seng Hong (alias Chan) geführt, einem eingeschworenen Irredentisten, der sogar Prey Nokor (Ho Chi Minh City) „heimholen“ wollte. Das Zentrum führte zwei neue Fronten ein, die Highway-1-Front mit Son Sen, Verteidigungsminister und Oberkommandierender der nationalen Armee, als Kommandeur und die Highway-7-Front. Das Kommando für diese wurde zwar So Phim übergeben, aber ihm wurde mit Ke Pauk, dem Sekretär der Zentralen Zone, ein linientreuer Roter Khmer als Stellvertreter beigestellt. Die Östliche Zone war nun wie die anderen außer der Südwestlichen wesentlich von fremden Truppen besetzt. Der Druck auf So Phim nahm zu.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 369.

Attacken gegen Vietnam Die Angriffe auf Vietnam begannen im Frühling 1977, nach Grenzzwischenfällen mit Thailand und Laos bereits zu Jahresanfang. Gerechtfertigt wurden sie vom Regime mit angeblichen Annexionsplänen Vietnams. Vietnam bezeichneten die Roten Khmer nun als Aggressor und Feind des Demokratischen Kampuchea.

Am 15. bis 18. und 25. bis 28. März 1977 überfielen Truppen des Demokratischen Kampuchea die vietnamesischen Provinzen Kiên Giang und An Giang.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 357. Starke kambodschanische Kräfte überfielen zwischen dem 30. April und dem 19. Mai vietnamesische Grenzposten und Grenzdörfer, töteten 222 Zivilisten und beschossen die Provinzhauptstadt am 17. Mai.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 358. Kurz vor Mitte 1977 attackierten Truppen des Demokratischen Kampuchea vietnamesische Dörfer entlang der Grenze und töteten im Dorf Prey Tameang 200 Zivilisten, darunter auch ethnische Khmer.

Vietnam schreckte vorerst davor zurück, militärisch zurückzuschlagen. Hanoi konnte sich nicht vorstellen, mit dem früheren engen Verbündeten, der immer noch „Bruder“ genannt wurde, einen Krieg zu führen, und machte mehrmals erfolglos Vorschläge, die Auseinandersetzung auf friedlichem Wege zu beenden.

Im März 1977 erhielt das Spezialregiment der Region 21 unter dem Kommando Hun Sens laut diesem den Befehl, das vietnamesische Dorf Or Lu in der Provinz Loc Ninh anzugreifen. Der Befehl kam offensichtlich von Seng Hong und Kev Samnang, dem militärischen Befehlshaber der Östlichen Zone. Der Politkommissar des Spezialregiments, Sok Sat, und sein Stellvertreter Chum Sei widersetzten sich dem Befehl. Als Hun Sen feststellen musste, dass auch 20 seiner Kameraden getötet worden waren, entschied er sich, den Angriff nicht durchzuführen.

Säuberungen in der Östlichen Zone 1977 Darauf begann die großangelegte Säuberung in der Östlichen Zone mit äußerster Brutalität. Im April 1977 wurde als erstes das 75. Bataillon des Regiments entwaffnet. Innerhalb zweier Wochen verhafteten Sicherheitskräfte der CPK 100 Offiziere und Soldaten der Truppen der Östlichen Zone. Dann wurden auch das 35., 55. und 59. Bataillon entwaffnet. Bis Juni wurden, laut Hun Sen, 200 militärische Kader der Region 21 getötet, einschließlich der Politkommissare Sok Sat und Chum Sei.

Die Säuberung erfasste auch politische Kader der Region 21. Viele wurden ins zentrale Gefängnis S-21 (Tuol Sleng) in Phnom Penh gebracht, wo von ihnen unter Folter Geständnisse über weitere „Verräter“ erpresst wurden. Hunderte Kader wurden getötet, Tausende verhaftet. Viele flohen nach Vietnam. Bis Oktober 1977 gab es 60.000 kambodschanische Flüchtlinge in Vietnam. Anfang Juli 1977 flohen sechs militärische Kommandeure der Östlichen Zone in der Nähe von Memut nach Vietnam, etwas weiter südlich Sin Song und zwei weitere Überläufer, darunter auch der damals 25-jährige Hun Sen.

Massaker von Tây Ninh In der Nacht vom 24. September 1977 fielen Einheiten der 3. Division der Östlichen Zone unter dem Kommando von Son Sen in die Provinz Tây Ninh ein und massakrierten nahezu 300 Zivilisten in fünf Dörfern der Distrikte Tan Bien und Ben Cau. Viele der Opfer waren ethnische Khmer oder Vietnamesen, die aus Kambodscha geflüchtet waren. Die Vietnamesen eroberten die Distrikte in einer Woche zurück. Zur gleichen Zeit fand ein triumphaler Besuch Pol Pots in China statt. In einer mehrstündigen Radioansprache verkündete er, dass Angka die CPK und er der Führer der Partei sei. Am 5. Oktober 1977 unterschrieb das chinesische Verteidigungsministerium ein Abkommen für eine umfassende Waffenlieferung an das Demokratische Kampuchea.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 373.

Das Tây-Ninh-Massaker beendete Vietnams Zurückhaltung und die Hoffnung auf eine Verständigung mit dem früheren Verbündeten. Erste Vergeltungsmaßnahmen folgten im Oktober 1977. Vietnam bereitete sich nun auf eine großangelegte Vergeltungsoperation vor und unternahm zunächst einige Aufklärungsmissionen.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 374. Am 22. Dezember 1977 drangen zwei Panzer in der Absicht, So Phim zu kontaktieren, in die Stadt Kandol Chrum ein, mussten aber unverrichteter Dinge zurückkehren. Hun Sen, Heng Samrin und acht weitere kambodschanische Überläufer begleiteten die Vietnamesen bei ihren Aufklärungsmissionen.Kiernan: Brother Number One. 2008, S. 375.

Trotz seiner provietnamesischen Haltung zeigte sich So Phim weiterhin loyal zur Partei und zu Pol Pot. Er protestierte nicht gegen die Attacken und gab sogar selbst Befehle zum Angriff.Kiernan: Genocide and Resistance in Southeast Asia. 2008, S. 92 (). Aber nach der Rückeroberung von Tây Ninh durch die Vietnamesen wurden Phim und Heng Samrin vom Zentrum beschuldigt, gemeinsame Sache mit Vietnam gemacht zu haben, was schließlich zum Coup gegen Phim im Mai 1978 führte.Kiernan: Genocide and Resistance in Southeast Asia 2008, S. 94 ().

Vergeltungsmaßnahmen Vietnams