mini|Etruskischer Bronzespiegel mit einer Pseudo-Lasa (3. Jahrhundert v. Chr.) Eine Lasa (Plural Lasen) ist eine niedere etruskische Gottheit. Die Lasen zählten zum Gefolge der Liebesgöttin Turan und waren im etruskischen Liebeskult von großer Bedeutung.Nancy Thomson de Grummond, Erika Simon (Hrsg.): The Religion of the Etruscans. S. 60. Sie konnten auch als Schicksalsgöttinnen in Erscheinung treten.Nancy Thomson de Grummond, Erika Simon (Hrsg.): The Religion of the Etruscans. S. 58. Die Lasen wurden von den Griechen und Römern häufig mit den Nymphen gleichgesetzt.Massimo Pallotino: Etruskologie. S. 309.
Wortherkunft und Namensgebung Den Lasen und den Laren, den Schutzgeistern bestimmter Orte und Familien im römischen Kult, liegt eventuell derselbe Wortstamm las- zugrunde.Giuliano Bonfante, Larissa Bonfante: The Etruscan Language. An Introduction, S. 200.
mini|Inschrift LASA SITMICA mit etruskischen Buchstaben von rechts nach links geschrieben Die Lasen wurden wie auch die Nymphen oftmals durch die Angabe eines Eigennamens voneinander unterschieden und individualisiert. Den Gattungsnamen Lasa stellte man dem Eigennamen voran. In Inschriften genannt werden: Lasa Achununa Lasa Racuneta Lasa Sitmica Lasa Thimrae Lasa Vecu, Vecui oder auch VecuviaGiuliano Bonfante, Larissa Bonfante: The Etruscan Language. An Introduction, S. 210. Der erste Name scheint dann den Charakter einer allgemeinen Bezeichnung zu besitzen, der zweite dagegen den eines spezifischen Attributs. Die Bezeichnung dieser niederen Gottheiten orientierte sich dabei offenbar an der etruskischen Namensgebung für Personen, die aus Vornamen und Gentilnamen bestand.Massimo Pallotino: Etruskologie. S. 468. Die Lasa Vecu wurde von den Römern als Nyphme Vegoia bezeichnet.Massimo Pallotino: Etruskologie. S. 330.
Repräsentanz und Funktion mini|Geflügelte Lasa (Mitte) mit Tiur und Turan (3. Jahrhundert v. Chr.) Die bildliche Darstellung von Lasen findet sich auf zahlreichen Bronzespiegeln und einem Goldring. Meist lassen sie sich anhand einer Inschrift als solche identifizieren. Dabei treten die Lasen häufig einzeln, nackt und geflügelt auf. Es gibt aber auch Darstellungen von bekleideten Lasen, die dann in der Szene eine wichtige Rolle zu spielen scheinen. Auf mindestens zwei Spiegeln ist jeweils eine männliche Lasa abgebildet. Einmal wird die männliche Figur Lasa Sitmica genannt.
Die Lasen auf den Spiegeln hatten offenbar die Aufgabe, ihre Besitzer vor Schaden zu bewahren, Liebende zusammenzuführen und Bräuten bei der Hochzeit beizustehen. Insofern spielten sie für die Etrusker eine den Schutzengeln vergleichbare Rolle. Dadurch lässt sich die große Verbreitung von Lasa-Spiegeln erklären.Jean MacIntosh Turfa (Hrsg.): The Etruscan World. S. 1055–1056.
Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurden auf Spiegeln oftmals nackte, geflügelte Wesen mit einem Alabastron abgebildet. Man kann nicht mit Sicherheit sagen, ob hier Lasen dargestellt werden, da auf diesen Spiegeln keine Inschriften vorhanden sind. Daher spricht man in diesen Fällen auch von Pseudo-Lasen.Giuliano Bonfante, Larissa Bonfante: The Etruscan Language. An Introduction, S. 200.
mini|Als Lasa bezeichnete Unterweltgottheit (4. Jahrhundert v. Chr.) Manche Lasen könnten auch als Unterweltgottheiten in Erscheinung getreten sein. Auf einem Bronzespiegel aus Vulci präsentiert eine Lasa zwei Heroen eine Schriftrolle. Dies scheint ein Ritus des Ablebens gewesen zu sein.Nancy Thomson de Grummond, Erika Simon (Hrsg.): The Religion of the Etruscans. S. 23. Insofern könnte die Lasa hier als Schicksalsmacht in der Unterwelt auftreten, vergleichbar mit der Unterweltgottheit Vanth.Giuliano Bonfante, Larissa Bonfante: The Etruscan Language. An Introduction, S. 200. Nach anderer Auffassung stehen die Lasen in keinerlei Beziehung zur Unterwelt. Dementsprechend sei die Bezeichnung von Unterweltdämonen als Lasen abzulehnen.Massimo Pallotino: Etruskologie. S. 309.
Jedenfalls besteht eine Verbindung der Lasen zu Schicksal und Prophetie, da insbesondere die Lasa Vecu im Mythos wahrsagend in Erscheinung tritt.Nancy Thomson de Grummond: Etruscan Myth, Sacred History and Legend. S. 29. Darüber hinaus waren die Lasen von Bedeutung in der Leberschau, die zur Erkundung des Götterwillens diente. Auf der Bronzeleber von Piacenza, einem Lehrmodell für etruskische Priester, ist der Lasa eine Region geweiht.
Alpan und Evan zählen in der neueren Forschung nicht mehr zu den Lasen. Beide betrachtet man nun als eigenständige Gottheiten aus dem Gefolge der Turan.Jean MacIntosh Turfa (Hrsg.): The Etruscan World. S. 534. Die Inschrift Alpan wird heute auch einfach als Spende übersetzt.Giuliano Bonfante, Larissa Bonfante: The Etruscan Language. An Introduction. S. 214.
Bronzespiegel mit Lasen
Literatur Giuliano Bonfante, Larissa Bonfante: The Etruscan Language: An Introduction. 2. Auflage. Manchester University Press, Manchester/New York 2002, ISBN 0719055407. Nancy Thomson de Grummond, Erika Simon (Hrsg.): The Religion of the Etruscans. University of Texas Press, Austin 2006, ISBN 9780292721463. Nancy Thomson de Grummond: Etruscan Myth, Sacred History and Legend. University of Pennsylvania, Philadelphia 2006, ISBN 9781931707862. Jean MacIntosh Turfa (Hrsg.): The Etruscan World. Routledge, New York 2013, ISBN 9781134055234.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Etruskische Gottheit Kategorie:Weibliche Gottheit