mini|Karte des Burgwaldes mini|Blick vom Christenberg in die Wetschaft-Senke; im Hintergrund die Sackpfeifen-Vorhöhen und ihr Namensgeber im Rothaargebirge mit Kohlenberg (583 m, halbrechts, zweigipfelig), Sackpfeife (674 m, rechts der Mitte, sehr breit, mit Sendemast), und Arennest (592 m, halblinks) mini|Schwarz-Erlen-Bruchwaldam Roten Wasser

Der Burgwald ist ein in nordöstlichen Randlagen maximal und sonst mäßig hohes Mittelgebirge des Westhessischen Berglandes in Nord- und Mittelhessen (Deutschland). Er wird durch die Bundesstraße 3 in den bis auf Siedlungsrodungen durchgehend bewaldeten Nördlichen Burgwald im Nordwesten und den deutlich kleineren und zu großen Teilen landwirtschaftlich genutzten Südlichen Burgwald im Südosten aufgeteilt. Von der ortsansässigen Bevölkerung wird „Burgwald“ oft als Synonym für den Nördlichen Burgwald verwendet.

Geografie Lage Der Burgwald befindet sich in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf. Nach Nordosten geht er in den – montaneren – Kellerwald über, nach Osten schließen sich hinter dem Wohratal die zur Oberhessischen Schwelle gezählten Gilserberger Höhen an. Nach Süden folgen hinter dem Tal der Ohm das Amöneburger Becken und die Lahnberge, jenseits der Lahn schließlich der Marburger Rücken. Im Westen grenzt die Wetschaft-Senke, im Nordwesten die Eder den Burgwald von den sich anschließenden Ausläufern des Ostsauerländer Gebirgsrandes, der Ostabdachung des Rothaargebirges, ab. Höchste Erhebung ist der im Norden gelegene Knebelsrod.

Der Burgwald wird von diesen Orten eingerahmt: Frankenberg im Norden, Haina, Gemünden und Wohratal im Osten, Rauschenberg im Südosten, Cölbe im Süden, Wetter im Südwesten und Münchhausen sowie Battenberg im Westen. Innerhalb des bewaldeten Mittelgebirges liegen Burgwald, Rosenthal und Bracht.

Naturräumliche Gliederung Der Burgwald ist Namensgeber der Haupteinheit 345 des Westhessischen Berg- und Senkenlandes (Haupteinheitengruppe 34; auch nur Westhessisches Bergland genannt), welches sich von Gießen im Süden in etwa bis Kassel und Korbach im Norden zieht.

Die naturräumliche Haupteinheit Burgwald nimmt den Großteil der sogenannten Frankenberger Scholle des Buntsandsteins ein, nach der auch der weitgehend identische Geologische Strukturraum benannt ist. Sie gliedert sich wie folgt: 345 Burgwald (494,28 km²) 345.0 Wetschaft-Senke (121,61 km², Westen) 345.1 Großer Burgwald („Nördlicher Burgwald“; 204,79 km²) 345.2 Kleiner Burgwald („Südlicher Burgwald“; 49,64 km²) 345.3 Wohratal (38,26 km², südlicher Osten) 345.4 Buntstruth (22,98 km², Nordosten; oberes Wohratal) 345.5 Frankenberger Oberland 345.50 Bottendorfer Flur (26,40 km², westlicher Norden) 345.51 Geismarer Platte (21,63 km² ohne Hauberner Hecke, östlicher Norden) 345.510 Hauberner Hecke (8,97 km², Südosten der Platte)

Die Einheit 345.1 entspricht weitgehend dem hier im Artikel behandelten, fast durchgehend bewaldeten landläufigen Burgwald. Gerhard Sandner, dessen Einzelblatt (1:200.000) 125 Marburg im Jahr 1960 den südlichen, größeren Teil der bereits einige Jahre zuvor in der Kartierung zum Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands abgegrenzten Haupteinheit untergliederte, nannte den eigentlichen Burgwald „Nördlicher Burgwald“. Den kleineren, sich jenseits der Bundesstraße 3 mit Schwarzenborn nach Südosten anschließenden Wald südöstlich Rauschenbergs mit dem Alten Rauschenberg (376 m) und dem inselartig gerodeten Höhenort Himmelsberg nebst Umland bezeichnete er demgegenüber als „Südlichen Burgwald“. Dieses ist insbesondere deshalb irreführend, weil unter „Südlicher Burgwald“ landläufig der orographisch gut abgegrenzte Südteil des eigentlichen Burgwalds mit Oberrosphe im Westen und Bracht im Osten verstanden wird, der nordwestlich Brachts durch das Rote Wasser, nach Norden durch die #Franzosenwiesen (nebst Quellgebiet des Roten Wassers) und nach Nordwesten durch den Wetschaft-Zufluss Rosphe begrenzt wird. Überdies liegt der Wald bei Rauschenberg eher südöstlich denn südlich des eigentlichen Burgwalds.

Martin Bürgener, der drei Jahre später auf Blatt 111 Arolsen den Nordteil der Haupteinheit untergliederte, wählte daher die namentliche Unterteilung in Großen und Kleinen Burgwald, der wir hier zur Vermeidung von Missverständnissen folgen. Bei den Flächenangaben ist zu beachten, dass Sandner einen Großteil der Grenzen des „Südlichen“ Burgwalds zu Amöneburger Becken und Wohratal als „nicht linienhaft festlegbar“ einzeichnete. Das durch die Waldgrenze eingegrenzte Kerngebiet des Kleinen Burgwalds hat eine Fläche von nur gut 16 km². Südlich davon verläuft der Übergang zum Amöneburger Becken fließend, nach Norden kann das Wohratal ab Halsdorf am ehesten mit den Ackerlandschaften, die sich, quer zu den Tälern, nach Westen bis Bracht anschließen, als Rauschenberger (Quer-)Mulde oder Rauschenberger AckerlandschaftLandschaftsräume Mittelhessens, Obere Naturschutzbehörde Gießen; Karte und Legende auf S. 154 (PDF; 5,1 MB) zusammengefasst werden.

Zur Haupteinheit Burgwald gezählt werden neben den beiden Waldgebieten insbesondere die Senken längs der Täler der Flüsse Wetschaft im Westen und Wohra im Osten sowie die Nordabdachung unmittelbar südlich des Eder­tals im Norden.

Zur Frankenberger Scholle gehören neben der Haupteinheit Burgwald noch weitere benachbarte Höhenzüge: jenseits der Lahn nach Südosten der bis 370 m hohe Marburger Rücken (347.00), daran anschließend jenseits der Zwester Ohm schließlich die Nordwestabdachung des Vorderer Vogelsbergs bzw. Lumda-Plateaus (349.0) bis Staufenberg jenseits der Ohm nach Süden die bis 380 m hohen Lahnberge (347.01) jenseits der Wohra nach Osten der Südwestteil der Gilserberger Höhen (346.0), nämlich von Süd nach Nord: der 380 m hohe Burgholz der bis 371,4 m hohe Rücken des Kohlkopfes bis vor Mengsberg im nordöstlichen Anschluss daran die bis um 416 m (Lischeider Berg) hohen Kuppen westlich von Winterscheid im nordwestlichen Anschluss Die bis 425 m hohe Südwestabdachung des Jeust einschließlich des die Rodung von Gilserberg und Moischeid westlich umschließenden Waldes

Alle anderen Gilserberger Höhen werden demgegenüber zur ebenfalls aus Buntsandstein bestehenden Waldecker Scholle des Waldecker Waldes bzw., Hemberg, zur Südlichen Kellerwaldstruktur gezählt.

Flüsse Über den Burgwald verläuft ein Abschnitt der Rhein-Weser-Wasserscheide zwischen Rothaargebirge und Kellerwald, der überwiegende Teil entwässert jedoch nach Süden zur Lahn und damit zum Rhein. Die im Norden grenznah verlaufende Eder wird demgegenüber nur von wenigen nennenswerten Bächen aus dem Burgwald gespeist, da der Höhenschwerpunkt des Mittelgebirges deutlich nach Nord(ost)en verlagert ist.

Im Folgenden werden die wichtigsten Flüsse des Burgwaldes im Uhrzeigersinn geordnet, beginnend an der östlichen Südseite der Rhein-Weser-Wasserscheide, aufgeführt. Name Ziel-fluss Länge(km) EZGkm² Abfluss(MQ; l/s) Bemerkungen GKZ Bach von Römershausen Schweinfe→Wohra 5,1 10,1 75 nordöstlicher Grenzfluss 258282-4 Holzbach Schweinfe→Wohra 9,3 18,0 131 258282-8 Bentreff Wohra 13,1 48,9 268 25828-4 Wadebach Wohra 4,0 12,7 84 Nahtstelle zum Südlichen Burgwald 25828-72 Rauschenberger Bach Wohra 2,7 6,9 48 Südlicher Burgwald 25828-92 Teufelsgraben Ohm 5,0 Südlicher Burgwald 2582-X Schwarzenbornbach Rotes Wasser 5,6 8,8 50 25896-6 Rotes Wasser Ohm 18,6 51,0 221 2589-6 Bach aus dem Langen Grund Rotes Wasser 6,9 9,0 35 25896-8 Rosphe Wetschaft (Unterlauf) 8,2 18,6 76 25818-8 Mellnau Wetschaft (Unterlauf) 7,3 8,8 62 25818-72 Bach vom Christenberg Wetschaft (Unterlauf) 6,0 6,8 35 25818-52 Silberbornbach Wetschaft (Unterlauf) 2,7 4,8 28 25818-32 Wetschaft-Oberlauf (*) Lahn 13 36,1 226 bis Ernsthausen 258-18 Senkelbach Wetschaft 5,6 11,6 83 25818-2 Bach vom Lichtenberg Wollmar→Wetschaft 7,5 7,5 70 kreuzt einen Nordwest-Ausläufer längs der B 236 258184-4 Nemphe Eder 14,2 38,4 294 428-198 Kaltes Wasser Nemphe 8,8 15,2 112 428198-4 Lengelbach(**) Eder 3,4 6,7 59 bis Dainrode; Grenzbach 428-32 (*) Die Wetschaft ist im Unterlauf bis zu ihrer Mündung in die Lahn Grenzfluss und hat insgesamt 29 km Länge, verfügt über ein Einzugsgebiet von 196,2 km² und hat einen Abfluss von 1702 l/s. Indes kommt die Hälfte ihres Wassers (810 l/s) mit dem erst spät mündenden Treisbach aus dem Rothaargebirge bzw. den Sackpfeifen-Vorhöhen. Weitere 278 l/s kommen von der Wollmar – ebenfalls aus den Vorhöhen.

Beide erwähnten Flüsse tragen zur Flusshochzeit mit der Wetschaft je mehr Wasser bei als diese selber, wobei die Wollmar teilweise auch aus dem Burgwald gespeist wird (siehe Tabelle). Addiert man die Abflüsse der Zuflüsse des Wetschaft-Unterlaufes plus den aufgeführten Wollmar-Nebenfluss hinzu, kommt man bereits auf etwa 500 l/s. Damit bleibt die Wetschaft der mit Abstand am meisten Wasser aus dem Burgwald führende Fluss.

(**) Der Lengelbach ist insgesamt 11,4 km lang, besitzt ein Einzugsgebiet von 25,8 km² und führt 210 l/s. Jedoch verlässt er bereits kurz nach seiner Quelle den „eigentlichen“ Burgwald.

Geologie Der Burgwald besteht aus Buntsandstein. Im Erdzeitalter Trias vor ca. 220 Millionen Jahren lagerten sich Sedimente aus dem Rheinischen Schiefergebirge in das südlich davon gelegene Germanische Becken ab. Es entstand eine Schichttafel, die in mehrere Stücke zerbrach, als das Gebiet im Tertiär wieder angehoben wurde. Diese Stücke wurden dann zu den Bergen und Hügeln des heutigen Burgwaldes.

In seinen westlichen bis nordöstlichen Randsenken Wetschaft-Senke, Frankenberger Oberland und Buntstruth ist der Burgwald von einem Zechsteingürtel umgeben, der den Buntsandstein von den Schiefergesteinen des Ostsauerländer Gebirgsrandes und des Kellerwaldes abtrennt; die Grenztäler von Wetschaft, Ohm und Wohra in der Südhälfte sind stark lösshaltig.

Klima Im Burgwald ist es deutlich kälter als in den umliegenden Gegenden. Er liegt im Windschatten des Rothaargebirges, das mit Höhen bis 800 Meter einen Teil der milden Westwinde abfängt. Insbesondere in der zentralen Mulde, den Franzosenwiesen, entsteht in vielen Nächten ein Kaltluftsee, denn die dort vorhandenen Torfmoose verdunsten große Mengen an Flüssigkeit (bis zu 20 Mal so viel wie eine gleich große Wasserfläche), was eine gewisse Verdunstungskälte bewirkt. Die gegen Abend absinkende, sich abkühlende Luft fließt durch die zuführenden Täler in den zentralen Kessel. In Kombination mit der vor Ort abgekühlten Luft (äußert sich auch durch eine hohe Nebelhäufigkeit) entstehen Kaltluftseen, die über Nacht erhalten bleiben. Diese Phänomene sind zum Beispiel auch aus dem Bayerischen Wald bekannt.

In den umliegenden Dörfern kommen häufig Spät- oder Frühfröste vor. Langzeitmessungen der Universität Marburg auf den Franzosenwiesen ergaben, dass es in jedem Monat des Jahres zu Nachtfrösten gekommen ist. Im Sommer kann der Temperaturunterschied im Tagesverlauf bis zu 30 Grad Celsius betragen.

Die durchschnittlichen Jahresniederschläge liegen bei 700 mm und damit deutlich unter den Niederschlagssummen der angrenzenden Mittelgebirge, da sich der Burgwald im Regenschatten des Rothaargebirges befindet. Auf den Franzosenwiesen werden nur 535 mm erreicht.

Insgesamt ist das Klima des Burgwalds mit seinen relativ geringen Niederschlägen und größeren Temperaturgegensätzen deutlich kontinentaler, als das der umliegenden Regionen, mikroklimatisch aber durch hohe Luftfeuchtigkeit in Bodennähe auch sehr atlantisch getönt. Diese Kombination ermöglicht Pflanzen- und Tierarten aus sehr unterschiedlich getönten Klimaten das Überleben.

Namensbedeutung Die Bedeutung und Herkunft des Namens Burgwald ist unbekannt. Nach einer Theorie leitet sich der Name von den zahlreich vor- und frühgeschichtlichen Burgen wie dem Christenberg ab. Möglicherweise war die ursprüngliche Bedeutung auch einfach „Bergwald“.

Geschichte mini|Christenberg