mini|Verbreitungsgebiet Der Dunkle Tigerpython (Python bivittatus) ist eine Schlangenart aus der Familie der Pythons (Pythonidae) und wird dort in die Gattung der Eigentlichen Pythons (Python) gestellt. Er gehört mit gesicherten Längen über fünf Meter zu den größten Schlangen der Welt. Das Verbreitungsgebiet umfasst weite Teile des tropischen Südostasien. Die Art bewohnt dort ein weites Spektrum bewaldeter Habitate in nicht zu großer Entfernung von Gewässern und zumindest gelegentlich auch Randbereiche menschlicher Siedlungen. Seit einigen Jahrzehnten hat sich außerdem eine durch illegale Auswilderungen begründete Population in Florida etabliert.
Die Nahrung besteht je nach Größe der Pythons aus kleinen bis mittelgroßen, sehr selten auch großen Wirbeltieren bis hin zu halbwüchsigen Schweinshirschen und erwachsenen Leoparden. Tigerpythons sind wie alle Arten der Gattung Python eierlegend (ovipar) und gehören zu den Arten, bei denen die Weibchen die Bebrütungstemperatur durch Muskelzittern deutlich erhöhen können. Der Dunkle Tigerpython wird aufgrund seiner Gefährdung durch direkte Verfolgung und Habitatzerstörung von der IUCN als gefährdet („Vulnerable“) geführt.
Merkmale Wildlebende Dunkle Tigerpythons vom Festland erreichen gewöhnlich eine Gesamtlänge um 3,7 Meter.M. A. Smith: Reptilia and Amphibia, Vol. III, Serpentes. In: The Fauna of British India, Ceylon and Burma, including the whole of the Indo-Chinese Sub-Region. Tailor and Frances, Ltd., London 1943, S. 102–109. Tiere ab über 4 Meter sind seltenH. Saint-Girons: Les serpents du Cambodge. In: Mémoires du Muséum national d'Histoire naturelle, Série A 1972, S. 40–41., solche von 5 Meter gelten als Ausnahmeerscheinungen.J. Deuve: Serpents du Laos. In: Mémoire O.R.S.T.O.M. Nr. 39, Paris 1970, S. 61–62, 65–66. Der längste bisher seriös vermessene Dunkle Tigerpython war ein Weibchen namens „Baby“, das 27 Jahre in einem Privatzoo in Gurnee, Illinois, gelebt hat. Nach seinem Ableben wurde eine Gesamtlänge von 5,74 m (18 ft 10 in) ermittelt. Angaben zu weit größeren Exemplaren hielten bisher in keinem Fall einer wissenschaftlichen Überprüfung stand.David G. Barker et al.: . In: Bulletin of the Chicago Herpetological Society, Band 47, Nr. 1, 2012, S. 1–6. Ein 5,8 Meter langes und 56 kg schweres Exemplar wurde im Juli 2023 in Florida gefangen.Moment 19ft Burmese python. In: The Independent. 15. Juli 2023.
Dunkle Tigerpythons von den indonesischen Inseln Java, Bali und Sulawesi sind wesentlich kleiner (Inselverzwergung).D. G. Barker, T. M. Barker: The Distribution of the Burmese Python, Python molurus bivittatus. (Zusammenstellung aus diversen Publikationen sowie Stellungnahmen von Experten) In: Bulletin of the Chicago Herpetological Society, Band 43, Heft 3, 2008, S. 33–38. Auf Bali beträgt die Gesamtlänge ausgewachsener Tiere durchschnittlich 2 MeterJ. L. McKay: A field guide to the amphibians and reptiles of Bali. Krieger Publishing Company 2006, S. 13, 14, 18, 86. ISBN 1-57524-190-0.; die Tiere auf Sulawesi erreichen eine maximale Gesamtlänge von 2,4 Meter.
Der Dunkle Tigerpython ist generell dunkler gemustert als der Helle Tigerpython. Seine Grundfarbe reicht von hellbraun, gelblich bis gräulich. Bei Tieren vom Festland sind die dunkelbraun bis rotbraunen Sattelflecken meist rechteckig geformt und schwarz eingefasst. Die breiten, rechteckigen Flankenflecken besitzen eine braune oder grünbraune Farbe und haben eine schwarze Umrandung. Flankenflecken und die Seitenränder der Sattelflecken sind zudem von einer hellen Aussparung umgeben. Die Bauchseite ist weiß-gelb. Charakteristischerweise ist das große, pfeilspitzenförmige, braune Muster auf der Kopfoberseite deutlich ausgeprägt. Meist reicht dessen Spitze bis zur Schnauzenspitze. Die Zunge dieser Art ist blau-schwarz.
Die sulawesische Population ist etwas abweichend gemustert. Diese Tiere zeigen häufig stark unregelmäßig geformte, teilweise zerstückelte und versetzt angeordnete Sattelflecken, die Ozellen enthalten können. Charakteristischerweise sind die Sattelflecken zudem komplett von einer deutlichen, hellen Aussparung umgeben. Auch sind die Flankenflecken dieser Population teilweise ozelliert, was für den Dunklen Tigerpython sonst atypisch ist.H. J. Jacobs, M. Auliya, W. Böhme: Zur Taxonomie des Dunklen Tigerpythons, Python molurus bivittatus KUHL, 1820, speziell der Population von Sulawesi – On the Taxonomy of the Burmese Python, Python molurus bivittatus KUHL, 1820, specifically on the Sulawesi population. In: SAURIA, Band 31, Heft 3, Berlin 2009, S. 5–16.
Körperbau Juvenile Tiere sind recht schlank gebaut, adulte Tigerpythons haben jedoch einen sehr kräftigen Körper. Hinsichtlich Körperlänge und -gewicht ist ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus vorhanden: Weibchen sind im Mittel erheblich größer und schwerer als Männchen. Der Kopf ist wuchtig, beinahe zweimal so lang wie breit und mäßig vom Hals abgesetzt.J. G. Walls: The Living Pythons – A complete guide to the Pythons of the World. T. F. H. Publications 1998, S. 131–142. ISBN 0-7938-0467-1.S. M. Campden-Main: A field guide to the snakes of South Vietnam. City of Washington 1970, S. 8–9. Die seitliche Anordnung der Augen ergibt ein Sehfeld von 135°.R. Bauchot (Hrsg.): Schlangen – Evolution, Anatomie, Physiologie, Ökologie und Verbreitung, Verhalten, Bedrohung, Gefährdung, Haltung und Pflege. Bechtermünz Verlag 1994, S. 55, 181. ISBN 3-8289-1501-9.
Beschuppung mini|Porträt von Python bivittatus: Die Unteraugenschilde trennen das Auge von den Oberlippenschilden Die Nasenlöcher sind dorsal angeordnet und jeweils von einer großen nasalen Schuppe umgeben. Die Nasalia (Nasenschilde) sind voneinander durch ein Paar kleiner, aber deutlich erkennbarer Internasalia (Zwischennasenschilde) getrennt. An diese grenzen wiederum rechteckähnliche Präfrontalia (Vorstirnschilde) an. Ein zweites, viel kleineres Paar Präfrontalia, welches oftmals in mehrere kleine Schuppen geteilt ist, liegt zwischen den vorderen Präfrontalia und den sehr ähnlich geformten paarigen Frontalia (Stirnschilden). Über den Augen befindet sich ein großes Supraoculare (Überaugenschild). Das Rostrale (Schnauzenschild) hat, wie bei den meisten anderen Pythons, zwei tiefe Labialgruben.
An den Kopfseiten folgen den nasalen Schuppen Richtung Auge mehrere Lorealia (Zügelschilde), welche in Größe und Aussehen variieren. Normalerweise sind zwei Präocularia (Voraugenschilde) und drei bis vier Postocularia (Hinteraugenschilde) vorhanden. Das Auge ist von den 11 bis 13 Oberlippenschilden (Supralabialia), von denen die ersten und zweiten tiefe Labialgruben tragen, durch eine durchgehende Reihe Unteraugenschilde (Subocularia) getrennt.M. O’Shea: Herpetological results of two short field excursions to the Royal Bardia region of western Nepal, including range extensions for Assamese/Indo-Chinese snake taxa. In: A. de Silva (Hrsg.): Biology and conservation of the amphibians, reptiles, and their habitats in South Asia. Proceedings of the International Conference on Biology and Conservation of Amphibians and Reptiles in South Asia, Sri Lanka, Oktober 1996. Amphibia and Reptile Research Organization of Sri Lanka (ARROS), 1998, S. 306–317, ISBN 955-8213-00-4. Von den 16 bis 18 Infralabialia (Unterlippenschilde) besitzen mehrere vordere und hintere undeutliche Labialgruben.
Die Anzahl der Ventralia (Bauchschilde) variiert je nach Herkunft der Individuen zwischen 245 und 270, die Anzahl der dorsalen Schuppenreihen in der Körpermitte zwischen 58 und 73. Die Anzahl der paarigen Subcaudalia (Schwanzunterseitenschilde) beträgt 57 bis 83. Das Anale (Analschild) ist ungeteilt.
Färbung Die helle Grundfarbe des Dunklen Tigerpythons wird zu den Flanken hin blasser. Über den Rücken ziehen 30 bis 38 große, oft rechteckförmig ausgebildete dunkle Sattelflecke. Auf den Flanken verlaufen alternierend zur Rückenmusterung große dunkle Flecken, welche unterartspezifisch geformt sind. Die helle Bauchseite ist zum Schwanz hin dunkel gesprenkelt. Auf den Kopfseiten verläuft ein spitz zulaufendes, dunkles Band vom Auge Richtung Nase. Ein breiteres, schwarz umrandetes Band zieht vom Auge bis unter den Mundwinkel. Dieses schließt zusammen mit einem unterhalb des Auges liegenden keilförmigen dunklen Fleck ein weißes Areal ein. Von der Nase über die Augen bis zum Nacken verläuft ein pfeilspitzenförmiges braunes Muster mit einem hellen Punkt in der Mitte. Die Farbintensität der Pfeilzeichnung ist unterartspezifisch ausgeprägt.
mini|hochkant=0.9|Dunkler Tigerpython mit geöffnetem Maul
Systematik Der Dunkle Tigerpython wurde im Jahr 1820 durch den deutschen Naturforscher Heinrich Kuhl erstmals beschrieben.Kuhl, H. (1820). Python bivittatus mihi. Beiträge zur Zoologie und vergleichenden Anatomie. Frankfurt am Main: Verlag der Hermannschen Buchhandlung. p. 94. Über die innere Systematik der Tigerpythons wurde etwa 200 Jahre lang kontrovers diskutiert. Lange Zeit galt der Dunkle Tigerpython als Unterart des Hellen Tigerpythons (Python molurus). Die Verbreitungsgebiete der beiden Formen überschneiden sich mit Sicherheit in Nordost-Indien, Nepal, West-Bhutan, Südwest-Bangladesch und eventuell auch in Nordwest-Burma. Bisherige Beobachtungen in Indien und Nepal zeigen, dass die beiden Arten bei sympatrischem Vorkommen entgegen früheren Annahmen verschiedene, teilweise jedoch dieselben Habitate bewohnen und sich untereinander nicht verpaaren. Jacobs und Mitarbeiter schlugen deshalb im Jahr 2009 vor, den beiden Formen, gestützt durch die zwei charakteristischen morphologischen Unterschiede in Kopfseitenbeschuppung und Kopfoberseitenmusterung, jeweils Artstatus zu verleihen. Die Trennung in zwei Arten ist inzwischen auch in der Reptile Database, einer wissenschaftlichen Online-Datenbank zur Taxonomie der Reptilien, vollzogen worden.
Auf den indonesischen Inseln Bali, Sulawesi, Sumbawa und Java sprechen gewisse tiergeographische und morphologische Aspekte für eine Differenzierung von Python bivittatus. Diese Populationen sind mehr als 700 Kilometer von den Tieren des Festlands getrennt, zeigen Musterungsunterschiede und haben auf Sulawesi, Bali und Java Zwergformen ausgebildet. 2009 wurden Tiere aus Sulawesi von Jacobs et al. erstmals genauer untersucht. Aufgrund von Größen- und Färbungsunterschieden schlagen die Autoren vor, diese Zwergform als eigene Unterart abzugrenzen; als wissenschaftlichen Namen schlagen sie P. bivittatus progschai vor. Molekulargenetische Untersuchungen zum Status dieser Zwergform stehen jedoch noch aus. Wie weit sich die anderen indonesischen Inselpopulationen von der Festlandform abheben, ist ebenfalls noch ungeklärt.
Innerhalb der Eigentlichen Pythons ist der Dunkle und der Helle Tigerpython nach einer molekulargenetischen Untersuchung am nächsten mit dem Nördlichen Felsenpython und Südlichen Felsenpython verwandt. Dies geht aus einer neueren molekulargenetischen Untersuchung hervor, die den Nördlichen Felsenpython und den Hellen Tigerpython einschließt.L. H. Rawlings, D. L. Rabosky, S. C. Donnellan, M. N. Hutchinson: Python phylogenetics: inference from morphology and mitochondrial DNA. In: Biological Journal of the Linnean Society, Band 93, 2008, S. 603–619 (PDF).
Verbreitung hochkant=1.4|mini|Verbreitungsgebiet des Dunklen Tigerpythons (Grün) und des Hellen Tigerpythons (Rot) und Überschneidungsgebiete (Gelb)
Die Verbreitung des Dunklen Tigerpythons reicht von Nordost-Indien, Nepal, West-Bhutan, Südost-Bangladesch über Burma, Thailand, Kambodscha, Laos, dem nördlichen Teil der Malaiischen Halbinsel, Vietnam bis Südchina inklusive Hainan und einer nördlichen, isolierten Population im Sichuan-Becken. Weiter südlich fehlt er im Süden der Malaiischen Halbinsel und auf den Inseln Borneo und Sumatra. Erst anschließend an diese markante Verbreitungslücke erstreckt sich sein Vorkommen auf die Insel Java, den Südwesten Sulawesis (Sulawesi Selatan) und die kleinen Sunda-Inseln Bali und Sumbawa.