Die Herren von Wolfershausen waren ein im 13. Jahrhundert erblühendes niederadeliges Geschlecht in Niederhessen, das 1454 im Mannesstamm ausstarb. Ihr Sitz war anfangs in Wolfershausen, heute Stadtteil von Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen. Sie waren ein Zweig der Herren von Rengshausen, einem Dorf bei Homberg (Efze) und heutigen Ortsteil der Gemeinde Knüllwald im Schwalm-Eder-Kreis.
Ursprung Hermann von Rengoldehusen war, wahrscheinlich im Jahre 1219 oder bald danach, als Nachfolger Alberts V. von Schauenburg,Albert V. von Schauenburg nahm 1223 die Burg Wallenstein im Knüllgebirge als Lehen von der Abtei Hersfeld an und zog dorthin. Er oder sein Vorgänger hatte zuvor, vermutlich 1219, das Gericht Ditmelle und die Schauenburg an das Erzstift Mainz verkauft. Im Jahre 1219 bildeten vierzehn Märker das Schöffenkollegium am Gericht Ditmelle und ein Vogt ist nicht erwähnt (). vom Erzstift Mainz mit dem mehrere Zenten umfassenden Obergericht „Ditmelle“Heute „Ditmold“, Teil der Kasseler Stadtteilnamen Kirchditmold und Rothenditmold. bei Kassel belehnt worden, wurde aber schon bald – spätestens 1225 – von dem Ludowinger Landgrafen Heinrich Raspe IV., der das Lehnsrecht für sich beanspruchte, aus diesem Amt verdrängt und dort durch den Kasseler Schultheißen ersetzt. Er ging nach Wolfershausen, wo er als Mainzer Lehnsmann das Gericht Wolfershausen erhieltGustav Eisentraut: Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg (Schluß). In: Hessenland: Hessisches Heimatblatt, Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst, 33. Jahrgang, Nr. 9/10, Mai-Doppelheft 1919, S. 92–95 und den Zehnten an das St. Petri-Stift im mainzischen Fritzlar ablieferte. In Wolfershausen bezog er die kleine Burg Wolfershausen, die er entweder bereits vorfand oder selbst errichtete.Die Burg stand nicht, wie einst vermutet, an der Stelle des heutigen Amselhofs, rund 750 m nordwestlich des Dorfkerns. (Gustav Eisentraut: Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg. In: Hessenland, Hessisches Heimatsblatt, Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst, 33. Jahrgang, Nr. 5/6, März-Doppelheft, 1919, S. 47-49.) Sein Bruder Wiederhold blieb in Rengshausen und dessen Nachkommen behielten den Geschlechtsnamen von Rengshausen bei.Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstentums Hessen. Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1842, S. 276–277. mini|hochkant|Wappen derer von Wolfershausen Hermanns Söhne Hermann d. J. und Heinrich nannten sich noch bis 1275 teils nach dem alten, teils nach ihrem neuen Wohnsitz, ab 1275 aber nur noch „von Wolfershausen“ bzw. „von Wulfeshusen“.Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter. Band I. Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1841, S. 243–246 Ihr im Jahre 1259 erstmals gezeigtes Wappen zeigt oben einen nach (heraldisch) rechts laufenden Wolf und im unteren Feld drei Ringe, die Herkunft der Familie aus Rengshausen symbolisierend.Gustav Eisentraut: Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg. In: Hessenland, Hessisches Heimatsblatt, Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst, 33. Jahrgang, Nr. 5/6, März-Doppelheft, 1919, S. 41. Ein dritter namentlich bekannter Bruder war Widerold (Wederoldus), Kanoniker am St. Petri-Stift in Fritzlar, wo er von 1247 bis 1274 bekundet ist.
Turbulentes 13. Jahrhundert Hermanns Söhne Hermann d. J. und Heinrich gaben ihren Anspruch auf das Gericht Ditmelle nicht auf und verfolgten eine Schaukelpolitik zwischen dem Erzstift einerseits und den Landgrafen andererseits, um diesen Anspruch zu verwirklichen, was aber letztlich zur totalen Zerstörung ihrer Burg führte.
Nachdem Heinrich Raspes IV. jüngerer Bruder, Konrad von Thüringen, der die hessischen Besitzungen der Ludowinger verwaltete, 1232 auf seinem Feldzug gegen Fritzlar die nur sechs Kilometer von Wolfershausen entfernte mainzische Heiligenburg bei Gensungen belagert und beschädigt hatte, beauftragte Erzbischof Siegfried III. die beiden Brüder, die wohl auch Burgmannen auf der Heiligenburg waren, mit deren Wiederherstellung. Noch während sie damit beschäftigt waren, wechselten sie auf die Seite des Landgrafen, vermutlich weil sie hofften, dass sie so das Gericht Ditmelle wieder erlangen könnten. Der erzürnte Erzbischof überzog sie daraufhin mit einer Fehde, in der sie und ihre Hintersassen schweren Schaden erlitten.Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter. Band I. Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1841, S. 244
Als dann der letzte Ludowinger Landgraf, Heinrich Raspe IV., im Februar 1247 plötzlich ohne Nachkommen verstarb, bemühten sich die Brüder umgehend um einen Ausgleich mit dem Erzstift. Das kam Erzbischof Siegfried sehr gelegen, da er in seiner nun folgenden Auseinandersetzung um das hessische Erbe der Ludowinger mit der Herzogin Sophie von Brabant und deren jungem Sohn Heinrich dem Kind in dieser Gegend ansässige Vasallen gut brauchen konnte. Schon am 26. März 1247 erklärten die beiden in Fritzlar, sie seien bereits zu Lebzeiten ihres Vaters wegen der Beraubung von Gerichten durch den Landgrafen Ministeriale des Erzbischofs geworden. Dieser gab ihnen daraufhin das Gericht Ditmelle und die dazugehörigen Zentgerichte – die er nach dem Aussterben der Ludowinger als heimgefallen betrachtete – teils nach Lehnsrecht, teils als Pfand. Zusätzlich versprach er ihnen 200 Mark als Entschädigung für den ihnen beim Wiederaufbau der Heiligenburg durch seine Truppen angerichteten Schaden sowie 80 Mark als Burglohn für ihren Dienst auf der Heiligenburg und 20 Mark für den Kauf der zum Burgsitz notwendigen Hufen; dazu verpfändete er den beiden seine zu 250 Mark veranschlagten Zehnten in Kassel und VolthagenSpätestens 1412 wüst gefallenes Dorf in der Gemarkung von Kassel südöstlich der Stadt. () und leistete für die restlichen 50 Mark Bürgschaft.Georg Landau: Der Heiligenberg, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Achter Band, Bohné, Kassel, 1860, S. 81 Im Gegenzug verpflichteten sich die beiden Brüder zu einer jährlichen Zahlung von 8 Mark aus ihrem Eigenbesitz und leisteten wegen der Burghut einen Treueid.Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter. Band I. Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1841, S. 244–245Johann Christian Martin: Topographisch Statistische Nachrichten von Niederhessen, Dritter Band, Erstes Heft, Grießbach, Kassel, 1796, S. 84
Dennoch schlossen sie sich später – der genaue Zeitpunkt dieses erneuten Seitenwechsels ist nicht ganz klar – der Herzogin Sophie von Brabant und deren Sohn Heinrich I. an, die nach Heinrich Raspes Tod Anspruch auf das Erbe der Ludowinger in Hessen und Thüringen erhoben und darüber jahrelang in erbittertem Streit mit den Wettinern und dem Erzstift Mainz lagen. Noch im Jahre 1270 hatten sie einen mainzischen Burgsitz auf der Heiligenburg, 1272 waren sie in friedlicher Absicht in Fritzlar, und im Frühjahr 1273 verteidigten sie die Heiligenburg bis zu deren völliger Zerstörung gegen einen Angriff landgräflicher Truppen.Gustav Eisentraut: Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg. In: Hessenland, Hessisches Heimatsblatt, Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst, 33. Jahrgang, Nr. 5/6, März-Doppelheft, 1919, S. 42 Bereits im Sommer 1273 befanden sie sich dann jedoch in einer grimmigen Fehde mit der Stadt und dem St. Petri-Stift Fritzlar, denen sie mit Raubzügen, Plünderungen und Verwüstungen in deren Gebieten schweren Schaden zufügten. Daraufhin schickte die Stadt noch im Spätsommer oder Herbst des Jahres 1273 ein bewaffnetes Aufgebot nach Wolfershausen, das die Burg der Ritter so vollständig zerstörte,Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter. Band I. Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1841, S. 245–246 dass ihnen ein Wiederaufbau nicht mehr lohnend erschien.Gustav Eisentraut: Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg. In: Hessenland, Hessisches Heimatsblatt, Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst, 33. Jahrgang, Nr. 5/6, März-Doppelheft, 1919, S. 42–43 Das St. Petri-Stift war an dieser Strafaktion offensichtlich nicht direkt beteiligt, was daraus zu folgern ist, dass die Stadt dem Stift im Dezember 1273 eine Kostenrechnung für den Strafzug und eine entsprechende Zahlungsaufforderung zukommen ließ,Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter, Band I, Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1841, S. 245 dann aber 1274 auf die Erstattung dieser Kosten verzichtete.Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter, Band II, Krieger’sche Buchhandlung, Kassel, 1842, S. 179–180 Im Jahre 1292 werden in einer Besitzüberlassungsurkunde des Hermann von Wolfershausen nur noch zwei Höfe erwähnt, die sich an der Stelle der einstigen Burg und deren Vorburg (“preurbium”) befanden;Gustav Eisentraut: Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg. In: Hessenland, Hessisches Heimatsblatt, Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst, 33. Jahrgang, Nr. 5/6, März-Doppelheft, 1919, S. 43Georg Landau: Historisch-typographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen …., Fischer, Kassel, 1858, S. 161 Teile der Mauer des alten Kirchhofes um die in der Folge im Dorf erbaute Wehrkirche stammen möglicherweise noch von der einstigen Burg. Im April 1275 kam es dann zu einer Einigung derer von Wolfershausen mit dem Petri-Stift hinsichtlich einer Mühle bei Obervorschütz, die möglicherweise der Anlass der Fehde gewesen war.Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner: Geschichte hessischer Städte und Stifter. Band I. Fischer (Kriegersche Buchhandlung), Kassel, 1841, S. 245 Die von Wolfershausen waren und blieben nunmehr Vasallen der hessischen Landgrafen.
Weitere Geschichte Mit einer Ausnahme, der von Wolf von Wolfershausen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, spielten die Herren von Wolfershausen in der Folgezeit keine herausragende Rolle mehr in der Geschichte Niederhessens. Sie erscheinen in Urkunden nahezu ausschließlich als Zeugen oder Bürgen bei Besitzübertragungen oder Einkünftebestätigungen, gelegentlich auch als Mitglieder von Schiedsgerichten. Zwischen 1247 und 1294 finden sich Hermann, sein Bruder Widerold (Stiftsherr zu Fritzlar), Arnold und Heinrich so mindestens drei Dutzend Mal in derartiger Funktion urkundlich erwähnt, gelegentlich auch gemeinsam mit ihren Vettern zu Rengshausen. Wesentlich seltener erscheinen sie selbst als Parteien in Besitz- oder Besitzwechselurkunden.