mini|DBV – Logo Der Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein e. V. (DBV) ist ein eingetragener gemeinnütziger deutscher technisch-wissenschaftlicher Verein mit Sitz in Berlin. Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet des Bauwesens. Der DBV wurde am 5. Dezember 1898 in Berlin als Deutscher Beton-Verein e. V. gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten z. B. Hartwig Hüser, Albert Eduard Toepffer und Conrad Freytag. Seit 1999 trägt er den aktuellen Vereinsnamen.
Satzungszweck und Tätigkeitsfelder Der Zweck wird gemäß der Satzung des DBV verwirklicht insbesondere durch die wissenschaftliche Weiterentwicklung der technischen Grundlagen des Betonbaus (Beton, Stahlbeton, Spannbeton) sowie der Bautechnik.
Der DBV fördert fremde Forschungsvorhaben und führt eigene durch. Die Erkenntnisse aus Forschungsvorhaben bringt er in die Bearbeitung von Regelwerken sowie nationalen und internationalen Vorschriften ein. Der DBV ist Mitglied der AiF und des DAfStb.
Zudem führt er wissenschaftliche Vortragsveranstaltungen zur Verbreitung der Ergebnisse von Forschung und anderer Arbeiten des Vereins in der Fachöffentlichkeit und beim beruflichen Nachwuchs durch, z. B. den Deutschen Bautechnik-Tag.
Eine weitere Aufgabe des DBV besteht in der Ausarbeitung und Fortschreibung der Schriftenreihe des Vereins sowie anderer wissenschaftlicher Werke und Veröffentlichungen, die als wissenschaftliche Sammlung die bei der Vereinstätigkeit gewonnenen Ergebnisse der Allgemeinheit für die praktische Anwendung zur Verfügung stellt. Hierzu gehören die DBV-Merkblattsammlung (z. B. zum Thema Sichtbeton) und die Heft-Reihehttps://www.betonverein.de/schriften/startseite_hefte.php des Vereins.
Der DBV arbeitet mit anderen wissenschaftlichen Vereinen und Organisationen im In- und Ausland zusammen und tauscht die Ergebnisse seiner Arbeiten mit anderen Verbänden und Organisationen zur umfassenden Information der Allgemeinheit aus.
Derzeit beschäftigt sich der DBV neben der Forschung und dem Wissenstransfer im Bauwesen insbesondere mit den folgenden Themen: Normungsarbeit und praxisgerechte Verbesserung von Baunormen Reform des Bauordnungsrechts und Konsequenzen für Bauunternehmen und Planer Kommunikation entlang der Qualitätskette im Betonbau Wasserundurchlässige Konstruktionen aus Beton (WU-Betonbauwerke) Parkhäuser und Tiefgaragen Instandhaltung und Instandsetzung von Betonbauteilen Rückbau von Betonbrücken Brückenmonitoring Lean Construction im Betonbau WU-Betonkonstruktion mit Frischbetonverbundsystemen
Bauberatung und Streitlösungsverfahren Der DBV bietet eine technische regionale Bauberatunghttps://www.betonverein.de/bauberatung.php und Regelungen zu außergerichtlichen Streitlösungsverfahren in Form der Streitlösungsordnung für das Bauwesen (SL Bau) an. Die SL Bau hat der DBV zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Baurecht e. V. erarbeitet.
Emil-Mörsch-Denkmünze Der DBV stiftet seit 1938 im Turnus von zwei Jahren die Emil-Mörsch-Denkmünzehttps://www.betonverein.de/upload/pdf/Verein/Inhaber_Emil-Moersch-Denkmuenze.pdf zur Ehrung von Persönlichkeiten, die sich durch besondere Leistungen auf dem Gebiet des Betonbaus ausgezeichnet und diese Bauart gefördert haben.
Rüsch-Forschungspreis und Innovationspreis Bautechnik Neben der Emil-Mörsch-Denkmünze verleiht der DBV den Rüsch-Forschungspreis und den Innovationspreis Bautechnik. Der Rüsch-Forschungspreis wird seit 1983 zum Andenken an Hubert Rüsch jeweils auf dem Deutschen Bautechnik-Tag an einen jungen Forscher für eine Arbeit auf dem Gebiet des Betonbaus verliehen, die in dessen ersten sieben Berufsjahren entstanden ist. +Träger des Rüsch-ForschungspreisesNameJahrThemaLena Stempniewski2025Zum Trag- und Ermüdungsverhalten von Verbundbrücken mit randnahen Kopfbolzen und gerissener Betonfahrbahnplatte (1. Platz)Lena Leicht2025Characterization of mineral-bonded composites as damping layers against impact loading (2. Platz)Homam Spartali2025Towards an efficient design of carbon reinforced concrete elements: from prismatic beams to origami-based folded shells (2. Platz)Tobias Schack2023Bildbasierte Frischbetonprüfung zur digitalen QualitätsregelungNicholas Schramm2023Zur Querkrafttragfähigkeit von Spannbetonbalkenelementen unter besonderer Berücksichtigung der BügelformGeorgios Gaganelis2021Ultra-light Hybrid Concrete-Steel BeamsDaniel Weger2021Additive Fertigung von Betonstrukturen mit der Selective Paste Intrusion – SPIMartin Claßen2019Zum Trag- und Verformungsverhalten von Verbundträgern mit Verbunddübelleisten und großen StegöffnungenFernando Acosta Urrea2019Influence of elevated temperatures up to 100 °C on the mechanical properties of concreteDoris Strehlein2015Fleckige Dunkelverfärbungen an Sichtbetonoberflächen Charakterisierung – Entstehung – VermeidungFrederik Teworte2015Zum Querkrafttragverhalten von Spannbetonträgern unter ErmüdungsbeanspruchungMichael Horstmann2013Zum Tragverhalten von Sandwichkonstruktionen aus textilbewehrtem BetonKerstin Speck2009Beton unter mehraxialer BeanspruchungGerhard Matthias Zehetmaier2007Zusammenwirken einbetonierter Bewehrung mit Klebearmierung bei verstärkten BetonteilenUdo Wiens2005Zur Wirkung von Steinkohlenflugasche auf die chloridinduzierte Korrosion von Stahl in BetonMichael Blaschko2003Zum Tragverhalten von Bauteilen mit in Schlitze eingeklebten CFK-LamellenChristoph Gehlen2001Probabilistische Lebensdauerbemessung von Stahlbetonbauwerken – Zuverlässigkeitsbetrachtungen zur wirksamen Vermeidung von BewehrungskorrosionJürgen Ockert1999Ein Stoffgesetz für die Schockwellenausbreitung im BetonRainer Grimm1997Einfluss bruchmechanischer Kenngrößen auf das Biege- und Schubtragverhalten hochfester BetoneCarola Edvardsen1995Wasserdurchlässigkeit und Selbstheilung von Trennrissen in BetonGerd Remmel1993Zum Zug- und Schubtragverhalten von Bauteilen aus hochfestem BetonLothar Stempniewski1991Flüssigkeitsgefüllte Stahlbetonbehälter unter ErdbebeneinwirkungWerner Sobek1989Auf pneumatisch gestützten Schalungen hergestellte BetonschalenReinmund Steberl1987Nichtlineare dynamische Berechnung stoßartig beanspruchter Stahlbetonbauteile bis zum Erreichen der kinetischen Grenztragfähigkeit mit endochronen Werkstoffansätzen unter Einbeziehung des Strain-Rate-EffektesAtilla Ötes1985Zur werkstoffgerechten Berechnung der Erdbebenbeanspruchung in StahlbetontragwerkenUdo Kraemer1983Zur Zuverlässigkeit statisch bestimmt und unbestimmt gelagerter Stahlbeton- und Spannbetonträger
Mitgliederstruktur Der DBV hat rund 545 Mitglieder (2025) wie Firmen, Ingenieurbüros, öffentliche und private Auftraggeber, Verwaltungen, wissenschaftliche Institutionen. Der Verein hat „Beratende Mitglieder“ und Ehrenmitglieder.
Vorsitzende und Geschäftsführung Vorsitzender des DBV ist derzeit Matthias Jacob (seit März 2019). Frühere Vorsitzende waren in der Gründungsphase bis zum Zweiten Weltkrieg zunächst Hartwig Hüser (gewählt: 1898), dann Eugen Dyckerhoff (1899) sowie später Alfred Hüser (1911) und Walter Nakonz (1937). Bei Wiedergründung im Jahr 1947 nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Hans Minetti den Vorsitz, den er bis 1973 innehatte. Es folgten Georg Lücking bis 1985, Hans Wittfoht bis 1989 und Hans Luber bis 1999. In der jüngeren Vergangenheit waren u. a. Klaus Pöllath (2011 bis 2019), Manfred Nußbaumer (2007 bis 2011), Klaus-Dieter Ehlers (2003 bis 2007) und Dieter Rappert (1999 bis 2003) Vorsitzende des DBV.
Wilhelm Petry war der erste hauptamtliche Geschäftsführer (1911 bis 1936), danach übernahm Erich Bornemann die Geschäftsführung. Peter Misch wurde 1966, Manfred Stiller 1978 und Hans-Ulrich Litzner 1995 Hauptgeschäftsführer. Derzeit liegt die Geschäftsführung in den Händen von Lars Meyer (seit 2007).
Sitz der Geschäftsstelle Der Sitz der Geschäftsstelle hat seit der Gründung mehrfach gewechselt:
1898–1900 Geschäftsstelle in Berlin (in den Räumen der Tonindustrie-Zeitung) 1900–1911 Geschäftsstelle in (Wiesbaden-)Biebrich beim Unternehmen Dyckerhoff & Widmann 1911–1936 Geschäftsstelle in Oberkassel bei Bonn (in verschiedenen Räumlichkeiten) 1936–1945 Geschäftsstelle in Berlin (1936–1939 Großadmiral-von-Koester-Ufer 43, dann Schmargendorfer Straße 25 A in Friedenau) 1947–1948 Geschäftsstelle in Hamburg (Mönckebergstraße 11, bei der Allgemeinen Baugesellschaft Lenz & Co.) 1948–1999 Geschäftsstelle in Wiesbaden (verschiedene Räumlichkeiten, zuletzt Bahnhofstraße 61) seit 1999 Geschäftsstelle in Berlin (beim Bauindustrie, Kurfürstenstraße 129 in Schöneberg)
Geschichte des DBV Die Geschichte des DBV in der Zeit von 1898 bis 1998 wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens umfassend beschrieben. Sie lässt sich in verschiedene Zeiträume gliedern:
Von der Gründung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Nach der Gründung des DBV am 5. Dezember 1898 in Berlin und der Übernahme des Vorsitzes vom kurz nach der Gründung verstorbenen Gründer und ersten Vorsitzenden des Deutschen Beton-Vereins Hartwig Hüser setzte sich Eugen Dyckerhoff (Unternehmer in Firma Dyckerhoff & Widmann, Betonwerk und Bauunternehmung in Biebrich) als neuer und damit zweiter Vorsitzender des DBV ab 1899 intensiv für klare Qualitätsmaßstäbe für Beton ein.
In der Folge gab der DBV 1904 „Vorläufige Leitsätze für die Vorbereitung, Ausführung und Prüfung von Eisenbetonbauten“ heraus und stellte 1905 gemeinsam mit Vertretern des Verbands Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine (VDAI) beim Reichskanzler den Antrag, einen Ausschuss für das Deutsche Reich einzusetzen für die Prüfung des Eisenbetons sowie die Aufstellung von Vorschriften für die Eisenbetonbauweise.
Am 8. Januar 1907 erfolgte daraufhin die Gründung des Deutschen Ausschusses für Eisenbeton (seit 1941 Deutscher Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb)), in dem alle deutschen Länder und alle interessierten Kreise, Wissenschaft, Industrie, Ingenieurvereine und die Bauverwaltung vertreten sind. Das Ziel war die Erarbeitung einheitlicher Vorschriften über die Ausführung von Beton- und Stahlbetonbauten für ganz Deutschland.
Im Jahr 1908 erfolgte eine neue Definition der ordentlichen Mitgliedschaft im DBV und die Gründung der Wirtschaftlichen Kommission des DBV, die 1910 umbenannt wurde in Wirtschaftlicher Ausschuss. Dieser veranlasste 1911 die Gründung des Betonbau-Arbeitgeberverbands und 1917 die des Zementverbraucher-Verbands. Gemeinsam mit dem Betonbau-Arbeitgeberverband wurde 1918 der Betonwirtschaftsverband gegründet.
Im Jahr 1909 wurde die DBV-Schiedsgerichtsordnung verabschiedet, in der erstmals für Deutschland ein außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren für den Bau veröffentlicht wurde.
Von 1919 bis 1932 Im Jahr 1927 erfolgte die Bildung einer „Gruppe Österreich“ des Deutschen Beton-Vereins (mit Sitz im DBV-Vorstand), und es wurden „Vorläufige Leitsätze für die Baukontrolle“ verabschiedet. Auf Grundlage eines Beschlusses der DBV-Hauptversammlung verpflichteten sich die Mitglieder des DBV schriftlich gegenüber dem Verein, bei ihren Bauausführungen die vom Verein vorgeschriebenen Baukontrollversuche durchzuführen und sich auch einer Nachprüfung durch den Verein zu unterwerfen.
Der DBV in der Zeit des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Im Jahr 1936 wurde eine DBV-Bauberatung der Reichsbahn- und Reichsautobahn-Baustellen in Sachsen eingerichtet. In der Folge vertrieb der Verein ab 1938 „DBV-Prüfkisten für die Prüfung des Betons und seiner Bestandteile“ und erhielt den Auftrag der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie, Bauberatungen in möglichst vielen Bezirken einzurichten. Bereits 1939 bestanden Bauberatungen in Augsburg, Berlin, Breslau, Stettin und Wien.