mini|Gipsmodell des Zabel-Denkmals von 1895 mini|Gerechtigkeit und Wahrheit, Rathaus Charlottenburg 1905 mini|Hermann Thoms Büste Heinrich Günther-Gera, mit bürgerlichem Namen Heinrich Paul Günther (* 15. September 1864 in Gera; † 23. Dezember 1941 in BerlinSterberegister Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Nr. 1937/1941) war ein deutscher Bildhauer mit Atelier in Berlin-Charlottenburg.Heinrich Günther-Gera. rkd.nl, RKDartists; abgerufen am 4. September 2018.Friedrich Pecht: Personal- und Atelier-Nachrichten. In: Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 7. Jahrgang, 1891–1892, Heft 23, 1. September 1892, S. 362 (li. Spalte unten); digi.ub.uni-heidelberg.de abgerufen am 2. Oktober 2018.
Leben In den Jahren 1883 bis 1888 war Günther an der 1880 gegründeten Königlichen Akademie der bildenden Künste in Berlin (Ableger der Kgl. Akademie der Künste in Berlin) und von 1888 bis 1891 im Meisteratelier Schüler von Fritz Schaper (1841–1919), dem Leiter des Aktsaals für Bildhauer. Im Jahr 1882 wurde von Anton von Werner an der Akademie eine dreijährige Ausbildung und ein viersemestriges Meisteratelier-System zur Begabtenförderung eingeführt.LXIII. Ausstellung der K. Akademie der Künste zu Berlin […] – Illustrierter Katalog. Rud. Schuster, Berlin 1892, S. XI; .
Schon während des Studiums gab er sich den Künstlernamen Günther-Gera. In Berlin gab es mehrere Künstler mit dem Nachnamen Günther.
Als Student gewann er 1892 das Reisestipendium für eine Studienreise nach Italien der Dr. Paul Schultze-Stiftung.Preis-Ausschreiben. In: Die Kunst für alle. 9. Jahrgang, 1893–1894, Heft 19, 1. Juli 1894, S. 302, digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 3. Oktober 2018. Sein Wettbewerbsbeitrag war die Plastik Judith. Eine Hälfte des Stiftungskapitals wurde von der Kgl. Akademie der bildenden Künste verwaltet, die auch für die Auswahl eines studentischen Bildhauers oder die Ablehnung aller Bewerber für das 3.000 Mark Stipendium verantwortlich war.Statut der Dr. Paul Schultze-Stiftung. (von der Kgl. Akademie der Künste verwaltete Teil) In: Centralblatt für die gesammte Unterrichts-Verwaltung in Preußen. Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, Jahrg. 1889, S. 209–212, digizeitschriften.de, abgerufen am 4. Oktober 2018.Statuten der Dr. Paul Schultze-Stiftung. (von der Kgl. Friedrich-Wilhelms Universität verwaltete Teil), Königliche Friedrich-Wilhelms Universität, 2. Dezember 1895, edoc.hu-berlin.de (PDF; 5,9 MB) abgerufen am 4. Oktober 2018.
Günther-Gera bekam direkt nach seiner akademischen Ausbildung auf der Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste Berlin 1892 die Auszeichnung Ehrenvolle Erwähnung,Internationale Kunst-Ausstellung Berlin 1896 zur Feier des 200jährigen Bestehens der Königlichen Akademie der Künste. Katalog. 2. Auflage. Rud. Schuster, Berlin 1896, S. XXII, digishelf.de, abgerufen am 3. Oktober 2018. bewilligt durch König und Kaiser (Kaiser Wilhelm II.).LXIII. Ausstellung der K. Akademie der Künste zu Berlin […] - Illustrierter Katalog. Rud. Schuster, Berlin 1892, S. XVI; . Er stellte dort die preisgekrönte Plastik Judith aus.
1897 wurde er als Mitglied im Verein Berliner Künstler (VBK) aufgenommen.
Günther-Gera wurde in die Jury und Hängekommission der Großen Berliner Kunstausstellung 1905 gewählt. Im Jahr 1910 bekam Günther-Gera für seine Arbeiten im öffentlichen Raum den Ehrentitel Professor vom König von Preußen (Kaiser Wilhelm II.) verliehen.Personalien. In: Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe. Neue Folge 22. Jahrgang, 1910/1911, Heft 5, 4. November 1910, Spalte 77, digi.ub.uni-heidelberg.de abgerufen am 1. Oktober 2018.
Günther-Gera wurde 1918 zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Landeskunstkommission gewählt.Personalien. In: Kunstchronik: Wochenschrift für die Kunst und Kunstgewerbe. N.F. 29 (1918), Spalte: 271; digi.ub.uni-heidelberg.de abgerufen am 3. September 2018. Bereits seit 1910 ersetzte er Hermann Hosaeus in der Kommission.
Er betrieb sein Atelier in der Kantstraße 149. Dort lebten oder arbeiteten zeitweise auch die Bildhauer Ernst Bernardien, Alois Reinitzer und Waldemar Uhlmann.Adolf Brothe (Hrsg.): Adressbuch von bildenden Künstlern der Gegenwart. Jahrgang 1898. Selbstverlag, München 1898; .
Günther-Gera nahm an Ausschreibungen für Denkmäler und Fassadenfiguren im öffentlichen Raum teil. Sein Entwurf für den Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisbrunnen in Graudenz wurde 1904 von einer Fachjury des örtlichen Denkmalausschusses mit dem ersten Preis bedacht und für die Realisierung ausgesucht.Die Werkstatt der Kunst: Organ für die Interessen der bildenden Künstler. Jahrg. 4, 1904/1905, S. 90 (Heft 7), 110 (Heft 8), 308 (Heft 23) u. 342 (Heft 26); doi:10.11588/diglit.42122. Der Entwurf sah eine Walküre auf einem Sockel vor, an dem ein Porträt-Medaillon des Kaisers Wilhelm I. angebracht sein sollte und darunter bzw. darum der Brunnen. Zwei Ministerien wendeten sich an den zuständigen Regierungspräsidenten in Marienwerder mit dem Hinweis, dass sich der Dt. Kaiser nicht zur Genehmigung hatte entschließen können, weil die geplante Reliefplakette zur Ehrung der Großartigkeit von Wilhelm I. nicht im angemessenen Verhältnis zur Größe des Brunnens stünde. Daraufhin ersetzte Günther die geplante Walkürenstatue auf dem Sockel durch ein Standbild von Wilhelm I. und ersetzte die Plakette durch den von Wilhelm II. für Wilhelm I. erfundenen Titel „Wilhelm der Große“.Graudenz. Kaiser Wilhelm-Denkmal. (Ansichtskarte, Bild), E. R. G. 98c., (1916 o. früher), abgerufen am 1. Oktober 2018.Marktpartie. Graudenz. (Postkarte, Farblithografie, Bild), Verlag P. Toense Nachflg. B. Becker, Graudenz, (1914 o. früher), abgerufen am 1. Oktober 2018.Andreas Rose: Wilhelm I. – ein Großer? „Verweigerte Größe“ – Kaiser Wilhelms I. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Der ursprüngliche Entwurf mit Walküre wurde ohne Brunnen und mit umgewidmeter Reliefplakette als Bismarck-Denkmal in Graudenz aufgestellt.Graudenz. Bismarckdenkmal. (Ansichtskarte, Bild), E. R. G. 93.A., (1913 o. früher), abgerufen am 1. Oktober 2018.Graudenz: Bismarck-Denkmal. (Ansichtskarte, Bild), E. R. G. 3, (1913 o. früher), abgerufen am 1. Oktober 2018.
Ehefrau Bianca Günther, geborene Vogdt, (* 14. März 1874; † 14. Februar 1921) übergab 1915 der Stadt Berlin die Kontrolle über eine Stiftung in Höhe von 300.000 Mark in Hypotheken und Hypothekenpfandbriefen von Anteilen an sieben Mehrfamilienhäusern. Die Stiftung heißt Bianca und Heinrich Günther-Gera-Stiftung. Sie sah Nießbrauch für die Stifter vor und von den Zinsen sollen bedürftige Künstler im Raum Groß-Berlin unterstützt werden, indem von ihnen Arbeiten mit hohem Kunstwert angekauft werden. Es wurden auch einmalige oder mehrmalige Zahlungen für Ehefrauen und Witwen von Kriegsteilnehmern am Ersten Weltkrieg erlaubt.522. Vorlage (J.-Nr. 962/15 Stift.). In: Zu No. 35. Vorlagen, welche den Zeitungen nicht mitgeteilt sind. 9. Oktober 1915, S. 600–602, Digital.zlb.de, abgerufen am 14. September 2018.01.07. Hospitäler und soziale Stiftungen (Fach 10). A Rep. 000-02-01 Nr. 2515. In: Landesarchiv Berlin – A Rep. 000-02-01 – Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin – Vorläufiges Findbuch. S. 34, Version 25. Juni 2003, landesarchiv-berlin.de (PDF; 982 kB) 982 kB, abgerufen am 5. September 2018. Ab 1926 wurde Günther-Gera, der inzwischen chronisch erkrankt war, aus den Zinsen eine jährliche Rente gewährt.350. Vorlage – zur Beschlussfassung – betr. Gewährung einer Rente aus der Günther-Gera-Stiftung. In: Vorlagen, welche den Zeitungen nicht mitgeteilt sind. 1926. zlb.de
Günther-Gera ließ seine Skulpturen häufig aus getriebenem Kupferblech oder gegossener Bronze von Kunsthandwerkern herstellen, so dass etliche seiner Arbeiten während der Weltkriege als Metallspenden oder Enteignungen verschwanden, durch die Denkmäler, Glocken, Einrichtungsgegenstände u. ä. der Kriegsindustrie zugeführt wurden. gera-chronik.de, Marco Trampel; abgerufen am 1. September 2018. Im Zweiten Weltkrieg kam noch die Zerstörung durch Bomben hinzu.
Werke Judith (russisch: Юдифь), Judith sitzt nach dem Kampf mit Holofernes erschöpft und nachdenklich in einem Stuhl noch mit dem Säbel in der Hand, o. Jahr (1892 oder früher).LXIII. Ausstellung der K. Akademie der Künste zu Berlin im Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof. […] – Illustrierter Katalog. Rud. Schuster, Berlin 1892, S. 105; .Gabriel Baranowsky: Архитектурная энциклопедия. (deutsch: Architectur-Encyclopädie der zweiten Hälfte des XIX Jahrhunderts), том VII (Band 7), 1904, S. 203, Abbildung: C, p 217 = S. 203, nur Text, p 215 = S. 203, Bildergalerie HTML, S. 203, Seitenansicht JPG; 137 kB, abgerufen am 4. September 2018. Fischerknabe (, ), auch Junger Angler, Junge löst Fisch vom Haken an der Angel, o. Jahr (1894 oder früher), Gips, Holz, Metalldraht Bronze, 73 cm hoch, Plastik gegossen von Aktien-Gesellschaft:Gladenbeck.Gunther-Gera, Angler 1806. imgsrc.ru, uploaded 2013-01-08; abgerufen am 4. September 2018. Wilhelm-Tschirch-Denkmal, auf Neustadtplatz in Gera, Einweihung 1. April 1894, überlebensgroße Bronzebüste auf Stele, 1933 zog das Denkmal in den Stadtpark auf dem Gelände des ehemaligen Trinitatisfriedhofs an der Trinitatiskirche, umgangssprachlich Knochenpark genannt, im Zweiten Weltkrieg verschollen.Günther-Gera. In: Max Martersteig (Hrsg.): Jahrbuch der bildenden Kunst, Deutsche Jahrbuchgesellschaft, Berlin 1903, Spalte 116 (S. 207); . Eine Version aus Gips wird vom Stadtmuseum Gera aufbewahrt. (abgerufen über De Gruyter Online). Zabel-Denkmal, an Zabel-Schule für Mädchen, Gera, 24. September 1895, Stele mit metallener Doppelporträt-Halbrelief Plakette des Stifterehepaares, metallene Girlande, zwei Mädchen schmücken die Girlande mit Blumen und einem Palmwedel, Stifterehepaar Karl Friedrich Gotthelf Zabel (1771–1847) und Henriette Auguste Zabel (1808–1884). Zabeldenkmal während des 2. Weltkriegs verschollen.Academy Architecture and Architectural Review, 1897-II. Volume 12, S. 44, 54 u. 55. Studienkopf; . Zabel-Denkmal; Judith; .Mike Strunkowski: gera-chronik.de, Team der Gera Chronik / Marco Trampel; abgerufen am 1. September 2018.Manfred Otto Taubert: Plastiken und Skulpturen in Gera. Selbstverlag, Gera 2014. Seit 2000 steht ein Zabelstein von Ullrich Holland vor dem Zabelgebäude. Julius-Sturm-Denkmal auf der Grabstätte, Friedhof in Köstritz, enthüllt 28. November 1897, kniende geflügelte Frau mit Leier und Loorberreiser, darüber Reliefbildnis des Dichters vor halbkreisförmiger Steinplatte.Jürgen Manfred Paasch: Dichtergräber in Thüringen: Unter jedem Grabstein eine Literaturgeschichte. Sutton, Erfurt 2014, ISBN 978-3-95400-274-0, S. 80; eingeschr. Vorschau books.google.deDenkmale und Gedenktafeln in Bad Köstritz. heinrich-schütz-haus.de, Forschungs- und Gedenkstätte im Geburtshaus des Komponisten (Hrsg.); abgerufen am 3. September 2018 (zitiert aus: Bernhard Rost: Julius Sturm. Sein Leben und seine Lieder. S. 33) Sancta Caecilia, Gipsmodell, getönt, Hochrelief, Durchmesser 45 cm, o. Jahr (1899 o. früher)Berliner Kunstauktions-Haus Gebrüder Heilbron (Hrsg.): Antiquitäten: Kunstmobiliar, Skulpturen, Miniaturen, Majoliken, Fayencen, Porzellane. (Versteigerung 17. Oktober 1912, 10 Uhr) In: Kat. Nr. 11. Berlin 1912, S. 18, digi.ub.uni-heidelberg.de Statuen am und im Rathaus Charlottenburg, vier Figuren. Fotos, Entwurfs- und Ausführungsmodelle sind im Besitz des Architekturmuseums der TU Berlin Gerechtigkeit, Göttin der Gerechtigkeit ausgeführt mit erhobener Waage und Schwert im Arm liegend, Stadtverordneten-Sitzungssaal, Rathaus Charlottenburg, Einweihung 1905, im 2. Weltkrieg wurde der Saal zerstört. Fotos der Statue waren Vorbild für die Rekonstruktion der Portalfigur Gerechtigkeit am Elberfelder Rathaus im Jahr 2010.Das neue Rathaus in Charlottenburg. In: Deutsche Bauzeitung. 38. Jahrg., No. 53 (2. Juli 1904), S. 326 (re. Spalte unten), PDF, abgerufen am 9. Februar 2026.