mini|hochkant|Stolpersteine in der Seestraße 45 Die Liste der Stolpersteine in Potsdam umfasst jene Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam verlegt wurden. Sie sind Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, all jenen, die vom NS-Regime drangsaliert, deportiert, ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben wurden. Demnig verlegt für jedes Opfer einen eigenen Stein, im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz.

Die ersten Verlegungen in der Landeshauptstadt fanden am 27. November 2006 statt.

Liste der verlegten Stolpersteine Die Auswahl der Opfer, das Erstellen der Biographien und das Suchen von Nachkommen erfolgte auf breiter gesamtgesellschaftlicher Basis. Insbesondere waren Schulen und Schüler in diesen Prozess integriert.Potsdamer Neueste Nachrichten: „Stolperstein“ für Oberkantor Gutmann. 13. Dezember 2007. Ein Beispiel: Eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus evangelischen Kirchengemeinden recherchierte auf Anregung von Friedenskirchenpfarrer Simon Kuntze und unter Leitung des Historikers Sascha Topp ein Jahr lang intensiv in Archiven zum Schicksal der Familie Herzfeld.Der 30. Stolperstein für Potsdam. In: Märkische Allgemeine. 20. März 2017.

Bild Inschrift Adresse Leben 120pxHIER WOHNTEFRITZ ABRAHAMJG. 1901FLUCHT 1939ENGLAND Alt Nowawes 36 120pxHIER WOHNTEJOHANNA ABRAHAMGEB. FLEISCHERJG. 1892DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 2.3.1943 Alt Nowawes 36 120pxHIER WOHNTEKÄTHEALEXANDER-KATZGEB. BUKIJG. 1891DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ Griebnitzstraße 8 geb. Bubi wurde am 7. März 1891 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Louis Buki (1838–1908) und Clara Rosalie geb. Hayn (1858–1928). Sie hatte drei ältere Schwestern, Margarete, Helene und Else Valesca. Am 6. August 1914 heiratete sie in Berlin den Juristen und Ökonomen Dr. Ernst Alexander-Katz, geboren 1891 in Berlin, der bereits einen Sohn aus erster Ehe hatte. Das Paar bekam eine Tochter, Gabriele, die später einen Mann namens John Bruehl heiraten und zwei Kinder zur Welt bringen sollte, John Daniel und Marie Louise. Die Tochter konnte nur deshalb überleben, weil sie von ihrer Mutter rechtzeitig zur Emigration in die Vereinigten Staaten ermutigt und dabei unterstützt worden war. Die Ehe von Ernst und Käthe Alexander-Katz scheiterte und wurde am 4. Februar 1925 in Berlin geschieden. In den 1930er-Jahren wohnte Käthe Alexander-Katz im Haus von Fritz Hirschfeld und pflegte dessen schwerkranke Ehefrau, auch nachdem Hirschfeld 1939 in die Niederlande geflüchtet war. Obwohl zum katholischen Glauben konvertiert, wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft vom NS-Regime verhaftet, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sie kam am 13. Januar 1943 in Auschwitz an, tags darauf war sie tot.Landeshauptstadt Potsdam: Pressemitteilung 780, abgerufen am 10. Dezember 2019.

Der Ex-Mann überlebte. Er publizierte in den Nachkriegsjahren das Handbuch der Finanzwissenschaft, heiratete ein drittes Mal und starb 1968 in Haifa, Israel. Keine ihrer Schwestern konnte das Dritte Reich und die Shoah überleben: Margarete, praktische Ärztin, starb 1938 in München, vier Tage nach dem Entzug ihrer Approbation. Else wurde 1942 im Ghetto Litzmannstadt (Łódź) ermordet, Helene 1943 im Vernichtungslager Sobibor. 120pxHIER WOHNTEJOSEF APRIASKYJG. 1879'SCHUTZHAFT' 1938SACHSENHAUSENDEPORTIERT 1942RIGAERMORDET Berliner Straße 141 120pxHIER WOHNTEKLARA APRIASKYGEB. LEVYJG. 1892DEPORTIERT 1942RIGAERMORDET Berliner Straße 141 120pxHIER WOHNTEJULIUS BACKJG. 1868DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTTOT 19.12.1942 Ebräerstraße 4 wurde am 25. September 1868 als erstes Kind seiner Eltern in Wronke (Posen) geboren. Dort wuchs er auch auf, dort lernte er seine spätere Frau, Marta geb. Lippmann (siehe unten), kennen und dort wurde er Bäckermeister. Die beiden heirateten am 17. August 1898 in Wronke. Das Paar hatte drei Kinder, Kurt (geboren am 4. Juni 1899), Margarete und Margot. 1922 eröffnete das Ehepaar eine Bäckerei in Potsdam, in der Brandenburger Straße 22. Bis 1932 lebte die Familie auch dort. Dann gab das Ehepaar das Geschäft auf und übersiedelte in die Kupferschmiedsgasse, die heute wieder Ebräerstraße heißt. Dort befand sich von 1748 bis 1763 das erste jüdische Gemeindehaus von Potsdam. Die Töchter heirateten, alle drei Kinder verließen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten das Heimatland. Margarete Orbach ging als erste der drei nach London. Auch Margot Bernstein wurde von den Eltern bei der Emigration unterstützt. Kurt, er war ledig und lebte noch bei seinen Eltern, gelang die Flucht nach Bolivien. Am 12. März 1940 stellte auch das betagte Ehepaar einen Ausreiseantrag nach Bolivien. Doch die dortige Regierung beschränkte zunehmend die Immigration von Juden und das Dritte Reich erließ schließlich am 23. Oktober 1941 ein vollständiges Auswanderungsverbot für jüdische Bürger. Das Ehepaar verlor sein ganzes Vermögen und wurde in das Sammellager im Jüdischen Altersheim von Babelsberg zwangsübersiedelt. Am 3. Oktober 1942 wurden beide in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Wenige Wochen später, am 19. Dezember 1942, starb Julius Back an den Folgen der Haft.

Seine Frau konnte die KZ-Haft überleben. Sie wurde im Februar 1945 gegen Devisen freigekauft und in die Schweiz gebracht.Landeshauptstadt Potsdam: Julius und Marta Back, geb. Lippmann. Abgerufen am 25. September 2018.holocaust.cz: BACK JULIUS: DEATH CERTIFICATE, GHETTO TEREZÍN. Abgerufen am 25. September 2018. 120pxHIER WOHNTEMARTA BACKGEB. LIPPMANNJG. 1873DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTBEFREIT / ÜBERLEBT Ebräerstraße 4 geb. Lippmann wurde am 10. Januar 1873 in Wronke geboren. Sie lernte den späteren Bäckermeister Julius Back (siehe oben) kennen und heiratete ihn am 17. August 1898 in ihrer Heimatstadt. Das Paar hatte drei Kinder, Kurt (geboren am 4. Juni 1899), Margarete und Margot. Die Familie übersiedelte nach Potsdam und eröffnete dort im Jahr 1922 eine Bäckerei in der Brandenburger Straße 22. Bis 1932 lebte die Familie auch dort. Die Töchter heirateten. Dann gab das Ehepaar das Geschäft auf und übersiedelte mit dem noch ledigen Sohn in die Kupferschmiedsgasse, heute wieder Ebräerstraße. Alle drei Kinder verließen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten das Heimatland. Margarete Orbach ging als erste der drei nach London. Auch Margot Bernstein wurde von den Eltern bei der Emigration unterstützt. Kurt gelang die Flucht nach Bolivien. Auch das Ehepaar wollte 1940 nach Bolivien emigrieren, doch es war zu spät. Sie verloren ihr gesamtes Hab und Gut, mussten in ein Sammellager übersiedeln und wurden am 3. Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort verstarb Julius Back am 19. Dezember 1942.

Marta Back überlebte die KZ-Haft und kam am 5. Februar 1945 im Rahmen einer Austauschaktion von Juden gegen Devisen in die Schweiz. Sie lebte noch bis 1962. 120pxHIER WOHNTEHUGO BARONJG. 1873DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 2.12.1942 Lindenstraße 15 wurde am 8. September 1873 in Breslau geboren. Er lebte seit 1898 in Potsdam und betrieb ein Geschäft für Herren- und Jungenausstattung, unter anderem in der Lindenstraße 15. Als langjähriges Mitglied der jüdischen Gemeinde wurde er diskriminiert, verfolgt und am 4. Oktober 1942 mit Transport I/71 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Seine Deportationsnummer war 9145. Er wurde am 2. Dezember 1942 ermordet, als offizielle Todesursachen wurden Lungenentzündung und Herzschwäche eingetragen. 120pxHIER WOHNTEFRANZ BERNHARDJG. 1862DEPORTIERT 1943THERESIENSTADTTOT 24.5.1943 Berliner Straße 53 wurde am 24. März 1862 in Tangermünde geboren. Er entstammte einer großbürgerlichen Familie, die in der Potsdamer Innenstadt ein angesehenes Bankgeschäft führte. Er wuchs Am Kanal 46, im Haus der Familie seiner Mutter, auf. Traditionsgemäß trat er in das väterliche Bankgeschäft P. Bernhard ein, welches sich seit 1882 in der Charlottenstraße 76 befand, und übernahm dessen Führung. Er war in erster Ehe mit Clara geb. Marcuse verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder, Tochter Henny und Sohn Heinrich Julius, genannt Heinz. Seine Frau starb bereits 1907. Im Familienbesitz befand sich eine Villa mit großem Garten am Tiefen See, damals Neue Königstraße 33, heute Berliner Straße 53. Franz Bernhard war in zweiter Ehe mit Helene geb. Veilchenfeld verheiratet. 1924 übergab er die Leitung der Bank an Emil Hechler, der jedoch den Firmennamen P. Bernhard beibehielt. Als Jude wurden er und seine Familie in der NS-Zeit des gesamten Eigentums beraubt. Franz Bernhard musste miterleben, wie sein Lebenswerk zerstört und das Vermögen der Familie schrittweise geraubt wurde. Er selbst musste in das jüdische Alters- und Siechenheimes neben der Babelsberger Sternwarte übersiedeln und verlor seine restlichen Guthaben durch einen betrügerischen „Heimeinkaufvertrag“ für Theresienstadt. Dorthin wurde er mit dem „75. Alterstransport“ (I/79) am 20. November 1942 deportiert. Seine Transportnummer war 9876. Er starb am 24. Mai 1943 im Konzentrationslager. Auf dem jüdischen Friedhof von Potsdam befindet sich das Familiengrab. Auf der Gedenktafel für Franz Bernhard wurde eingraviert: „Sein Leben war Vorbild. Sein Tod ist Verpflichtung.“Landeshauptstadt Potsdam: Franz Bernhard. Abgerufen am 24. September 2018.holocaust.cz: FRANZ BERNHARD. Abgerufen am 24. September 2018.

Heinrich Julius Bernhard, kurz Heinz, wurde am 23. Juli 1893 in Potsdam geboren. Er war der Sohn des Bankiers Franz Bernhard und von Clara geb. Marcuse. Seine Mutter starb bereits 1907, sein Vater heiratete später erneut. Er studierte Medizin und wurde schließlich Facharzt für Nerven- und Geisteskrankheiten. Er wurde verhaftet, zuerst in das Konzentrationslager Auschwitz und später in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Am 15. Februar 1945 wurde er in Ebensee von Vertretern des NS-Regimes ermordet.The Central Database of Shoah Victims’ Names: HEINRICH J BERNHARD. mit einem Auszug aus dem Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945, hg. vom Bundesarchiv in Koblenz, abgerufen am 16. September 2018. 120pxHIER WOHNTEDR. PAUL ELKANBERNHARDTJG. 1873BERUFSVERBOT 1938GEDEMÜTIGT / ENTRECHTETFLUCHT IN DEN TOD25.7.1942 Ludwig-Richter-Straße 15 wurde am 21. Mai 1873 in Berlin geboren. Er war Nervenarzt und praktizierte in Berlin und Potsdam. Er war beeidigter Sachverständiger für das Kammergericht und die Landgerichts-Bezirke Berlin I, II und III. 1915 heiratete er Dorothea Emma geb. Hirschfeld, genannt Dora, geboren am 19. Dezember 1884 in Berlin. Beide wurden ab 1933 als Juden verfolgt. 1938 verlor er seine Approbation und damit die Existenzgrundlage. Seine Ehefrau erkrankte schwer und starb am 2. Dezember 1939 in Potsdam. Der Witwer sah sich zweieinhalb Jahre später in einer aussichtslosen Situation. Mutmaßlich um der bevorstehenden Deportation zu entgehen, nahm er sich am 25. Juli 1942 in Potsdam das Leben. 120pxHIER WOHNTEHELENE DORNBUSCHGEB. REINHOLDJG. 1875DEPORTIERT 1942RIGAFLUCHT IN DEN TOD24.1.1942 Alt Nowawes 116 geb. Rheinhold wurde am 28. Dezember 1875 in Koblenz geboren. Sie heiratete den vier Jahre jüngeren Theodor Dornbusch aus Potsdam. Die Ehe blieb kinderlos. Am 7. Januar 1942 wurde ihr Ehemann genötigt, eine Vermögenserklärung zu erstellen und zu fertigen. Am 13. Januar 1942 wurde das betagte Ehepaar zwangsdeportiert, mit dem Transport 8, Zug Da 44 von Berlin nach Riga. Dort nahmen sie sich beide am 24. Januar 1942 das Leben.Landeshauptstadt Potsdam: Theodor und Helene Dornbusch, geb. Rheingold. Abgerufen am 25. September 2018.The Central Database of Shoah Victims’ Names hat zwei Einträge über Helen Dornbusch, beide abgerufen am 25. September 2018: HELENE DORNBUSCH. mit einem Auszug aus dem Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, Freie Universität Berlin, Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung, Edition Hentrich, Berlin 1995,