mini|hochkant|Berthold Sander, um 1937 Berthold Sander (* 18. April 1890 in Emmerich, Rheinprovinz; † nach 1941, verschollen im Ghetto Theresienstadt) war ein deutscher Dirigent und Chorleiter.
Leben Sander wurde durch seine Mutter an die Musik herangeführt und machte 1910 am Raff-Konservatorium in Frankfurt am Main eine Ausbildung zum Kapellmeister. Anschließend wurde er vom Stadttheater Trier als Kapellmeister angestellt. Dort wirkte er zehn Jahre. 1921 ging er an das Staatstheater Mainz, wo er bis 1927 Kapellmeister war. 1930 wurde er Chordirektor des Staatstheaters in Braunschweig. Als Mitglied des Braunschweiger Ablegers des Kulturvereins Schlaraffia, aus dem er wegen seiner jüdischen Herkunft Mitte 1933 ausschied, führte er den Namen Ritter Hahn im Korb. 1931 wurde er Kapellmeister des Stadttheaters in Hildesheim.Andor Izsák (Hrsg.), Stephan Stompor, Susanne Borchers: Jüdisches Musik- und Theaterleben unter dem NS-Staat. Schriftenreihe des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik, Band 6, Hannover 2001, S. 27 Nachdem er dort seinen Arbeitsplatz verloren hatte, verließ er Hildesheim und kam 1933 in der Berlin-Zehlendorfer Wohnung des Opern- und Konzertsängers Heinrich Schlusnus unter. Im Januar 1934 trat er mit dem von ihm in Berlin aufgebauten Chor des Kulturbundes Deutscher Juden wieder auf.Joachim Braun, Vladimír Karbusický, Heidi Tamar Hoffmann: Verfemte Musik. Komponisten in den Diktaturen unseres Jahrhunderts. Dokumentation des Kolloquiums vom 9.–12. Januar 1993 in Dresden. Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, S. 66. Am 12. Juni 1941 gab er an der Musiktheaterbühne des Kulturbundes, an der er neben Julius Prüwer und Rudolf Schwarz viele Konzerte dirigiert hatte, mit einem Verdi-Abend die letzte Premiere.Sylvia Rogge-Gau: Die doppelte Wurzel des Daseins. Julius Bab und der Jüdische Kulturbund Berlin. Metropol Verlag, Berlin 1999, S. 171. Von Berlin wurde Sander nach Theresienstadt gebracht, in deren Ghetto sich seine Spuren verlieren.
Am 18. November 2016 wurde vor dem Haus Hochstraße 21 in Braunschweig zum Gedenken an Sander ein Stolperstein verlegt.Stolperstein Schlaraffia Brunsviga 55. brunsviga-55.de; abgerufen am 31. August 2018Berthold Sander.stolpersteine-fuer-braunschweig.de; abgerufen am 31. August 2018
Literatur Deutsche Orchestervereinigung (Hrsg.): Das Orchester, 1996, Band 44, S. 7. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 6406–6409. online
Weblinks Berthold Sander. Objekt-Metadatenblatt im Portal lexm.uni-hamburg.de (Universität Hamburg, Institut für historische Musikwissenschaft). Foto als Dirigent der Orchester des Jüdischen Kulturbundes und der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, 1937/1938. collections.ushmm.org (United States Holocaust Memorial Museum). Foto als Dirigent des Orchesters des Jüdischen Kulturbundes im Jahr 1940. akg-images.fr
Einzelnachweise
Kategorie:Dirigent Kategorie:Chorleiter Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Häftling im Ghetto Theresienstadt Kategorie:Musiker (Braunschweig) Kategorie:Person, für die in Braunschweig ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann