mini|400px|Verleihung der Doktorwürde, 1815 Johann Georg Beutner (* 1788 in Grünstadt; † 21. Juli 1859 in Bad BergzabernÄrztliches Intelligenzblatt: Organ für Bayerns staatliche u. öffentliche Heilkunde, München, Jahrgang 1859, S. 544; (Digitalscan)) war ein deutscher Mediziner.
Leben Beutner war der Sohn eines Chirurgen in Grünstadt und studierte ab Juli 1807 Medizin an der Universität Heidelberg. Bei der Immatrikulation gab er an „arm“ zu sein.Gustav Toepke: Die Matrikel der Universität Heidelberg, 4. Teil, S. 402, Heidelberg, 1903; (Digitalscan) Am 31. Oktober 1815 promovierte er dort nach Vorlage der Dissertation „De quibusdam praesidiis chirurgicis in pneumatosi intestinali administrantis“ zum Doktor der Medizin.Intelligenzblatt der Universität Heidelberg, Nr. 1, 1816, (Digitalscan)
1816 stellte die Bayerische Staatsregierung Johann Georg Beutner als Kantonsarzt 2. Klasse im Rheinkreis, mit Sitz in Mutterstadt an, wo er noch 1819 amtierte.Amtsblatt der Königlich-Baierischen Regierung des Rheinkreises, Speyer, Jahrgang 1816, Spalte 190; (Digitalscan)Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern, München, 1819, S. 518; (Digitalscan) Ab 1820 war Beutner als Kantonsarzt 1. Klasse in Bad Bergzabern tätigAllgemeine medizinische Annalen des neunzehnten Jahrhunderts auf das Jahr 1820, Medizinisches Correspondenzblatt, November 1820, Spalte 1575 des Jahrgangs; (Digitalscan) und blieb dort bis zu seiner Pensionierung, 1859. Bei der Ruhestandsversetzung, am 21. März des Jahres ernannte man ihn zum Königlichen Rat.Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt der Pfalz, Speyer, Jahrgang 1859, Spalte 234; (Digitalscan) Schon am 11. Dezember 1854 hatte er das Ritterkreuz des Verdienstordens vom Heiligen Michael erhalten.Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt der Pfalz, Speyer, Jahrgang 1855, Spalte 88; (Digitalscan)
Johann Georg Beutner war verheiratet mit Karoline Franziska Friederike Fliesen (1799–1829) aus Kaiserslautern, Tochter des protestantischen Konsistorialdirektors Johann Wilhelm Fliesen.Werner Weidmann: Schul-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Pfalz, Band 2, S. 29, Arbogast Verlag, 2000, ISBN 3870222778; (Ausschnittscan 1), (Ausschnittscan 2) Ihr gemeinsamer Sohn Adolf (* 1825) wurde ebenfalls Arzt. Deutscher Medicinal-Kalender, Erlangen, 1874, 1. Jahrgang, 2. Teil, S. 15; (Digitalscan)
1828 gehörte der Mediziner zu den pfälzischen Reklamanten, die noch finanzielle Ansprüche an die ehemalige Besatzungsmacht Frankreich stellten; er veranschlagte für sich einen ausstehenden Betrag von 1106 Franken oder 205 Gulden.Intelligenzblatt des Rheinkreises, Speyer, Jahrgang 1828, S. 162; (Digitalscan)
Wirken Johann Georg Beutner ist öfter in zeitgenössischen medizinischen Publikationen mit Äußerungen zu Fachfragen zitiert, z. B. 1857 zur Behandlung des Typhus,Notizen für praktische Ärzte über die neuesten Beobachtungen in der Medicin mit besonderer Berücksichtigung der Krankheits-Behandlung, Band 9, Berlin, 1857, S. 267; (Digitalscan)Ärztliches Intelligenzblatt: Organ für Bayerns staatliche u. öffentliche Heilkunde, München, Jahrgang 1856, S. 504; (Digitalscan) 1858 zur Entstehung einer Diphtherieepidemie in Dierbach.Ärztliches Intelligenz-Blatt: Organ für Bayerns staatliche u. öffentliche Heilkunde, München, Jahrgang 1858, S. 643; (Digitalscan)
Auch zogen ihn die Behörden zur Durchführung von Ermittlungen bei Verbrechen heran. 1838 untersuchte er in Rechtenbach eine Frau die ihr Kind getötet hatte, obduzierte die aufgefundene Säuglingsleiche und erstellte dazu umfangreiche Berichte bzw. Gutachten, die in der Fachpresse erschienen.Annalen der Staatsarzneikunde, Freiburg, 1841, 6. Jahrgang, 1. Band, S. 654–668; (Digitalscan) 1854 nahm Beutner in einer Kindstötungssache in Kapsweyer die Obduktion des exhumierten Toten vor, worüber die Zeitungen berichteten.Zweibrücker Wochenblatt, Nr. 103, vom 27. August 1854; (Digitalscan) Ebenfalls 1838 unterband er den Verkauf von angeblichen Fiebertropfen eines Barbiers aus Schaidt; er hatte sie aus eigenem Antrieb auf ihre Gesundheitsschädlichkeit überprüfen lassen.Jahrbuch für practische Pharmacie und verwandte Fächer, Kaiserslautern, 1839, S. 118; (Digitalscan)
Überregionale Bekanntheit erlangte der Arzt bei Untersuchungen in einer parapsychologischen Angelegenheit in Bad Bergzabern, die damals internationales Aufsehen erregte und worüber es umfangreiche Literatur, sowie Zeitungsberichte gibt. Ein 11-jähriges Mädchen namens Philippina Senger litt 1852 unter einem Poltergeist, für dessen Geräusche man keine natürliche Erklärung finden konnte. Doktor Beutner untersuchte alles eingehend und nahm das Kind schließlich in sein Haus auf, damit es Ruhe hatte und von Neugierigen verschont blieb. Er verfasste zu dem Fall einen detaillierten Bericht für Justinus Kerner, den dieser in seiner Sammlung „Magikon“ publizierte.Justinus Kerner: Magikon: Archiv für Beobachtungen aus dem Gebiete der Geisterkunde, 5. Band, 3. Heft, Stuttgart, 1852, S. 281–287; (Digitalscan)Der Volksbote für den Bürger und Landmann, München, Jahrgang 1853, S. 438 u. 439; (Digitalscan)F. A. Blanck: Das Geisterklopfen in Bergzabern, Bergzabern, 1853, diverse Stellen; (Digitalansicht)
Literatur Adolph Carl Peter Callisen: Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebenden Ärzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker, 2. Band, S. 222, Kopenhagen, 1830; (Digitalscan)
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Allgemeinmediziner Kategorie:Beamter (Bayern) Kategorie:Ritter III. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael Kategorie:Person (Grünstadt) Kategorie:Person (Bad Bergzabern) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1788 Kategorie:Gestorben 1859 Kategorie:Mann