Heidi Langauer (* 15. Juni 1939 in Wien; † 1. September 2014 in Zollikerberg ZH) war eine österreichisch-/schweizerische Künstlerin. Sie arbeitete mit den Medien Malerei, Zeichnung und Photographie.
Werdegang und künstlerische Vita Heidi Langauers Kindheit war geprägt vom Zweiten Weltkrieg sowie dessen Auswirkungen. Ihr erstes künstlerisches Vorbild war der Grossvater. Heidi Langauer belegte nach dem Abschluss der Matura Abendkurse an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Im Alter von 24 Jahren übersiedelte sie von Wien nach Zürich. Es folgte die Heirat mit Josef Schmid und die Geburt ihrer drei Kinder. In der Folge kümmerte sie sich um ihre Familie und deren Unterhalt. Die vollberufliche Tätigkeit als Künstlerin übte sie ab den 1980er Jahren aus. Ihre Auslandsaufenthalte führten u. a. nach New York, Genua, Paris und Salzburg. Am 1. September 2014 starb Heidi Langauer in Zollikon.
Heidi Langauers erste Galerie-Ausstellungen erfolgten ab 1978. Es folgte eine rege Ausstellungstätigkeit in der Schweiz und im Ausland, wozu der Aufenthalt im Swiss Institute / Contemporary Art New York (1988) sowie die mehrmaligen Ausstellungen im Kunst Raum Stuttgart (2005) zählen. Stipendien und Werkbeiträge führen sie in regelmässigen Abständen ins Ausland.
Einordnung Betrachtet man Heidi Langauers Bilder, so stellen sich Vergleiche mit den Werken von Raimund Girke, Brice Marden und Robert Ryman ein. Ihre Arbeiten können daher der Analytischen Malerei sowie dem Minimalismus zugeordnet werden.
Werkcharakteristika Heidi Langauers Kunst ist charakterisiert durch die Reduzierung auf das Wesentliche sowie das Figürliche. Dies betrifft sowohl ihre Bildinhalte als auch ihre Farbenwahl. Fläche und Linie – in den Materialien Öl und Acryl – bedingen sich in ihren Arbeiten. Im Laufe ihrer künstlerischen Entwicklung hat sie zur vollständigen Reduktion auf die Farben weiss und schwarz gefunden. Schwarz und weiss ohne überleitendes Grau oder anderer Zwischenfarben sind ein langauersches Kennzeichen. Malte sie zu Beginn noch schwarz auf weiss, drehte es später von weiss auf schwarz. Der Ausgangspunkt für ihre künstlerischen «Leinwand-Expeditionen» waren stets weiss oder schwarz grundierte Träger. Auf diesen begab sich die Künstlerin mit Linien und Flächen – in verschiedensten Ausprägungen wie bspw. Geraden, Kurven, Kringeln, Kreisen oder Ellipsen – gezielt auf «Erkundungstouren». Dabei resultieren meist ernste Abgründe als Bildinhalte. Oft sind es grossformatige Kunstwerke, gelegentlich gepaart als Diptychon oder Serie um die inhaltliche Aussagekraft zu erhöhen.
Ein weiteres langauersches Markenzeichen sind die tiefgründig und doppeldeutig gewählten Titel ihrer Werke wie bspw. «War Ariadnes Faden weiss?», «Irrlaufen», «Weissdichten», «Weiss, ich weiss», «Wartezeit» oder «Zeit, die, weiblich». Kombiniert mit der malerischen Bildsprache aus Linien und Flächen werden Heidi Langauers Arbeiten auch ausgesprochen poetische Züge zugeschrieben. Die Malerei als Textur zu verstehen, wird wiederum auf ihre österreichischen Wurzeln zurückgeführt.
Mittels Strenge der Figürlichkeit sowie radikaler Beschränkung der Farbigkeit gelingt der Künstlerin eine klare Fokussierung und eine direkte Aussagekraft ihrer Werke. Der folgende Textbeitrag zur Werkserie «War Ariadnes Faden weiss?» verdeutlicht das: «Vielmehr sucht sie im übertragenen Sinn nach erhellenden Wegen aus der Düsterkeit: Mit dem Pinsel setzt sie extreme Gegensätze wie hell und dunkel, Innen und Aussen, Tag und Nacht bildhaft auf Leinwand um. Ariadnes Faden ist die gemalte Linie in Weiss auf Schwarz oder Weiss auf Weiss, mit der die Künstlerin diese Thematik stringent verfolgt.»
Systemzusammenhänge und -störungen waren stets im Fokus von Heidi Langauer, die ihre künstlerische Arbeit konsequent über die Jahre weiterentwickelte. Nicht nur gesellschaftspolitische Betroffenheit, sondern auch persönliche Erlebnisse und die eigene, sehr intime Gefühlswelt fanden Eingang in ihre Bilderwelt. Ausflüsse davon waren u. a. Themen wie Weiblichkeit, verschlungene Wege, Entfremdung, Verletzungen, Verzweiflung oder Hoffnung. Letztlich steht jedoch über allem als thematische Klammer das Überthema (Lebens-)«Zeit» mit den Ausprägungen Ablauf, Erleben, Rück- und Ausblick.
Ihre Veranlassung zum schöpferischen Wirken verdeutlicht die Kunstkritikerin Annelise Zwez gut am Thema «Feminismus»: «Expressive Gestalten rangen im Tanz um die Berechtigung ihres Daseins. Wenn auch Heidi Langauer das Geschlechtliche selten prägnant formuliert hat, so war doch klar, dass da eine Frau um ihre Identität in einer patriarchalen Umgebung kämpfte. Dieser Selbstbewusstseins-Prozess wird rückblickend auf die 70er und 80er Jahre als die zentrale Thematik der Kunst von Frauen in dieser Zeit erkannt werden.»
Heidi Langauers künstlerisches Handlungsmotiv und Ergebnis fasst die Kunsthistorikerin Irene Stoll-Kern (* 1955 in Freiburg als Tochter des Chirurgen Ernst Kern) prägnant zusammen: «Lebenszeit ist befristet, knapp und dicht. Was zunächst expressiv oder verspielt aussieht, kann sich als bedrohliche Verstrickung zwischen Himmel und Hölle entpuppen. Hoffnungslichter und Lichterketten gehen letztlich dem Tod voraus. Heidi Langauers Werk ist ungemein konsequent, ohne Bruch und befindet sich in stetiger Weiterentwicklung. Ihre inhaltlich stets durchdachte Kunst zeichnet wie ein Seismograf die Fehlstellen des Lebens auf und lässt auch in der tiefsten Schwärze noch Licht und selbst in den reduziertesten Formen den ungeheuren Reichtum des Lebens erahnen.»
Bilderzyklen «Zeit ist allem übergeordnet» // «Schwarz ist meine Farbe» (Zitate Heidi Langauer) PeriodeZyklus-TitelThemenab 2010Mond, Baum, Schaukel u. a.Entstehung / Pole des Lebens und inmitten das menschliche Lebenab 1998Weiss auf SchwarzLebenszeit- und wege, Nähe – Ferne, Irrungen und Suche, Weiblichkeit1999endet schwarz – schwarz endet1996–2000Schwarze ArbeitenLebenszeitFacts & Defectsder Mensch als vernetztes und verletzliches Wesen1993–1995Fool Sunzerstörerische Kraft der Sonne / Bedrohung und Verstörung1990KlonsGentechnologie / Reproduzierbarkeit der Genmasse
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen
2015: Galerie Sylva Denzler, Zürich 2012: Galerie Sylva Denzler, Zürich 2011: Kunstkeller, Bern 2009: Galerie Hufschmid Staffelbach, Zürich 2008: Kunstkeller, Bern 2006: Atelierausstellung, Zeichnungen 05 / 06 Rote Fabrik, Zürich 2005: Galerie Hufschmid, Zürich; Kunst.Raum, Stuttgart 2004: Kunstkeller, Bern 2004: Kunstverein Schaffhausen, Galerie Repfergasse 26 1999: Forum Vebikus, Kammgarnfabrik, Schaffhausen 1998: Galerie Hufschmid, Zürich; Kunst.Raum, Stuttgart 1998: Paulus-Akademie, Zürich 1994: Galerie Jochum, Feldkirch 1989: Kunst.Raum, Stuttgart 1989: Paulus-Akademie, Zürich 1988: Swiss Institute / Contemporary Art, New York 1988: Radio Studio SRG, Zürich 1986: Neue Galerie, Wien 1996: Galerie im Hofstöckl (Artclub), Linz 1996: Kunst.Raum, Stuttgart 1996: Paulus-Akademie, Zürich 1985: Galerie Hufschmid, Zürich 1981: Galerie Steiner, Zürich
Gruppenausstellungen 2019: «schwarzweiss», Kunstfokus Zürich 2019: «Komm lieber Mai... Erotica», Galerie Sylva Denzler, Zürich 2018: «10 Jahre Galerie Sylva Denzler», Zürich 2016: «100 Jahre Frauen-Power», Artdock Zürich 2013: «Fünf Frauen am Werk», IG Halle im Kunst(Zeug)Haus, Rapperswil-Jona 2011: «Kunstszene Zürich 2011», Areal Freilager Albisrieden, Gruppenkoje G 21 2011: Anonyme Zeichner / Archiv, blütenweiss Berlin; Offspace Sihlquai 55, Zürich 2010: Vebikus, Kammgarn, Schaffhausen 2009: «Catch of the year», Dienstgebäude, Zürich 2007: Werk- und Atelierstipendien der Stadt Zürich 2007; Helmhaus Zürich 2006: Kunstmesse «Kunst 06», Zürich 2005: Kunstmesse «Kunst 05», Zürich 2001: Visarte in der Kulturschiene, Herrliberg 2000: Hommage an Peter Kneubühler, Kunsthaus Grenchen 1998/1999: «Schwarz», Kunsthaus Zürich 1997: Paulus-Akademie, Zürich 1997: Frauen Kunst Forum, Bern 1995: MinoritenGalerien, Graz 1995: Kunstmesse «Kunst 95», Zürich 1994/1995: Aargauer Künstler, Kunsthaus Aarau 1994: Symposiumausstellung Galerie im Traklhaus, Salzburg 1994: «Städtische Ankäufe 1992 / 93», Helmhaus Zürich 1993: Symposiumausstellung Kuenberggewölbe, Werfen 1992: «o.T.» (Zürcher Künstler) Alte Kaserne, Winterthur 1992: «Schweizer Künstlerinnen heute». Wanderausstellung (GSBK) durch Museen in Tschechien und der Slowakei
Werke in öffentlichen Sammlungen
Ankäufe / Sammlungen Stadt Zürich: 1984, 1992, 1994, 1996, 2001, 2003, 2009 Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Wien 1986 Museumsverein Werfen / A, 1993 Kunstverein Biel, 1994 Kanton Zürich, 1998, * 2009 Migros Genossenschaftsbund, Zürich Bank Julius Bär, Zürich Fides Treuhand, Zürich Bank Cantrade, Zürich Credit Suisse, Zürich Sammlung Elisabeth und Peter Bosshard, Rapperswil
Auszeichnungen
2008: Atelier-Stipendium der Stadt Zürich in Genua 2005: Fontana-Gränacher-Preis, Werkbeitrag 2003: Atelier-Aufenthalt Casa Atelier Bedigliora TI 2001: Auszeichnung / Werkbeitrag STEO-Stiftung, Zürich 2000: Werkbeitrag Aargauer Kuratorium 1996: Atelier-Stipendium des Kantons Zürich in Paris 1993: Maler-Symposium Burg Hohenwerfen (Salzburg) 1991: Werkbeitrag Esther Matossi-Stiftung (Zürich) 1990: Werkbeitrag Aargauer Kuratorium 1989: Förderbeitrag Gleyre-Stiftung (Bundesamt für Kultur, Bern) 1988: Förderbeitrag Cassinelli-Vogel-Stiftung (Kanton Zürich) 1987: Atelier-Stipendium der Stadt Zürich in New York
Literatur Irene Kern-Stoll: Heidi Langauer. in: Beruf(ung) Künstlerin. Zehn Jahre Fontana-Gränacher Stiftung, Herausgegeben von Irene Stoll-Kern und Rebecca Gericke-Budliger. Mit Beiträgen von Kathleen Bühler, Irene Stoll-Kern und Rebecca Gericke-Budliger. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2013, S. 36–41 Sabine Arlitt: Dehnbare Metaphern für menschliche Zerrissenheit. bei Galerie Sylvia Denzler: Heidi Langauer (online) Annelise Zwez: Heidi Langauer. in: Kunst Bulletin 3/2011 Dorothe Freiburghaus: Heidi Langauer. bei Kunstkeller Bern, Feb. 2004, Dez. 2007, März 2011 (online) Die handgeschriebenen Bücher. Gerold Späth mit Künstlerinnen und Künstlern 1981-2003. Vorwort: Gerold Späth, 2004 WEISS, ich weiss. Impressionen einer Ausstellung. Video-Kurzfilm von Katharina Straub. Rapperswil, 2003, 16 Minuten [DVD] [Video zur Ausstellung Heidi Langauer in der IG Halle Rapperswil, 2003] Annelise Zwez, Künstlertext, 1994 Inspired by New York: Mariann Grunder, Heidi Langauer, 1988 Heidi Langauer, Zürich 1987
Weblinks
Website von Heidi Langauer
Einzelnachweise
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