alternativtext=|mini|270x270px|Pfarrverband Kraiburg-Flossing mit den Pfarreien Ensdorf, Flossing, Grünthal, Kraiburg, Oberneukirchen und Taufkirchen und den Kuratien Frauendorf und Polling Erzbistum München und Freising
Flossing ist eine Pfarrgemeinde, ein Pfarrverband zusammen mit Kraiburg sowie eine Gemarkung im Landkreis Mühldorf a. Inn im Regierungsbezirk Oberbayern. Flossing liegt auf der südöstlichen Innseite südlich der Kreisstadt Mühldorf. Es setzt sich zusammen aus Ober- und Unterflossing. Mit einer Fläche von 16,03 km² ist Flossing die größte Gemarkung der 43,85 km² großen und aus insgesamt 4 Gemarkungen (Flossing, Polling, Grünbach, Forsting) bestehenden Gemeinde Polling. Vor der Eingemeindung war Flossing eine eigene politische Gemeinde.
Geografie Geografische Lage Flossing liegt im bayerischen Alpenvorland, nördlich des Chiemgaus in der Tourismusregion Inn-Salzach und der Planungsregion Südostoberbayern im bayerischen Chemiedreieck, etwa 4 km südlich der Kreisstadt Mühldorf am Inn.
Geomorphologie mini|alt=|Der Heistinger Prallhang, genannt auch Hörndlberg (Geotop-Nr. 183R010), in der Gemarkung Flossing bei Inn-Flusskilometer 113,4. mini|Informationstafel Landschaftsschutzgebiet Nr. 00207.01 Quellmoorhang bei Lippach des Landkreises Mühldorf a. Innalt=|mini|Auf der Wörther Stufe liegende Flossinger Pfarrkirche und darunter auf der Niederndorfer Stufe liegendes Mühlenanwesen und Landmaschinenwerkstätte mini|Ein hölzernes Wasserrad nutzt das Gefälle des Flossinger Bachs an der Niederndorfer Terrassenstufe zur Stromerzeugung
Die Landschaft der Gemarkung Flossing bildete sich im Laufe der eiszeitlichen Vergletscherungen. Das heutige Landschaftsbild wurde in erster Linie geprägt durch die Inngletscher der Riß- und der Würmeiszeit und deren Schmelzwasser, welches durch glaziale und fluviale Vorgänge die Alt- und Jungmoränenlandschaft formte. Die Grenze zwischen den tiefer gelegenen tertiären Molasse-Elementen und den eiszeitlichen Schotterebenen ist besonders gut zu erkennen am Flinz auf halber Höhe des Heistinger Inn-Prallhangs, genannt auch Hörndlberg. Dabei handelt es sich um den letzten unverbauten Prallhang des Inns und den mit bis zu 45 m höchsten Flussprallhang innerhalb Europas. Der südliche, höher gelegene Teil des Flossinger Gemarkungsgebiets liegt auf dem Neukirchner Hochterrassen-Schotterfeld, einem Teil der Alzplatte, welche in der Würmeiszeit eisfrei war und deren bis zu 40 m mächtige Schottermoräne sich bereits in der Rißeiszeit bildete. In einer markanten Kante mit über 50 m Höhenunterschied fällt das Gelände in einer Linie nördlich entlang der Ortsteile Gröben, Franking und Klugham steil auf die würmeiszeitlichen Jungmoränenterrassen des unteren Inntals, auf welchem das nördliche Gemarkungsgebiet mit den Hauptorten liegt, ab. Entlang der Hangkante treten zahlreiche Quellen zu Tage, welche zum größeren Teil den Lippacher Quellbach (im weiteren Verlauf Flossinger Bach und Hammerbach) speisen und im Bereich Lippach zur Bildung eines Quellmoorhangs (Landschaftsschutzgebiet Nr. 00207.01 Quellmoorhang bei Lippach) geführt haben. Am Fuße des Quellhangs sammelte sich das Wasser in einem seit etwa 150 Jahren zum größten Teil zu einem Moor verlandeten See, der Volksmund nennt das Gebiet deshalb bis heute „Lippacher Seeleite“. Der Inngletscher formte verschiedene Terrassenstufen. Im Gemarkungsgebiet lassen sich 9 dieser Stufen feststellen, welche mit Ausnahme der Hochterrasse (Neukirchner Schotterfeld) während der Würmeiszeit geformt wurden. Die Stufen wurden nach auf ihnen liegenden Ortschaften benannt:
Ampfinger Stufe Rauschinger Stufe Ebinger Stufe Wörther Stufe Pürtener Stufe Gwenger Stufe Niederndorfer Stufe Neukirchner Hochterrasse Alluvionen
Während die Ortschaft Annabrunn komplett auf der Niederndorfer Stufe liegt, liegt Unterflossing zum Teil auf der Pürtener und zum Teil auf der Niederndorfer Stufe; Oberflossing liegt mit dem südlichen Teil auf der Wörther Stufe und mit dem nördlichen Teil auf der Niederndorfer Stufe. Der Stufenumbruch ist hier recht deutlich zu erkennen an der auf der Wörther Stufe liegenden Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und dem darunter auf der Niederndorfer Stufe liegenden ehem. Mühlenanwesen, welches das an dieser Stelle entstehende Gefälle des Flossinger Baches energetisch nutzt. Der dort ausgestellte Mühlstein aus Nagelfluh, welcher in der Grundmauer der im Jahre 1770 erbauten Mühle verbaut war, zeugt von der frühen Nutzung der Getreidemühlentechnik an dieser Stelle.
Die „Flossinger Berge“ Bedingt durch die sich aus diesen Terrassenplatten ergebenden langgezogenen Hangkanten in der Landschaft, ergeben sich entsprechende Steigungen an den Straßen und Wegen, welche diese überwinden.
Innerhalb Oberflossings hat der Volksmund diesen Steigungen Namen gegeben:
Der „Kiama“-Berg (=Kirchmaierbauer-Berg) führt kommend von Steinhölzl beim „Kiama“ in die Ortsmitte Oberflossings. Der „Pfarrer“-Berg ist die Anhöhe zum Pfarrstadl (als der Pfarrhof noch als Bauernhof bewirtschaftet war, führte dort ein Wirtschaftsweg zum Stadl hinauf). Der „Muina“-Berg (=Müller-Berg), der die Anhöhe beim ehem. Mühlenanwesen hinauf zur Ortsmitte unterhalb der Pfarrkirche überwindet. Der Schmiedberg führt von der alten Schmiede der Landmaschinenwerkstätte zur Straße des Siedlungsgebiets, welche als Stürzlmooswiesenweg weiter Richtung Hörndlberg verläuft. Der Häuslerberg, benannt nach dem dortigen Anwesen, zweigt vom Schmiedberg ab und führt zur Straße des Siedlungsgebiets, welche weiter Richtung Gweng führt.
Nachbarorte Im Nordwesten grenzt der Inn das Flossinger Gebiet vom gegenüberliegenden Ebing (Gemarkung Pürten, Stadt Waldkraiburg) und der Gemarkung Altmühldorf (Stadt Mühldorf a. Inn) ab, im Norden grenzt direkt die Kreisstadt Mühldorf am Inn. Im Südwesten bildet der Gallenbach (Frauendorfer Bach) zum Teil die Grenze zur Gemarkung Guttenburg (Markt Kraiburg am Inn). Im Nordosten grenzt ein kurzes Stück direkt an die Gemarkung Polling; im Osten liegt die Gemarkung Grünbach (Gemeinde Polling), im Süden die Gemeinde Oberneukirchen (Verwaltungsgemeinschaft Polling).
Ortsgliederung Flossing selbst besteht aus den Ortsteilen Ober- und Unterflossing. Insgesamt hat die Gemarkung 25 Ortsteile:
Klima Das Klima im Flossinger Gebiet ist gemäßigt, jedoch warm. Es ist eine erhebliche Menge an Niederschlägen zu verzeichnen, was auch für den trockensten Monat (Februar) gilt. Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger ist Cfb. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 8,3 °C und die Niederschlagsmenge bei 938 mm, wobei sich der Klimawandel insbesondere im Unteren Inntal in den Jahren nach der Jahrtausendwende durch sinkende Niederschläge und steigende Temperaturen bemerkbar macht.
Geschichte Altertum und Frühgeschichte Flossings (bis 6. Jahrhundert n. Chr.) Bronzezeit Aus den geologischen Erscheinungsweisen (durch den Flossinger Bach aufgefülltes ehemaliges Flussbett des Inns vor und im Ortsbereich Oberflossing) kann geschlossen werden, dass Flossing mit Sicherheit eine Furt über den damals verlaufenden Inn besaß. Die Besiedlung des Ortes reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit bis in die Bronzezeit zurück. Die zahlreichen Funde aus der Bronzezeit und der Urnenfelderkultur bestätigen eine Besiedlung der Innterrassen um 1.800 v. Chr. Die Besitzverhältnisse und Nennungen der romanischen Herrscher lassen ebenso darauf schließen, dass es sich bei Flossing um einen sehr alten Siedlungspunkt handeln muss, bei dem eine Verschmelzung der Römer mit der einheimischen, also vorrömischen keltischen Bevölkerung stattfand.
Kelten (Eisenzeit) Zur Keltenzeit war Flossing Teil des keltischen Königreichs Noricum, welches sich über große Teile des heutigen Österreichs erstreckte und im heutigen Bayern von Südosten her bis an den Inn heranreichte. Der Inn war ein wichtiger Transportweg, in der Hallstattzeit und Latènezeit vor allem für das in seinem Unterlauf ab der Salzachmündung in den Alpen gewonnene Salz, später auch für Kalk und Kalkstein aus den nördlichen Kalkalpen. Die meisten Quellen schreiben das hiesige Gebiet den Alauni, einem von dreizehn Stämmen des Keltenvolks der Noriker, zu. Das Wort Alaun begegnet uns heute noch in einem Salz, das zum Färben und Gerben von Leder verwendet wird.
Römer 15 v. Chr. wurde das Königreich Noricum Römische Provinz und damit Teil des Römischen Reichs unter Kaiser Augustus. Die Provinz umfasste in etwa die heutigen österreichischen Bundesländer Kärnten, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, die Steiermark sowie Teile Tirols und Südostbayern einschließlich des Chiemgaus bis an den Inn heran. Der Inn als heutige Grenze zwischen Flossing und Ebing bildete damals die Grenze zwischen den römischen Provinzen Noricum auf Flossinger Seite und Raetia auf Ebinger Seite.
Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert. n. Chr.) alt=|mini|Der Mühlstein aus Nagelfluh, ehemals verbaut in der Grundmauer der 1770 erbauten Getreidemühle, zeugt von der frühen Nutzung der Mühlentechnik in Flossing
Bajuwaren Zum Ende und nach der römischen Herrschaft entstand der Volksstamm der Bajuwaren. Die genaue geschichtliche Herkunft ist nach wie vor umstritten. Vermutet werden kann, dass sich der Stamm aus einheimischen Kelten, verbleibenden Resten der römischen Bevölkerung, und eingewanderten stammesangehörigen der Boiern gebildet hat. Fest steht, dass die Niederterrassen der Flusstäler der Donau und seiner Nebenflüsse wie hier des Inns nach dem Abzug der Römer zuerst (wieder) besiedelt wurden und dass die Bajuwaren ihre ersten Ansiedlungen mit der Endsilbe -ing benannten. Bei Flossing handelt es sich um ein sog. „echtes“ ing-Dorf, der Name stammt aus der Frühzeit der bajuwarischen Landnahme, wobei vermutet werden kann, dass Teile der Namensgebung aus dem romanisch-keltischen mit übernommen wurden. Ähnlich wie die Endsilben -ham und -heim aus späterer Zeit weist die Endsilbe -ing auf Jemanden oder Etwas hin, was an einem bestimmten Ort daheim ist. Flossing könnte man demnach frei übersetzen mit „Dort, wo das fließende Wasser daheim ist“ oder „Dort, von wo das Wasser daherfließt“. Der Name weist vermutlich auf die sehr alte Besiedlung im Zusammenhang mit der alten Innschleife, der Auffüllung dieser durch den Flossinger Bach und in der ersten Zeit vermutlich durch die Innhochwasser, sowie der Furt hin.
Erste urkundliche Erwähnung Zum ersten Mal wurde Flossing als Flozzingon im Güterverzeichnis „Indiculus Arnonis“ des ersten Salzburger Erzbischofs Arn (Arno) im Jahre 788 n. Chr. als Dorf mit Parochialkirche, welche dem Hl. Johannes d. Täufer geweiht ist, genannt. Dass die letzten beiden Laute dieser Endungen (-on, en) im Laufe der Zeit verlorengingen, beruht darauf, dass die bairische und viele andere Mundarten diese Laute „verschluckt“, also weggelassen haben. Im schwäbischen zum Beispiel tragen diese Orte meist nach wie vor die Endung -ingen. Flossing ist damit die älteste Ansiedlung innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Polling. Die Weihe der Pfarrkirche auf den Namenspatron Johannes d. Täufer weist auf eine Taufkirche der Bajuwaren zur Zeit der Christianisierung hin.
Die Sage vom Hörndlberg