Zeppelin-Militärluftschiffe waren von der deutschen Militärführung im Ersten Weltkrieg eingesetzte Luftschiffe. Sie traten zu Kriegsbeginn überwiegend als strategische Fernaufklärer und Langstreckenbomber in Erscheinung. Abgesehen von wenigen Luftschiffen von Schütte-Lanz waren es überwiegend Zeppeline, die für diese Aufgaben eingesetzt wurden.

Militär-Zeppeline mini|Typisches Vorkriegsmodell LZ 18 des Typs I mit vier Propellern, die mittels Fernwellen angetrieben wurden Insgesamt bauten die Zeppelin-Werke bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 103 Luftschiffe für das Militär, davon während des Ersten Weltkrieges 86 (LZ 26 bis LZ 114, LZ 70 wurde nicht gebaut, LZ 114 nicht vor Kriegsende fertig) Luftschiffe für Heer und Marine. Die Zeppelin-Klassen waren nach dem Alphabet eingeteilt, LZ 1 war also der Typ A. Chefkonstrukteur der Zeppeline vom Typ B (LZ 2) bis zur LZ 130 war Ludwig Dürr.

Die meisten der Vorkriegsmodelle waren Einzelstücke oder wurden in zwei oder drei Exemplaren gebaut, wie die Militärmodelle H, I, (Es gab keinen Typ J) K und L (LZ 13 bis LZ 23). Lediglich der Typ M wurde mehrfach gefertigt. Allerdings waren diese Schiffe bei Kriegsausbruch technisch überholt, genau wie der Typ N, obwohl dieser als Prototyp der modernen Militärzeppeline angesehen werden kann. Als schwierig stellte sich auch die Beschaffung von genügend Goldschlägerhaut für die Herstellung der Gaszellen im Serienbau heraus.

Waren die Luftschiffe der folgenden Baureihen P und Q in der ersten Phase des Krieges noch recht erfolgreich, so stiegen doch rasch die Verluste durch die gegnerische Luftverteidigung. Dies zwang den Zeppelin-Luftschiffbau dazu, Modelle zu entwickeln, die größere Höhen aufsuchen konnten, um so wenigstens vor der kleinkalibrigen Flakartillerie geschützt zu sein. Der Wettlauf gegen die immer höhentauglicheren Jagdflugzeuge war aber aussichtslos. Die Heeresführung erkannte, dass ein Festhalten an den Luftschiffen keinen Sinn hatte, und stellte im Januar 1917 die Luftschifferei zugunsten der Zeppelin-Riesenflugzeuge von Alexander Baumann ein. Diese hatten bei vergleichbarer Zuladung eine um 20–30 % größere Geschwindigkeit. Der Aufwand für Bau und Instandhaltung war im Vergleich zu einem Luftschiff minimal. Für taktische Aufgaben waren Zeppeline nicht geeignet. Diese Rolle übernahmen mittlere Bomber (Großflugzeuge) von Gotha, AEG und vom Flugzeugbau Friedrichshafen, dessen Gründung Graf Zeppelin persönlich gefördert hatte.

Bei der Kaiserlichen Marine hingegen war die unvergleichlich höhere Reichweite und Ausdauer der Luftschiffe bei Aufklärungseinsätzen ein wichtiger Faktor. Die Marine setzte Zeppeline aber auch als strategische Bomber ein, was zu gewaltigen Verlusten führte. Kommandant der Marineluftschiffe Peter Strasser wurde am 5. August 1918 selbst ein Opfer dieser Ideologie.

Jeder im Krieg gebaute Zeppelin brachte nur rund 5 Tonnen Bomben ans Ziel, bevor er verloren ging. Sechzehn Schiffe kamen auf über 10 t (1×N, 10×P, 1×Q, 3×R, 1×V), davon fünf auf über 20 t (1×N, 2×P sowie die ersten beiden Schiffe der Baureihe R). → siehe Militärluftschiff

Bezeichnungssystem Die Bezeichnung der Heeresluftschiffe war zunächst Z mit einer fortlaufenden römischen Ziffer. Ab Z XII wurde dann zunächst auf die Kennzeichnung des Herstellers zurückgegriffen (bei LZ 34, 35, 37, 38 und 39) und auf diese wurden ab LZ 42 „30“ addiert, so dass dieser die Kennzeichnung LZ 72 trug. Die Bezeichnung der Marine war L mit fortlaufender (allerdings nicht lückenloser) Nummer.

Kriegsbeginn Bei Kriegsausbruch waren die älteren Schiffe LZ 20 (Z V), LZ 21 (Z VI), LZ 22 (Z VII), LZ 23 (Z VIII) sowie die Schiffe der M-Klasse LZ 24 (L3) und LZ 25 (Z IX) einsatzbereit. Alle erwähnten Schiffe gingen bei Notlandungen nach Bodenbeschuss verloren bis auf Z IX, der nach einem Fliegerangriff in seiner Halle verbrannte.

Vorkriegskonstruktionen Vorkriegskonstruktionen wie die Modelle M und N, erkennbar an der unter der Rumpfmitte befindlichen „Passagierkabine“ und an Mehrfach-Seitenrudern, wurden bei Kriegsbeginn noch eingesetzt, mussten aber bald ausgereifteren Konstruktionen weichen und wurden abgewrackt.

Typ M mini|Marine-Luftschiff L 3 mini|LZ 24 (Marineluftschiff L3 Typ M) in Fuhlsbüttel Traggasvolumen: 22.470 m³ in 18 Gaszellen Länge: 158 m Antrieb: drei Motoren, Höchstgeschwindigkeit: etwa 85 km/h Indienststellungen: Mai 1914 – März 1915 Gebaut: 12 LZ 24 (L 3), LZ 25 (Z IX), LZ 27 (L 4), LZ 28 (L 5), LZ 29 (Z X), LZ 30 (Z XI), LZ 31 (L 6), LZ 32 (L 7), LZ 33 (L 8), LZ 34 (LZ 34), LZ 35 (LZ 35), LZ 37 (LZ 37) LZ 37 war der erste Zeppelin der durch ein Flugzeug zu Absturz gebracht wurde (Brandbombe am 7. Juni 1915).

Typ N Vorläufer der moderneren Typen mit Kreuzleitwerk aber noch mit der Mittelkabine. Traggasvolumen: 25.000 m³ in 15 Gaszellen Länge: 161 m Antrieb: drei Motoren Höchstgeschwindigkeit: etwa 85 km/h Indienststellung: Dez. 1914 Gebaut: 1 LZ 26 (Z XII) Gilt als das erfolgreichste Schiff des Heeres. 11 Angriffsfahrten in Nordfrankreich und an der Ostfront, dabei Abwurf von 20.000 kg Bomben. Nach Aufgabe der Heeresluftschiffahrt am 8. August 1917 in Jüterbog abgewrackt.

Im Krieg gebaute Luftschiffe Typ O mini|LZ 36 (Marineluftschiff L9 Typ O) Erste wirklich einsetzbaren Militärmodelle (LZ 36 fuhr 74 Aufklärungsmissionen und 4 Bombenangriffe). Erkennbar waren diese ersten wirklich modernen Schiffe an zwei Gondeln und einem einfachen Kreuzleitwerk ohne zusätzliche Ruderflächen. In der vorderen Gondel befand sich der Führerraum und an ihrem Ende war ein Motor mit Druckpropeller untergebracht. In der hinteren Gondel waren zwei Motoren untergebracht, die ihre Leistung (wie bei vorhergegangenen Zeppelin-Modellen üblich) mittels Fernwellen zu den Luftschrauben seitlich des Rumpfes übertrugen. Der Rumpf war im Mittelteil immer noch zylindrisch mit gerundeter Nase und kegelförmigem Heckteil, aber die Mittelkabine fehlte. Die Abwehrbewaffnung umfasste bis zu zehn Maschinengewehre, wovon zwei in einem MG-Stand auf der Rumpfoberseite über der Führergondel angebracht waren. Die Bombenlast dieser Luftschiffe war nicht besonders groß und betrug etwa 500 bis 1000 kg. Bei Verzicht auf Treibstoff und sonstiger Ausrüstungen konnte auch mehr geladen werden.

Traggasvolumen: 24.900 m³ in 15 Gaszellen Länge: 161,4 m Antrieb: drei Maybach-Motoren Indienststellung: März 1915 Gebaut: 2 LZ 36 (L 9), LZ 39 (LZ 39)

Typ P mini|LZ 41 (Marineluftschiff L 11 Typ P) mini|LZ 54 (Marineluftschiff L19 Typ P) mini|Heeresluftschiff LZ 85 Vergrößerter Typ O mit veränderter Motoranordnung. In der hinteren Gondel befand sich nun ein vierter Motor, der eine Druckschraube am Ende der Gondel antrieb. Bombenlast etwa 800–1200 kg. Der erste Typ P wurde im Mai 1915 in Dienst gestellt, der letzte im Februar 1916. Die Länge des zylindrischen Teils betrug etwa 60 m. Der erste Geschwaderangriff auf England erfolgte bereits am 10. August 1915. Beteiligt waren die Marineluftschiffe „L 10“, „L 11“, „L 12“ und „L 13“. An LZ 60 wurde erstmals der sog. Spähkorb getestet. Mitte 1917 waren die Schiffe veraltet und nur eines überstand als Schulschiff den Krieg. Schiffe der P-Klasse hatten normal 19 Mann Besatzung.

Traggasvolumen: 31.900 m³ in 16 Gaszellen Länge: 163,5 m Durchmesser: 18,7 m Antrieb: vier Maybach-Motoren mit Höchstgeschwindigkeit: etwa 90–95 km/h Gipfelhöhe: ~3500 m Indienststellungen: Mai 1915 – Feb. 1916 Gebaut: 22 LZ 38 (LZ 38), LZ 40 (L10), LZ 41 (L11), LZ 42 (LZ 72), LZ 43 (L12), LZ 44 (LZ 74), LZ 45 (L13), LZ 46 (L14), LZ 47 (LZ 77), LZ 48 (L15), LZ 49 (LZ 79), LZ 50 (L16), LZ 51 (LZ 81), LZ 52 (L18), LZ 53 (L17), LZ 54 (L19), LZ 55 (LZ 85), LZ 56 (LZ 86), LZ 57 (LZ 87), LZ 58 (LZ 88 später L25), LZ 60 (LZ 90), LZ 63 (LZ93) Wahrscheinlich wurden LZ 51, LZ 56, LZ 57, LZ 58, LZ 60 und LZ 63 auf den Standard von Typ Q umgerüstet und dann als LZ 51a usw. bezeichnet. LZ 42 wies eine schlechte Materialqualität auf und konnte nur als Schulschiff verwendet werden. LZ 58 wurde erst kurz vor dem Ende der Heeresluftschifffahrt ausgeliefert und dann der Marine als L25 übergeben. Da die Marine bereits auf die größeren Schiffe der R-Klasse umstellte, fand kein Einsatz mehr statt. Von den Schiffen der P-Klasse wurde eins (LZ 77) durch Bodenabwehr oder Jagdflugzeuge bei Verdun abgeschossen, zwei weitere stürzten aus ungeklärten Gründen (ev. Blitzschlag) ebenfalls brennend ab. Drei verbrannten am Boden und fünf weitere mussten nach Notlandungen abgeschrieben werden. LZ 90 riss sich bei Sturm los und verschwand unbemannt über der See. Alle verbliebenen Schiffe der Klassen P mit Ausnahme von LZ 46/L 14 wurden im August 1917 gestrichen und abgewrackt. L11, L13, L14 und L16 waren die aus militärischer Sicht erfolgreichsten Luftschiffe im Ersten Weltkrieg. Zusammen führten diese vier Schiffe 162 Aufklärungsfahrten sowie 56 Angriffsfahrten durch und brachten dabei 17 % der insgesamt von Luftschiffen abgeworfenen Bomben (ca. 75 t) zum Abwurf. Zusammengerechnet warfen Schiffe der P-Klasse 166 t Bomben ab, was ca. 38 % der im Ersten Weltkrieg von Zeppelinen abgeworfenen Bombenmenge ausmacht. Weitere 12 % (53,4 t) entfallen auf den gestreckten Typ „Q“.

Typ Q Durch ein Zwischenstück am zylindrischen Teil um 15 m verlängerter Typ P mit weiter erhöhter Tragkraft. Der letzte Typ Q wurde Ende 1916 in Dienst gestellt. Traggasvolumen: 35.800 m³ in 18 Gaszellen Länge: 178,5 m Durchmesser: 18,7 m Antrieb: vier Maybach-Motoren Höchstgeschwindigkeit: etwa 95 km/h Gipfelhöhe: 4000 m Indienststellungen: Dez. 1915 – Dez. 1916 Gebaut: 12 LZ 59 (L20), LZ 61 (L21), LZ 64 (L22), LZ 65 (LZ 95), LZ 66 (L23), LZ 67 (LZ 97), LZ 68 (LZ 98), LZ 69 (L24), LZ 71 (LZ 101), LZ 73 (LZ 103), LZ 77 (LZ 107), LZ 81 (LZ 111) Vom Typ Q gingen drei durch Abschuss brennend verloren (L21 am 28. November 1916, L22 am 14. Mai 1917, L23 am 21. August 1917); zwei strandeten nach Beschussschäden (LZ 95, L20) und einer verbrannte in seiner Halle (L 24). Der Rest wurde 1917 abgewrackt.

Typ R mini|LZ 72 (Marineluftschiff L 31 Typ R) mini|LZ 89 (Marineluftschiff L50 Typ R) in Ahlhorn Erste Reihe der sogenannten Super-Zeppeline mit zwei zusätzlichen Motorgondeln mit Druckpropellern seitlich versetzt unter der Rumpfmitte. Der Rumpf war nun einer schlanken Tropfenform angenähert, die sowohl geringeren Luftwiderstand als auch erhöhtes Traggasvolumen gewährleistete. Der erste Typ R wurde im Juli 1916 in Dienst gestellt. Zeitweise (von LZ 59 bis LZ 81) wurden die Modelle Q und R parallel produziert, da das Heer keine Luftschiffhallen für die neuen Riesenschiffe hatte. Lediglich zwei der neuen Superzeppeline LZ 83 und LZ 90 gingen an das Heer und wurden bei der Einstellung der Heeresluftschiffahrt eingemottet. Nur die ersten beiden Schiffe L30 und L31 konnten noch an die „Erfolge“ der Vorgängermodelle anknüpfen und brachten zusammen rund 42 Tonnen Bomben an den Gegner. Danach sank der Durchschnittswert pro Schiff auf die eingangs erwähnten Werte.

Traggasvolumen: 55.200 m³ in 19 Gaszellen Länge: 196,5 m Größter Durchmesser 23,9 m Antrieb: sechs Maybach-Motoren zu Höchstgeschwindigkeit: etwa 100–105 km/h Bombenlast bis zu 3500 kg. Indienststellungen: Mai 1916 – Jan. 1917 Gebaut: 17 LZ 62 (L30), LZ 72 (L31), LZ 74 (L32), LZ 75 (L37), LZ 76 (L33), LZ 78 (L34), LZ 79 (L41), LZ 80 (L35), LZ 82 (L36), LZ 83 (LZ113), LZ 84 (L38), LZ 85 (L45), LZ 86 (L39), LZ 87 (L47), LZ 88 (L40), LZ 89 (L50), LZ 90 (LZ120) Von den 17 Schiffen erlebten nur sechs das Kriegsende (L30, L35, L37, L41, LZ 113, LZ 120). Drei wurden durch Jagdflieger brennend abgeschossen (L 31 am 1. Oktober 1916, L 32 am 24. September 1916, L34 am 28. November 1916), L 39 durch Flak, einer verbrannte in seiner Halle (L 47) und der Rest ging bei Notlandungen nach Beschuss zu Bruch. L33 strandete in England, wurde vermessen und diente als Vorbild für die R33 und R34, die als erstes Luftschiff den Atlantik überquerte.

Typ S