Clash (; Plural: Clashes; ) ist ein spezieller Fachbegriff in der Kryptanalyse. Er wurde von britischen Codeknackern im englischen Bletchley Park (B.P.)Gordon Welchman: The Hut Six Story – Breaking the Enigma Codes. Allen Lane, London 1982; Cleobury Mortimer M&M, Baldwin Shropshire 2000, ISBN 0-947712-34-8, S. 11. in Zusammenhang mit der Rotor-Schlüsselmaschine Enigma verwendet und bezeichnet das wiederholte Auftreten derselben Enigma-Walze an derselben Position im Walzensatz an zwei aufeinanderfolgenden Tagen innerhalb eines Monats.

Clash darf nicht mit Crash (einer Buchstabenkollision in Klar- und Geheimtext) verwechselt werden.

Hintergrund mini|Diese Schlüsseltafel enthält, im Gegensatz zu den üblicherweise verwendeten, eine zusätzliche Spalte „Steckerverbindungen an der Umkehrwalze“, wie sie ab 1944 bei einigen Einheiten der Luftwaffe verwendet wurde (siehe auch: Umkehrwalze D). Die unter der Überschrift „Walzenlage“ aufgelisteten Teilschlüssel weisen, anders als es bei einer zufälligen Anordnung zu erwarten wäre, keinerlei Clashes auf – ein klares Indiz für den Menschlichen Faktor. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die Wehrmacht die Enigma, um ihre geheimzuhaltenden Funksprüche zu verschlüsseln. Kritisches Element dabei ist der Schlüssel, der den befugten Empfänger der Nachricht in die Lage versetzt, den vom Sender erzeugten und an ihn gesandten Geheimtext zu entschlüsseln und so den ursprünglichen Klartext zu erhalten. Dazu gab es (damals streng geheime) SchlüsseltafelnOKW: Schlüsselanleitung zur Schlüsselmaschine Enigma. H.Dv.g. 14, Reichsdruckerei, Berlin 1940. (Abschrift des Original-Handbuchs mit einigen kleinen Tippfehlern.) Abgerufen: 24. August 2018. , wie hier im Bild sichtbar, die den täglich wechselnden Schlüssel für einen kompletten Monat tabellarisch auflisteten, und vorab an Sender und Empfänger verteilt wurden. Für die bei Heer und Luftwaffe verwendete Enigma I standen fünf unterschiedliche Walzen zur Verfügung, die mit römischen Zahlen (I, II, III, IV und V) durchnummeriert waren. Der Benutzer wählte nach Vorgabe der Schlüsseltabelle drei der fünf Walzen aus und setzte diese nach der im Tagesschlüssel unter der Überschrift „Walzenlage“ vorgeschriebenen Anordnung ein.Louis Kruh: How to Use the German Enigma Cipher Machine -A Photographic Essay. Cryptologia, Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 29.2005,3, S. 193–232. Für die Aufstellung des Schlüssels gab es für die Walzenlage 5·4·3 = 60 Möglichkeiten, wie an der folgenden Tabelle zu sehen (der Übersichtlichkeit halber hier mit arabischen Ziffern bezeichnet).

123 124 125 132 134 135 142 143 145 152 153 154 213 214 215 231 234 235 241 243 245 251 253 254 312 314 315 321 324 325 341 342 345 351 352 354 412 413 415 421 423 425 431 432 435 451 452 453 512 513 514 521 523 524 531 532 534 541 542 543

Von den deutschen Stellen, wie der Gruppe III „Schlüsselversorgung“ der Chiffrierabteilung des OKW, wurden für die Aufstellung der Schlüsseltabellen spezielle Regeln erfunden, um vermeintlich die Gefahr des Erratens von Schlüsseln zu reduzieren.John Jackson: Solving Enigma’s Secrets – The Official History of Bletchley Park’s Hut 6. BookTower Publishing 2014, ISBN 978-0-9557164-3-0, S. 96–100. Dazu gehörte, dass sich eine Walze an zwei aufeinanderfolgenden Monatstagen nicht an derselben Stelle im Walzensatz befinden durfte, im Jargon der britischen Codebreakers war das eine Vermeidung von Clashes.

Wenn an einem bestimmten Tag als Walzenanordnung beispielsweise „I IV III“ vorgeschrieben war, mit der Bedeutung, dass die Walze I links, die Walze IV in der Mitte und die Walze III rechts in die Enigma einzusetzen ist, dann wurde von der deutschen Stelle, die die geheimen Schlüsseltafeln erzeugte, bewusst vermieden, dass am Folgetag die Walze I wieder links, die Walze IV erneut in der Mitte oder die Walze III noch einmal rechts vorkam. Durch diese Selbstbeschränkung standen somit am folgenden Tag einige Walzenlagen nicht mehr zur Verfügung beziehungsweise wurden bewusst vermieden. Die entsprechenden Fälle sind zur Illustration in der folgenden Tabelle durchgestrichen.

123 124 125 132 134 135 142 143 145 152 153 154 213 214 215 231 234 235 241 243 245 251 253 254 312 314 315 321 324 325 341 342 345 351 352 354 412 413 415 421 423 425 431 432 435 451 452 453 512 513 514 521 523 524 531 532 534 541 542 543

Dies hat zur Folge, dass statt der ursprünglich 60 Walzenlagen nur noch 32 zur Verfügung stehen, also kaum mehr als die Hälfte. Durch die vermeintlich schlaue Idee, Clashes zu vermeiden, wird tatsächlich die kombinatorische Komplexität der Enigma unnötig geschwächt.Derek Taunt: Hut Six in Francis Harry Hinsley, Alan Stripp: Codebreakers – The inside story of Bletchley Park. Oxford University Press, Reading, Berkshire 1993, ISBN 0-19-280132-5, S. 100.Hugh Sebag-Montefiore: Enigma – The battle for the code. Cassell Military Paperbacks, London 2004, ISBN 0-304-36662-5, S. 314.

Non-Clashing Rule Den Codebreakers blieb diese Eigenart der deutschen Schlüssel nicht verborgen und sie nannten sie die non-clashing rule ().

Dies führte zu einer Arbeitserleichterung für die Codeknacker, die aufgrund der genannten Regel eine Vielzahl von Schlüsselkombinationen ausschließen konnten.

Literatur Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6. Tony Sale: The Bletchley Park 1944 Cryptographic Dictionary. Publikation, Bletchley Park, 2001. PDF; 0,4 MB, abgerufen am 27. August 2018.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bletchley Park Kategorie:Klassische Kryptologie Kategorie:Kryptanalytischer Fachbegriff Kategorie:Fachausdruck mit Bezug zur Enigma-Maschine