mini|Karl Schwabe während seines ersten Afrikafluges (1932) Karl Paul Christian Wilhelm SchwabeBayerisches Hauptstaatsarchiv; München; Abteilung IV Kriegsarchiv. Kriegstammrollen, 1914–1918; Band: 18621. Kriegsrangliste u. Kriegsstammrolle: Bd. 2 (* 14. Januar 1897 in Schweinfurt; † 30. August 1937 in der Ostsee nordwestlich Stralsund) war ein deutscher Sportpilot.
Die vier herausragenden Ereignisse seiner kurzen Pilotenkarriere waren: 1933: Hindenburg-Pokal, für Afrika-Flug, 30.000 km, mit einer Klemm KL 32 1934: Kairo-Oasenrundflug, 2. Preis, mit einer Klemm KL 32 mit einem 150-PS-Siemens-Motor 1935: Fernflug München–Kapstadt 15.000 km, mit einer Klemm KL 32 1937: Start zum Oasenrundflug, mit einer KL 32 mit Sh 14 (ausgeschieden nach Überschlag wegen Reifenschadens).
Leben Von Beruf war Karl Schwabe Kürschnermeister mit einem Pelzgeschäft und angeschlossener Werkstatt in Garmisch-Partenkirchen.
In den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich Schwabe als „Herrenfahrer“ dem Autorennsport gewidmet. Er hatte einige Erfolge und bekam vom Bayerischen Automobil-Klub das goldene Sportabzeichen. Als die Geschwindigkeitsvorgaben für die Rennen immer mehr angehoben wurden, konnte er sich die dafür benötigten Wagen nicht mehr leisten und beschränkte sich auf Funktionärstätigkeiten bei Rennen. Als, wie er meinte, „einziger Sport, der noch zeitgemäß sei“, kam er dann zu dem, damals noch erschwinglicheren, in den Anfängen befindlichen Sportfliegen, bei dem er zusätzlich von einem Flugzeugunternehmen unterstützt wurde.Karl Schwabe: 3 × Afrika. S. 11–12. Dies kam nicht von ungefähr, bereits sein Vater, ebenfalls Kürschner, hatte sich um 1919 in der Rhön im Flugsport betätigt.
Karl Schwabe begann seine Flugausbildung im Juli 1932 an der Zivilfliegerschule in Würzburg. Sein Fluglehrer war der Pour-le-Mérite-Flieger und Leiter der Flugschule, Robert Ritter von Greim, der 1929 auch Elly Beinhorn das Fliegen lehrte. Da Schwabe ein schlechter Flugschüler war, erhielt er erst nach der doppelten Ausbildungszeit Ende 1932 das Flugzeugführerzeugnis „A II“, das ihn zum Führen von einmotorigen ein- bis dreisitzigen Flugzeugen mit einer Startmasse von bis zu 1000 kg berechtigte.Bruno Lange: Typenhandbuch der deutschen Luftfahrttechnik: Ein Nachschlagwerk über d. dt. Motorflugzeuge, Luftschiffe, Flugmotoren, Turbo- u. Raketentriebwerke, Flugkörper, Luftschrauben, Bordinstrumente, Bordfunkanlagen u. Bordwaffen von d. Anfängen bis heute. Die deutsche Luftfahrt 9. Koblenz, Bernard und Graefe, 1986, Seite 204.Laut Karl Ries: Recherchen zur deutschen Luftfahrzeugrolle Teil 1 = 1919–1934. Mainz: Verlag Dieter Hoffmann, 1977, war die Kl L 26 a II, Werknummer 376, mit Motor 1 × Sh 13 a und dem Luftfahrzeugkennzeichen D-2228 seit dem Februar 1932 zugelassen auf K. Schwabe, Garmisch-Partenkirchen. Schon im Februar 1933 vollbrachte er seine erste große Flugleistung mit einem Flug von München nach Daressalam im ehemaligen Deutsch-Ostafrika mit einer Klemm L 26 a II mit einem Siemens-Halske-Sh-13a-Motor mit 61 kW (82 PS). In den ehemaligen deutschen Kolonien wurde er begeistert empfangen.
Im Dezember 1933 flog er zusammen mit seinem Begleiter Michl Schmitt mit einer Klemm L 32 a XIVKarl Ries und Bruno Lange, S. 205; Zeitschrift Flugsport, Heft Nr. 9 vom 2. Mai 1934, Seite 195. nach Kairo und errang dort 1934, als einziger Deutscher unter 36 Teilnehmern, den zweiten Preis beim Oasenflugwettbewerb. Bereits beim Flug nach Kairo gerieten sie wegen schlechten Wetters in große Gefahr. Eigentlich waren 61 Teilnehmer gemeldet, der Rest war wegen der Witterungsbedingungen nicht erschienen. Den ersten Platz belegte erwartungsgemäß McPherson mit der einzigen zweimotorigen Maschine des Rennens, der englischen De Havilland „Dragon“. Die anfangs verbreitete Nachricht, Schwabe hätte den zweiten Platz errungen, obwohl er einem Flugkameraden zu Hilfe geeilt wäre, beruhte auf einer Falschmeldung der Rennleitung.Karl Schwabe: 3 × Afrika. S. 113–114. In Musina, Provinz Limpopo, Südafrika, wurde er durch orkanartige Stürme zu einer, allerdings problemlosen, Notlandung gezwungen.dnb: Schwabe notgelandet. In: Drittes Blatt des Oberschlesischen Wanderers, 24. Januar 1934, S. 23.
Nach dem Wettflug in Kairo besuchte Schwabe, jetzt ohne seinen Flugbegleiter Michl Schmitt, zusammen mit dem Jagdflieger und Präsidenten des Deutschen Luftsport-Verbandes Bruno Loerzer, in Alexandrien die Eltern von Rudolf Heß, Hitlers Stellvertreter. Von dort flog er mit diversen Zwischenstationen bis nach Kapstadt, wo er im April 1933 eintraf. Er kehrte von hier nach Deutschland mit der Eisenbahn zurück, da der Wüstensand seinen Motor dermaßen verschlissen hatte, dass das dadurch während des Fluges austretende Öl innerhalb kurzer Zeit die Windschutzscheibe undurchsichtig machte.Karl Schwabe: 3 × Afrika. S. 138. Am 10. Mai 1933 wurde Schwabe während der Rückkehr von seinem Afrikaflug vom italienischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini zu einer Audienz empfangen.WTB.: Deutscher Flieger bei Mussolini. In: Lübecker Volksblatt, Nr. 95, 1. Beilage, 11. Mai 1933.
Für die großen flugsportlichen Leistungen von insgesamt 26.000 Kilometern erhielt Schwabe 1933 den mit 10.000 Mark dotierten „Hindenburg-Pokal“.Karl Schwabe: 3 × Afrika. S. 144. Von Bruno Loerzer bekam er folgenden Glückwunsch: .luftfahrt-bibliothek.de, Primärquelle Flugsport, S. 381. Zuletzt abgerufen am 20. August 2018.
Im Januar 1935 startete Schwabe seinen dritten Afrikaflug, diesmal als Vertreter des Deutschen Luftsportbundes und als Werbung für den deutschen Flugsport. Der Flug ging, unter vielen Widrigkeiten, erneut bis nach Kapstadt. Auf dem Nachhauseflug wurde er in Tripolis vom Präsidenten des tripolitanischen Aeroclubs angesprochen, ob er an dem in wenigen Tagen stattfindenden Sahara-Flugwettbewerb „L’avio raduno sahariano“ teilnehmen wolle. Spontan sagte er seine Teilnahme zu seinem bis dahin anstrengendsten Flugabenteuer zu. Mit vorgeschriebenen zwei, schnell gefundenen, Flugbegleitern, dem deutschen Konsul in Ägypten und einem ehemaligen italienischen Flugzeugmechaniker, bereitete er sich auf den überraschenden Wettkampf vor. Die Flugstrecke wurde während des Wettbewerbs spontan verkürzt, da in einem Teilgebiet der Gibli wütet, ein Sandsturm in einem Ausmaß, der ein Fliegen eigentlich unmöglich machte. Durch ein Versehen wurde Schwabe davon nicht benachrichtigt. Völlig unerwartet geriet er mit seinen Passagieren in eine lebensbedrohliche Situation. Bei unmenschlicher Hitze kämpfte er sich durch den Wüstensturm. Da man an den Zwischenstationen nun nicht auf ihr Kommen vorbereitet war, erhielten sie dort keine Getränke oder sonstige Hilfen und waren, bei einer Austrocknung durch die begleitende mörderische Hitze, kurz vor dem Verdursten. Eine gute Platzierung erreicht er nicht, die an dem Wettbewerb teilnehmenden Flugzeuge waren seiner Klemm großteils in der Leistung bereits weit überlegen, eine gleiche, schnelle technische Weiterentwicklung wie im Rennsport hatte begonnen.Karl Schwabe: 3 × Afrika. S. 197–214.
1937 nahm Schwabe, mit vier anderen deutschen Fliegern, darunter die populäre Elly Beinhorn, noch einmal am Oasenflug teil.Zeitschrift Flugsport Nr. 3/1937, Seite 88.Zeitschrift Flugsport Nr. 5/1937. Der Oasenflug 1937 war der letzte von insgesamt drei vom Ägyptischen Aeroclub international ausgeschriebenen Flugwettbewerbe. Er fand vom 22. bis 26. Februar 1937 statt. Immer wieder kam es dabei zu Startschwierigkeiten wegen schlechter und weicher Pisten und nicht voll abrufbarer Motorleistung. Karl Schwabe beschädigte beim Start in Dhakla sein Fahrgestell und wusste, dass er bei der nächsten Landung einen Überschlag erleiden könnte. Er entschloss sich mit seiner Klemm beim nächsten Landepunkt weiter außerhalb des Flugfeldes zu landen, um die anderen Teilnehmer nicht zu gefährden. Er überschlug sich tatsächlich, blieb aber unverletzt und schied aus dem Wettbewerb aus.In: Der Deutsche Sportflieger. Zeitschrift für die gesamte Luftfahrt. April 1937, Postverlag, Leipzig.
Karl Schwabe setzte sich gegen Ende der 1930er Jahre maßgeblich, allerdings erfolglos, für die Errichtung eines Flughafens in Garmisch oder in Partenkirchen ein. Lediglich in den 1950er Jahren gab es kurzzeitig einen Flugplatz.Flugüberwachung Bayern Süd, Schreiben: Vorläufiges Gutachten über das als Verkehrslandeplatz in Aussicht genommene Gelände dicht süsüdwestlich Farchant. Garmisch, 12. November 1929 --- Bezirksamt Garmisch, gez. v. Merz, Schreiben: Ausbau eines Flugplatzes. 20. Januar 1933 (beides Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen MAGAPA Nr. 130).
Sein Ziel, „noch einmal rund um den Erdball schwirren“, konnte er nicht erreichen. Am 30. August 1937 stürzte Karl Schwabe, während einer Übung als Offizier des Beurlaubtenstandes der Luftwaffe, nordwestlich von Stralsund in die Ostsee. Die Ursache des Absturzes blieb ungeklärt.Volaticum: Luftfahrt und Luftverkehr und Luftfahrtgeschichte 1937 Primärquelle: Zeitschrift Flugsport, Nr. 19, S. 526. Zuletzt abgerufen am 19. August 2018.
Der von den Nationalsozialisten ermordete Philipp Manes, wie Schwabe ein Mitglied der Pelzbranche, schrieb 1941: „Dieser junge, vielversprechende Kürschnermeister, der in Garmisch-Partenkirchen sich ein reizendes, modernstes Geschäft eingerichtet hatte, wollte in der stillen Zeit hinaus in die weite Welt und wählte dazu das Flugzeug. Ehre und Anerkennung erntete er in reichstem Maße. Leider ist er allzu früh gestorben, von einem Fluge über die Ostsee, den er als Soldat zu leisten hatte, ist er nicht heimgekehrt“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 3. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 134. (→ Inhaltsverzeichnis).
Der Sohn Max Schwabe
Der Sohn Max (Maximilian Friedrich Wilhelm) Schwabe (* 4. April 1929 in Partenkirchen; † 6. März 1970 nahe La Punt Chamues-ch) hatte von seinem Vater Karl die Leidenschaft für das Fliegen übernommen und trotz dessen tödlichen Absturz beibehalten. Max Schwabe begründete und leitete von 1957 bis zu seinem Tod am 6. März 1970 die Münchner Bavaria Fluggesellschaft Schwabe & Co. In Rom, wo er seit April 1950 bis mindestens 1958 seinen Wohnsitz hatte, war Schwabe Chef einer Konfektionsfirma für Damenoberbekleidung.Adresskarte Schwabe, Wilhelm Friedrich Max, Schüler (Kopie des Marktarchivs Garmisch-Partenkirchen).Arrival-Departure Record „Max F. Schwabe“ (Einreisedokument für die USA). 27. Oktober 1958. Imm. & Natz. Service, New York, N. Y. 92; Permanent Address „Rome Via Lucilio 66 Italy“; Vessel Name or Airline and Flt. No. of Arrival „AZ 507“; Passenger Boarded At Paris/Orly.
Bei einem von ihm gesteuerten Flug ins Engadin stürzte er mit seiner Frau Angela Dege (* 1941 aus Wiedenbrück), seinen vier Töchtern Martina (* 1965), Petra (* 1965), Nicole (* 1967) und Cecilia (* 1969) und weiteren Personen wegen eines Turbinenschadens bei La Punt Chamues-ch ab. Copilot war der 31-jährige Klaus-Dieter von Held. Keiner der elf Insassen überlebte.
Die Kürschnerfamilie Schwabe Der Kürschnermeister und Amateurpilot Karl Schwabe stammt aus einer Kürschnerfamilie. Sein Vater war der Kürschnermeister Paul Friedrich Schwabe (* 21. Juni 1860 in Eich (Treuen); † 14. Februar 1939 in München). Karls Mutter Maria, geborene Sauer starb vermutlich vor 1920, denn Paul Friedrich Schwabe heiratete 1920 Elisabeth (* 1871; ↑ 1961).