Die 2K15 Schmel (; NATO-Codename AT-1 Snapper) ist eine sowjetische Panzerabwehrlenkwaffe der ersten Generation. Sie war die erste Panzerabwehrlenkwaffe der UdSSR.

Entwicklung Das Waffensystem wurde vom Konstruktionsbüro Maschinenbau in Kolomna entwickelt. Dabei orientierten sich die Entwickler um Boris Iwanowitsch Schawyrin an der französischen Panzerabwehrlenkwaffe SS.10. 2K15 Schmel wurde 1960 in der Sowjetarmee eingeführt und 1963 zum ersten Mal öffentlich vorgeführt. Sie war die erste Panzerabwehrlenkwaffe der Sowjetunion.Tankograd: Soviet ATGMsSteven J. Zaloga Andrew W. Hull, David R. Markov: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present. 1999, S. II.6–II.7.

In der Sowjetarmee wurde die 2K15 Schmel bereits ab den 1960er-Jahren durch die 2K8 Falanga und 9K11 Maljutka ersetzt, verblieb aber noch bis 1979 im Bestand.

Varianten 2K15 Schmel: Installiert auf BRDM-1. GRAU-Index 2P27. Mit 3 startbereiten 3M6-Lenkwaffen und 3 Reserve-Lenkwaffen im Fahrzeug Innern. 2K16 Schmel: Installiert auf einem GAZ-69. GRAU-Index 2P26. Mit 4 startbereiten 3M6-Lenkwaffen.

Technik Das Schmel-Waffensystem besteht aus der einer Steuerkonsole und der Lenkwaffe. Die 9S41-Steuerkonsole beinhaltet einen Kommandogeber, einen kleinen Steuerhebel (Joystick) sowie eine binokulare Tageslicht-Zieloptik (mit 8facher Vergrößerung) mit einem Periskop.Rwd-mb3.de: PALR-Komplex 2K15/16 SCHMEL

Die 3M6-Schmel-Lenkwaffe wird von einem Feststoffraketentriebwerk angetrieben und über einen 1,6 mm dicken Lenkdraht ins Ziel geführt. Für die Elektrizitätsversorgung ist eine Thermalbatterie verbaut. An der Lenkwaffe sind vier große Stabilisierungsflächen mit einer Pfeilung von 45° und einer Spannweite von 0,75 m montiert. Der 3N13-Gefechtskopf wiegt 5,4 kg und enthält eine Hohlladung, die 350–380 mm Panzerstahl durchschlagen kann.Chris McNab: Sagger Anti-Tank Missile vs M60 Main Battle Tank: Yom Kippur War 1973, Osprey Publishing, 2018, ISBN 9781472825797, S. 11

Die Lenkung der Lenkwaffe erfolgt nach dem Prinzip des manuellen Zieldeckungsverfahrens (MCLOS) mit Hilfe der Zieloptik und der Steuerkonsole. Der Schütze erfasst das Ziel visuell mit der Zieloptik und verfolgt dieses. Die beim Start gezündete Leucht-Fackel dient dem Schützen zur besseren Erkennbarkeit der Raketenflugbahn. Um den Flug zu stabilisieren, wird die Lenkwaffe durch die Stabilisierungsflächen und den Antrieb in der Längsachse in Rotation versetzt. Dabei sorgt das Gyroskop für Stabilisierung der Flugbahn. Der Schütze muss die Lenkwaffe in eine Zielachse mit dem Panzer bringen und führt die Lenkwaffe mit dem Steuerhebel an das Ziel heran. Die Bewegungen des Steuerhebels werden als Steuerbefehle über den Lenkdraht an die Lenkwaffe gesendet. Dabei korrigiert die Lenkwaffe mit Störklappen die Flugbahn. Die minimale Einsatzdistanz liegt zwischen 400 und 600 m. Die maximale Einsatzdistanz beträgt 2,3 km, wobei bei Schussdistanzen über 2 km die Treffererwartung nahezu gegen Null sinkt. Die Fluggeschwindigkeit liegt bei 110–115 m/s. Die Lenkwaffenflugzeit auf eine Distanz von 2 km beträgt rund 18 Sekunden. Beim Aufschlag im Ziel wird der Hohlladungs-Gefechtskopf gezündet.NATO Explosive Ordnance Centre of Excellence: Former Warsaw Pact Ammunition Handbook Volume 2: Land Forces Ammunition. NATO EOD Centre of Excellence (NATO EOD COE), 2015, S. 88–89.Nikolay Spasskiy: Russia's Arms & Technologies The XXI Century Encyclopedia Vol. 12 - Ordnance and Munitions. 2006, S. 131.

Das MCLOS (Manual Command to Line of Sight) genannte Steuerverfahren erforderte vom Schützen ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Konzentration. Gemäß Hersteller soll mit der 3M6 Schmel eine Treffererwartung von 50–80 % erreicht werden. In der Praxis liegt diese aber bei rund 25 %.Bill Gunston: The Illustrated Encyclopedia of Rockets and Missiles, Salamander Books Ltd, 1979, S. 246

Einsatzplattformen mini| Raketen-Jagdpanzer 2P27 mit 2K15 Schmel Das Gewicht der Lenkwaffe ist mit 24 kg zu groß, um von Soldaten getragen zu werden. Die Lenkwaffen werden daher auf Fahrzeugen montiert ins Gefecht gebracht. Es existieren zwei Waffenplattformen; 2P26 auf dem Geländewagen GAZ-69 und 2P27 auf dem Panzerspähwagen BRDM-1. Beim 2P26 ist die Abschussvorrichtung für vier Lenkflugkörper auf der hinteren Ladefläche montiert. Während der Fahrt sind die Lenkflugkörper vertikal aufgestellt; die gesamte Abschussvorrichtung ist mit einer Plane bedeckt, was dem Fahrzeug das Aussehen eines Kinderwagens verleiht. Um die Feuerbereitschaft zu erstellen, wird die Plane heruntergerollt und die Abschussvorrichtung in die Horizontale herunter geschwenkt. Der Schütze kann die Waffe aus dem Führerhaus oder mit einer kabelgebundenen Fernbedienung in der Nähe des Fahrzeugs starten. Da der GAZ-69 ein relativ kleines Fahrzeug ist, werden keine Reserveflugkörper mitgeführt. 2P26 ist sehr kostengünstig, bietet allerdings keinerlei Panzerung, deshalb wurde die Variante des Raketen-Jagdpanzers 2P27 entwickelt. Dort ist ein Dreifachstarter in Fahrposition durch eine nach beiden Seiten öffnende, zweiteilige Dachluke abgedeckt und wird zum Abfeuern ausgefahren. Im Fahrzeug Innern befinden sich drei weitere 3M6-Lenkwaffen in Reserve. Das Nachladen des Starters kann nur von außen erfolgen, was 3–5 Minuten dauert und den Gefechtswert des Fahrzeuges einschränkt. Beim 2P26 ist auch eine Fernbedienung möglich, jedoch wird in der Regel davon kein Gebrauch gemacht.

Kriegseinsätze Der erste Kampfeinsatz erfolgte 1967 im Sechstagekrieg auf Seite der ägyptischen Armee auf 2P26-Waffenplattformen. Nur wenige kamen tatsächlich zum Einsatz; es wurde nur ein Abschuss eines israelischen Panzers bekannt. In diesem Konflikt betrug die Trefferwahrscheinlichkeit unter 25 %, was der manuellen MCLOS-Steuerung geschuldet war.Waronline.org: ПТУР первого поколения в АОИ (Archivlink)

Während der Türkischen Invasion Zyperns 1974 setzte die Zyprische Nationalgarde die Schmel mit nur mäßigem Erfolg gegen die türkischen Invasoren ein.Usmcu.edu: The Amphibious Campaign for Cyprus, 1974 (PDF)

Nutzerstaaten

Aktuelle Nutzerstaaten

Ehemalige Nutzerstaaten

Daten ausTrade Register auf sipri.org, abgerufen am 29. Juni 2026Ian Hogg: Jane's Infantry Weapons 1987–1988. 1978, S. 746–747.Kim Jung-Ik: The Future of the US-Republic of Korea Military Relationship, Verlag Springer, 2016, ISBN 9781349139101, S. 95 (Google-Books)

Literatur Ian Hogg: Jane's Infantry Weapons 1987–1988. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1987, ISBN 0-7106-0843-8. Nikolay Spasskiy: Russia's Arms & Technologies The XXI Century Encyclopedia Vol. 12 - Ordnance and Munitions.A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2006, ISBN 978-5-93799-023-5. NATO Explosive Ordnance Centre of Excellence: Former Warsaw Pact Ammunition Handbook Volume 2: Land Forces Ammunition. NATO EOD Centre of Excellence (NATO EOD COE), Trenčín, Slowakei, 2015, ISBN 978-80-89261-58-1 Steven J. Zaloga Andrew W. Hull, David R. Markov: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present. Darlington Productions, Vereinigte Staaten, 1999, ISBN 978-1-892848-01-7.

Weblinks

AT-1 SNAPPER bei fas.org (englisch) Шмель — советский противотанковый ракетный комплекс первого поколения bei vk.com (russisch) «Шмель» bei wikireading.ru (russisch) 2P26 / 2K15 Shmel bei weaponsystems.net (englisch) 2P27 / BRDM-1 with 3M6 Shmel bei weaponsystems.net (englisch) Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945-1995. (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Panzerabwehrrakete Kategorie:Militärische Ausrüstung (Sowjetunion)