Dassow ist eine Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Schönberger Land mit Sitz in der Stadt Schönberg verwaltet. Der Ort ist ein Grundzentrum., Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.
Geografie Geografische Lage Das durch Eingemeindungen gewachsene Stadtgebiet Dassows erstreckt sich von der Ostseeküste (zwischen Klützer Winkel und Priwall) über die Ufer der Pötenitzer Wiek und des Dassower Sees bis zur Mündung der Maurine in die Stepenitz. Die Kernstadt Dassow selbst befindet sich am Eintritt der Stepenitz in den Dassower See, der als Seitenbucht der Travemündung in die Ostsee bereits auf Meeresspiegelhöhe liegt. Im Nordosten der Gemarkung steigt das hügelige Gelände bis 58 m ü. NHN an. Die Ufer des Dassower Sees und der Stepenitz sowie Teile des Küstenabschnittes sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Dassow ist Teil der Metropolregion Hamburg.
Stadtgliederung Zur Stadt Dassow gehörenHauptsatzung der Stadt Dassow Ortszentrum Dassow mit Vorwerk und Siedlung
sowie die 19 Ortsteile
Nachbargemeinden Dassow wird umgeben von den Nachbargemeinden Kalkhorst im Nordosten, Roggenstorf im Osten, Stepenitztal im Südosten, Schönberg im Süden, Selmsdorf im Südwesten sowie Lübeck im Westen.
Geschichte mini|Nikolaikirche in Dassow mit Rechteckchor aus Backstein, dahinter das Kirchenschiff in Granitquadern
Name Ab 1158 wurde die Landschaft Darrsowe oder Darxowe genannt, 1188 sprach man von Dartzchowe. 1219 wurde der Ort Dassow erstmals als Dartzowe (altpolabische Bezeichnung für Ort der Dornen oder Gesträuche) urkundlich erwähnt. Die Schreibweise veränderte sich 1415 zu Darsowe und im 15. Jahrhundert zu Dassow.
Mittelalter Aus der slawischen Burg entstand Mitte des 12. Jahrhunderts eine deutsche Burg mit einer Siedlung, günstig gelegen an der Straße von Lübeck nach Wismar. Die Lübecker gerieten hier in Verteidigung des Barbarossa-Privilegs von 1188 immer wieder in Konflikt mit dem örtlichen Adel und den mecklenburgischen Fürsten. Der Bischof von Ratzeburg verzichtete 1219 den Lübeckern gegenüber auf seinen Anteil am Brückenzoll der Dassower Brücke über die Stepenitz. Der Fürst seinerseits verzichtete im Folgejahr. 1307 beschlossen die Lübecker mit den Lauenburgern und den Holsteinern im Frieden zu Herrenfähre die Zerstörung der Dassower Burg. Dennoch kehrte kein dauerhafter Friede ein. So kam es 1505 zur Lübecker Fehde zwischen der Hansestadt Lübeck und Mecklenburg sowie den Rittern von Parkenthin in Dassow.
Die frühgotische Nikolaikirche entstand als Granitquaderbau in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie wird bereits 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, das die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften, geordnet nach Kirchspielen, auflistet. Der Kirchturm aus Backstein stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Der nahe gelegene Burgwall Feldhusen stammt aus dem 10.–12. Jahrhundert.
Neuere Zeit Dassow gehörte zu Mecklenburg, mit der Dritten Mecklenburgischen Hauptlandesteilung 1701 zu Mecklenburg-Schwerin.
Der markanteste Punkt ist der im 18. Jahrhundert errichtete Speicher an der Mündung der Stepenitz. Hier wurden die Waren aus der Umgebung gestapelt, die Schiffe ins nahe Lübeck brachten.
Seit dem Mittelalter war Dassow mit der Gutsherrschaft von Lütgenhof als ritterschaftlicher Flecken verbunden; der jeweilige Eigentümer von Lütgenhof war zugleich Gerichtsherr und Ortsvorsteher von Dassow. Im 19. Jahrhundert war die Verfassung des Fleckens und die Regulierung der Verhältnisse der Einwohner des Fleckens Dassow zu ihrem Gutsherrn, dem Justizrat von Paepke auf Lützenhof ein ständiges Thema.Die Verfassung des Fleckens Dassow. Beständeübersicht des Landeshauptarchivs Schwerin. 1857 erließ Großherzog Friedrich Franz II. einen Regulierungsrezess über den Flecken und die Feldmark Dassow, und der Ort erhielt durch Paepcke erstmals eine Grund- und Gemeindeordnung. Zum 1. Januar 1910 kam Dassow zusammen mit Vorwerk und Neuvorwerk zum großherzoglichen Domanium. Dafür erhielt der damalige Besitzer von Lütgenhof Raimar von Paepcke vom Großherzog das Forstrevier Holm und eine Zahlung von 150.000 Mark. Dassow wurde am 1. April 1938 das Stadtrecht verliehen.
Dassow wurde Anfang Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt.
Im Mai 1945 gab es eine Explosion von entsorgter Munition auf dem Holmer Feld beim Spezenbruch nahe Dassow, die 28 dort eingesetzte, kriegsgefangene deutsche Soldaten das Leben kostete. Sie wurden auf dem Ortsfriedhof beigesetzt.Weiße Fahnen über Dassow in Unser Mecklenburg 1965, Nr. 233. Darin angegebene Quelle: DDR-Zeitung 1965. Zitiert nach: Joachim Schultz-Naumann: Mecklenburg 1945. Universitas-Verlag, 2. Auflage 1990, ISBN 3-8004-1215-2. S. 283–284
mini|Abbau der Grenzanlagen bei Dassow 1990 mini|links|hochkant|Ehemalige Führungsstelle der Grenztruppen der DDR, 2007
Dassow, die nordwestlichste Stadt der DDR, lag bis Ende 1989 inmitten des Sperrgebietes der DDR-Grenze und war ohne spezielle Passierscheine nicht erreichbar. Der zu Lübeck und damit zum Gebiet der Bundesrepublik gehörende Dassower See war durch die DDR-Grenzsperranlagen von der Stadt abgetrennt und von hier aus nicht zugänglich. Das nahe dem Dassower See an der Transitstrecke F 105 gelegene Siechenhaus vor Dassow wurde 1972/1973 von den Grenztruppen beseitigt.
Der Stadtkern und der Alte Speicher von Dassow wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert.
Von 1952 bis 1994 gehörte Dassow zum Kreis Grevesmühlen (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 1994 liegt die Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg.
Von 1992 bis 2005 wurde Dassow vom Amt Ostseestrand verwaltet. Seit dessen Auflösung gehört Dassow zum Amt Schönberger Land.
Mühlengeschichte mini|Am rechten Bildrand: Reste der Wehranlage am Standort der ehemaligen Wassermühle in Dassow Bereits für das Jahr 1372 ist im Mecklenburgischen Urkundenbuch für Dassow eine Mühle im Besitz eines Lübecker Ratsherrn dokumentiert.Meklenburgisches Urkundenbuch 18: 1371 - 1375, Nr. 10367, digital auf: digitale-sammlungen.de Ab 1513 wurden in Dassow Wassermühlen erwähnt.Eckart Redersborg: Mühlen und Müller der Müllerinnung Grevesmühlen. Zaltbommel/Niederlande: Europäische Bibliothek, 1994. Nr. 41, zitiert in: Lothar Wilken (Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern e. V.): Standortblatt Dassow u. Vorwerk, Schwerin: 19. Februar 2022, unveröffentlichtes Manuskript. Um 1600 ist auf der Freseschen Karte in unmittelbarer Ortsnähe eine Wassermühle eingezeichnet.70 Jahre Stadtrecht für Dassow Hinweise auf Pachtmüller finden sich spätestens seit dem Ende des 17. Jahrhunderts.Müller in Mecklenburg, Lauenburg, dem südlichen Holstein, nördlichen Niedersachsen und angrenzenden Gebieten, zusammengestellt von Dr. Helmut Genaust, Welzheim (M-Z) PDF, abgerufen am 30. Dezember 2022 Im Schmettauischen Kartenwerk von 1788 ist nördlich von Dassow eine Wassermühle und am westlichen Ortsrand eine Windmühle eingezeichnet.Schmettau Mecklenburg-Schwerin 1788 auf maps.arcanum.com Die Wassermühle lag am unteren Ende der Mühlenstraße (heute: Friedensstraße), unterhalb der MolkereiHeimatverein Dassow e. V.: Dassower Helfte Nr. 9 (Februar 2007), S. 7–9. Dassower Hefte am Dassower Bach und nutzte das Wasser des Mühlenteiches zum Antrieb. Reste des Mühlenwehrs sind heute noch sichtbar.Lothar Wilken (Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern e. V.): Standortblatt Dassow u. Vorwerk, Schwerin: 19. Februar 2022, unveröffentlichtes Manuskript. 1867 hatte Carl Schröder die Mühle gepachtet und wohnte mit seiner Frau, zwei Müller-Gesellen, einem Müller-Lehrling und drei weiteren Dienstkräften in der Mühle.Mecklenburg-Schwerin (Großherzogtum). Volkszählungsamt. Volkszählung am 3. Dezember 1867. Landeshauptarchiv Schwerin. 5.12-3/20 Statistisches Landesamt (1851–1945), Dassow, Haushaltsliste Nr. 194 (Ancestry.com).
Am 26. Mai 1899 pachtet der Müllermeister H. Schlichting von der Stintenburger Mühle für 12 Jahre die zu Dassow gehörende Turbinenmühle sowie eine 1857 am Rand des heutigen Ortsteils Vorwerk erbaute Holländerwindmühle mit dazugehörenden Gebäuden und Pachtbesitz von Moritz Edler von Paepcke auf Lütgenhof. Müllermeister Paul Oltmann aus der holsteinisch-mecklenburgischen Müllerfamilie Oltmann übernimmt die Pacht von 1911 bis 1923. Doch bereits 1912 tritt ein Schaden an der 45 Jahre alten Turbine auf und die Wassermühle wird für unbrauchbar erklärt und 1913 wegen wassermangels behördlich gelegt. Das Pachtverhältnis wird mit verminderter Pacht fortgesetzt. 1922 kauft der Müller die als Wohnhaus genutzte Wassermühle, die Windmühle mit dazugehörigem Mühlengehöft und Ländereien.Landeshauptarchiv Schwerin, LHAS (5.12-4/2) Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Nr. 13109: Verpachtung der Mühle zu Dassow für Johannis 1899/1913 sowie Verkauf derselben Auch eine Bäckerei gehörte zu dieser Zeit zur Mühle. Die Windmühle brannte 1932 ab.Eckart Redersborg: Mühlen und Müller der Müllerinnung Grevesmühlen. Zaltbommel/Niederlande: Europäische Bibliothek, 1994. S. 41 Die Bäckerei wurde 1952 stillgelegt, Bäckerei und Wassermühle später abgerissen.800 Jahre Dassow, S. 26.
Bereits am Ende des 16. Jahrhunderts hatte der mecklenburgische Ast der Familie Quitzow in Groß Voigtshagen eine Mühle, für die bei der Lübecker Kämmerei 1596, 1606 und 1621 Mühlsteine gekauft wurden.Archiv der Hansestadt Lübeck, Mühlsteinverkäufe der Lübecker Kämmerei, Kämmerei-Einnahmebuch Sig. 1119 1583-1611; Sig. 1120 1612-1626 Von 1750 bis 1840 gehörte zur Domäne Groß Voigtshagen eine Wassermühle am Dassower Bach, ab 1840 eine Windmühle auf einem kleinen Hügel in der Nähe. Zu den Mühlen gehörte eine Erbpachtstelle mit einer Landwirtschaft. Die Windmühle brandte 1897 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Auch die Bockwindmühle im ritterschaftlichen Dorf Volkstorf ist bereits 1600 in der Karte von Hans Frese verzeichnet. Sie gehörte zum Gut Pötenitz und wurde in den 1950er Jahren abgerissen.
Im Ortsteil Harkensee gab es bereits im 16. Jahrhundert eine Mühle.Ein Streit zwischen Vicke und Christopher von Bülow auf Stintenburg und Joachim von Bülow auf Gudow, ab 1581 auch Hans von Bülow auf Wehningen und ab 1587 Fritz von Bülow auf Gudow im Herzogtum Lauenburg als Kläger und Vicke von Bülow auf Harkensee im Amt Grevesmühlen als Beklagten wird 1539-1567 vor dem Landgericht zu Wismar und 1568-1618 vor dem Reichskammergericht verhandelt. Es geht um einen Anteil an der Mühle, am Werderhof und an Holzungsgerechtigkeiten zu Harkensee (Findbücher, Inventare und kleine Schriften des Landeshauptarchivs Schwerin, Bd. 6: Inventar der Mecklenburger Reichskammergerichtsakten. Schwerin 2001, Akte 459) Auch 1704 wurde dort ein Müller erwähnt, 1788 ist auf der Schmettauschen Karte nordwestlich des Dorfes eine Windmühle eingezeichnet. Spätestens ab 1885 steht dort eine Holländerwindmühle, die zum Gut Harkensee gehörte und mit einer Bäckerei verbunden war.
Ortsteile Benckendorf: Die Ersterwähnung datiert wohl auf 1308. Ben(c)kendorf wird hier als Ort im Lande Dassow betitelt. Benckendorf war ein Bauerndorf, ein paralleler Gutsbesitz muss sich erst nachfolgend entwickelt haben. Der Rittmeister Christian Eckermann aus Johannstorf bewirtschaftete in Benckendorf ein 216 ha Gut. Im Mittelpunkt hier stand die Bewirtschaftung mit Oxfordshiredows-Schafen. In der Ortschaft bestand lange eine Schule.
Feldhusen: Die Gemarkung Feldhusen war Bestandteil von Wieschendorf. Wie alle umliegenden Wohnplätze und Dörfer war Feldhusen dem Kirchspiel Dassow zugeordnet.
Flechtkrug: Im Jahre 1885 zählte Flechtkrug zehn Haushalte, 30 Einwohner, davon 13 weiblich. 11 ha in Flechtkrug, die Fläche gehörte zu Prieschendorf, waren Teil der Begüterungen des Raimar Edler von Paepke-Lütgenhof.
Feldhusen: Groß Voigtshagen: Der fiskalische Besitz mit 601 ha war in Pacht von Ökonomie-Rat Eduard Bade. Des Weiteren bestand damals ein Bauernhof der Familie Wilhelm Beusch.
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