August Theodor Tölken (auch genannt in der Schreibweise Toelken; * 14. September 1892 in Bremen; † 28. Mai 1975 in Bremen) war ein deutscher Bildhauer.

Biografie

Tölken war der Sohn des Bremer Kaufmanns Eberhard Tölken (28. Juni 1846 bis 20. November 1901) und seiner Frau Auguste Theodore (genannt Dora), geb. Plump (20. Januar 1857 bis 24. April 1919). In der Familie wurden künstlerische Ambitionen gepflegt, die Mutter zeichnete. Seine Geschwister waren neben der Malerin Therese Marie Gustava (genannt Gustava) und Bertha Emmy auch die Brüder Georg Ludwig, Heinrich Wilhelm und Hermann Eberhard.Therese Marie Gustava Tölken, bfm, Bremer Frauenmuseum e.V., abgerufen am 11. August 2018 Ab 1926 wandte Tölken sich der Bildhauerei zu, studierte erst an der Kunstakademie in Karlsruhe, dann in Berlin unter Wilhelm Gerstel (1879–1963), später als Meisterschüler Hugo Lederers (1871–1940). In der Zeit des Nationalsozialismus war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an neun Gruppenausstellungen sicher belegtMartin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000; S. 570 und passim Studienaufenthalten führten ihn nach Paris und Italien. In Berlin arbeitete er in einem Atelier, welches im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört wurde. 1945 kehrte er nach Bremen zurück und bezog sein Bildhaueratelier am Achterdiek 23 in Bremen-Oberneuland. Er war verheiratet mit Helga Oldenbourg (1905–1983), sie hatten eine gemeinsame Tochter namens Madlehn (1939–2010).Eberhard Tölken, Geneanet, abgerufen am 11. August 2018

Werk mini|Sonnenuhr, Focke-Garten (Bremen) Tölken realisierte zahlreiche Porträtaufträge, aber auch großformatige Plastiken wie das Relief „Brückenbau“ für die Bremer Bürgerstuben oder das Relief „Gott und Mensch“ (1972) für die Bremer St. Remberti-Kirche.August Theodor Tölken, Geneanet, abgerufen am 11. August 2018 Im Bremer Stadtgebiet sind mehrere Sonnenuhren von Tölken zu finden: Im Focke-Garten, im Musems-Park und im Botanischen Garten. Es gibt zudem einen Fries am Giebel des ehemals sogenannten „Deutschen Hauses“ und eine Sonnenuhr an der Raths-Apotheke (1960). Letztere ist nicht nach Süden ausgerichtet, weshalb der Zeiger in einem besonderen Winkel konstruiert werden musste.Sonnenuhren in Bremen, abgerufen am 11. August 2018

In den 1950er und 1960er Jahren entstanden Kunstwerke im öffentlichen Raum, für Pausenhöfe und Spielplätze von Schulen und Kindertagesstätten. In diesem Rahmen gestaltete Tölken die Bronzeplastik „Zwei Jungen im Gespräch“ (1968). Die Skulptur befindet sich im Eingangsbereich des Wohnheims an der Dobbheide 82 in Bremen-Vegesack.Kunst im öffentlichen Raum Bremen, Senator für Kultur, Bremen, abgerufen am 11. August 2018 Um 1925 schuf Tölken eine Bronzebüste der deutschen Malerin Margarethe von Reinken, die 1994 in der Kunsthalle Bremen ausgestellt war und noch heute im dortigen Depot aufbewahrt wird. Dort lagern auch zwei weitere Werke des Bildhauers: Das „Bildnis Margarethe von Reinken“ (ca. 1923–1925, Bronze) und die kleine Tonskulptur „Europa“ (ca. 1950). Die Skulptur „Zwei diskutierenden Knaben“ befindet sich im Lichthof der Fritz Wendt-Stiftung. Im Gerhard-Marcks-Haus wurde eine Sammlung aus Guss-Stückformen, Gipsmodellen, zahlreichen Skizzen und Fotomaterial von Werken des Bildhauers zusammengetragen und aufgearbeitet.Arbeit am Tölken-Nachlass, Gerhard-Marcks-Haus, 25. Februar 2015, abgerufen am 11. August 2018Liste von Werken, Quelle: Gerhard-Marcks-Haus, abgerufen am 11. August 2018

Werktitel Material Zeitraum Relief Indianer Gips, farbig gefasst 1971 Relief Indianer Gips 1971 Männlicher Torso Gips, farbig gefasst 1960 Frau sich bückend Gips, farbig gefasst 1960 Knabe sitzend Gips, getönt 1955 Relief Feuer Gips 1950–1960 Relief Handwerksdarstellung Zimmermänner Gips 1950–1960 Relief Handwerksdarstellung Männer mit Rohr Gips 1950–1960 Sitzendes Pferd Gips, farbig gefasst 1950 Mädchen, nach oben schauend, Arme angewinkelt Gips, farbig gefasst 1950 Relief stehender Knabe in Rückenansicht Zement 1950 weiblicher Porträtkopf Gips, farbig gefasst 1920–1950

Weitere Arbeiten (Auswahl): Ruhende Bäuerin mit Hahn (Skulptur Volumen, Bronze, 43,5 × 16 cm) Frauentorso (1939, Gussform für den Frauentorso) Die Bremer Stadtmusikanten (Messingplastik, seit 1926 im Haus St. Petrus in der Böttcherstraße, Bremen) Relief für das Gefallenendenkmal der Stadt Stade auf der Güldensternbastion (1921)

Einzelnachweise

Siehe auch Familie Tölken – eine Spurensuche, Geschichtswerkstatt Gröpelingen Auf Spurensuche in Namibia, Geschichtswerkstatt Gröpelingen

Kategorie:Bildhauer (Bremen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann