mini|Peter Canisius von Seidlein Peter Canisius von Seidlein (* 25. Juni 1925 in München; † 30. September 2014 in München) war ein deutscher Architekt und Professor an der Universität Stuttgart. Als sein bedeutendstes Bauwerk gilt die Zeitungsdruckerei für den Süddeutschen Verlag (1984) in München. Von Seidlein war Mitglied der Münchener Stadtgestaltungskommission und des Bayerischen Landesdenkmalrates. Er wurde unter anderem mit dem Deutschen Architekturpreis (1985) und dem Architekturpreis der Stadt München (1994) ausgezeichnet. 1999 verlieh die Technische Universität München (TUM) von Seidlein die Ehrendoktorwürde. Zudem war er Ehrenmitglied im Bund Deutscher Architekten und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Von Seidlein war darüber hinaus Gesellschafter des Süddeutschen Verlages. Bis zu seinem Tod 2014 arbeitete er als Architekt in seinem 1958 gegründeten Architekturbüro.
Leben Peter Canisius von Seidlein wurde am 25. Juni 1925 in München als Sohn des Architekten Peter Anton von Seidlein (* 17. November 1893; † 28. März 1971) und Marianne von Seidlein (geb. Kronenbitter, * 18. September 1893, Todesdatum unbekannt) geboren. Zusammen mit seinen Brüdern Karl Lorenz Rasso und Hubert Anton Maria Seidlein wuchs er in München auf. Peter C. von Seidlein war mit Karen von Seidlein (geborene Schöningh, 1930–2003) verheiratet. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor: Maria-Theresia von Seidlein (* 31. Oktober 1957), Lorenz von Seidlein (* 27. Juni 1959) und Rupert von Seidlein (* 4. Mai 1963).
Nach dem Tod seines Schwiegervaters und Mitbegründers des Süddeutschen Verlages, Franz Josef Schöningh gingen dessen Verlagsanteile an Peter C. von Seidlein und seine Ehefrau Karen von Seidlein, geb. Schöningh. Peter C. von Seidlein übernahm den Posten des Gesellschafters. Die Familie von Seidlein war bis 2007 eine der fünf Gesellschafterfamilien des Verlages.Vgl. Katharina Heimeier: Eigentümerstrukturen deutscher Zeitungsverlage. Eine Betrachtung der Entwicklung und Organisation klassischer Familienverlage im Vergleich mit alternativen Eigentumsformen, Berlin/Boston 2013, S. 149–151, besonders S. 150.
Im Alter von 89 Jahren verstarb Peter C. von Seidlein 2014 in München.Vgl. Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018.
Kindheit und Zweiter Weltkrieg Peter C. von Seidlein wuchs als ältester von drei Brüdern in München auf und besuchte das Ludwigsgymnasium. Dort legte er das Notabitur ab, bevor er 1943 als Funker eingezogen und in der Normandie stationiert wurde. Kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day) wurde Peter C. von Seidlein im Juni 1944 von amerikanischen Truppen nahe dem Invasionsstrand Omaha Beach gefangen genommen. Bei einem Unfall geriet sein Fuß zwischen zwei Laster, wobei er eine Verletzung davontrug. Von Seidlein erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges in amerikanischer Gefangenschaft und war im US-Gefangenenlager Camp Atterbury (Edinburgh, Indiana) interniert.
Studium Nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft kehrte Peter C. von Seidlein in seine Heimatstadt München zurück, wo er sich an der Technischen Universität München für ein Studium der Architektur einschrieb. Dort hörte er Vorlesungen bei den Architekten Franz Hart, Hans Döllgast und Martin Elsässer.Vgl. Münchens Mies van der Rohe, in: Immobilienreport München, abgerufen am 24. Juli 2018. 1951 erhielt von Seidlein ein Stipendium für das Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago, das von seinem Leiter und ehemaligen Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe zu einer der modernsten Architekturschulen ihrer Zeit aufgebaut worden war. Von Seidlein studierte von 1951 bis 1952 bei Mies van der Rohe sowie Ludwig Karl HilberseimerVgl. Universität Stuttgart: Zum Tode von Peter C. von Seidlein, abgerufen am 24. Juli 2018. und arbeitete neben seinem Studium am Illinois Institute of Technology in Mies van der Rohes Architekturbüro in Chicago.Vgl. Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392. Van der Rohe hatte großen Einfluss auf von Seidleins Arbeiten:Vgl. Ulrich Pantle: Ein universelles Prinzip. Zum Tod von Peter C. von Seidlein (1925–2014), in: frei04-publizistik, 7. Oktober 2014, abgerufen am 24. Juli 2018. „Sein Lehrer war Ludwig Mies van der Rohe, bei dem er in Chicago am IIT 1951/52 studierte und der ihn für das ganze Leben prägte. Im Rückblick sagt von Seidlein, alles was er in München lernte und sah, sei nicht ernsthaft, nicht streng gewesen im Vergleich mit der kompromißlos harten Schule, die er bei Mies durchlief.“Winfried Nerdinger: Peter C. von Seidlein – moderne Architektur und ‚libeeralitas bavariae‘, in: BDA-Informationen 5 (1999), S. 25–29, hier S. 28.
Beruflicher Werdegang und Selbständigkeit Nach seinem Studium in Chicago legte von Seidlein 1953 die zweite Staatsprüfung in München ab.Vgl. Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392. Danach führte ihn sein Weg in zwei Architekturbüros: zunächst nach Karlsruhe zu Egon Eiermann (1954–1955) und anschließend zurück nach München zu Gerhard Weber (1955–1956), der ebenfalls ein Schüler Mies van der Rohes gewesen war.Vgl. Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392.
In Eiermanns Büro lernte er den Architekten Ulrich Schmidt von Altenstadt kennen, mit dem er während seiner Zeit in Karlsruhe zusammen wohnte. Als 1955 der Bau des baden-württembergischen Landtages ausgeschrieben war, bewarben sich von Seidlein und Schmidt von Altenstadt mit einem Entwurf. Sie konnten die Jury überzeugen und gewannen den Wettbewerb. Die Erstplatzierten erhielten ein Preisgeld von 20.000 D-Mark, gebaut wurde ihr Entwurf jedoch nicht.Vgl. Ulrich Pantle: Ein universelles Prinzip. Zum Tod von Peter C. von Seidlein (1925–2014), in: frei04-publizistik, 7. Oktober 2014, abgerufen am 24. Juli 2018.
1956 nahm von Seidlein eine Assistentenstelle bei dem Architekten Gustav Hassenpflug an der TU München an, wo er bis 1959 arbeitete.Vgl. Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392. 1957 reichte von Seidlein erneut seinen Entwurf für den baden-württembergischen Landtag ein, nachdem der Wettbewerb zum zweiten Mal ausgeschrieben worden war. Von Seidlein wurde diesmal mit seinem Entwurf Zweiter. Der Architekt Horst Linde hatte im Zuge des Wettbewerbs Seidleins Arbeit kennengelernt und engagierte ihn für den Bau des Instituts für physiologische Chemie an der Universität Tübingen.Horst Linde war Leiter der Staatlichen Hochbauverwaltung Baden-Württemberg. Von Seidlein arbeitete mit Elmar Dittmann zusammen an dem Institutsbau, siehe dazu: Ulrich Pantle: Ein universelles Prinzip. Zum Tod von Peter C. von Seidlein (1925–2014), in: frei04-publizistik, 7. Oktober 2014, abgerufen am 24. Juli 2018. Der Institutsbau war von Seidleins erster Auftrag, nachdem er sich 1958 in München mit seinem eigenen Architekturbüro selbständig gemacht hatte.Vgl. Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018.
Die Anfangsphase des Architekturbüros war trotz des Baubooms in der Nachkriegszeit schwierig, von Seidlein konnte mit seinen Bauten jedoch überzeugen.Die Universität Stuttgart schrieb in ihrem Nachruf: „Sein Büro war trotz der heftigen Wiederaufbauwelle nicht mit Aufträgen überhäuft, jedoch blieb keines seiner Häuser unbemerkt.“ Universität Stuttgart: Zum Tode von Peter C. von Seidlein, abgerufen am 24. Juli 2018. 1962 gewann er einen von Siemens ausgeschriebenen Wettbewerb und erhielt den Auftrag, das Firmengebäude in Saarbrücken zu bauen.Vgl. Ulrich Pantle: Wenn Ordnung in Unordnung gerät, in: db 09 (2013), abgerufen am 24. Juli 2018. 1960 stieg der Architekt Horst Fischer als Partner in das Architekturbüro von Seidlein ein.Vgl. Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018.
Von 1980 bis 1984 übernahm von Seidlein seinen wohl bekanntesten Auftrag: Er entwarf die Druckerei des Süddeutschen Verlages in München-Steinhausen.Vgl. Universität Stuttgart: Zum Tode von Peter C. von Seidlein, abgerufen am 24. Juli 2018. Mit diesem Bau wird der Beginn seiner größten Schaffenszeit verbunden. Kurz vor der Fertigstellung der SZ-Druckerei wurde Egon Konrad 1983 neuer Partner im Architekturbüro.Vgl. Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018. Zahlreiche Projekte in München folgten, darunter nicht nur Geschäftsgebäude, sondern auch Wohnhäuser. 1996 wurde von Seidleins ehemaliger Schüler Stephan Röhrl Partner im Architekturbüro.Vgl. Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018.
Bis zu seinem Tod 2014 wirkte von Seidlein als Architekt in München.Vgl. Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392; Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018. In seinem Büro arbeiteten zahlreiche bekannte Architekten, darunter Helmut Jahn, Christoph Sattler und Thomas Herzog.Vgl. Mieses Apologet: Peter C. von Seidlein gestorben, in: Immobilienreport München, abgerufen am 24. Juli 2018.
Projekte 1958–1964: Institut für physiologische Chemie der Universität TübingenAuflistung entnommen aus: Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392. 1962–1966: Verwaltungsgebäude Siemens AG, Saarbrücken 1965–1969: Halbleitermontagewerk SGS Deutschland, Wasserburg am Inn 1972: Haus Bürkle, Starnberg 1972–1974: Druckerei Schöningh KG, Paderborn 1984: Produktions- und Lagergebäude Arzneimittelwerk Dr. Madaus GmbH, Wasserburg am Inn 1980–1984: Druckerei Süddeutscher Verlag, München-Steinhausen 1986–1988: Bürogebäude PDC – Paderborner Druckzentrum 1989–1990: Makulaturentsorgung Süddeutscher Verlag, München-Steinhausen 1997–2001: Reihenhaus-Wohnanlage, München Harlaching 1999–2001: Allianz-Hauptverwaltung, München 2000–2002: Wohn- und Geschäftshaus Löwenturm, München 2002–2004: Wohnhaus Flüggenstraße, München
Universität Stuttgart Nicht in seiner Heimatstadt München, sondern in Stuttgart erhielt Peter C. von Seidlein 1974 eine Professur für Baukonstruktion und Entwerfen. Er blieb bis 1995 Ordinarius an der Stuttgarter Universität und prägte die dortige Fakultät für Architektur mehr als 20 Jahre lang.Vgl. Homepage des Architektenbüros Von Seidlein Röhrl, abgerufen am 24. Juli 2018; Lebenslauf Peter C. von Seidlein, in: Eva-Maria Barkhofen, im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, Berlin 2016, S. 392; Karlheinz Beer: Zum Tod von Peter C. von Seidlein, in: BDA Homepage, 1. Oktober 2014; Erwien Wachter: PCVS – Eine Ikone ist verstummt, in: BDA-Informationen 4.14 (2014), S. 46–47, hier S. 46, abgerufen am 24. Juli 2018. Dass von Seidlein keine Professur in München erhielt, wurde von seinen Kollegen noch Jahre später kritisiert.Vgl. Winfried Nerdinger: Peter C. von Seidlein – moderne Architektur und ‚libeeralitas bavariae‘, in: BDA-Informationen 5 (1999), S. 25–29, hier 28–29; Wolfgang Jean Stock: Die Haltung der Zurückhaltung, in: Bauwelt 40-41 (2014), S. 4, abgerufen am 24. Juli 2018. Als er 1999 mit der Ehrendoktorwürde der TU München ausgezeichnet wurde, fand der Laudator Winfried Nerdinger kritische Worte zur Nichtberufung von Seidleins: