Das Lateinisch-deutsche und deutsch-lateinische Handlexicon wurde von 1792 bis 1822 zunächst von Immanuel Johann Gerhard Scheller und dann von Georg Heinrich Lünemann bearbeitet. Nach Einschätzung des Altphilologen Dietfried Krömer gehen – wenn man das Oxford Latin Dictionary und den Thesaurus linguae Latinae (der ohnehin nicht zweisprachig ist) ausnimmt – praktisch alle lateinischen zweisprachigen Lexika „(ob lateinisch-deutsch, lateinisch-englisch, lateinisch-französisch oder lateinisch-italienisch) auf Immanuel Johann Gerhard Scheller (1735–1803) und seine Tätigkeit als Lexikograph zurück“. Speziell das Lateinisch-Deutsche Handlexicon war „lange Zeit [für] die deutschen Gymnasien beherrschend“.

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Die Ära Scheller

mini|Immanuel Johann Gerhard Scheller. Kupferstich nach einem Gemälde um 1800

Die erste Auflage des Handlexicons

Das Handlexicon erschien in erster Auflage 1792 bei Caspar Fritsch in Leipzig unter dem vollständigen Titel, der – mittels Genitiv-Konstruktion – den Verfassernamen zum Bestandteil des Buchtitels machte: Imm. Joh. Gerh. Schellers Lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handlexicon vornehmlich für Schulen.Siehe zur ersten Auflage des Handlexicons:

Erster oder lateinisch-deutscher Theil [A–M] (XX Seiten + 1720 Spalten = 880 Seiten): https://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11281121-9 (Digitalisat des Münchener DigitalisierungsZentrums [MDZ] der Bayerischen Staatsbibliothek [BSB]). [N–Z] (Spalte 1721–3214 = 747 Seiten): (Katalogeintrag der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg für die gedruckte Ausgabe). Zweyter oder deutsch-lateinischer Theil (VIII Seiten + 1832 Spalten = 924 Seiten): (dito). Siehe auch die kompletten Digitalisate der zweiten Auflage:

Erster oder lateinisch-deutscher Teil [A–Z]. Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage. Fritsch: Leipzig, 1796 (XX Seiten + 3214 Spalten = 1627 Seiten; 663 MB): https://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11281124-5 (Digitalisat des MDZ der BSB). Zweyter oder deutsch-lateinischer Theil [A–Z]. Zweyte und von neuem genau durchgesehene und verbesserte, auch hier und da vermehrte Auflage: Fritsch: Leipzig, 1796 (XII Seiten + 1832 Spalten; 96 MB): https://books.google.de/books?id=Gd4qAAAAYAAJ&hl=de (Digitalisat eines bekannten Internet-Konzerns) – alle drei Digitalisate jeweils mit PDF-Download-Möglichkeit. Zuvor hatte Scheller schon andere Latein-Wörterbücher verfasst und veröffentlicht.

Die Material-Grundlage: Schellers Ausführliches Lexicon

Von diesen letzteren sind insbesondere zu nennen:

Imman. Joh. Gerhard Schellers ausführliches und möglichst vollständiges lateinisch-deutsches Lexicon oder Wörterbuch zum Behufe der Erklärung der Alten und Übung in der lateinischen Sprache

Dessen erste – noch einbändige – Auflage war 1783 erschienen.Damals noch unter dem Titel:

Ausführliches und möglichst vollständiges lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Lexicon oder Wörterbuch zum Behufe der Erklärung der Alten und Übung in der lateinischen Sprache. Lateinisch-deutscher Theil, Fritsch: Leipzig, 1783 (XXXIV Seiten + 3472 Spalten = 1770 Seiten): https://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ164549002 (Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek [ÖNB]). Hinzu kam im folgenden Jahr:

Deutsch-lateinischer Theil, Fritsch: Leipzig, 1784 (1984 Spalten + unpaginierte Seiten am Anfang und am Ende): https://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ164549300 (Digitalisat der ÖNB).

Hier seien die Digitalisate der „Dritte[n], von neuem verbesserte[n] und sehr vermehrte[n] Auflage“ (Fritsch: Leipzig, 1804) verzeichnet und verlinkt. Die Digitalisate können sowohl online betrachtet als auch als PDF-Dateien – wahlweise komplett oder auszugsweise – heruntergeladen werden:Folge dort jeweils – in der linken Randspalte in der letzten Zeile des Kastens mit den bibliographischen Angaben – dem Link „[PDF-Download]“ – z. B. für den Band A–C.

Erste Abtheilung A–C(XXXX Seiten [Vorreden zu allen drei Auflagen und „Verzeichnis der lateinischen Schriftsteller“]Auf S. XXXVIII (38) – XXXX (40). + 2618 Spalten = 1349 Seiten; 584 MB):https://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10625204-4 (Münchener DigitalisierungsZentrum [MDZ] der Bayerischen Staatsbibliothek [BSB])Zweyte Abtheilung D–K (Spalte 2619 – 5454 = 1418 Seiten; 578 MB): MDZ der BSBDritte Abtheilung L–O (Spalte 5455 – 7314 = 930 Seiten; 503 MB): MDZ der BSBVierte Abtheilung P–R (Spalte 7315 – 9604 = 1145 Seiten; 491 MB): MDZ der BSBFünfte Abtheilung S–Z (Spalte 9605 – 12.562 = 1479 Seiten; 540 MB): MDZ der BSB

Hinzu kam noch – als deutsch-lateinisches Gegenstück:

Imman. Joh. Gerhard Schellers ausführliches und möglichst vollständiges deutsch-lateinisches Lexicon oder Wörterbuchzur Übung in der lateinischen Sprache in zwey BändenDritte von neuem verbesserte und sehr vermehrte Auflage, Fritsch: Leipzig, 1805Erste Abtheilung A–L (XXXIV Seiten + 1888 Spalten = 978 Seiten; 392 MB): MDZ der BSBZweyte Abtheilung M–Z (Spalte 1889–3744 [davon die ersten drei Seiten ohne gedruckter Spaltenzählung] = 928 Seiten; 497 MB) MDZ der BSB

Zurück zum Handlexicon: Konzept und weitere Auflagen

Für sein Handlexikon beanspruchte Scheller 1792https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11281121_00009.html (MDZ der BSB), Bild 9 des Digitalisats bzw. S. III des Druckes. – bei Erscheinen der ersten Auflage – im Vergleich mit den beiden bis dahin erschienenen ersten Auflagen seines Ausführlichen Lexicons zweierlei: die „Beweisstellen“ um die genauen Quellenangaben zu kürzen (da diese für den Schulbetrieb nicht benötigt würden); genannt werden sollten in der Regel nur noch Autornamen, aber nicht Buchtitel und Kapitelangaben. Außerdem sollten Wörter weggelassen werden, die nur bei spätlateinischen Autoren vorkommen und daher ebenfalls für den Schulbetrieb nicht benötigt würden. Andererseits sollten aber „Zusätze und Verbesserung“ zu dem Ausführlichen Lexikon, die seit dessen zweiter Auflage angefallen waren und dort in einer späteren Auflage berücksichtigt werden sollten, schon vorab in das Handlexicon eingearbeitet werden.

1796 erschien eine zweite Auflagehttps://www.base-search.net/Search/Results?q=dccoll:ftumichgbhathi&refid=dcrecde (Bielefeld Academic Search Engine; Digitalisate: MDZ der BSB [Erster oder lateinisch-deutschen Theil]; https://books.google.de/books?id=Gd4qAAAAYAAJ&hl=de [Zweyter oder deutsch-lateinischer Theil]). des Handlexicons; ob zu Schellers Lebzeiten noch eine dritte Auflage erschien, ist unklar.„für eine dritte Auflage, die um 1800 (also noch zu Schellers Lebzeiten) herausgekommen sein dürfte, fehlen mir noch die bibliographischen Angaben.“ []. Jedenfalls nicht für die Annahme, dass es eine dritte Auflage zu Schellers Lebzeiten gegeben haben könnte, spricht der Umstand, dass die sogleich zu nennenden Wiener und Leipziger Ausgaben – jeweils neben mit einem aktuellen Vorwort Lünemanns vom 06.10.1806 – nur die Vorwörter zur ersten und zweiten Auflage (S. XVI – XXVII und XXVIII und XXIX in der Wiener bzw. S. XIV – XXV und XXVI und XXVII in der Leipziger Ausgabe) wieder abdrucken. (Auch wenn prinzipiell denkbar sein mag, dass es eine dritte Auflage gab, aber diese kein Vorwort enthielt oder ein etwaiges existierendes Vorwort einer etwaigen dritten Auflage zu Schellers Lebzeiten aus inhaltlichen Gründen später nicht wieder abgedruckt wurde, so kann dies jedenfalls nicht – d. h. ohne Beweisführung – einfach unterstellt werden.)

Die Ära Lünemann

Das Handlexicon wurde dann – nach Schellers Tod 1803 (die dritte Auflage der Ausführlichen [!] Lexica erschien 1804/05, noch in Gänze von Scheller selbst bearbeitet,„die dritte [Auflage erschien] nach des Verfassers Tod, aber noch ganz von ihm hergestellt, 1804 auf fünf Bände erweitert“ []. aber erst posthum) – von Georg Heinrich Lünemann fortgeführt. Dies führte zunächst zu einer Leipzig-Wiener Doppelausgabe.Es handelte sich dabei um: die Ausgabe Bauer/Strauß: Wien (ohne Erscheinungsjahr, aber mit Vorwort von 1806): Erster oder lateinisch-deutscher Theil. Erste Abtheilung [A–L] (XXXII + 824 Seiten = 856 Seiten): https://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ155041701 (Digitalisat der ÖNB). Zweyte Abtheilung [M–Z] (Seite 827–1728 = 902 Seiten): https://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ155041804 (Digitalisat der ÖNB). Zweyter oder deutsch-lateinischer Theil [A–Z] (XXII + 940 Seiten): https://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ155041907 (Digitalisat der ÖNB). und die Ausgabe Fritsch: Leipzig, 1807 (auch nur mit Vorwort von 1806, aber keinem von 1807) (XXX Seiten + 1728 Seiten): MDZ der BSB.

Zu untersuchen wäre, ob sich beide Ausgaben – außer hinsichtlich des Satzsspiegels sowie des Titelblattes, das die Verlage und (im Leipziger Fall) das Erscheinungsjahr nennt – unterscheiden.

Nach dieser erschienen zu Lebzeiten Lünemanns fünf weitere Auflagen (von diesen die letzte 1826) – und zwar wie folgt:

Die zweite (nach der in Fußnote genannten) Auflage in der Verantwortung Lünemanns erschien bereits 1812 unverändert gegenüber der ersten Lünemannschen Auflage. (Dies ergibt sich jedenfalls aus dem – in der fünften Auflage von 1822 abgedrucktem – Vorwort [vom November 1816] zur dritten Auflage.) Die dritte Auflage erschien dann mit besagtem Vorwort (vom November 1816) im Jahr nach dem Verfassen des fraglichen Vorwortes. Die vierte Auflage erschien – laut gleicher Quelle (5. Auflage von 1822) – mit (sehr kurzem) Vorwort vom September 1819. Die in Rede stehende fünfte Auflage von 1822 selbst hat ein (ebenfalls sehr kurzes) Vorwort vom Oktober 1821.Ein Verlagswechsel von Fritsch zu Hahn (siehe Fußnote 19) bzw. eine Absorption von Fritsch in Hahn fand mit der bzw. vor der Auflage von 1812 statt: https://archive.org/details/bub_gb_AJ8KAAAAIAAJ (der Satzspiegel scheint unverändert von Fritsch übernommen worden zu sein). Die fünfte Auflage von 1822 brachte eine kleine Änderung im Titel: „Handlexikon“ (mit „-k-“) – statt „Handlexicon“ (mit „-c-“) (https://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11105135-1) (Bild 3 des Digitalisats).

Die wiederum darauf folgende – insgesamt also sechste (die Wien/Leipziger Doppelausgabe mit dem Vorwort von 1806 + fünf Folge-Auflagen) – Lünemannsche Ausgabe brachte einen Titelwechsel des Buches mit sich: Bis dahin erschien es – wie schon Schellers eigene erste Auflage von 1792 – weiterhin unter dem Titel Imm. Joh. Gerh. Schellers lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handlexicon vornehmlich für Schulen (allein die Schreibweise von „Handlexicon“ wurde 1822 geändert) – ergänzt jeweils um einen Hinweis auf die Bearbeitung durch Lünemann. Die sechste und siebente Auflage von 1826 und 1831 trugen stattdessen den Titel Georg Heinr. Lünemann’s lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handwörterbuch. Imm. Joh. Gerh. Schellers Anlage neu bearbeitet.https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10586700_00007.html (Bild 7 des Digitalisats) Lünemann begründet diesen Titelwechsel im Vorwort zur sechsten Auflage damit, dass das Wörterbuch nach den mehrmaligen Bearbeitungen dem Schellerschen Wörterbuch kaum noch ähnlich sei.https://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ168331507 (Bild 9 des Digitalisats; Seite V des Drucks).

Nicht nur der (Haupt)Verfassername wurde also ausgetauscht; auch fielen die „Schulen“ aus dem Titel weg und wurde aus dem „Handlexicon“ bzw. „Handlexikon“ nunmehr ein „Handwörterbuch“. Da außerdem Lünemann noch vor Erscheinen der 7. Auflage von 1831 verstarb, sei die weitere Werkgeschichte unter einem separaten Lemma zu dem neuen Werktitel dargestellt.

Statistisches

SchellerLünemannKleines2 1781Die erste Auflage von 1779 scheint jedenfalls weder in Bibliotheken noch im – im Internet präsenten – antiquarischen Buchhandel überliefert zu sein.