Ein Künstlerlexikon ist ein biografisches Nachschlagewerk zu bildenden Künstlern.
Zur Geschichte der Künstlerlexika Hans Vollmer verfasste 1908 einen Beitrag zur Geschichte der Künstlerlexika. Dabei war nach seiner Meinung das erste Werk, das ein Lexikon dieser Art beinhaltete, die im Jahr 1751 von Jean-Baptiste le Rond d’Alembert und Denis Diderot publizierte Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Als erste eigenständige Form nennt er das Werk von Johann Rudolf Füssli, der in den Jahren 1763 bis 1777 ein Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler herausgab, das 1806 bis 1824 von seinem Sohn, Hans Heinrich Füssli fortgesetzt und durch einen Nachtragsband ergänzt wurde. In dieser Zeit erschien zwischen 1819 und 1822 auch in Italien die Enciclopedia metodico critico-ragionata delle belle arti von Pietro Zani in 28 Bänden, die aber eher einem Namensverzeichnis mit kurzen Einträgen glich. Im Jahr 1835 war es Georg Kaspar Nagler, der mit seinem Neuen Allgemeinen Künstlerlexikon, das bis 1852 in 22 Bände erschien, ein umfangreiches, wenn auch, wie Vollmer meinte, „vielfach unzuverlässiges und fast allenthalben von der Forschung überholtes“ Werk herausbrachte, das Künstler der Jahre 1750 bis 1840 erfasste. In Frankreich erschien in den Jahren 1851 bis 1860 das sechsbändige Abecedario de P. J. Mariette,Abecedario de P. J. Mariett et autres notes inédites de cet amateur sur les arts et les artistes, hrsg. von Charles-Philippe de Chennevières et Anatole de Montaiglon. 6 Bände, Dumoulin, Paris 1851–1860 (Digitalisat). das von Charles-Philippe de Chennevières und Anatole de Courde de Montaigion herausgegeben wurde und auf den Aufzeichnungen von Pierre-Jean Mariette basierte. Es folgte eine vollständige Neubearbeitung des Naglerschen Lexikons unter Hinzuziehung etlicher Fachgelehrter aus dem In- und Ausland durch Julius Meyer, doch erschienen lediglich drei Bände, die wegen der Ausführlichkeit der Beiträge nur langsam zum Druck gelangten, so dass es schließlich nie fertiggestellt wurde. Es erschienen zwar auch andere Werke, doch befassten sie sich entweder mit eingeschränkten Kunstzweigen oder beschränkten sich auf einzelne Gebieten oder Zeiträume der Kunstgeschichte. Es fehlte folglich noch immer ein universales Künstlerlexikon, das die Bildenden Künstler aller Zeiten und Länder in sich vereinigte. Aus diesem Grunde begannen Ulrich Thieme und Felix Becker, mit der Absicht das von Meyer begonnene Vorhaben durch eine vollständige Neubearbeitung zu vollenden, mit der Herausgabe eines neuen Allgemeinen Künstlerlexikons. Zudem sollte es bis auf die Gegenwart weitergeführt und ergänzt werden. Nach gut zehn Jahren Vorarbeit erschien im Herbst 1907 der erste Band, der zunächst auf 20 Bände berechneten Reihe. Bewusst wurde hierbei auf zu umfangreiche Werkangaben und zu ausführliche Biografien verzichtet. Hinzu kam zudem ein neuer Bereich, der sich der ostasiatischen Kunst widmete. Zudem wurden zahlreiche Gelehrte hinzugezogen, die sich mit den Künstlern des Auslandes befassten. Es wurde darauf Wert gelegt, dass alle Zweige des Kunsthandwerkes abgedeckt wurden. Da ein Namenslexikon sich dadurch auszeichnet, dass es alphabetisch aufgebaut ist, mussten zunächst die Einträge gesammelt, geordnet und mit den jeweiligen Literaturnachweisen versehen werden. Allein dies dehne die Vorarbeit auf Jahre aus. Ein weiteres Problem waren die oft abweichenden Namensschreibweisen der einzelnen Künstler oder die Einordnung in die Systematik, wenn diese nur nach dem Vornamen oder dem Ort ihres Wirkens benannt waren. Für ein derart umfangreiches Lexikon wurde die Mitarbeit auf zahlreiche Fachgelehrte und Lokalforschern des In- und Auslandes verteilt. Der Redaktion oblag es zuletzt die eingesandten Manuskripte zu sichten zusammenzustellen und zum Druck freizugeben. Ab 1967 wurde die Neubearbeitung dieses Lexikons unter dem Titel Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker begonnen und mit 2023 mit Band 119 abgeschlossen.
Universale Künstlerlexika
Orlandi Pellegrino Antonio Orlandi veröffentlichte 1704 sein Abcedario Pittorico. Zu seinen Lebzeiten erschien 1719 eine korrigierte Neuausgabe. Weitere überarbeitete Ausgaben erschienen 1731, 1733 und 1753. Abcedario Pittorico: Nel quale compendiosamente sono descritte le Patrie, i Maestri, ed i tempi, ne’ quali fiorirono circa quattro mila Professori di Pittura, di Scultura, e d’Architettura. Bologna 1704 (Digitalisat). Abcedario Pittorico. Dall’autore ristampato corretto et accresciuto di molti professori. Bologna 1719 (Digitalisat). Abcedario Pittorico. Dall’Autore ristampato, corretto, ed accresciuto di molti professori, e di altre notizie spettanti alla Pittura. Ed in quest’ultima Impressione con nuova, e copiosa Aggiunta di altri Professori. Florenz 1731. L’Abecedario pittorico. Dall’autore ristampato, corretto, ed accresciuto di molti professori e di altre notizie spettanti alla pittura, ed in quest’ultima impr. con nuova, e copiosa aggiunta di alcuni altri professori. Neapel 1733 (Digitalisat). Abcedario Pittorico. In questa ed. corretto e notabilmente di nuove notizie accresciuto da Pietro Guarienti. Venedig 1753 (Digitalisat).
Füssli Im Jahr 1763 publizierte Johann Rudolf Füssli sein einbändiges Allgemeines Künstler-Lexikon. Er ging von einer Übersetzung von Orlandis Abcedario Pittorico in der Ausgabe von 1753 aus und ergänzte und erweiterte diese. Allgemeines Künstler=Lexicon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider, [et]c. [et]c., nebst einem angehängten Verzeichniß der Bildnissen, der in diesem Lexicon enthaltenen Künstler, in alphabetischer Ordnung beschrieben. Heidegger und Compagnie, Zürich 1763 (Digitalisat)
Im Jahr 1779 folgte eine einbändige ergänzte Fortsetzung durch seinen Sohn Hans Heinrich Füssli: Allgemeines Künstlerlexicon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider, [et]c. [et]c. Nebst angehängten Verzeichnissen der Lehrmeister und Schüler; auch der Bildnisse, der in diesem Lexicon enthaltenen Künstler. Orell, Geßner, Füeßlin und Compagnie, Zürich 1779 (Digitalisat). Dieses Werk wurde von Hans Heinrich Füssli von 1806 bis 1821 durch Supplementbände ergänzt:
Allgemeines Künstlerlexicon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider, [et]c. [et]c. : Nebst angehängten Verzeichnissen der Lehrmeister und Schüler; auch der Bildnisse, der in diesem Lexicon enthaltenen Künstler. Erster Theil, neue ganz unveränderte Ausgabe. Erste Abteilung: A – M, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1810 (Digitalisat). Erster Theil, neue ganz unveränderte Ausgabe. Zweite Abteilung: N – Z, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1840 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Erster Abschnitt: A – C, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1806 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Zweyter Abschnitt: D – F, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1806 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Dritter Abschnitt: G – K, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1808 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Vierter Abschnitt: L – M, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1809 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Fünfter Abschnitt: N – Q, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1810 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Sechster Abschnitt: R, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1812 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Siebenter Abschnitt: Sa – Sc, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1813 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Anhang zum siebenten Abschnitt, welcher das Leben Raphael Sanzio's, und die Litteratur von dessen Werken in sich faßt, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1814 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Achter Abschnitt: Se – Sz, Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1814 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Neunter Abschnitt: T, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1814 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Zehnter Abschnitt, erste Hälfte: Va – Vicentino, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1818 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Elfter Abschnitt: W, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1820 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Zwölfter Abschnitt: X. Y. Z, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1821 (Digitalisat).
Kilian Unter dem Namen des Kupferstechers und Verlegers Georg Christoph Kilian (1709–1781) erschien 1797 in Augsburg ein vierbändiges Künstlerlexikon: Allgemeines Künstlerlexikon, oder Lebensbeschreibungen 223 berühmter Künstlern, Mahlern, und Kupferstechern [et]c. [et]c. und Anzeige ihrer Werke [et]c. [et]c. Mit ihren wohlgetroffenen Bildnissen in Contorni gestochen. 4 Bände, Veith, Augsburg 1797 (Digitalisat Band 1; Band 2; Band 3; Band 4).
Es enthält 223 Künstler mit kurzer Lebensbeschreibung und Bildnis in Umrisslinienradierung. Urheber der Porträts ist Georg Christoph Kilian, dieser war beim Druck der Bände jedoch schon sechzehn Jahre tot, der Verfasser der biographischen Texte ist unbekannt.Frigga Föll: Georg Christoph Kilian. In: Annalena Döring, Franz Hefele, Ulrich Pfisterer (Hrsg.): Platz da im Pantheon. Künstler in gedruckten Porträtserien bis 1800 (= Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München. Bd. 45). Passau 2018, S. 512–515 Kat. 120 (Digitalisat).
Nagler Von 1835 bis 1852 verfasste der Nürnberger Antiquar Georg Kaspar Nagler (1801–1866), das Werk von Füssli als Grundlage benutzend, das ursprünglich auf acht Bände geplante, schließlich 22 Bände umfassende Neues Allgemeine Künstler Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. 22 Bände, Verlag E. A. Fleischmann, München 1832–1852 (Digitalisat). 2. Auflage = unveränderter Abdruck der ersten Auflage. 25 Bände. E. Mareis, Linz 1904–1914. 3. Auflage = unveränderter Abdruck der ersten Auflage. 25 Bände. Schwarzenberg & Schumann, Leipzig 1924.
Ab 1858 ergänzte Nagler dieses Werk noch um fünf Bände mit den Monogrammisten. Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben &c. bedient haben. Mit Berücksichtigung von Buchdruckerzeichen, der Stempel von Kunstsammlern, der Stempel der alten Gold- und Silberschmiede, der Majolicafabriken, Porcellan-Manufacturen u.s.w. Nachrichten über Maler, Zeichner, Bildhauer, Architekten, Kupferstecher, Formschneider, Briefmaler, Lithographen, Stempelschneider, Emailleure, Goldschmiede, Niello-, Metall- und Elfenbein-Arbeiter, Graveure, Waffenschmiede u.s.w. Mit den raisonirenden Verzeichnissen der Werke anonymer Meister, deren Zeichen gegeben sind, und der Hinweisung auf die mit Monogrammen oder Initialen bezeichneten Produkte bekannter Künstler … auch Ergänzung … des Neuen allgemeinen Künstler-Lexicons, und Supplement zu den bekannten Werken von A. Bartsch, Robert-Dumesnil, C. le Blanc, F. Brulliot, J. Heller u.s.w. 5 Bände, Georg Franz, München 1858–1879, dazu General-Index G. Hirth, München 1920 (Digitalisat).
Müller / Klunzinger / Seubert