mini|Gemeindeteil Oberding, vom Kraftwerk Aufkirchen aus gesehen mini|St. Johann Baptist in Aufkirchen

Oberding ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Erding.

Geographie Lage Oberding liegt in der Region München mitten im Erdinger Moos zwischen den Flüssen Sempt und Dorfen. Die Ortschaft liegt etwa sechs Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Erding, 17 km südlich von Freising und 36 km von der Landeshauptstadt München entfernt in unmittelbarer Nähe zum Flughafen München.

Gemeindegliederung Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Notzing und Oberding.

Gewässer und Natur Durch die Gemeinde fließen der Mittlere-Isar-Kanal und das Flüsschen Dorfen sowie die Gfällach, alle in etwa in Süd-Nord-Richtung. Es gibt das Naturschutzgebiet Notzingermoos (NSG-00494.01) mit 138,9 ha westlich von Notzing und das Naturschutzgebiet Oberdingermoos (NSG-00492.01) mit einer Größe von 138,6 ha.

Weiteres Für den Bau der Start- und Landebahnen des Münchner Flughafens wurden vor 1992 die Bewohner von Franzheim und teilweise auch von Schwaigermoos umgesiedelt. Ein Großteil des heutigen Flughafengeländes, einschließlich der Terminals, liegt im Gemeindegebiet. Für den geplanten Bau der dritten Start- und Landebahn wäre eine weitere teilweise Abtragung von Schwaigermoos notwendig.

Zur vollständigen Vermessung Bayerns wurde 1801 die „Basislinie Unterföhrung-Aufkirchen“ eingerichtet; einer der beiden Endpunkte bildete die Basispyramide – sie befindet sich in Aufkirchen in der Nähe des Kraftwerks Aufkirchen.

Geschichte Frühgeschichte Aus der frühen Bronzezeit (um 1650 v. Chr.) stammt ein 2014 entdeckter, sorgfältig geborgener und dokumentierter Hortfund (Spangenbarrenhort von Oberding), der 791 standardisierte Spangenbarren aus Kupfer aus dem Salzburger Land und vermutlich auch aus der Slowakei enthält und im Museum Erding ausgestellt ist. Die Mehrzahl dieser Barren war in Gruppen zu 10 mal 10 Bündeln abgelegt worden – einer der frühesten europäischen Hinweise auf die Verwendung eines Dezimalsystems und eines Gewichtssystems.Harald Krause, Sabrina Kutscher u. a.: Europas größter Spangenbarrenhort: Der frühbronzezeitliche Kupferschatz von Oberding. In: Matthias Wemhoff, Michael M. Rind: Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland. Berlin, Petersberg 2018, S. 167 ff.J. Stolz: Erste Nachweise des Dezimalsystems? Der frühbronzezeitliche Spangenbarrenhort von Oberding. In: Restauro. Zeitschrift für Konservierung und Restaurierung, 8. Jahrgang 2017, S. 14–19. Dieser Hinweis auf das Dezimalsystem in der Bronzezeit ist besonders interessant, weil später bis zur Römerzeit in Bayern Kelten siedelten, z. B. im Oppidum von Manching, die mit dem Vigesimalsystem in Zusammenhang gebracht werden, das auf der Grundzahl 20 statt zehn basiert.

Von der ersten Erwähnung bis zur Gemeindegründung Der Ort Dieng (die heutige Gemeinde Oberding) taucht als „villa deoinga“ erstmals in einer Urkunde vom 3. Juli 750 als Ausstellungsort einer Schenkungsurkunde des Baiernherzogs Tassilos III. auf. Der Ort war später Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark des Domkapitels des Hochstifts Freising, die mit dem Hochstift 1803 aufgehoben wurde.

Gemeinde Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Am 1. April 1934 wurde der Ortsteil Mariabrunn an Hallbergmoos abgegeben und 1938 Siglfing an Erding. Am 1. Mai 1978 wurde die Nachbargemeinde Notzing aufgelöst und deren Orte Notzing und Notzingermoos kamen zu Oberding, Goldach kam zu Hallbergmoos.

Einwohnerentwicklung Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickeltBayerisches Landesamt für Statistik: 12111-101z Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinde, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell), Stichtage. Online auf www.statistikdaten.bayern.de, abgerufen am 4. November 2016.:

Jahr Einwohner 1960 2931 1970 3033 1980 2898 1990 3549 1995 4078 2000 4902 2005 5141 Jahr Einwohner 2006 5187 2007 5317 2008 5380 2009 5358 2010 5384 2011 5492 2012 5695 Jahr Einwohner 2013 5838 2014 5975 2015 6151 2016 6187 2017 6325 2018 6485 2019 6714

Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2015 um 3045 Personen erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 98,04 Prozent. In den letzten zehn (fünf) Jahren nahm die Einwohnerzahl um 18,58 (12,00) Prozent zu.

Zwischen 1988 und 2018 erfuhr die Gemeinde nahezu eine Verdoppelung ihrer Einwohnerzahl von 3356 auf 6505 um 3149 Einwohner bzw. um 93,8 %.

Politik Bürgermeister und Gemeinderat Erster Bürgermeister ist Bernhard Mücke (Gemeinsamer Wahlvorschlag CSU und Wählergemeinschaften). Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014CSU 44SPD–1Wählergruppe Aufkirchen 33Wählergemeinschaft Niederding 22Wählergemeinschaft Notzing 33Wählergemeinschaft Notzinger Moos11Wählergemeinschaft Oberding und Oberdingermoos 43Wählergemeinschaft Schwaig/Schwaigermoos33Gesamt2020

Gemeindesteuern Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2021 aufgrund der COVID-19-Pandemie in Deutschland nur rund 21,2 Millionen €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 10,9 Millionen €. Diese vergleichsweise niedrigen Einnahmen sind damit zu erklären, dass durch die Pandemie der Flugverkehr des naheliegenden Flughafen Münchens weitgehend eingeschränkt war. Unter normalen Bedingungen liegen die Gemeindesteuereinnahmen eher um die 30–35 Millionen €. Oberding liegt in der Steuerkraft weit über dem Landesdurchschnitt, die Gemeinde ist schuldenfrei.

Arbeitsplätze In der Gemeinde gab es 2021 insgesamt 13.922 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und damit mehr als Einwohner. Von diesen Stellen waren 20 in der Land- und Forstwirtschaft, 1033 im produzierenden Gewerbe, 4886 im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, 4826 bei übrigen Dienstleistern. Insgesamt gab es 10.777 Einpendler und 2369 Auspendler.

Wappen und Flagge

Neben dem Wappen führt die Gemeinde eine Flagge in den Farben Blau-Weiß-Blau.

Verwaltung Die Gemeinde Oberding ist Mitglied der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft. Das gleichnamige Kirchdorf ist Sitz der Verwaltung von Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaft.

Sehenswürdigkeiten kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist in Aufkirchen, 1725–1730 kath. Pfarrkirche St. Martin in Niederding, 1757–1760 kath. Pfarrkirche St. Korbinian in Schwaig, 1903–1905 kath. Filialkirche St. Georg in Oberding, 1701/1703, Turm aus dem 14. Jahrhundert kath. Filialkirche St. Nikolaus in Notzing, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, Satteldachturm aus dem 13./14. Jahrhundert Schloss Notzing, ehem. Wasserburg, 14. Jahrhundert

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Der zum größten Teil auf Gemarkung der Gemeinde gelegene Flughafen München, der 1992 eröffnet wurde, stellt den bedeutendsten Wirtschaftsfaktor dar. Eine ÖPNV-Anbindung gibt es mit den MVV-Buslinien 511 und 512 sowie mit der Linie 515 im südlichen Gemeindebereich Aufkirchen-Notzing-Notzingermoos.

Im Ortsteil Aufkirchen liegt das Wasserkraftwerk am Mittlere-Isar-Kanal. Entlang des Kanals verlief bis 1967 die zu dessen Bau errichtete Bahnstrecke Altenerding–Pfrombach.

Es gab 2016 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 19, im produzierenden Gewerbe 1180 und im Bereich Handel und Verkehr 6269 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Als übrige Dienstleister waren 3802 Personen beschäftigt.

Bildung Im Jahr 2017 gab es in den Kindergärten und Kinderkrippen (einschl. Schulkindergarten) 357 Kinder.

In der Grund- und Mittelschule Oberding wurden 2018/2019 insgesamt 244 Schüler von 21 hauptamtlichen Lehrkräften unterrichtet, davon in der Grundschule 143 Schüler durch acht Lehrer.

Die Private Montessori-Volksschule Oberding-Aufkirchen hatte im Schuljahr 2019 259 Schüler und mit 17 hauptamtliche Lehrkräfte.

An der Staatlichen Realschule Oberding unterrichteten 2021 29 hauptamtliche Lehrkräfte 415 Schüler.

Weblinks

Gemeinde Oberding

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Erding Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)