miniatur|Schriftstellerlesung 1989, mit Verbandssymbol Der Schriftstellerverband der DDR (1950–1973 Deutscher Schriftstellerverband) war der Dachverband von Schriftstellern in der DDR von 1950 bis 1990. Mitglieder waren schöngeistige Autoren, Literaturkritiker, Herausgeber, Lektoren und Übersetzer sowie Kulturfunktionäre.

Geschichte

Schutzverband Deutscher Autoren 1946–1950

1946 wurde der Schutzverband Deutscher Autoren innerhalb der Gewerkschaft Kunst und Schrifttum gegründet.FDGB-Lexikon, 1990, Abschnitt Gewerkschaft Kunst und Schrifttum Text, mit kurzen Angaben; siehe auch Deutsche Digitale Bibliothek, Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Katalog Kalliope, WorldCat, und weitere; die genauere Geschichte wurde bisher offenbar wenig erforscht Dessen Name war vom einflussreichen Schutzverband deutscher Schriftsteller bis 1933 abgeleitet. Er war organisierte unter anderem den Ersten Deutschen Schriftstellerkongreß 1947 in Berlin. (In der Bundesrepublik bestand ein Regionalverband Nordwest bis etwa 1968 weiter.Schutzverband Deutscher Autoren, in Deutsche Digitale Bibliothek, mit einigen Dokumenten)

Deutscher Schriftstellerverband 1950–1973 miniatur|Tagung des Deutschen Schriftstellerverbandes 1952 Am 4. Juni 1950 wurde der Deutsche Schriftstellerverband in Ost-Berlin gegründet, zunächst als Teil des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Am 22. Mai 1952 konstituierte er sich als eigenständiger Verband.

Der Schriftstellerverband unterstützte seine Mitglieder in ihren beruflichen Aktivitäten. Er organisierte Lesungen, häufig in Betrieben und in öffentlichen Veranstaltungen, außerdem Tagungen, Schriftstellertreffen auch mit Autoren anderer sozialistischer Länder und weiteres.

Der Deutsche Schriftstellerverband war eng mit der Parteiführung der SED verbunden und wirkte auf seine Mitglieder besonders in den ersten Jahren ein, die vorgegebenen Richtlinien des sozialistischen Realismus in der Literatur in Inhalt und Form umzusetzen.

Er äußerte sich ablehnend zum Aufstand vom 17. Juni 1953 und befürwortete die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes 1956, den Mauerbau 1961.

Schriftstellerverband der DDR 1973–1990

Im November 1973 wurde er in Schriftstellerverband der DDR umbenannt. Die Ausbürgerungen der Schriftsteller Alexander Solschenizyn 1974 aus der Sowjetunion und von Wolf Biermann 1976 aus der DDR wurden begrüßt, Schriftsteller, die dagegen protestierten, wurden aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.Hans-Jürgen Schmitt: Literaturbetrieb als Staatsmonopol. In: ders. (Hrsg.): Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 11 (Die Literatur der DDR), dtv, München 1983, ISBN 3-423-04353-9, S. 45–77 (hier: S. 53 f.).

Zum VIII. Schriftstellerkongress im Mai 1978 wurden einige weitere Verbandsmitglieder nicht mehr eingeladen, denen vorgehalten wurde, dass es ihnen an „Verbundenheit … mit der Partei der Arbeiterklasse“ mangele. Der neue Verbandspräsident Hermann Kant begründete dies: „Einige kommen mit vielen nicht zurecht.“Sibylle Wirsing: Die Macht und das Maß. Der VIII. Schriftstellerkongress der DDR. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Juni 1978, S. 23. Seit dieser Zeit waren fast ausschließlich linientreue Schriftsteller Mitglieder des Präsidiums.

Seit Mitte der 1980er Jahre äußerte sich der Unmut vieler Mitglieder wegen nötiger Reformen deutlicher. Auf dem X. Schriftstellerkongreß der DDR 1987 übten Günter de Bruyn, Christoph Hein und andere teilweise deutliche Kritik an der Zensur und weiteren Missständen.

Veränderungen und Auflösung 1990

Auf dem Außerordentlichen Schriftstellerkongress im März 1990 sollte ein Neuanfang gemacht und notwendige Umstrukturierungen vorgenommen werden. Rainer Kirsch wurde überraschenderweise zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Verband nach einer Mitgliederbefragung im Umlaufverfahren im November 1990 wieder in Deutscher Schriftstellerverband (DSV) rückwirgend ab 3. Oktober 1990 umbenannt.Rundschreiben an alle Mitglieder des Schriftstellerverbandes vom 27. November 1990. Auf seiner letzten Sitzung am 27. November beschloss der Vorstand, die Tätigkeit des Verbandes zum 31. Dezember 1990 einzustellen.

Strukturen Der Schriftstellerverband der DDR war nach dem Vorbild des Schriftstellerverbandes der UdSSR gestaltet (und enthielt auch Elemente der Autorenüberwachung der NS-Zeit durch die Reichsschrifttumskammer).

Er gliederte sich in 15 Bezirksverbände und in die Gruppe der sorbischen Autoren. Die Rechtsaufsicht unterlag dem Ministerium für Kultur, die politische Anleitung dem ZK der SED. Die sogenannte „Absicherung der Linie Schriftsteller“ wurden vom Ministerium für Staatssicherheit übernommen. Wie alle Künstlerverbände der DDR wurde der Schriftstellerverband aus dem Staatshaushalt (Ministerium für Kultur) finanziert, im Jahre 1989 erhielt er 2,5 Millionen Mark.

Mitgliedschaft Mitglieder konnten Verfasser „schöngeistiger Werke aller Genres“, Übersetzer, Herausgeber, Literaturkritiker, Essayisten, Literaturwissenschaftler und solche Personen werden, die sich „in besonderer Weise um die Förderung der Literatur verdient gemacht“ hatten (Kulturfunktionäre oder politische Mitarbeiter aus der Leitung des Verbandes).

Voraussetzung der Aufnahme war eine Bestätigung als Kandidat. Für eine Kandidatur waren neben der Fürsprache zweier Mitglieder als Bürgen der Nachweis schriftstellerischer Tätigkeit und bereits vorliegende Veröffentlichungen belletristischer oder lyrischer Art notwendig. Allgemein waren dafür zwei belletristische oder lyrische Publikationen erforderlich. Nach Abschaffung des Kandidatenstatus in den 1950er Jahren und nach zeitweiliger Delegierung der Nachwuchsarbeit an die Arbeitsgemeinschaften Junger Autoren AJA wurde 1974 der Kandidatenstatus erneut eingeführt.

„Ohne Einverständnis des MfS wurde nach 1976 weder ein Kandidat bestätigt noch als Mitglied in den Verband aufgenommen. Delegierungen zum Studium am Literaturinstitut Leipzig unterlagen nach 1976 ebenfalls dieser Praxis.“

Aufgaben und Pflichten regelte ein Statut, das die Mitglieder zur „Schaffensmethode des sozialistischen Realismus“ verpflichtete und die Anerkennung der „führenden Rolle der Arbeiterklasse und ihrer Partei“ verlangte.

1989 hatte der Schriftstellerverband der DDR 931 Mitglieder und 118 Kandidaten in den 15 Bezirksverbänden.

Leitungsstrukturen Höchstes Organ waren die Schriftstellerkongresse, die auf Beschluss des Vorstandes etwa alle vier Jahre tagten. Leitungsorgane waren das Präsidium, das vierteljährlich zusammentrat, und der Vorstand, der in der Regel monatlich tagte. Die Mitglieder des Vorstands wurden (nach vorheriger Bestätigung durch das ZK der SED) auf den Schriftstellerkongressen gewählt. Dem Vorstand gehörten auch die Vorsitzenden der Bezirksverbände und die Sekretäre des Verbandes an. Aus dem Vorstand wurde der Präsident, die Vizepräsidenten und das Präsidium gewählt. Auch der Chefredakteur der Verbandszeitschrift neue deutsche literatur und die Sekretäre des Verbandes waren Mitglieder des Präsidiums.

Der Vorstand des Schriftstellerverbands wurde auf den Schriftstellerkongressen gewählt. Ihm gehörten die Vorsitzenden der 16 Bezirksverbände (15 Bezirke sowie der separate Sorbische Arbeitskreis Bautzen) und eine große Zahl weiterer Autoren an (der 1978 gewählte Vorstand umfasste über 100 Mitglieder).

Die realen Entscheidungsbefugnisse lagen allerdings beim Präsidium des Vorstands und dort speziell beim Präsidenten und dem Ersten Sekretär, in geringerem Maße bei den fünf Vizepräsidenten.

Abteilungen Abteilungen waren Teil des Verwaltungs- und Organisationsapparats des Schriftstellerverbandes und zugleich administratives Instrument des Verbandes. Abteilungen des Verbandes unterstützen die Arbeit der ehrenamtlich wirkenden Kommissionen, des Vorstands, des Präsidiums und die Arbeit des Präsidenten. Sie holten Informationen ein (von den Bezirksverbänden, den zuständigen Ministerien oder beim ZK der SED), erarbeiteten Analysen und bereiteten Beschlussfassungen vor. Eine zweite wichtige Aufgabe von Abteilungen bestand in der Umsetzung von Beschlüssen der Kommissionen, des Vorstandes und des Präsidiums. Abteilungen waren mit hauptamtlichen Mitarbeitern besetzt, die der Anleitung von Sekretären unterstanden; verantwortlich und rechenschaftspflichtig für die Arbeit der Abteilungen war der Erste Sekretär. Sekretäre des Schriftstellerverbands waren politische Mitarbeiter, unterlagen dem Nomenklaturkadersystem der DDR und waren gegenüber dem ZK der SED bestätigungs- und berichtspflichtig.

Der Verband verfügte über folgende Abteilungen: Abteilung Internationale Beziehungen (Auslandsabteilung) hervorgegangen aus der Westabteilung (Abteilung für Westarbeit) Abteilung Organisation und Finanzen Abteilung Sozialpolitik/Kader Literaturabteilung Nachwuchsabteilung (hervorgegangen aus der Abteilung Nachwuchs und Auftragswesen)

Die Aufgaben einer Kader- bzw. Personalabteilung unterlagen dem Ersten Sekretär des DSV/SV.

Kommissionen Kommissionen wurden nach Bedarf vom Zentralvorstand eingesetzt, ihre Einsetzung und Aufgaben unterlagen der Bestätigung durch einen Schriftstellerkongress. Die Mitglieder wurden berufen, in der Regel nach Rücksprache mit dem ZK der SED. Die Arbeit in Kommissionen war ehrenamtlich. Sekretäre des DSV/SV (Leiter der Abteilungen) waren je nach Sachgebiet automatisch kooptiert und hatten innerhalb der Kommission Stimmrecht. Beschlüsse der Kommissionen wurden zur Umsetzung an die jeweiligen Abteilung des DSV/SV überstellt; Kommissionen waren daher ein wichtiges Gremium für die interne Arbeit des DSV/SV. Die Arbeit von Kommissionen erstreckte sich in der Regel auf den Zeitraum zwischen zwei Schriftstellerkongressen, konnte aber durch Beschluss des Kongresses verlängert werden.

Im Jahr 1987 bestanden folgende Kommissionen: Auftrags- und Stipendienkommission Kommission für Internationale Beziehungen Nachwuchskommission Rechtskommission (hervorgegangen aus der Rechts- und Berufskommission) Solidaritätskommission Sozialkommission (auch Sozialpolitische Kommission genannt) Statutenkommission (die bei Bedarf eingesetzt wurde)

Mitglieder Präsidenten Bodo Uhse (1950–1952), Erster Vorsitzender des DSV innerhalb des Kulturbundes Anna Seghers (1952–1978), Präsidentin mit Gründung des DSV als eigenständige Institution, seit 1978 Ehrenpräsidentin Hermann Kant (1978–1990) Rainer Kirsch (1990)

Vizepräsidenten seit 1969 Jurij Brězan (1969–1989) Hermann Kant (1969–1978) Fritz Selbmann (1969–1975) Max Walter Schulz (1969–1989) Erwin Strittmatter (1969–1978) Gerhard Holtz-Baumert (1978–1989) Rainer Kerndl (1978–1989) Joachim Nowotny (1978–1989) Joachim Walther (1990)

Erste Sekretäre Walther Victor (1950–1952), geschäftsführender Vorsitzender des DSV im Kulturbund Kurt Barthel (Kuba) (1952–1954) Gustav Just (1954–1955) Eduard Claudius (1956) Max Zimmering (1956–1958) Erwin Strittmatter (1959–1961) Otto Braun (1961–1963) Hans Koch (1963–1966) Gerhard Henniger (1966–1990) Dirk von Kügelgen (1990, als Geschäftsführer)

Weitere Mitglieder des Präsidiums Dem Präsidium gehörten zeitweise bis zu 100 Mitglieder (1978) an. Weitere Mitglieder waren unter anderen Helmut Sakowski, Kurt Stern, Horst Beseler, Günter Görlich, Irmtraud Morgner, Rudi Strahl, Hans Weber, Walter Flegel, Herbert Otto, Rosemarie Schuder, Volker Braun, John Erpenbeck, Klaus Jarmatz, Waldtraut Lewin und Maria Seidemann; ebenso die Chefredakteure der Verbandszeitschrift ndl Werner Neubert und Walter Nowojski.

Ausgeschlossene und ausgetretene Mitglieder