mini|hochkant=1.35|Ortskern von Bockhorn (2013) mini|hochkant=1.35|Eschlbach von Süden
Bockhorn (bairisch Bocking) ist eine Gemeinde im Zentrum des oberbayerischen Landkreises Erding. Sie entstand 1972 durch den freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Bockhorn, Eschlbach, Grünbach und Salmannskirchen.
Geografie
Der gleichnamige Hauptort ist ein Pfarrdorf. Er liegt in der Region München am östlichen Rand des Erdinger Mooses sieben Kilometer östlich der Kreisstadt Erding, 15 km nordwestlich von Dorfen, 24 km südlich von Moosburg an der Isar und etwa 20 km östlich vom Flughafen München.
Die Strogen gliedert die Gemeinde geologisch: Der westliche Teil ist flach (Rand der Münchner Schotterebene), der östliche Bereich besteht aus tertiärem Hügelland (Erdinger Holzland).
Gemeindegliederung
Es gibt 49 Gemeindeteile: Aurlfing, Bergarn, Bernau, Bockhorn (Kernort), Breitasch, Deimling, Emling, Englpolding, Eschlbach, Ferteln, Flanning, Graß, Grünbach, Gugging, Hammerthal, Haselbach, Hecken, Heiderl, Hörgersberg, Hubberg, Hundshof, Kinzlbach, Kirchasch, Köhl, Kölling, Kreut, Kreuthäusl, Loh, Maierklopfen, Mauggen, Neukirchen, Neumauggen, Obermailling, Oberstrogn, Oppolding, Papferding, Polzing, Reisach, Riedersheim, Salmannskirchen, Schwabelsöd, Schwarzhölzl, Tankham, Thal, Übermiething, Untermailling, Unterstrogn, Wiesthof, Windham
Es gibt die Gemarkungen Bockhorn, Eschlbach, Grünbach, Matzbach (nur Gemarkungsteil 0) und Salmannskirchen.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Bedingt durch den Wasserreichtum und sehr fruchtbare Böden kann für das Gemeindegebiet von Bockhorn mit Besiedlung spätestens seit dem Jungneolithikum (4500 v. Chr.) ausgegangen werden. Archäologisch nachgewiesen ist eine Vielzahl von Siedlungen, die von der Münchshöfener Kultur über die bis in die Keltenzeit reichen. Unmittelbar am südlichen Ortsrand von Bockhorn befinden sich die Reste einer Siedlung der Bronzezeit.
Um 500 v. Chr. war das Gemeindegebiet von den Kelten besiedelt; bei Papferding befinden sich die eingeebneten Reste einer Viereckschanze. Um 15 v. Chr. dehnte Rom seinen Herrschaftsbereich bis zur Donau auf die Provinz Raetien aus und die Kelten verloren ihre Selbständigkeit. Im 6. Jahrhundert setzte nach dem Ende der Völkerwanderung erneut Siedlertätigkeit ein; auf frühe Siedlungen der Bajuwaren weisen Orte mit der Endung -ing hin (Emling, Flanning, Englpolding, Oppolding, Papferding, Polzing). Im Jahre 776 kam Strogen mit Kirche in den Besitz von Freising. Im Jahre 816 tauchte erstmals der Name Grünbach auf, als der Mönch Liutto seinen Grundbesitz in „Croninpach“ dem Hochstift Freising schenkte. 926 ist der Name Bockhorn in der Schreibweise „Paccharun“ nachweisbar; der Name bedeutet „Leute am Bach“. 1053 wurde Mauggen als „Muchun“ erstmals in einer Übertragungsurkunde eines Gutes an Freising erwähnt. 1156 erschien der Name „Eschlbach“ in den Traditionen des Hochstifts Freising. 1200 wurde in Grünbach mit dem Bau der Burg Grünbach begonnen. 1315 ist Bockhorn (Schreibweise nun „Pachorn“) mit den Filialen Kirchasch, Hecken, Salmannskirchen, Grünbach und Tankham als Pfarrei aufgeführt. 1581 wurde in Grünbach mit dem Bau des noch bestehenden Schlosses Grünbach begonnen.
19. Jahrhundert Die 1809 gebildete Gemeinde Bockhorn mit den Teilorten Aurlfing, Bergarn, Deimling, Emling, Haselbach, Hecken, Heiderl, Reisach, Riedersheim und Strogn (1752 noch „Strogn“, Unterscheidung von Ober- und Unterstrogn ab 1815) erhielt 1818 mit dem Zweiten Gemeindeedikt Selbstverwaltungsrechte. 20. und 21. Jahrhundert 1920 und 1942 gab es große Überschwemmungen durch die Strogen. Im Jahr 1972 wurde im Gemeindeteil Grünbach mit dem Bau des Golfplatzes (Golfclub Erding-Grünbach) begonnen (1978 erweitert) und im Schloss Grünbach das Bundesinstitut für Pflanzengenetik eingerichtet (bis 1999). 2002 wurde das neue Rathaus von Bockhorn eröffnet.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Bockhorn, Eschlbach, Grünbach und Salmannskirchen zur neuen Gemeinde Bockhorn zusammengelegt. Am 1. Mai 1978 kamen Ober- und Untermailing sowie Polzing im Südosten von der aufgelösten Gemeinde Matzbach dazu.
mini|center|Panorama von Bockhorn|800x800px Einwohnerentwicklung Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickelt:Bayerisches Landesamt für Statistik: 12111-101z Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinde, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell), Stichtage. Online auf www.statistikdaten.bayern.de. Abgerufen am 19. August 2016
Jahr 1960 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 2331 2309 2485 2704 2956 3153 3447 3542 3720 4144
Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2016 um 1511 erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 65,92 Prozent. In den letzten zehn (fünf) Jahren wuchs die Einwohnerzahl um 63,15 (20,62) Prozent.
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2636 auf 4005 um 1369 Einwohner bzw. um 51,9 Prozent.
Politik Gemeinderat Dem Gemeinderat von Bockhorn gehören 16 Personen an. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 kam folgendes Ergebnis zustande: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wählergemeinschaft Bockhorn 36,71 % 6 CSU / Unabhängige Bürger 28,20 % 4 Bürgerliste Kirchasch mit Umgebung 17,89 % 3 Grünbacher Liste 13,82 % 2 AfD 3,39 % 1 Die Wahlbeteiligung lag bei 74,72 Prozent.
Bürgermeister Hans Schreiner (FWG) war von 2002 bis Ende April 2020 Erster Bürgermeister. Bei der Bürgermeisterwahl 2020, bei der Hans Schreiner nicht mehr kandidierte, wurde Lorenz Angermaier (Freie Wählergemeinschaft Bockhorn/Bürgerliste Kirchasch mit Umgebung) mit 65,79 % der gültigen Stimmen gewählt. Er konnte sich damit gegen zwei Mitbewerber durchsetzen, die 22,38 % und 11,83 % erreichten.
Wappen
Die Gemeindeflagge hat die Farben Weiß-Rot.
Gemeindefinanzen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2020 4,242 Millionen Euro, davon waren 955.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).
Gemeindepartnerschaft Magnac-sur-Touvre, Département Charente, Frankreich, seit 2008
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler mini|Ehemaliger Pfarrhof, 1775 mini|Katholische Pfarrkirche Mariae Heimsuchung, 1712
Bockhorn: Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, barocke Saalkirche, ab 1712 durch den Erdinger Stadtmaurermeister Anton Kogler erbaut, Turmoberbau mit Spindelhelm durch dessen Nachfolger Johann Baptist Lethner errichtet, Kirchasch: Filialkirche St. Martin, Saalbau mit Zwiebelturm von Johann Baptist Lethner (um 1760), Teile des Seitenschiffs aus dem 14. Jahrhundert, Eschlbach: Pfarrkirche St. Mariä Geburt (1679), reiche Rokoko-Ausstattung um 1765, Grünbach: Filialkirche St. Andreas (1669), Grünbach: Schloss (1794–1847) Haselbach: Filialkirche St. Johannes der Täufer (um 1200), Hecken: Filialkirche St. Margaretha, 1754/55 durch Johann Baptist Lethner erbaut, Oppolding: Filialkirche St. Johannes der Täufer, 1764 durch Johann Baptist Lethner erbaut, mit reizvoller Rokoko-Ausstattung, Salmannskirchen, Filialkirche St. Oswald, 1751 durch Johann Baptist Lethner erbaut
Bodendenkmäler
Im Gemeindegebiet gibt es 15 Grabhügel an neun Fundstellen bei Untermailling, Hubberg, Eschlbach, Riedersheim und Bockhorn. Dort befindet sich innerhalb weniger Kilometer die höchste Dichte an Grabhügeln aus der Zeit zwischen 1600 und 1300 v. Chr. im Landkreis. Grabhügel bei Bockhorn, Grabhügel D 1-7638-0002
Wirtschaft und Infrastruktur Im Jahr 2023 gab es 1980 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 20 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort.
+ Betriebsgrößenstruktur in der Landwirtschaft Betriebsgröße in ha Anzahl der Betriebe 2010 2020 unter 5 7 3 5 bis unter 10 9 9 10 bis unter 20 25 30 20 bis unter 50 46 36 50 oder mehr 22 21 Gesamt 109 99
Verkehr Durch die Gemeinde führen die Bundesstraße 388 und die Staatsstraße 2084. Eine ÖPNV-Anbindung besteht durch Buslinien des MVV. Die Bahnstrecke München–Simbach tangiert die Gemeinde im Süden, der nächste Haltepunkt ist in Walpertskirchen.
Bildung Kindergärten für 112 Kinder (1999) Grundschule für 157 Schüler (2008)
Persönlichkeiten
Max Hoferer (1852–1935), Gymnasialdirektor, Autor Franz Paul Hoferer (1854–1939), Arzt Anton Hacker (1879–1942), Ingenieur und Bremer Hafenbaudirektor Karl Lenz (* 1955 in Unterstrogn), Soziologe und Hochschullehrer
Weblinks
Gemeinde Bockhorn
Bilder der Sehenswürdigkeiten
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Erding
Kategorie:Ersterwähnung 926 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)