Die Rua Guaicurus in Belo Horizonte ist einer der bekanntesten Rotlichtbezirke in Brasilien.
Name Rua Guaicurus lautet übersetzt „Straße der Guaycurús“, wobei die Guaycurús ein indigenes Volk sind, das aus Paraguay in das Gebiet, zu dem heute Belo Horizonte gehört, zugewandert sind. Mit Guaycurú bezeichnet man auch die Guaycurú-Sprache oder Sprache der Sprachgruppe Mataco-Guaycurú-Sprachen.
Lage Die Rua Guaicurus befindet sich im Zentrum Belo Horizontes, Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, einer Metropole mit über zwei Millionen Einwohnern. Sie befindet sich zwischen dem Bahnhof und dem Busbahnhof, den auch die zahlreichen Fernbusse anlaufen.
Geschichte Als Belo Horizonte von 1894 bis 1897 konstruiert und erbaut wurde, folgte man den Beispielen wie Paris oder Washington, indem man nicht nur systematisch rechtwinklige Straßennetze mit einigen Diagonalen entwarf, sondern auch jeder Straße ihren Zweck zuwies. Die Rua Guaicurus barg daher zunächst kleine Betriebe mit industrieller Fertigung. Sie stellte außerdem die Verbindung Bahnhof über den Busbahnhof und seinen Vorplatz zum Stadtteil Lagoinha her, in dem sich die Vergnügungsstätten befanden. Mit der Zeit siedelten sich auch andere Betriebe an, dazu kamen Getreidegeschäfte syrischer Einwanderer, die hauptsächlich in diesem Teil der Stadt siedelten.Rua dos Guaicurus: Patrimônio, memória e apagamentos sociais (Rua Guaicurus: Soziales Erbe, Erinnerung und Vergessen), Download auf academia.edu, abgerufen am 29. Oktober 2024
Da der das Zentrum umgebende Fluss Arrudas häufig über die Ufer trat, wechselten die Betriebe in höher gelegene Regionen, und an ihre Stelle traten Bars und Kabarette mit Angeboten für Männer aus den unterschiedlichen sozialen Schichten. Die eleganteren Einrichtungen boten Live-Musik und aus Europa importierte Prostituierte, die einfacheren nahmen mit einheimischen Mädchen vorlieb. Das berühmteste Kabarett nannte sich Palácio (Palast) und unterhielt ein eigenes Radioprogramm unter Leitung eines künstlerischen Direktors. Viele Prostituierte arbeiteten hier im Höhepunkt ihrer Karriere und endeten später im „Curral das Éguas“ (Stutenkoppel oder Stutenstall), einem Bordell, das nur dem Namen nach Kabarett war, in Wahrheit aber lediglich in dunklen, heruntergekommenen Zimmern die Frauen anbot, die aufgrund von Alter, Drogenmissbrauch oder Krankheit in anderen Einrichtungen nicht mehr geduldet waren. Im Laufe der Zeit verschwanden die eleganten Häuser und die Rua Guaicurus einschließlich der angrenzenden Teile der Rua Sao Paulo wurde eine Zone für einfache Prostituierte, in der die zuletzt beschriebene Art der Häuser zur Regel wurde.Mais de 2.000 mulheres serão afetadas (Mehr als 2000 Frauen sind betroffen)Luciana Teixeira de Andrade e Alexandre Eustáquio Teixeira: A territorialidade da prostituição em Belo Horizonte (Die Zone der Prostitution in Belo Horizonte), S.141ss e 148ss
Die Rua Guaicurus ist Sitz der Organisation Aprosmig (Associação das Prostitutas de Minas Gerais, auf Deutsch: Organisation der Prostituierten in Minas Gerais),Christina Camargo: . Am 16. August 2016 auf fundodireitoshumanos.org.br, abgerufen am 7. November 2018 die unter anderem dadurch bekannt wurde, dass sie die jährlichen Schönheitswettbewerbe „Miss Prostituierte“ austrägtGlobo: Miss Prostituta 2014, den Prostituierten vor der Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien auf die Bedürfnisse der Frauen zugeschnittene Englischkurse angeboten hatSüddeutsche Zeitung: Gratis-Englischkurse für ProstituiertePreparing millions of Prostitutes for the World CupProstituierte in Belo Horizonte erhalten kostenlos Englischunterricht um sich auf die Fußballweltmeisterschaft vorzubereiten (portugiesisch), den Prostituierten, selbst denen, die auf der Straße arbeiten, die Möglichkeit verschafft hat, auch bargeldlos zu kassieren und ein kleines Sexmuseum unterhält. Die Aprosmig verteidigt die Laufhäuser gegen Anfeindungen einiger Politiker, die diese schließen wollen, und streicht heraus, dass die Häuser den Frauen die Möglichkeit geben, geschützt vor Zuhältern und Gewalt zu arbeiten.Museu do Sexo conta as histórias das prostitutas da Guaicurus, em BHHomepage des Sexmuseums oder Museums der ProstituiertenHoje em dia: Esperança para a Rua Guaicurus (Hoffnung für die Rua Guaicurus)
Trivia Die berühmteste Prostituierte der Rua Guaicurus soll Hilda Furacão in den 1960er Jahren gewesen sein, die im gleichnamigen Buch von Roberto Drummond dargestellt wurde.Auf Englisch: Hilda Hurricane Andere Prostituierte, die zeitweilig dort gearbeitet haben, sind die brasilianischen Schriftstellerinnen und Aktivistinnen Gabriela Leite und Petala Parreira.
Einzelnachweise
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